Hallo zusammen,
ich habe momentan eine richtige Wut im Bauch. Im Moment scheint alles aus mir heraus zu brechen und ich ecke überall an. Gleichzeitig finde ich die es - finde ich mich - unerträglich mit meinem dauernden Frust. Und gefangen in der Situation. Aber vielleicht alles Punkt für Punkt:
Mein Job: Ich arbeite gerne, nette Kollegen, gutes Unternehmen, Chef im Großen und Ganzen in Ordnung - bis diesen Sommer. Seit Ende der Elternzeit, d.h. schon seit ein paar Jahren, arbeite ich Teilzeit in meinem alten Aufgabenbereich (ich weiß, das Glück haben viele Frauen nicht). Ich mache gute Arbeit und mein Chef hat immer wieder auf Vollzeit gedrängt. Derzeit habe ich eine 3/4 Stelle. Diesen Sommer hat er die Daumenschrauben ziemlich fest gezogen - bis zu der (m. E. rein taktischen) Drohung, dass man ggfs. getrennte Wege gehen müsse, wenn ich nicht Vollzeit arbeiten wolle/könne.
Mein "Work-Life" ist so gerade im Gleichgewicht. Mit einer Vollzeitstelle ist, meiner Ansicht nach, weder mir noch dem Unternehmen gedient, da es mir über kurz oder lang alles zu viel würde. Ich muss auf mich achten, auf meine Gesundheit und meine Familie. Auch mit der Kinderbetreuung ist es nicht vereinbar. Jedenfalls hat die Drohung meines Chefs etwas in mir kaputt gemacht und meine Motivation ist auf einem historischen Tiefstand. Ich mache nur noch das Notwendigste und spreche alle die Dinge aus, die mich seit Monaten nerven. Nichts persönliches, ich kritisiere vor allem Strukturen und Abläufe und die Kommunikation.
In dieser stürmischen Phase wurde uns mit geteilt, dass wir uns über kurz oder lang eine neue Wohnung suchen müssen, weil das Haus mit unserer Mietwohnung verkauft wird. (Über die Rechtslage etc. bin ich informiert.) Wir haben begonnen, uns nach einem eigenen Haus umzusehen, aber es scheint nahezu aussichtslos, das Angebot ist verschwindend. (Ich bin mir auch bewusst, dass es 2, 3 Jahre oder sogar länger dauern kann, bis man ein passendes Objekt findet.) Jedenfalls weiß ich nicht, ob die Suche überhaupt Sinn hat. Nächstes Jahr muss ich meine Wochenarbeitszeit wieder "verhandeln" und vielleicht bin ich dann meinen Job los. *Sarkasmus an* Wenn ich weiterhin so unbequem bleibe, dann vielleicht auch früher.*Sarkasmus aus*
Ist auch alles Sch... egal. Manchmal möchte ich einfach nur meine Koffer packen. So richtig heimisch bin ich hier in den letzten 5 Jahren sowieso nicht gworden. (Ich bin mal wieder der Arbeit hinterher gezogen.) Es haben sich leider keine Freundschaften ergeben, trotz Bemühen um neue Kontakte. Inzwischen habe ich resigniert. Meine alten Freundschaften pflege ich mit Ach und Krach. Ich fühle, dass die Distanz immer größer wird und bin traurig darüber. Wenn ich keine Familie hätte, hätte ich schon längst ein Dutzend Bewerbungen geschriebenen, aber auf die Entfernung in unserer Wunsch-Region eine passende (!) Teilzeit-Stelle zu finden, scheint aussichtslos.
Ich habe das Gefühl, im Moment ist alles im Argen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll etwas zu ändern. Alles hängt voneinander ab wie ein riesiger wirrer Knoten. Ich habe zig Gespräche mit Freunden und Familie geführt, um Rat gebeten, aber ich scheine mich immer nur im Kreis zu drehen, finde keinen Ansatz. Dieses Nicht-zu-einer-Entscheidung zu kommen kenne ich eigentlich gar nicht von mir.
