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  1. User Info Menu

    Dünnhäutig geworden

    Seit zwei Jahren trete ich beruflich kürzer.

    Ich habe mich vom 50/60-Stunden-Job und meiner alten Firma verabschiedet. Druck und Angstmache beherrschten dort die Firmenkultur. Zusätzlich eintretendes Mobbing und firmeninterner, zwischenmenschlicher Stress führten dann zum Entschluss, mir Hilfe in einer psychosomatischen Klinik zu suchen. Mit Erfolg. Ich bin sehr dankbar, diese Erfahrung in der Klinik gemacht zu haben. Nach diesem Aufenthalt entschied ich mich dazu, mich von der alten Firma zu verabschieden.

    Seitdem läuft mein Leben in ruhigeren Bahnen. Glücklicherweise.

    Aber ich merke, dass ich in den letzten beiden Jahren sehr viel dünnhäutiger geworden bin. Scharfe und unfreundliche Worte von anderen nehme ich mir schnell zu Herzen, ich fühle mich verletzt und es dauert einige Zeit, um darüber hinweg zu kommen - für mein Empfinden zu lange Zeit, denn dieses anhaltende Gefühl von Verletztsein vergrault mir kostbare Zeit.

    Ich dachte immer, dass ich nach einer kleineren Ruhezeit gewappneter für den Alltag sein werde. Diese Wirkung hat so nicht eingesetzt, stattdessen geht mir vieles umso näher und verletzt und verunsichert mich.

    Kennt ihr das?

    Ich würde mir wünschen, weniger dünnhäutig, oder besser gesagt weniger anfällig für die kleineren und größeren Verletzungen des Lebens zu sein.

    Was denkt ihr dazu?
    Geändert von Nachtmahr (21.09.2011 um 10:38 Uhr)

  2. User Info Menu

    AW: Dünnhäutig geworden

    Wahrscheinlich haben dich die Erfahrungen in deiner alten Firma weit mehr an deinem Selbstwert und Selbstverständnis angekratzt als dir es vielleicht selbst klar ist.

    Vielleicht kannst du an diesem Punkt nochmal ansetzen und dort nochmal was heilen lassen und zurechtrücken.

    Dann kannst du den alltäglichen Ärgernissen und Kränkungen auch wieder besser gewappnet gegenübertreten und sie werden dich nicht mehr so berühren.
    Weil du dich dann nicht mehr so in deinem Selbst in Frage stellst und du dir manchen Schuh schlichtweg nicht anziehst.

    Genau das macht nämlich aus, wie sehr und wie lange einen eine Kränkung oder Beleidigung beeinflusst.

    Kennst du das Buch: "Ab heute kränkt mich keiner mehr" von Doris Wolf?
    Ich finde es ganz gut und mir hat es absolut geholfen, kannst es ja mal googeln, falls es dich interessiert.

    LG
    Hexl
    The difference between try and triumph is just a little "umph"

  3. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Das finde ich einen guten Gedanken von Hexl. Vielleicht hat Dir dein 50/60-Std-Job außer Druck und Pein irgendetwas gegeben, was Dir jetzt fehlt und dein Selbstwertgefühl (zusätzlich) absacken lässt? Wie ich es sehe, hast Du Dich ja irgendwie überwinden müssen, dich davon zu trennen. Das kann aus Festhalten motiviert gewesen sein, aus Angst, dich zu lösen oder vielleicht gab es Dir aber auch irgendetwas, was dir als Gewinn erschien? z.B. Stolz durchzuhalten oder so, oder viel zu leisten .... *frei fabulierte Gedanken*
    Geändert von Inaktiver User (21.09.2011 um 15:51 Uhr)

  4. User Info Menu

    AW: Dünnhäutig geworden

    Danke euch zwei für eure Antworten!
    Zitat Zitat von Hexl Beitrag anzeigen
    Wahrscheinlich haben dich die Erfahrungen in deiner alten Firma weit mehr an deinem Selbstwert und Selbstverständnis angekratzt als dir es vielleicht selbst klar ist.

    Vielleicht kannst du an diesem Punkt nochmal ansetzen und dort nochmal was heilen lassen und zurechtrücken.
    Ich glaube, dass ich dort tough sein wollte aus Selbstschutz, ein kalter Wind wehte. Tatsächlich habe ich mir aber vieles zu Herzen gezogen und irgendwann lief das Fass über.

    Betrachte ich mich selbst, dann merke ich, dass mein Selbstwertgefühl recht instabil ist. Ich kritisiere mich gedanklich häufig selbst und verurteile mich oft für Dinge, die ich gesagt und gemacht habe.

    Und leider mache ich das nicht nur still für mich, sondern ich beobachte an mir, dass ich mich selber auch gerne im Gespräch mit anderen schlecht mache, auf Unzulänglichkeiten oder gar auf gemachte Fehler hinweise. - Eine Gewohnheit, die ich gerne ablegen würde, die aber andererseits auch mit meinem Wunsch kollidiert, mich so zeigen zu wollen, wie es in mir aussieht. - Ist dann dumm, wenn ich mich meist in meinen Unzulänglichkeiten wahrnehme und diese Betrachtung auch so nach Außen widergebe.
    Und ich finde es so schwer, diesen Mechanismus zu durchbrechen, ich weiß nicht, wie mir das gelingen könnte.

