Ich habe mal eine Frage, bei der es mich einfach mal ein paar verschiedene Meinungen interessieren würde...
Ich lief heute Nachmittag durch die Stadt, genoß die Wärme des Spätsommers, beobachtete die Menschen, die in den Straßencafes saßen und hatte plötzlich so ein Gefühl, ich wäre nicht "normal"... ich habe keine richtigen Freunde... ich fühle mich im Umgang mit Fremden oft angestrengt und schnell ausgelaugt und es macht mir nicht viel aus, alleine zu sein (wenn ich es denn man wirklich bin..). Ich brauche wahrscheinlich verhältnismäßig viel Zeit für mich und lasse gleichzeitig andere gar nicht so nah an mich heran... ich habe nämlich oft das Gefühl, ich müsste mich vor anderen "verstellen", was dann anstrengend wird.
Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ich lebe in einer sehr intensiven Beziehung, habe drei Teenager, Eltern, Geschwister, mit denen ich viel Kontakt habe. Und dann ist da auch noch mein Job, in dem ich tagtäglich mit jungen Menschen zu tun habe, mit denen ich mich auch sehr wohl fühle und gut klarkomme, viele Arbeitskollegen, mit denen man mal hier und da ein paar Worte wechselt, einen Kaffee trinkt. Und da fängt wieder mein Problem an... ich bin seit 2 Jahren in der "Firma" und habe keine wirklichen persönlichen Kontakte. Es ist alles irgendwie geschäftsmäßig und auch distanziert Vor kurzem habe ich mich tatsächlich aufgerafft und war bei einer Geburtstagsparty, es war sehr nett, aber eben nicht soo... erfüllend... dass ich das ständig bräuchte. Und dann beobachte ich die Kollegen, die ständig mehrmals die Woche auch privat etwas unternehmen und komme mir so außenstehend vor. Das klingt jetzt wahrscheinlich total wirr... aber manchmal vermisse ich schon den einen oder anderen intensiveren Kontakt auch außerhalb meiner Familie :-(. Wie gesagt, es ist nicht so, dass ich es nicht versucht hatte. Ich hatte im letzten Jahr ab und zu mal etwas mit Kollegen/Kolleginnen gemacht. Aber entweder blieb es nett und unverbindlich, d.h. ohne großes Interesse daran, den Kontakt zu intensivieren oder mir war das ganze ziemlich anstrengend. Ich bin keine Anti-Alkoholikerin, trinke gerne mal ein Gläschen Wein oder in netter Runde auch zwei, oder auch ein Bier, aber ich finde es in keinerlei Hinsicht reizvoll, mich "volllaufen zu lassen" und am besten noch den Großteil der Zeit über die letzten 5 Besäufnisse zu reden.
So betreibe ich tagsüber im Job smalltalk, bin nett und komme mit allen klar, habe aber gleichzeitig das Gefühl, das ich mit keinem, außer mit meinem Partner, Dinge und Gedanken besprechen kann, die mir wirklich am Herzen liegen. Meistens komme ich damit auch ganz gut klar... aber manchmal wünsche ich mir, es wäre anders...
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Thema: Bin ich ein Einsiedler??
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28.09.2011, 18:53Inaktiver User
Bin ich ein Einsiedler??
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28.09.2011, 23:34Inaktiver User
AW: Bin ich ein Einsiedler??
Soweit klingt das, als hättest Du ein ziemlich prallvolles Leben.

Und vielleicht einfach zu wenig Rückzugmöglichkeiten für Dich selbst.
Was genau fehlt Dir? Und seit wann fehlt Dir das?
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29.09.2011, 03:46
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29.09.2011, 06:36
AW: Bin ich ein Einsiedler??
Ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen...
Als ich gelesen habe, wie viele Kontakte du hast, dachte ich mir nur, du bist einfach "ausgelastet". Beruflich tippe ich bei dir darauf, dass du Lehrerin oder Erzieherin bist. Beides sind Berufe, wo du gefordert bist und auch viel Kommunikation statt findet.
Dazu hast du eine eigene Familie, drei Kindern, die dich vermutlich auch fordern.
Eine gute Beziehnung, Eltern.....