Jemand schlug mal vor, doch einfach dort hin zu gehen, wo wir uns wohl fühlen und alles um unser *Leben* herum zu "bauen" anstatt das Leben um die Arbeit bzw. den Arbeitsort. Finanziell wäre das sogar möglich. Mein Mann arbeitet sowieso woanders. Eine kleine berufliche Auszeit von vielleicht einem halben Jahr fände ich auch nicht schlimm, aber dann möchte ich wieder arbeiten und zwar in einem passenden Job. So blöd, dass mir die Arbeit so wichtig ist. Ich habe gerne mein eigenes Geld. Ich möchte nicht von meinem Mann abhängig sein. Unsere Ehe ist nicht das Gelbe vom Ei und ich muss mittel- und langfristig an meine Existenzsicherung denken. Zu allem kommt hinzu, dass ich doch recht oft der Zeit vor der Familiengründung nach trauere, so viele Aktivitäten vermisse. Seit der Schwangerschaft habe ich 10 Kilo zugenommen. Ich erkenne (finde?) mich nicht wieder und mag meinen Körper auch nicht mehr wirklich. Abnehmen - noch eine Baustelle. Woher die ganze Energie für alles nehmen?
Viele Leute würden sicher sagen: Ihr seid gesund, Euch geht es finanziell gut... Was willst Du eigentlich? Ein bisschen Bescheidenheit und Demut könnte nicht schaden. ABER...
Was würdet Ihr raten?
Danke an jeden, der bis hier durchgehalten hat!
Es grüßt nemosi
Antworten
Ergebnis 1 bis 9 von 9
Thema: Zeiten des Umbruchs
-
14.10.2011, 12:33
Zeiten des Umbruchs
-
14.10.2011, 14:30Inaktiver User
AW: Zeiten des Umbruchs
Hallo und -puh!
Da möcht ich dich zuerst virtuell drücken -wenn du willst.
Also, eine deiner Baustellen ist mir sofort ins Auge gesprungen:
Jepp.Ich mache gute Arbeit und mein Chef hat immer wieder auf Vollzeit gedrängt. Derzeit habe ich eine 3/4 Stelle. Diesen Sommer hat er die Daumenschrauben ziemlich fest gezogen - bis zu der (m. E. rein taktischen) Drohung, dass man ggfs. getrennte Wege gehen müsse, wenn ich nicht Vollzeit arbeiten wolle/könne.
Mein "Work-Life" ist so gerade im Gleichgewicht. Mit einer Vollzeitstelle ist, meiner Ansicht nach, weder mir noch dem Unternehmen gedient, da es mir über kurz oder lang alles zu viel würde. Ich muss auf mich achten, auf meine Gesundheit und meine Familie. Auch mit der Kinderbetreuung ist es nicht vereinbar. Jedenfalls hat die Drohung meines Chefs etwas in mir kaputt gemacht und meine Motivation ist auf einem historischen Tiefstand. Ich mache nur noch das Notwendigste und spreche alle die Dinge aus, die mich seit Monaten nerven. Nichts persönliches, ich kritisiere vor allem Strukturen und Abläufe und die Kommunikation.
Ich kann deine Gefühle so extrem gut nachvollziehen! Genau das gleiche ist mir auch passiert -allerdings aus einer schon sehr unbefriedigenden Arbeitssituation heraus (es war eigentlich nie Verständnis für meinen Spagat als AE mit drei Kindern und eigenem (alten) Haus da gewesen).
In dem Moment ist wirklich etwas zerbrochen in mir.
Vollkommen nachvollziehbar, wenn man / frau mal ganz nüchtern die Hintergründe analysiert:
Job dient der Existenzsicherung gegenwärtig und zukünftig. Wichtig.
Du gibst deine Arbeitsleistung gegen Geld.
Chef schenkt dir nichts. Alles ausgewogen. Kinderbetreuung klappt, du wirst allen (ganz wichtig: auch dir selber!) gerecht. Alles im Gleichgewicht.
Plötzlich ändern sich die Gewichtungen: Chef wirft seine Macht (du bist von ihm finanziell abhängig) in die Waagschale, um seine Interessen durch zu setzen.
Auf gut deutsch: er erpresst dich.
Gibst du nach, wirst du deine Gesundheit gefährden (Überlastung) oder dein Kind vernachlässigen. Tolle Entscheidungsmöglichkeiten, oder?!
