Guten Abend,
es fällt mir schwer hier zu schreiben, da ich nicht so genau weiss, was ich eigentlich fragen will und ebenso wenig weiss, wohin dieser Beitrag nun gehört. Eigentlich könnte ich viele Seiten schreiben, aber das wäre wohl nicht zielführend, um hier einfach meine Frage zu stellen. Am besten lege ich einfach mal los.
Ich habe mich vor kurzem von meinem Partner getrennt und bin nun dabei das Geschehene zu verarbeiten.
Die Beziehung war stark geprägt von emotionaler Gewalt, was mir erst in den letzten Monaten bewusst geworden ist. Mein Ex hat es immer wieder auf sehr diffizile Weise geschafft, mich zu manipulieren.
Als wir und kennenlernten war ich 20, hatte gerade meine Ausbildung angefangen und war damit unzufrieden. Er war derjenige, der vorgab sich mit allem auszukennen, er gab mir Ratschläge, wusste alles, konnte alles und so war ich natürlich gleich fasziniert von diesem Mann, der mir endlich eine Richtung vorgab. Durch seine Intervention habe ich vieles in meinem Leben geändert: die Ausbildung abgebrochen, Kontakte zu Freunden schleifen lassen, den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen ... es war wie "Wir sind die Guten, alle anderen sind schlecht".
Erst Jahre später fing die Fassade an zu bröckeln und mir wurde klar, dass der Mann, dem ich jahrelang seine Allwissenheit geglaubt hatte, selbst nur ein enorm frustriertes und unerfolgreiches Leben führt.
Obwohl ich mittlerweile glaube, dass ich ihn nie geliebt habe, habe ich mich immer wieder beeinflussen lassen. Er hat mir immer vorgespielt, dass er mich auf Händen trägt, dabei hat er nicht einmal nachgefragt was ich eigentlich will. Wenn ich selbst Konflikte auf den Tisch gebracht habe, hat er es so gedreht, dass es ein Angriff gegen ihn war.
Ich möchte gar nicht zu viel aus der Beziehung erzählen, aber ich frage mich immer wieder, wie es überhaupt passieren konnte, dass ich in diese Beziehung hineingerutscht bin. Einige Punkte dazu habe ich oben schon genannt: ich war jung, unsicher, er gab mir Halt, aber es ist mir unbegreiflich, warum ich nicht spätestens dann gegangen bin, als mir klar war, dass ich ihn nicht liebe. Stattdessen habe ich mich weiter untergeordnet und meine eigenen Wünsche stets zurückgestellt. Dabei bin ich eine starke Frau, lasse mir ungern etwas sagen.
Kann mir jemand erklären, warum das passiert und auch, wie ich es in Zukunft verhindern kann?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 16
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17.10.2011, 00:07
Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
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17.10.2011, 00:09Inaktiver User
AW: Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
tue dir etwas gutes und versuche das mit hilfe einer fachfrau sprich psychotherapie aufzuarbeiten.
bitte.
liebe grüsse von einer, die das hinter sich halt.
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17.10.2011, 08:59
AW: Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
Liebe Vilde,
dem Rat von brighid schließe ich mich ausdrücklich an.
Auch ich habe so etwas hinter mir und kann gut nachfühlen, wie es dir geht.
Herzliche Grüße
S.Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.
(M. Claudius)
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17.10.2011, 09:50Inaktiver User
AW: Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
Für mich hört sich das hier zu einseitig an. Er war der Böse und Manipulierende und Du bist ja nur reingeschliddert. Ich denke auch, Du solltest das mal unter fachlicher Aufmerksamkeit aufdröseln, was da genau abgelaufen ist und warum die Beziehung mit Dir so laufen konnte.
Ein Forum kann diese Klärung nicht leisten.
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17.10.2011, 10:23Inaktiver User
AW: Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
Meist ist es so, dass man sich jemanden sucht der einen so behandelt wie man es als Kind und Jugendliche schon erfahren hatte.
Mit dieser Prägung geht man dann hinaus in die Welt, glaubt eigenständig zu sein und schlittert dann genau in das was man eigentlich gar nicht haben wollte.
sieh obenEinige Punkte dazu habe ich oben schon genannt: ich war jung, unsicher, er gab mir Halt, aber es ist mir unbegreiflich, warum ich nicht spätestens dann gegangen bin, als mir klar war, dass ich ihn nicht liebe.
Das passt nicht, weder zu dem was Du schreibst noch wie Du Dich verhalten hast.Stattdessen habe ich mich weiter untergeordnet und meine eigenen Wünsche stets zurückgestellt.
