... just like everyone else.
Gerade mal wieder in einem Strang nebenan gelesen: Manche Menschen fühlen sich anders als andere. "Alle anderen" (oder zumindest der Großteil) sind normal, man selbst ist besonders. Man gehört nie wirklich dazu, man ist empfindsamer, vielleicht hochintelligent oder hochsensibel oder eben einfach anders als alle anderen.
Natürlich kenne ich das Gefühl. Ich frage mich aber: Gibt es denn überhaupt Menschen, die dieses Gefühl nicht kennen?
Menschen, die nach außen hin komplett durchschnittlich wirken, kenne ich allenfalls eine Handvoll. Und von denen, denen ich so nah gekommen bin, dass ich mit ihnen über solche Themen sprach, hielten sich ausnahmslos alle für besonders: besonders in der Weltwahrnehmung, besonders im Lebenslauf, besonders in der Persönlichkeit.
Ist Besonderssein etwas besonderes unter sechs Milliarden Besonderen? Ist Besonderssein ein Trost oder vielleicht manchmal eine Ausrede? Manche Leute sonnen sich darin, etwas besonderes zu sein, andere leiden darunter und wären gerne normal - aber gibt es denn normal überhaupt?
Meldet sich hier jemand, der sagt: "Och, in Gruppen fühle ich mich eigentlich immer dazugehörig. Ich bin nun wirklich normal in jeder Hinsicht"?
Gespannte Grüße, Cariad
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Thema: Remember you are unique ...
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13.10.2011, 11:18Inaktiver User
Remember you are unique ...
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13.10.2011, 11:40
AW: Remember you are unique ...
Aus meiner Sicht geschildert, die ich ja auch im Nachbarsstrang geschrieben habe: ich halte mich nicht für besonders und nutze mein Anderssein weder als Ausrede, noch kokettiere ich damit.
Und für mich persönlich geht es auch nicht so sehr um die Frage, um ein Anderssein tatsächlich vorhanden ist oder nur so empfunden, sondern vielmehr um das GEFÜHL, nicht dazu zu gehören, ausgeschlossen zu sein, irgendwie anders zu sein. Und dieses Gefühl habe ich immer als sehr schmerzhaft empfunden, ich habe mir immer gewünscht, dies sei anders.
Auch heute noch begegnet es mir immer wieder und trifft mich ins Mark.
Und ja, tatsächlich habe ich festgestellt, dass viele Menschen dies nicht nachempfinden können aufgrund mangelnder Erfahrung. Und alleine dies unterscheidet mich in meiner Empfindsamkeit von anderen.Geändert von Nachtmahr (13.10.2011 um 11:46 Uhr)
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13.10.2011, 11:48Inaktiver User
AW: Remember you are unique ...
Genau das deckt sich nicht mit meinem Erfahrungshorizont. Vielleicht habe ich außergewöhnlich "besondere" Freunde, aber ich ausnahmslos alle engen Freunde von mir (in Gegenwart oder Vergangenheit) haben über genau diese Gefühle berichtet: sich ausgeschlossen fühlen, sich anders fühlen, nicht "richtig" zu sein. Was mir das Gefühl gibt, dass das ein sehr normales und alltägliches Gefühl zu sein scheint.
Grüße, Cariad
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13.10.2011, 11:59
AW: Remember you are unique ...
Es gibt Menschen, denen ist es wichtig, so zu sein wie ihre Bezugsgruppe oder der Durchschnitt, weil sie daraus Geborgenheit für sich ziehen und kaum Anfeindungen befürchten müssen.
Wenn man sich in einem wesentlichen Punkt oder in vielen Punkten vom Durchschnitt unterscheidet bzw. auch nicht unbedingt eine Bezugsgruppe hat, mit der man weitgehend konform geht, dann wird das Leben natürlich schwierig. Man hat weniger Geborgenheit und muss mit mehr Anfeindungen rechnen.
Für diese Menschen wäre es wichtig, eine tolerante Bezugsgruppe zu finden, sie ihn so sein lässt, wie er ist, und ihn trotzdem mag.
Menschen, die anders sind als der Durchschnitt, suchen sich das nicht unbedingt aus.
Oft haben sie eine leidvolle Geschichte als Außenseiter hinter sich, weil sie schon in der Schule oder in Cliquen immer wieder ausgegrenzt wurden. Nicht selten haben sie versucht, sich anzupassen, mussten aber feststellen, dass sie sich damit nicht wohl fühlen. Also bleibt letztlich nichts anderes, als die Andersartigkeit zu akzeptieren und sich Bedingungen zu schaffen, die Raum dafür lassen.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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13.10.2011, 12:01
AW: Remember you are unique ...
Cariad - Ja, fast jeder wird dieses Gefühl in der ein oder anderen Weise kennen. Allerdings über so viele Jahre am Stück? In einer so atemraubenden und lähmenden Vehemenz, dass man sich (nicht nur einmal) wünscht, nicht mehr leben zu müssen? Ich glaube, in dieser Heftigkeit liegt der Unterschied.