Fazit: sowas kann dir nur in einem Klima passieren, welches völlig die Bedürfnisse von Familien ignoriert. Du bist nicht die Erste und wirst auch nicht die Letzte sein, die zu Recht fürchtet, den Spagat nicht mehr hinzukriegen.
Im Grunde -finde ich- hast du lediglich eine einzige große Baustelle:
einen Job zu finden, der dir ermöglicht, alles unter einen Hut zu bekommen.
Hättest du mehr Angebote, könntest du die Gegend frei wählen, in der du dich wohl fühlst und ein wenig auf die Struktur der Firma schauen, für die du arbeiten wirst.
So aber musst du froh sein, wenn du überhaupt etwas bekommst.
D.h., du hast es noch nicht versucht?Wenn ich keine Familie hätte, hätte ich schon längst ein Dutzend Bewerbungen geschriebenen, aber auf die Entfernung in unserer Wunsch-Region eine passende (!) Teilzeit-Stelle zu finden, scheint aussichtslos.
Dann frag dich mal, warum. Dass gerade jetzt eure Wohnung gekündigt wird, könnte ein Zufall sein -oder auch nicht...Geändert von Inaktiver User (14.10.2011 um 14:35 Uhr)
-
14.10.2011, 15:23Inaktiver User
AW: Zeiten des Umbruchs
Mmmmh, was den Chef betrifft, würde ich mich -ggf. auch ihn- mal fragen, ob er denn mit meiner Arbeitsleistung sehr zufrieden ist. Kann er das sein, weil Du gute Arbeit leistest, würde ich ihm dementsprechend entgegentreten und zeigen, daß Du durchaus gewillt bist, dich nach einer anderen Stelle umzusehen, wenn es ihm lieber ist, auf eine gute und gesunde Teilzeitkraft zu verzichten, als auf einen Vollzeitjob zu bestehen. Punkt. Hier ruhig mal Kräftemessen. Und parrallel mal nach Alternativen Ausschau halten.
Mit der Wohnung würde ich mir nicht mehr aufhalsen, wenn deine Beziehung eh nicht so zucker ist. Einfach nur was nettes anderes suchen, statt sich in jahrzehnte lange Verpflichtungen ohne wirklich solide Basis zu stürzen.
Lieber würde ich kucken, das soziale Umfeld etwas aufzubessern, daß es Energie spendet statt zu kosten.
Klingt alles nur nach der nötigen Feinjustierung.
-
15.10.2011, 11:51
AW: Zeiten des Umbruchs
Hallo,
erst einmal Dankeschön Euch beiden fürs Lesen und Schreiben! Es hat sehr gut getan, einmal gedrückt zu werden. Das werde ich, glaube ich, irgendwie zu wenig.
Ja, das hat schon stattgefunden. Ich habe schon ein paar Trümpfe in der Hand: bisher sehr gute Arbeit, Unternehmen hat einen Standortnachteil und würde wahrscheinlich lange suchen, um jemand mit vergleichbarer Qualifikation zu finden. Ich habe die Erpressung meines Chefs auch schon zum Anlass genommen, ein Zwischenzeugnis anzufordern.
Stimmt, sagt auch mein Bauch. Mein Bauch sagt aber auch, dass ich endlich gerne etwas Eigenes haben möchte. Unsere Wohnung müsste dringend renoviert werden, aber angesichts des Verkaufs wollen wir natürlich nichts mehr investieren.Mit der Wohnung würde ich mir nicht mehr aufhalsen, wenn deine Beziehung eh nicht so zucker ist.
Kontakte zu finden habe ich versucht. In fünf Jahren ist nichts dabei herum gekommen, was über eine sehr lose Bekanntschaft mit den Müttern der Kita-Freunde meines Kindes hinaus ginge. Dadurch, dass ich unter der Woche alleinerziehend bin, bin ich in meiner Freizeitgestaltung und in den Möglichkeiten, Leute kennen zu lernen, sehr eingeschränkt. Da würde es nichts ausmachen, ganz woanders neu anzufangen.Lieber würde ich kucken, das soziale Umfeld etwas aufzubessern, daß es Energie spendet statt zu kosten.
Wenn es so einfach wäre, dann hätte ich wohl schon eine Lösung gefunden.Klingt alles nur nach der nötigen Feinjustierung.