Dabei bin ich eine starke Frau, lasse mir ungern etwas sagen.
Ich mein das nicht bös aber alleine, dass Du meinst eine starke Frau würde ausmachen, dass sie sich nix sagen lässt zeigt, dass Dein Wertekanon und Deine Vorstellung von Frau stark verschoben wurden.
Sich etwas "sagen zu lassen" hat nichts mit Stärke oder Schwäche zu tun, entscheidend ist wie man mit dem ganzen umgeht und das ist dann Stärke.
Salopp könnte ich auch behaupten Du bist ne Zicke, der man nix recht machen kann. (nur als Beispiel für eine andere Wahrnehmung gedacht, ich halte Dich nicht für eine Zicke)
Dazu müsste man mehr wissen, aber nur als Beispiel:Kann mir jemand erklären, warum das passiert und auch, wie ich es in Zukunft verhindern kann?
Wenn man als Kind gelernt hat, dass man Liebe nur durch Leistung bekommt oder durch Duckmausverhalten oder wenn man immer wieder als blöd und dumm hingestellt wurde, dann hat es natürlich ein Mann leicht wenn er für Dich quasi die Erlöserfigur darstellt, der auch alles weiss und Dir eine Richtung gibt, die Du eigentlich Dir selbst vorgeben müsstest.
In Zukunft kannst Du das nur verhindern wenn Du Dir mehr bewusst wirst und auch Deine eigenen Lügengeschichten (Starke Frau) nicht mehr glaubst. Und ich bin da auch bei Uli-F, ich würde mir jemanden suchen bei dem ich diese Beziehung genau beleuchten würde welche Mechanismen bei Dir da gegriffen haben und woher die kommen und wie Du damit umgehen kannst.
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17.10.2011, 11:41Inaktiver User
AW: Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
Mir fällt dazu eine Stelle aus dem Buch "Montauk" von Max Frisch ein. Seine wesentlich jüngere Frau hat ihm Vorwürfe gemacht. Und er nimmt (nicht ohne eine gewisse Hinterlistigkeit) die Schuld auf sich. Sein Grund: Wie sehr muss er sich als Abgott und Alleswisser dargestellt haben, damit eine intelligente Frau auf die Idee kommen kann, der Mann sei für ihre Selbstverwirklichung zuständig.
So ungefähr aus meiner Erinnerung.
Den entscheidenden Punkt hast du doch schon genannt: Du warst jung und formbar.
Es hat ja auch Vorteile, wenn immer der andere die Verantwortung trägt und "schuld" ist. Dafür nimmt manche Frau viel in Kauf.
Wie lange ward ihr zusammen? Es klingt nach vielen Jahren.
Und viele Jahre davon warst du begeistert von ihm und hast ihm vertraut? Da waren keine Zweifel? Und jetzt siehst du die Seite, die bisher im Schatten lag, im grellen Licht. Irgendwann wird sich deine Einschätzung deiner Geschichte auch wieder etwas auspendeln und du siehst auch wieder ein paar gute Anteile. (Hoffentlich.) Dann wirst du auch besser verstehen, wie es dazu kommen konnte.
Sicher wäre es gut, sich fachkundige Unterstützung zu holen.Geändert von Inaktiver User (17.10.2011 um 11:47 Uhr) Grund: Tippfehler
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18.10.2011, 02:04
AW: Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
Hallo,
vielen Dank für eure Antworten.
Ich habe bereits 2,5 Jahre Psychotherapie hinter mir, die mir erst gezeigt hat, wo meine Probleme liegen. Sie hat mich persönlich meilenweit voran gebracht und ich bin nun an einem Punkt angelangt, an dem ich selbst einfach mal für mich arbeiten möchte. Ich hoffe das kann man irgendwie verstehen, ich will damit auch nicht ausschließen, dass ich in einiger Zeit noch einmal professionelle Hilfe suche.
Ich denke, das war einfach missverständlich formuliert, die "starke Frau" trifft vielleicht nicht das, was ich eigentlich sagen wollte.
Es gab einfach große Unterschiede zwischen meinem Verhalten daheim, meinem Partner gegenüber und meinem Verhalten draußen, besonders bei der Arbeit.
Ich vertrete vor 20 Kollegen locker meine Meinung, kann gut argumentieren, auch wenn ich Gegenwind bekomme. Gegenüber meinem Ex habe ich hingegen immer kapituliert, sobald er andere Ansichten hatte: ganz plötzlich waren alle Argumente vergessen und ich war unzufrieden.
