x
Antworten
Ergebnis 51 bis 60 von 72
Thema: Reue
-
10.10.2011, 23:04
AW: Reue
Geändert von sara27 (12.10.2011 um 18:16 Uhr)
-
10.10.2011, 23:45
AW: Reue
Liebe sara,
ich arbeite mit dem 12-Schritte-Programm (ursprünglich von den Anonymen Alkoholikern, es wird in leicht veränderter Form auch von anderen A-Gruppen genutzt). Dort gibt es die Schritte 8 und 9:
8. Schritt
Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden willig, ihn bei allen wieder gutzumachen.
9. Schritt
Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut - wo immer es möglich war -, es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.
(Quelle: Anonyme Alkoholiker im deutschsprachigen Raum)
Ich habe als Kind und Jugendliche meine Esssucht u.a. damit finanziert, dass ich meiner Mutter immer mal wieder Geld gestohlen habe. Davon habe ich dann Essen gekauft. Ich wusste nicht, ob sie bemerkt hat, dass Geld fehlt.
Letztes Jahr waren wir mal gemeinsam auf Kurzreise, und an einem der Abende hat sich die Gelegenheit ergeben, dass ich ihr davon erzählt und bei ihr um Entschuldigung gebeten habe. Es fiel mir nicht leicht, aber es tat mir gut. Und die Reaktion meiner Mutter war ähnlich wie die von dir beschriebene, mit der du eigentlich auch bei deiner Mutter rechnest...
Bei mir schleicht sich auch sehr schnell der Gedanke ein: Ich möchte mit dem, was ich sage, mein Gegenüber nicht verletzen.
Wenn ich mich dabei ertappe, hinterfrage ich mich inzwischen: Möchte ich tatsächlich den anderen nicht verletzen? Oder geht es mir nicht eher darum, dass ich befürchte, mit einer Reaktion des anderen nicht umgehen zu können (zum Beispiel Ablehnung, Wut, Enttäuschung) und diese vermeiden zu wollen?
Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, ist es eigentlich immer letzteres...
Ich weiß auch, dass man in Zeiten einer Therapie sehr dünnhäutig ist und sehr viel durch Kopf und Bauch geht. Ich hatte oft das Gefühl, dass -zig Puzzlestückchen vor mir liegen, die ich nicht sortiert kriege...und überall entdecke ich neue Teile, die ich zunächst mal nicht zuzuordnen weiß. Es geht ja auch darum, neues Verhalten Schritt für Schritt zu erlernen und zu üben. Und wenn du das Gefühl hast, deine Mutter um Verzeihung bitten zu wollen und zu müssen, dann mach es. Die Gelegenheit wird sich ergeben. Vielleicht einfach so im Gespräch...Ist das Leben nicht schön!?
-
10.10.2011, 23:47
AW: Reue
x
Geändert von sara27 (12.10.2011 um 18:16 Uhr)
-
10.10.2011, 23:50
AW: Reue
x
Geändert von sara27 (12.10.2011 um 18:16 Uhr)
-
11.10.2011, 00:02
AW: Reue
sara,
das ist aber dann ihr Gefühl, nicht deins! Ich habe in der Beziehung zu meiner Mutter festgestellt, dass es ein ganz wunderbares Ping-Pong-Spiel der wechsel- und gegenseitigen Schuldgefühle gibt. Ein Horror...vor allem, wenn man sich die Schuldgefühle jedes Mal aufs Neue wieder anzieht.
Vielleicht kannst du irgendwann in einer ruhigen Minute, in einem ruhigen Gespräch, deiner Mutter vermitteln, dass es nicht um Vorwürfe geht. Dass (so vermute ich einfach mal) wahrscheinlich in der Kindheit einiges nicht rundgelaufen ist - alle Eltern machen es so gut sie können, aber eben im Rahmen ihrer Möglichkeiten einiges richtig, aber auch einiges falsch... - aber dass du für dich nun entschieden hast, in einer Therapie etwas für dich zu tun, damit es dir besser geht. Und das nennt man Eigenverantwortung...
Ich habe erlebt, dass während und nach meinen Therapien, in denen ich mich verändert habe, sich auch das Familiengefüge verändert hat. Es hat auf eine ganz bestimmte Weise funktioniert. Das tut's nun nicht mehr, zumindest nicht auf die bekannte und vertraute Weise.