@ JeannedArcencore
Ich werde später noch etwas mehr zu Deinem tröstlichen und aufbauenden Beitrag schreiben.
Die Frage, warum ich noch nicht versucht habe, einen anderen Job zu finden, die ist ebenso einfach wie gut! Ich habe angefangen darüber nachzudenken, und ich merke dass ich genau dann in diese besch... Spirale komme, die mein Handeln absolut lähmt. Alles fängt an, sich zu drehen bis ich - total konfus - wie immer beschließe, vorerst doch einfach NICHTS zu tun.
Ehrlich gesagt, so kenne ich mich gar nicht. Ich bin eigentlich ein eher handlungsorientierter Mensch und treffe schnell (d. h. nicht übereilt!) Entscheidungen. Passiv abzuwarten und die Umstände mein Leben gestalten zu lassen ist überhaupt nicht mein Ding. Ich gebe zu, ungeduldig bin ich wohl auch.
Es grüßt nemosi
-
15.10.2011, 17:22Inaktiver User
AW: Zeiten des Umbruchs
-
17.10.2011, 23:45
AW: Zeiten des Umbruchs
Guten Abend,Die Frage, warum ich noch nicht versucht habe, einen anderen Job zu finden, die ist ebenso einfach wie gut! Ich habe angefangen darüber nachzudenken...
wenigstens habe ich mich jetzt endlich einmal hingesetzt und aufgeschrieben, was mich (angeblich) davon abhält, mir da Arbeit zu suchen, wo wir eigentlich gerne leben würden... Ich schreibe "wir", aber ich bin mir nicht mal sicher, ob ich will. Es ist sehr vielschichtig und ich merke, wie ich mir immer wieder sozusagen selbst ein Bein stelle.
Besagter Ort ist 150 km weit weg. Teilzeitstellen sind in den Online-Stellenbörsen - vielleicht mit Ausnahme der Arbeitsagentur - nicht zu finden. Bleiben eigentlich nur Initiativ-Bewerbungen. Und bei der Arbeitsagentur steht da in der Regel: "Nur Bewerber aus dem Umkreis von 25 km." o. ä. Okay, ich könnte anbieten, die Fahrtkosten zu Vorstellungsgesprächen selbst zu zahlen. Habt Ihr Erfahrung damit, wie Arbeitgeber darauf reagieren?
Ich mache mir jetzt schon Gedanken, wie ich auf die Fragen des Arbeitgebers nach Umzug ("Sie wollen für eine *Teilzeit*stelle umziehen? Wie, Ihr Mann arbeitet woanders? Also sind Sie während der Woche praktisch alleinerziehend?"), etc. antworten soll.
Wie sieht das mit einem Kita-Platz in einer anderen Stadt bei Umzug aus? Ab dem Alter von 3 Jahren habe ich einen Anspruch auf einen Platz, aber sicher nicht auf eine Einrichtung meiner Wahl? Zumal der Umzug ja nicht unbedingt zu Beginn des Kita-Jahres stattfinden würde.
Völlig unakzeptabel wären für mich Abstriche bei der Bezahlung. Ich würde mich schlecht fühlen, unter Wert verkauft und wäre nicht motiviert. Außerdem muss ich meine Existenz sichern, falls mein Mann und ich uns doch trennen.
Bis dato hat mich auch abgehalten, dass ich von dem Umzug in besagte Stadt keine echte Verbesserung der Lage erwarte. Mein Mann würde immer noch woanders arbeiten und während der Woche abwesend sein und mit großartiger Unterstüztung bei der Kinderbetreuung seitens der Familie meines Mannes rechne ich auch nicht. Ich tue mich mit ihnen auch viel schwerer, um Unterstützung zu bitten, als bei meiner eigenen Familie. Und ich wäre sauer, wenn der Familie meiner Schwägerin mehr Unterstützung zu teil würde als mir.
Diese besagte Stadt war für uns lange Zeit eine Art "gelobtes Land", etwas woran wir uns geklammert haben, wenn wir hier unglücklich waren. Aber ich habe gemerkt, dass man dann nie wirklich dort ankommt, wo man ist und sich jede Chance auf ein bisschen Zufriedenheit mit dem Hier und Jetzt verbaut. Also habe ich irgendwann bewusst aufgehört, weiter an diesem Luftschloss zu bauen.