Das Problem bei mir war, dass er die Verantwortung niemals wirklich getragen hat. Wenn etwas schief ging, war eben diese Schuld bei mir. Lieblingsspruch: "Ich habe dich ja nicht dazu gezwungen das so zu machen".
Und genau das macht die Situation noch viel bizarrer, denn in den schlimmsten Zeiten war ich fremdbestimmt und musste gleichzeitig alle Konsequenzen voll und ganz tragen.
Wir waren fast 7 Jahre zusammen. Ich denke etwas 3-4 Jahre war ich 100% überzeugt, danach kamen Zweifel. Das letzte Jahr war geprägt von meinem immer stärker werdenden Hass und seinen letzten Versuchen, mich doch noch zu überzeugen.Wie lange ward ihr zusammen? Es klingt nach vielen Jahren.
Und viele Jahre davon warst du begeistert von ihm und hast ihm vertraut? Da waren keine Zweifel? Und jetzt siehst du die Seite, die bisher im Schatten lag, im grellen Licht. Irgendwann wird sich deine Einschätzung deiner Geschichte auch wieder etwas auspendeln und du siehst auch wieder ein paar gute Anteile. (Hoffentlich.) Dann wirst du auch besser verstehen, wie es dazu kommen konnte.
"Gutes" sehe ich momentan fast gar nicht. Sicher, es sind alles Erfahrungen, es hat mich charakterlich geprägt, aber ich habe auch so sehr gelitten, dass ich mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen kann, noch einmal eine so enge Beziehung mit einem Mann zu führen.
Das mag sich langfristig wieder ändern, aber momentan steht der Wunsch im Vordergrund, möglichst wenig Abhängigkeiten zu haben.
Außerdem nehme ich momentan zur Kenntnis, dass sich offenbar immer mehr Freunde und Bekannte trauen, ihre Meinung über meinen Ex mir gegenüber zu äußern. Darunter sind unter anderem welche, die nach der Trennung noch Kontakt mit ihm hatten und denen er dann erzählt hat, er würde darüber nachdenken eine Frau aus Russland zu holen - die wären alle wesentlich dankbarer als deutsche Frauen. Tja.
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18.10.2011, 13:34
AW: Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
Hi Vilde,
du warst nicht zufällig mit meinem Ex zusammen? :-) Mit 19 bin ich in eine ähnliche Beziehung geschlittert und habe es nach 4 Jahren geschafft, mich zu lösen. Wieder und wieder habe ich mir die gleichen Fragen gestellt, wie du heute: Wie konnte ich da reingeraten? Was hat mich geritten? Und warum zum Teufel bin ich so lange geblieben, wo ich doch im Grunde wusste, wie sehr mir die Beziehung schadet? Mein Ex hat es sehr gut beherrscht, mich zu manipulieren, mir weiszumachen, dass ich doch froh sein kann, ihn abbekommen zu haben, weil ich doch im Grunde nichts wert bin. Als ich aus der Beziehung kam, war mein Selbstwert am Boden. Hätte ich nicht zufällig jemanden freundschaftlich an meiner Seite gehabt, der mir die nötige Kraft gegeben hat, würde ich vielleicht heut noch in der Beziehung festhängen.
Ich denke auch, eine therapeutische Aufarbeitung war wichtig. Jetzt möchtest du erst einmal allein weiterschauen - probiere das ruhig. Ich glaube aber, um wirklich zu verstehen, welche Muster da gegriffen haben (vielleicht wirklich noch in der Kindheit verankert und so), braucht es schon professionelle Hilfe. Ich habe mich - trotz Therapie - bis heute nicht 100%ig verstanden. Aber ich bin heute auch nicht mehr dieselbe wie die, die in diese Beziehung einstieg. Eine Mischung aus Mutter-Theresa-Gen (mein Ex war hoch verschuldet und überhaupt hatte die Welt es in allem auf ihn abgesehen!!! *ohhhhhh*), mich von ihm endlich geliebt und geschätzt fühlen, wo es meine Eltern nie so richtig geschafft haben, mir das Gefühl zu geben, dass ich okay bin und noch andere Punkte? Ich weiß es nicht. Ich hadere aber auch nicht mehr damit. Ich habe sogar halbwegs damit zu leben gelernt, dass er mir auch finanziell großen Schaden zugefügt hat und ich 6 Jahre nach der Trennung immernoch einen Kredit abzahle, der zu großen Teilen auf sein Konto geht. Lehrgeld. Viel Lehrgeld. Aber ich kann es nicht mehr ändern.