(edit) PS: Es ist super, dass dich alle unterstützen - du kannst ihnen auch sagen, dass du derzeit durch den Fortgang der Therapie sehr unsicher bist und dich auf dünnem Eis bewegst.
So eine Therapie ist kein Spaziergang. Es dauert. Und du musst nicht alles sofort umsetzen. Vertrau auf deine Intuition - die wird im Laufe der Therapie ganz gut geschult...Geändert von sandfloh (11.10.2011 um 00:07 Uhr)
Ist das Leben nicht schön!?
-
11.10.2011, 00:03
AW: Reue
.
Geändert von sara27 (11.10.2011 um 01:39 Uhr)
-
11.10.2011, 00:06
AW: Reue
x
Geändert von sara27 (12.10.2011 um 18:16 Uhr)
-
11.10.2011, 00:09
AW: Reue
x
Geändert von sara27 (12.10.2011 um 18:16 Uhr)
-
11.10.2011, 01:00
AW: Reue
Hallo Sara,
also ich verstehe deine Bedenken voll und ganz und ich bin auch der Meiinung, dass man nicht immer alles beichten muss.
Schon gar nicht, wenn man mit einer Beichte einem Menschen unter Umständen mehr belastet, als mit der Tat.
Du warst in der Pubertät! Da lügt man, da möchte man Aufmerksamkeit und da holt man sic die eventuell auch schon mal auf unehrliche Art.
Warum? Weil man sich da gerade so fühlt. Weil man in dem Alter furchtbar egoistisch ist und sich versucht zu nehmen, was man braucht und aus irgendeinem Grund hast du es gebraucht.
Welche Eltern wissen nicht, dass Teenager eine Menge anstellen, was man später lieber nicht angestellt hätte.
Muss man es beichten?
Darauf gibt es einfach keine allgemeingültige Antwort. Das muss jeder für sich udn von Fall zu Fall entscheiden und ich finde es sehr gut, dass du da nicht nur deine schwierige Situation reflektierst, sondern auch versuchtst für dich zu klären, ob es deiner Mutter gut tun würde oder nicht.
Und so lange du Zweifel hast, lass es. Es gibt keinen Grund das jetzt übers Knie zu brechen, schon gar nicht, wenn du nicth mal in der Lage bist abzuschätzen, was wirklich schlimm ist oder nicht.
Die Sache mit der Uni und dem Freund finde ich auch Peanuts und Schuleschwänzen - du meine Güte, ja wer hat es nicht mal gemacht / probiert.
Ich habe mir mal die Unterschrift von meiner Mutter auf einer Entschuldigung erschwindelt, als ich gar keine brauchte. Da habe ich gelogen und gesagt, ich müsste noch eine Entschudligung bringen. Das habe ich so knapp bevor ich aus dem Haus musste gemacht, dass sie nur noch schnell unterschrieb und ich später den Rest ausfüllen könnte. Diese Blanko-Entschuldigung habe ich benutzt, um zu schwänzen und dafür eine Entschuldigung zu haben.
Ich habe mal eine zeitlang, immer wieder mal, sozusagen als Mutprobe, Süßigkeiten in einem kleinen Laden geklaut. Nachdem mir das jedesmal gelungen ist, habe ic das Interesse daran verloren. Größeres wollte ich außerdem nicht mitnehmen. Ein schlechtes Gewisse hatte ich auch, aber so gehörte ich zur Clique und das war mir wichtig. Ich bin auch mal schwarz mit dem Bus gefahren und bin mit anderen über den zaun geklettert, um eine Veranstaltung zu besuchen, die meine Eltern mir nicht erlaubt haben.
Und ich bin zwei- / dreimal gerade noch den Kontrolleuren vom Jugendamt entkommen, als ich unter mit 14 und 15 unberechtigterweise in einer Disco war.
Ich sage das hier so offen, weil ich das alles trotzdem áls recht normal empfinde, denn wenn ic mit anderen rede, haben die ähnliches getan und erlebt, die einen mehr, die anderen weniger.