Außerdem: Ich werde dort wahrscheinlich sehr viel längere Fahrtzeiten zur Arbeit in Kauf nehmen müssen, was die Kinderbetreuung schwieriger macht. Und die Immobilien sind sehr viel teurer...
Ich glaube auch nicht, dass sich die Ehe durch einen Umzug einrenken wird. Mein Mann wird dadurch nicht weniger phlegmatisch und hilft mir auch nicht mehr bei der Hausarbeit. Darüber hinaus bin ich wütend, dass es nun ganz allein an mir und meinen Bewerbungen hängt (hängen soll), dass wir hier weg kommen, während mein Mann nichts dafür tun muss. Ich fühle mich sowieso schon oft genug allein gelassen... Da kann ich mich auch gleich scheiden lassen und alles allein machen.
Und - last but not least - wenn das Kind abends um 8 Uhr endlich im Bett ist, dann mache ich meistens drei Kreuze und bin froh, dass ich noch zwei Stunden für mich habe und mich erholen kann. Es ist unheimlich schwer, sich dann noch aufzuraffen, Bewerbungen zu schreiben. *seufz*
Ich bin gespannt auf Eure Denkanregungen!
Es grüßt nemosi
-
18.10.2011, 06:00Inaktiver User
AW: Zeiten des Umbruchs
Es geht dabei weniger um die Kosten für das Vorstellungsgespräch als um die Motivation des Bewerbers, am Ball zu bleiben. Angesichts der Tatsache, dass Arbeitslose gezwungen werden, sich auf eine bestimmte Anzahl von Stellen zu bewerben, um einfach ihre Unterstützung weiterhin zu bekommen, haben Unternehmen die Erfahrung gemacht, dass diese Bewerber es nicht unbedingt ernst meinten.
Deine Situation ist eine andere, Du entscheidest Dich aus freien Stücken zur Bewerbung, erwägst in die Nähe zu ziehen, damit lässt sich gut argumentieren. Wenn Dich eine Firma interessiert, nimm telefonisch vorab Kontakt auf, im Gespräch ist es einfacher Interesse zu wecken.
Wie ist Dein Verhältnis zur Familie Deines Mannes? Dein Kind hätte Familie in der Nähe, der gefühlte Faktor, Onkel und Tante, Oma und Opa zu haben, ist nicht zu unterschätzen, wenn Euer Verhältnis nicht ein sehr unterkühltes ist.Bis dato hat mich auch abgehalten, dass ich von dem Umzug in besagte Stadt keine echte Verbesserung der Lage erwarte. Mein Mann würde immer noch woanders arbeiten und während der Woche abwesend sein und mit großartiger Unterstüztung bei der Kinderbetreuung seitens der Familie meines Mannes rechne ich auch nicht. Ich tue mich mit ihnen auch viel schwerer, um Unterstützung zu bitten, als bei meiner eigenen Familie. Und ich wäre sauer, wenn der Familie meiner Schwägerin mehr Unterstützung zu teil würde als mir.
Automatisch passiert nie etwas, da müssen beide Parteien daran arbeiten.Ich glaube auch nicht, dass sich die Ehe durch einen Umzug einrenken wird. Mein Mann wird dadurch nicht weniger phlegmatisch und hilft mir auch nicht mehr bei der Hausarbeit.
Eine gut funktionierende, liebevolle Ehe besteht nicht nur aus Unterstützung bei der Hausarbeit, ich würde erst einmal bei den eigenen Gefühlen ansetzen und klären, ob Du Eure Ehe überhaupt noch fortsetzen möchtest, weil Du ihn liebst.
-
18.10.2011, 18:10Inaktiver User
AW: Zeiten des Umbruchs
Prima!
Und ja: da scheinen wohl einige Ausreden dabei zu sein... 