Ich denke, du bist sozial und kommunikativ vielleicht im Moment einfach ausgelastet.
Wobei ich dein Bedürfniss nach einer Freundin/Bekannten außerhalb dieser Strukturen auch verstehen kann. Einfach mal jemand "neutrales" zum Reden, eine neue Sichtweise bekommen.
Ich würde diesen Wunsch nicht ganz aus den Augen verlieren - offen sein, wenn sich was ergibt, aber nicht krampfhaft danach suchen.
Wird immer wieder gerne genannt - mach einen Kurs (muss nicht unbedingt die VHS sein) der dich interessiert. Oft trifft man dort Gleichgesinnte - vielleicht ergibt sich ein Plausch. Vielleicht trifft man noch/irgendwann einmal auf einen Kaffee, vielleicht auch mal wieder.
Und vor allem mach nichts, was dir nicht wirklich Spaß macht (Partys etc.), bzw erfüllt. Schade um die Zeit. ;)
Deine Kinder werden irgendwann flügge - dann hast du vielleicht auch wieder mehr Zeit, "Luft" für neue Bekannte/Freunde.
ALLES GUTE
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29.09.2011, 19:23Inaktiver User
AW: Bin ich ein Einsiedler??
Hallo zusammen,
zuerst einmal vielen Dank für eure Meinung, wie gesagt, manchmal zweifle ich schon ein bisschen an mir ;-).
nachschlag8, du fragst, was mir fehlt... ich glaube, Feenzauber hat das schon erkannt, was ich gerne hätte, wäre jemand "neutrales", der nicht in meinen Familienverbund eingebunden ist, mit dem ich mal quatschen und einfach auch ganz neue Anregungen/Impulse bekommen könnte.
Was wahrscheinlich auch etwas zu meinem Gefühl von "Einsiedler" beiträgt, ist auch meine momentane Beobachtung, dass ganz viele in meinem Alter (gerade von meinen Kollegen, wo ich doch dachte, wir wären die Bevölkerungsgruppe mit den meisten Kindern
) wesentlich mehr Wert auf Beziehungen legen, die "nicht Familie" sind...
Wahrscheinlich liegt es tatsächlich daran, dass ich manchmal von den vielen Kontakten, die ich "zwangsläufig" habe gar nicht mehr die Kapazitäten für weitere Beziehungen habe (ich bin tatsächlich Lehrerin und arbeite vor allem mit (fast) erwachsenen Schülern, was ich spannend und auch für mich bereichernd finde). Es fällt mir manchmal tatsächlich schwer, zu meinen eigenen Bedürfnissen zu stehen und zu sagen, nee, im Augenblick mag ich nicht mehr.
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29.09.2011, 19:49Inaktiver User
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29.09.2011, 20:18
AW: Bin ich ein Einsiedler??
Hallo newdawn,
warum glaubst Du, dass Du Freunde ausgerechnet und nur im Kollegenkreis finden kannst / musst? Natürlich kann es passieren, dass es mit einer Kollegin so gut passt, dass man sich tatsächlich anfreundet. Aber genauso legitim ist es, seine Kollegen ganz nett zu finden und nur auf Smalltalk-Niveau mit ihnen zu kommunizieren. Wenn ihre Welt nicht die Deine ist, ist das doch auch okay. Warum nicht woanders nach netten Menschen Ausschau halten, wenn Du das Bedürfnis nach guten Freundschaften außerhalb des Familienverbandes hast. Ich kann diesen Wunsch gut verstehen und halte ihn auch für wichtig
Vielleicht kannst Du ja über ein Hobby erst mal überhaupt neue Leute kennenlernen und dann schauen, ob mehr daraus wird.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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29.09.2011, 21:49
AW: Bin ich ein Einsiedler??
Hallo newdawn,
ich kann gut nachvollziehen, was Du meinst. Einerseits eine Vielzahl an sozialen Kontakten, das Bedürfnis nach Zeit für sich allein... Andererseits der Wunsch, sich auf einer anderen Ebene mit einem Menschen auszutauschen, mit einer Freundin wie man sie früher hatte...