Ich glaube auch, wie Blueserin in #2 schrieb, dass der Weg mancher Menschen steiniger ist, als der anderer. Und das sage ich ganz ohne Wertung, ohne mich in "Leid sonnen" zu wollen. Einfach, weil's so ist.
So ist es!Geändert von Nachtmahr (13.10.2011 um 12:06 Uhr)
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13.10.2011, 12:07Inaktiver User
AW: Remember you are unique ...
Muss das nicht jeder? Sogar die, die sich in einem komplett "spießigen" Leben am wohlsten fühlen? Denn auch die werden gerne von selbsternannten Individualisten angefeindet.
@Nachtmahr: Graduelle Unterschiede gibt es natürlich, überall im Leben. Aber die sind genau das, was sie sind: graduelle Unterschiede. Keine prinzipiellen oder grundlegenden.
Für mich sind das zwei Erkenntnisschritte, die unweigerlich aufeinander folgen: Erstens: Ich empfinde mich als anders als alle anderen. Zweitens: Die Evidenz spricht dafür, dass sich alle anderen auch als anders als alle anderen empfinden.
Diesen Dualismus empfinde ich selbst als sehr merkwürdig.
Grüße, Cariad
PS: Um diesen Dualismus geht es mir hier - nicht darum, dass nun mal jeder mit seiner eigenen, speziellen Eigenheit ein gutes Leben finden muss.
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13.10.2011, 12:17
AW: Remember you are unique ...
Graduelle Unterschiede ... das klingt so nett und verharmlosend. Tatsächlich halte ich dies für absolut grundlegend, sogar existentiell!
Aber ich verstehe auch, dass dir die "Dramatik" des Geschilderten zu widerstreben scheint, so mein Eindruck. Es geht aber gar nicht um Dramatik oder Wichtigtuerei oder sich künstlich in den Vordergrund zu schieben, sondern einzig darum, seinen Platz in dieser Welt zu finden, einen Ort, an dem man sich angenommen und aufgehoben fühlt. Ein elementares Gefühl, was wohl jeder kennt. Und da gebe ich dir Recht: das unterscheidet uns kaum.
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13.10.2011, 12:27Inaktiver User
AW: Remember you are unique ...
Gut, angenommen, es ist tatsächlich so, dass es den meisten Menschen genauso geht in ihrem Empfinden. (Was ich anzweifle, denn ich habe etliche getroffen, die sich als "normal" beschreiben, als "durchschnittlich", ohne darunter zu leiden.)
Was hilft es, wenn ich mich auf einer Party z.B. ganz einsam und alleine fühle, während sich alle um einen herum köstlich zu amüsieren scheinen?
Sollte das dann trösten, sich zu sagen: die überspielen damit ja nur ihr eigenes Andersartigkeits- oder Besonderheitsgefühl?
Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies so funktioniert, im Gegenteil kann es einen noch mehr knicken, wenn einen selbst das Überspielen so sehr anstrengt, dass man es kaum vermag.
Und möglicherweise kämen sogar Selbstbezichtigungen (wegen Hochmuts oder der Unfähigkeit, sich schon allein aufgrund der allen gemeinsamen Einzigartigkeit mit der ganzen Welt verbunden und zugehörig zu fühlen) hinzu.
Nein, ich bin überzeugt, es gibt gewaltige Unterschiede in der Intensität solchen Erlebens.
Cariad, würdest Du soweit gehen zu sagen: an dieser Intensität gilt es zu arbeiten bei denen, die unter ihr leiden, und es wäre eine Willensentscheidung, Unterschiede stark wahrzunehmen oder eben nicht?
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13.10.2011, 12:28Inaktiver User
AW: Remember you are unique ...
Nachtmahr, mir geht es um etwas anderes. Dramatik empfinde ich als wenig hilfreich. Die Erkenntnis, dass man eine ganz normale Lebensform mit den ganz normalen Problemen einer solchen ist, kann sehr angenehm sein.
Dass hier Leute posten, die besonders empfinden, überrascht mich überhaupt nicht. Vielmehr würde es mich überraschen, wenn hier jemand postet, der sich in all seiner Individualität für komplett normal hält. Auf den warte ich.
Grüße, Cariad
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13.10.2011, 12:33Inaktiver User
AW: Remember you are unique ...
Bluesleserin, wenn jemand unter Parties leidet, würde für mich die Erkenntnis lauten: Offenbar gibt es Menschen, die Parties genießen, und es gibt Menschen, die Parties nicht genießen. Kluge Menschen, die zur zweiten Gruppe gehören, gehen nicht auf Parties, darum trifft man sie dort auch nicht.
Introversion und Extraversion sind zwei Enden einer Skala, die unter den Menschen normalverteilt ist. Wer sehr introvertiert ist, sieht vielleicht nicht, dass es noch ganz viele andere seiner Art gibt, weil ihn immer nur die extravertierten anquasseln.
Grüße, Cariad



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