Also:
Mir fehlt jetzt generell die Information, wo deine Familie ansässig ist?Besagter Ort ist 150 km weit weg. Teilzeitstellen sind in den Online-Stellenbörsen - vielleicht mit Ausnahme der Arbeitsagentur - nicht zu finden. Bleiben eigentlich nur Initiativ-Bewerbungen. Und bei der Arbeitsagentur steht da in der Regel: "Nur Bewerber aus dem Umkreis von 25 km." o. ä. Okay, ich könnte anbieten, die Fahrtkosten zu Vorstellungsgesprächen selbst zu zahlen. Habt Ihr Erfahrung damit, wie Arbeitgeber darauf reagieren?
Wenn ich dich richtig verstehe, ist an eurem "Wunschort" die Family deines Mannes?
Dann wäre es m.E. möglich, dass du eine Person deines Vertrauens bittest, die dicke Samstagsausgabe der regionalen Tageszeitung auf Stellenanzeigen hin zu durchforsten und auch sonst die Augen offen zu halten.
Kleiner Tipp, weil ich selber grad suche: auf den Websites der größeren Unternehmen sind manchmal Formulare für Initiativbewerbungen zu finden. Das scheint dann ja gerne gesehen zu sein.
Das mit den 25 km sehe ich wie Nathalie.
Pöh, hier heißt es, sich geschickt zu verkaufen.Ich mache mir jetzt schon Gedanken, wie ich auf die Fragen des Arbeitgebers nach Umzug ("Sie wollen für eine *Teilzeit*stelle umziehen? Wie, Ihr Mann arbeitet woanders? Also sind Sie während der Woche praktisch alleinerziehend?"), etc. antworten soll.
Erster Schritt (da gehe ich weiter unten noch drauf ein): die Kinderbetreuung sichern.
Dann selbstbewusst auftreten und von dem Quasi alleinerziehen gar nichts erwähnen (geht die doch nichts an, wo dein Mann arbeitet!).
Und ja, die ansprechende Gegend und der interessante Arbeitsplatz lassen dich über einen Umzug nachdenken...
(was ich noch nicht verstanden habe: wo finden sich deine Freunde, zu denen du den Kontakt zu verlieren drohst? Das wäre eventuell ein weiteres Gewicht für die Waagschale: Stichwort soziales Netzwerk).
Vorher klären (kann man ja auch erst mal telefonisch).Wie sieht das mit einem Kita-Platz in einer anderen Stadt bei Umzug aus? Ab dem Alter von 3 Jahren habe ich einen Anspruch auf einen Platz, aber sicher nicht auf eine Einrichtung meiner Wahl? Zumal der Umzug ja nicht unbedingt zu Beginn des Kita-Jahres stattfinden würde.
Wie sind denn deine /eure Ansprüche an eine KITA?
Falls sehr hoch: schauen, ob Abstriche möglich sind. Es muss nicht die perfekte Kinderbetreuung sein (bin mir gar nicht mehr so sicher, ob sowas nicht sogar schädlich ist -wo sollen die Kids denn noch lernen, mit den Widrigkeiten des Lebens klar zu kommen?)
Kann ich gut verstehen, vor allem unter dem Aspekt, dass du als AE heute gezwungen bist, deinen Lebensunterhalt alleine zu verdienen.Völlig unakzeptabel wären für mich Abstriche bei der Bezahlung. Ich würde mich schlecht fühlen, unter Wert verkauft und wäre nicht motiviert. Außerdem muss ich meine Existenz sichern, falls mein Mann und ich uns doch trennen.
Bin allerdings der Meinung, dass eine vollkommene Zufriedenheit im Job kleine (vorläufige) finanzielle Einbußen rechtfertigen kann.
Also: natürlich gehst du selbstbewusst mit dem Ziel, dich finanziell zu verbessern, zum Vorstellungsgespräch! Kannst ja immer noch runter gehen -wenn dein Bauch mitmacht.
Bei diesem Absatz musste ich am meisten stutzen.Bis dato hat mich auch abgehalten, dass ich von dem Umzug in besagte Stadt keine echte Verbesserung der Lage erwarte. Mein Mann würde immer noch woanders arbeiten und während der Woche abwesend sein und mit großartiger Unterstüztung bei der Kinderbetreuung seitens der Familie meines Mannes rechne ich auch nicht. Ich tue mich mit ihnen auch viel schwerer, um Unterstützung zu bitten, als bei meiner eigenen Familie. Und ich wäre sauer, wenn der Familie meiner Schwägerin mehr Unterstützung zu teil würde als mir.