Also ich war sicher kein Kind von Traurigkeit aber ich denke auch nicht, dass ich wirklich kriminell oder gefährdet war.
Im Gegenteil, ich habe ein ausgesprochen intensives Gerechtigkeitsempfinden entwickelt udn vielleicht ist es gerade, weil man diese Übertretungen gewagt hat und dann eben doch gespürt, dass ist nicht in ordnung.
Wer nie gespürt hat, wie es sich anfühlt, macht sich womöglich weniger Gedanken. Also ich denke, es gibt einfach auch einen guten Grund, dass Kinder udn Jugendliche immer wieder Grenzen sprengen.
Da muss man sich auch vor allem selbst verzeihen können und das nicht beichten dürfen kann manchmal sogar die größere Strafe sein.
Insofern bin ich da ganz bei dir, jettz vor allem darauf zu achten nicht nachträglich eine Person noch zu enttäuschen. Schließlich ist es nicht gestern passiert.
Wie ist das, kannst du nicht deien Therapei dazu nutzen, dazu eine klare Entscheidung zu bekommen?
Da keien Eile Not ist, warte, bist du dir sicher bist!
Ach ja, ich habe nie den Drang versprüt, das meinen Eltern zu erzählen, trotzdem hat es sich mal so ergeben und so habe ich dann das eine oder andere erzählt, nicht alles auf einmal, sondern je nach Situation. Wie gesagt, da hat es gerade gepasst und klar, das hat niemand übele gnommen, es war mehr eine Anekdote aus meinem früheren leben.
Udn so könnte ich mir das bei dir auch vorstellen, dass es sich einfach mal ergibt.
Durch so einen extra herbeigeführten Beichtabend, dramatisiert man natürlich auch mehr, als wenn man es einfach mal erzählt.
Deine Art und Weise wie du beichtest und dein schlechtes Gewissen, lassen es natürlich dann in einem viel schlechteren Licht erscheinen und beeinflusst möglicherweise auch die nachträgliche Bewertung bei deinen Eltern.
Letztlich kann dir niemand die Entscheidung abnehmen.
Das Geld würde mir sicher auch noch schwer im Magen liegen udn wenn du das zur Zeit nicht als von Dir zurückgegeben empfindest, dann könntest du:
1) noch warten, bist du selbst was verdienst und es dann entsprechend mit Zinsen zurückgeben, dann haben sie was zum Freuen.
2) eventuell in den Semesterferien arbeiten gehen, und dann von diesem selbstverdienten Geld etwas zurückzahlen.
Aber auch da überlege gut, wann und wie und ja, da würde ich denken, irgendwie muss da eine Gutamchung erfolgen, aber das ist nun mein Gewissen.
-
11.10.2011, 08:33Inaktiver User
AW: Reue
Nein, ich würde sowohl mit meiner Mutter, als auch mit meinem Partner (im Falle eines Seitensprunges) sprechen – weil ich darauf vertraue, dass man sich in der Auseinandersetzung mit einem Problem wesentlich näher kommt, als mit ständigem Weiterlügen („ ich bin eine ganz andere, als ich dir vorgaukle“) und mit Selbst-Betrug und Selbst-Demontage („so wie ich wirklich bin, kann mich doch keiner lieben…“).
Nichts zu erzählen ist in erster Linie eine Nicht-Akzeptanz seiner eigenen Fehlbarkeit.
Man verliert dabei den Draht zu sich selbst und kann somit auch keine haltbaren Drähte zu anderen knüpfen.
Es geht also gar nicht um´s „erzählen“ oder beichten, sondern um die Aufarbeitung einer seelischen Schieflage.
Und um die Chance, zu Menschen die man liebt, ein ehrliches und vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen, in dem man sich nicht für seine Fehler (wer macht die nicht?) zu schämen braucht.
Ich weiss ja nicht, wie es dir geht, Sara, aber ich liebe nur Menschen aus Fleisch und Blut, mit Licht UND mit Schattenseiten und keine makellosen Bilder, die von Zeit zu Zeit künstlich retuschiert werden müssen.
Und wenn man diesen Gedanken mal auf sich wirken lässt, dann sieht man sich selbst und andere auch mit liebevolleren Augen.


Zitieren