Mir hat es geholfen, die Beziehung zu ihm als eine wichtige Lektion zu sehen, die ich eben lernen musste. Ich bin sehr gewachsen an allem, vor allem an der Aufarbeitung und daran, mir über meine Schwächen und meine "Angriffsflächen" bewusst zu sein und zu wissen: SO will ich es ganz sicher nicht noch einmal! Ich bin sensibel geworden und gleichzeitig stärker. Klarer. Weiß, wann und wo ich auf mich aufpassen muss. Vielleicht hat das Schicksal ihn mir ins Leben geschickt, damit ich genau diese Dinge lerne. Meine Mutter sagte nach Ende der Beziehung einmal, es klinge vielleicht total schräg, aber irgendwie sei sie froh, dass ich diesen Mann kennengelernt hätte, weil er mir so viel mehr über mich gelehrt hat, als sie es konnte. An ihm bin ich gewachsen und stärker geworden.
Vielleicht schaffst du es auch, das für dich Positive in den Vordergrund zu nehmen und nicht mehr an einem Warum und Weshalb festzuhalten. Du bist nicht mehr dieselbe, wie damals. Also kannst du wahrscheinlich auch nicht mehr nachfühlen, was dich zu diesem Mann hingezogen hat. Aufarbeitung, Muster erkennen ist gut. Aber irgendwann muss man auch seinen Frieden schließen. Alles Gute dafür!
die Ente.
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18.10.2011, 16:12Inaktiver User
AW: Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
In der Arbeit hat Du Dich in der Rolle der Fachfrau verstecken können bzw. da war das Thema Frau nicht im Vordergrund. Es gibt genügend Männer, die in der Firma den guten und sanften Führungsstil mit grossem Erfolg fahren, daheim aber bei den eigenen Kindern total ausflippen. Gibts auch umgekehrt.
In der Arbeit bist Du nicht mit dem Mann mit dem Partner konfrontiert, da zählen andere Fähigkeiten und dafür hast Du anscheinend ein Bewusstsein und kannst es gut umsetzen, vielleicht auch weil Du nur Liebe durch Leistung erfahren hast?
Zuhause zählt das nicht grossartig sondern da sind die Partnerqualitäten gefragt und im speziellen bei Dir die Frau und bei ihm natürlich der Mann und da wirken ganz andere Mechanismen.
Und Du hast die Schuld auch "dankbar" angenommen oder?Das Problem bei mir war, dass er die Verantwortung niemals wirklich getragen hat. Wenn etwas schief ging, war eben diese Schuld bei mir. Lieblingsspruch: "Ich habe dich ja nicht dazu gezwungen das so zu machen".
Und genau das macht die Situation noch viel bizarrer, denn in den schlimmsten Zeiten war ich fremdbestimmt und musste gleichzeitig alle Konsequenzen voll und ganz tragen.
War schon sowas wie ne Selbstverständlichkeit denke ich mir.
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19.10.2011, 01:10
AW: Lehre aus Beziehung mit emotionaler Gewalt?
Anfangs habe ich es ohne jeden Zweifel angenommen. Später akzeptiert, weil ich die Konflikte vermeiden wollte, die niemals zu einem Ergebnis führten. Wenn ich gesagt hätte "Ich habe keine Schuld" hätte ich sozusagen die Schuld daran gehabt, dass er Schuld ist, was zu erneuten Diskussionen geführt hätte. Mit meiner defensiven Haltung habe ich praktisch die Kettenreaktion unterbrochen, um mich selbst zu schützen.
Danke.
Die Theorie erscheint mir immer so einfach und klar. Wie du schon schreibst: ändern kann man es eh nicht mehr. Es gehört zu meiner persönlichen Geschichte und das lässt sich nicht mehr ändern. Mir bleibt nichts anderes übrig als es zu akzeptieren.
Nur gibt es immer wieder diese Momente, in denen ich abends noch alleine in meiner Wohnung sitze, schöne Musik höre, aus dem Fenster hinaus schaue und die Gedanken wieder kommen: warum, wieso...
Manchmal habe ich das Gefühl, einfach mal alles loswerden zu müssen. Nur ist es leider so, dass vieles sehr intim und persönlich ist, so dass ich nur mit sehr wenigen Personen darüber sprechen würde. Und die möchte ich auch nicht unbedingt endlos mit dem alten Beziehungskram belasten. Ich habe schon darüber nachgedacht, alles für mich aufzuschreiben. Das würde mir vielleicht auch helfen, alles etwas klarer und vielleicht auch mit etwas mehr Abstand sehen zu können. Mal sehen.


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