Hm, also zum einen verstehe ich dich so, dass du deinem Mann mangelnde Unterstützung vorwirfst. Weiß er das? Habt ihr -vor dem Kind- die Aufgabenteilung besprochen und er hält sich nicht dran? Könnte er seinen Job modifizieren und häuslicher werden?
Ehrlich gesagt habe ich den Eindruck, du bist gar nicht mehr glücklich mit ihm.
Dann wäre es natürlich riskant, sich auf SEINE Familie zu verlassen -im Falle einer Trennung ist es nicht immer möglich, den Kontakt zu halten.
Was mir bei deinen Worten weiterhin auffällt: du malst dir schon das Szenario aus, dass du wenig Unterstützung von seiner Familie bekommst und dann auch noch auf die Schwägerin sauer (neidisch?) würdest.
Könnte die Familie wissen, dass du dir Unterstützung wünscht? Du tust dich schwer, um Hilfe zu bitten, schreibst du. Ist das generell so bei dir?
Ich verstehe dich gut -und du machst dir das Leben damit ne Spur zu schwer, finde ich.
Kann man lernen, das "um Hilfe bitten".
Gut erkannt.Diese besagte Stadt war für uns lange Zeit eine Art "gelobtes Land", etwas woran wir uns geklammert haben, wenn wir hier unglücklich waren. Aber ich habe gemerkt, dass man dann nie wirklich dort ankommt, wo man ist und sich jede Chance auf ein bisschen Zufriedenheit mit dem Hier und Jetzt verbaut. Also habe ich irgendwann bewusst aufgehört, weiter an diesem Luftschloss zu bauen.
Dennoch ist zwischenzeitlich deine Zufriedenheit vorbei. Ganz offensichtlich.
Und nun kannst du nur zu mehr Zufriedenheit kommen, wenn du an deinem Luftschloss weiter baust.
Auch wenn es sich im Endeffekt als kleine, aber warme Hütte mit vielleicht nur 2 Personen heraus stellt.
Warum ist das schon so sicher für dich?Außerdem: Ich werde dort wahrscheinlich sehr viel längere Fahrtzeiten zur Arbeit in Kauf nehmen müssen, was die Kinderbetreuung schwieriger macht
Du hast nichts zu verlieren, wenn du dich bewirbst -dann siehst du, ob der Arbeitsplatz strategisch günstig ist...
Erst mal was mieten -dann in Ruhe schauen. Nie waren die Immobilienpreise so günstig wie heute!Und die Immobilien sind sehr viel teurer...
Wenn es wirklich die Hausarbeit ist, die dich belastet: könntet ihr eine Haushaltshilfe finanzieren?Ich glaube auch nicht, dass sich die Ehe durch einen Umzug einrenken wird. Mein Mann wird dadurch nicht weniger phlegmatisch und hilft mir auch nicht mehr bei der Hausarbeit. Darüber hinaus bin ich wütend, dass es nun ganz allein an mir und meinen Bewerbungen hängt (hängen soll), dass wir hier weg kommen, während mein Mann nichts dafür tun muss. Ich fühle mich sowieso schon oft genug allein gelassen... Da kann ich mich auch gleich scheiden lassen und alles allein machen.
Ist es nur deswegen? Was hält dich noch bei deinem Mann? (für dich im Stillen)
Ja, ist es.Und - last but not least - wenn das Kind abends um 8 Uhr endlich im Bett ist, dann mache ich meistens drei Kreuze und bin froh, dass ich noch zwei Stunden für mich habe und mich erholen kann. Es ist unheimlich schwer, sich dann noch aufzuraffen, Bewerbungen zu schreiben. *seufz*
Wenn du erst mal was ausformuliert und Lebenslauf und Zeugnisse als Pdf-Dateien gesichert hast, klappen alle weiteren Bewerbungen locker -lediglich kleine Modifizierungen im Anschreiben und -go!Geändert von Inaktiver User (18.10.2011 um 18:22 Uhr)
-
26.10.2011, 23:09
AW: Zeiten des Umbruchs
Liebe JeannedArcencore,
Liebe Nathalie,
Eure Beiträge sind schon einige Tage her und ich habe noch nicht darauf reagiert. Ich danke Euch für die Gedanken, die Ihr Euch für mich gemacht habt, und die Zeit, die Ihr Euch genommen habt, sie aufzuschreiben.