Zwischen den Zeilen lese ich, dass Du Dich allein nicht so ganz wohl fühlst. Warum nicht? Warum kannst Du nicht - nur ein Beispiel - ohne Nebengedanken allein im Eiscafé sitzen, die Sonne genießen und etwas lesen? Deshalb hält Dich noch lange keiner für einen "Einsiedler" = sozial inkompetent.
Was Freundschaften betrifft: Ich bin auch im "Mittelalter", habe Familie, bin berufstätig und zudem noch vor fünf Jahren in eine andere Stadt gezogen. Es ist einfach schwierig, in dieser Lebenssituation neue Freunde zu finden. Auch bei mir hat sich in den letzen fünf Jahren bis auf mehr oder weniger unverbindliche Kontakte nichts ergeben. Nicht, dass ich mich nicht bemüht hätte... Wenn ich gemerkt habe, dass die Initiative fast ausschließlich von mir ausging, habe ich mich irgendwann auch zurück gezogen.
Kurz gesagt: Ich glaube, viele Frauen sind in einer ähnlichen Situation wie Du. Vielleicht sind wir doch alle irgendwie "Einsiedler", weil wir nicht mehr so unbefangen auf andere Menschen zugehen und Freundschaften schließen können. Weil wir uns nicht die Blöße geben wollen zuzugeben, dass wir uns eigentlich eine Freundin wünschen.
Es grüßt nemosi
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29.09.2011, 23:43
AW: Bin ich ein Einsiedler??
Hallo :)
Ich hätte jetzt auch nicht erwartet, dass sich hinter dem Einsiedler eine dreifache glücklich verheiratete Mutter mir grossem Familienkreis und einer Arbeit mit Menschen verbirgt.
Trotzdem kann ich dein Gefühl auch verstehen. Ich habe auch kein Talent für Kaffepausen- Smalltalk. Ich liebe es zwar, vor zig Leuten zu sprechen und kann die Angst davor gar nicht nachvollziehen. Aber das Sektbuffet, wo alle fünf Minuten der Gesprächspartner wechselt, falls man denn einen "erwischt", das ist nicht so mein Ding. Aber man muss ja auch nicht alles können :)
Elternabenden/abholen vom Ballettkurs finde ich auch nicht so toll: mit anderen Eltern werde ich oft nie so richtig warm. Ich spreche zwar mit einigen, aber irgendwas in mir lässt mich manchmal glauben, dass ich irgendwie nicht so ganz dazugehöre. Warum auch immer!
Zum Gefühl des Alleinseins : Ich habe mich vor zwei Jahren getrennt und dadurch gleichzeitig meine Freundin/beste Freundin/Herzensschwester verloren. Seitdem fühle ich mich auch öfter allein. Ich wohne schon seit Jahren fern meiner Geburtsstadt und freue mich bei jeder Reise meinen alten Freundeskreis wieder zu sehen. Richtige Freunde habe ich in in ein paar Städten, in der jetzigen kaum jemanden. Aber ich denke, manchmal gibt es solche Phasen. Ich habe jetzt durch Gespräche auch herausgefunden, dass ich unter meinen Freundinnen nicht die einzige bin, die sich zeitweise alleine fühlt. Da fühlt man sich ja schon weniger "allein" :).
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30.09.2011, 11:48Inaktiver User
AW: Bin ich ein Einsiedler??
Für mich liest sich das ja ganz anders.
Du schreibst, Du kannst gut alleine sein und ich frage mich, warum Du das Bedürfnis nach NOCH MEHR sozialen Kontakten hast, wo dein Tag schon angefüllt ist davon? Wenn ich das lese, was Du an Kontakten hast, hätte ich an deiner Stelle 'ne schöne Hütte ganz weit draussen mit dem Verbot der Annäherung jeglicher Zweibeiner auf unter 150m! Der Briefträger hätte Angst, die Post einzuwerfen.
Mir scheint das auch so, daß Du nicht gut alleine sein kannst, weil dir dann irgendetwas im Aussen fehlt. Und da das für sich sein ja in deinem Leben eher die Ausnahme ist, hört sich das nach zuviel von einer Sache wollen an.
Brauchst Du immerzu den Kontakt zu anderen?


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