Wenn Ihr mich fragt, ob ich meinen Mann noch liebe. Nein, ich glaube nicht. Wie fühlt sich das an? Das Zusammenleben und die ganzen kleinen Ärgernisse haben mich schon jetzt so mürbe und verbittert gemacht.
Ich habe so oft versucht, ihm zu erklären, wie ich mich fühle... Dass wir z.B. mehr Zeit für uns hätten, wenn er mir ein Stück Hausarbeit abnehmen würde. Er ist während der Woche nicht da, kommt am Freitag nachmittag nach Hause, stopft mir den Wäschekorb voll und fragt, ob es noch etwas zu Essen da ist. Soll heißen, ich soll ihm etwas kochen, dabei bin ich am Ende der Arbeitswoche allein mit Kind total platt.
Wir wissen nicht, was wir abends miteinander machen sollen (seitdem das Kind da ist). Er schaut fern, um sich zu entspannen, aber ich verabscheue Fernsehen, lese lieber ein Buch, schreibe einen Brief oder surfe im Internet. Er murrt dann, weil ich nicht für ihn da bin. Die Wochenenden sind oft schrecklich: Die Essensplanung liegt natürlich bei mir (ich koche auch), nur Einkaufen gehen wir zusammen, d.h. ich suche die Lebensmittel zusammen und er schaut sich die Aktionsartikel an. Daneben die Wäsche, putzen etc. Hilfe = null.
Manchmal schlägt er plötzlich vor, dass wir doch irgendwo hin fahren und dort essen könnten - und ignoriert völlig, dass wir ja gerade noch Lebensmittel für das Wochenende eingekauft haben. Auch will er nicht verstehen, dass man für ein gutes, frisch zubereitetes Essen durchaus eine Stunde Zeit braucht. Und glaubt nicht, dass sonntags der Frühstückstisch gedeckt, geschweige denn abgedeckt wird.
Vor einem Jahr haben wir - auf meine Initiative hin - eine Paarberatung besucht (nur ein Termin). Es war ein Desaster.
Ich weiß einfach nicht, was ich mit dem Mann machen soll!? Ich komme immer wieder zu dem Ergebnis, dass ich ohne ihn genauso gut, wenn nicht sogar besser dran wäre. Ich müsste mich nicht über so schrecklich viele Dinge ärgern. Ganz ehrlich, ich möchte mich gerne trennen. Aber wie geht das ganz praktisch?
Ihn bitten auszuziehen? Er geht einfach nicht. Ich möchte jetzt nicht unbedingt mit "Kind und Kegel" ausziehen. Es wäre leichter für ihn, sich ein Zimmer zu nehmen. Falls ich den Job wechsel, dann müsste ich in ein paar Monaten schon wieder umziehen.
Ich weiß, ich bin auf viele Fragen in Euren Beiträgen (JeannedArcencore und Nathalie) nicht eingegangen, obwohl ich sehr wohl für mich darüber nachdenke. Was den Jobwechsel betrifft, so habe ich einiges in die Wege geleitet, warte nun auf mein - hoffentlich gutes - Zwischenzeugnis, damit ich mich bewerben kann. (Ich muss darauf warten, da mein ansonsten letztes Zeugnis nicht so prickelnd war.)
Ich wollte nur einmal die Möglichkeit einer Trennung durchspielen. Es klingt blöd, aber ich weiß einfach nicht, wie ich das anfangen soll. Mein Mann versteht mich ja nicht, wie soll er begreifen, dass ich wirklich meine, dass er ausziehen soll? Ich denke, ich rede schon Klartext - nur, vielleicht habe ich ihm in meinen Wutausbrüchen schon zu oft gesagt, dass ich mich trennen will.
Vielleicht wird jetzt auch deutlich, warum ich mich angesichts dieser zwei großen Baustellen so durcheinander fühle. Es lässt sich auch schlecht eines vom anderen trennen...
Nächtliche Grüße
nemosi


Zitieren