    Maaaann!! Und dabei bin ich kein Teenager mehr, sondern 40 Jahre alt!

  5. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    1 1/2 jahre nachdem ich aus meiner ehe gegangen war, als alles soweit zur ruhe kam----------- da kamen die panikattacken.......................

    das nennt sich posttraumatische belastungen.

    so lange du den kopf oben behalten "musst" kannst du vieles ausblenden----------- aber deine seele holt dich ein. dann wenn es ruhiger geworden ist und du meinst: jetzt müsste es ja wieder gehen, mit den belastungen jeglicher couleur- sagt deine seele: neeeee. mach mal schön langsam ich bin noch nicht soweit! ich schütze mich!

    dazu etwas von meiner therapeutin:

    sage du es ihr, sagt die seele zum körper, auf mich hört sie schon lange nicht mehr.

    du sagst du bist dünnhäutiger geworden- ich sage dir: du spürst jetzt eher wo deine seele dich warnt und stop ruft.

  6. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Nachtmahr Beitrag anzeigen
    ...Und leider mache ich das nicht nur still für mich, sondern ich beobachte an mir, dass ich mich selber auch gerne im Gespräch mit anderen schlecht mache, auf Unzulänglichkeiten oder gar auf gemachte Fehler hinweise. - Eine Gewohnheit, die ich gerne ablegen würde, die aber andererseits auch mit meinem Wunsch kollidiert, mich so zeigen zu wollen, wie es in mir aussieht. - Ist dann dumm, wenn ich mich meist in meinen Unzulänglichkeiten wahrnehme und diese Betrachtung auch so nach Außen widergebe.
    Und ich finde es so schwer, diesen Mechanismus zu durchbrechen, ich weiß nicht, wie mir das gelingen könnte.

    Maaaann!! Und dabei bin ich kein Teenager mehr, sondern 40 Jahre alt!
    Ach, mit 40 wird einem halt vieles erst klar. Um Lebenserfahrung zu bekommen, muß man halt erst ne Strecke gehen ...

    Also bist Du dir selbst ein sehr strenger Kritiker ...? Ein Ansatz ... Wieso, weshalb, warum... den auch mal in die Schranken weisen ... Entdecke die Möglichkeiten

  7. User Info Menu

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Nachtmahr Beitrag anzeigen
    Maaaann!! Und dabei bin ich kein Teenager mehr, sondern 40 Jahre alt!
    Was erwartest du eigentlich von dir?
    Was genau darf dir "nichts" ausmachen?

    Ich denke, je mehr du WILLST, dass du unempfindlich bist, desto stärker wird sich aus dem Untergrund der Groll melden.

    Warum nicht fühlen, dass einen etwas anfasst, dass man etwas ungerecht empfindet usw????
    Das Leben ist wie ein Duschvorhang. Kann schimmeln, muss aber nicht.

  8. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    1 1/2 jahre nachdem ich aus meiner ehe gegangen war, als alles soweit zur ruhe kam----------- da kamen die panikattacken.......................

    das nennt sich posttraumatische belastungen.

    so lange du den kopf oben behalten "musst" kannst du vieles ausblenden----------- aber deine seele holt dich ein. dann wenn es ruhiger geworden ist und du meinst: jetzt müsste es ja wieder gehen, mit den belastungen jeglicher couleur- sagt deine seele: neeeee. mach mal schön langsam ich bin noch nicht soweit! ich schütze mich!

    dazu etwas von meiner therapeutin:

    sage du es ihr, sagt die seele zum körper, auf mich hört sie schon lange nicht mehr.

    du sagst du bist dünnhäutiger geworden- ich sage dir: du spürst jetzt eher wo deine seele dich warnt und stop ruft.

    du findest immer die richtigen Worte

    Ich stimme dir zu. Selbst erlebt.

    Manches was wir glauben verarbeitet zu haben, hat sich nur zugedeckt. Das kommt dann eben erst wenn Zeit ist. Man selbst zur Ruhe gekommen ist.

    Nachtmahr - gib dir einfach mehr Zeit. Such dir ein schönes Hobby und sei gut dir. Mach Yoga oder geh Töpfern....

    Ich hörte gerade: Unser Schicksal findet uns! Und dies: Einsamkeit bringt uns dazu zu uns zu finden.

    Versuchs mal mit Meditation (mir hats geholfen)

  9. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Hallo Nachtmahr,

    ich vermute, dass du vorher so in Aktion warst - vergleichbar einem Wagon, der auf einer Schiene fährt -, dass du viele Kränkungen und Ärgernisse gar nicht so wahr genommen hast. Nun hast du einen Umbruch erlebt und dich mit dir und deinem Leben beschäftigt. Und plötzlich fällt dir auf, dass dich eine Freundin, ein Kollege nicht so behandelt, wie du es gerne hättest. Dass das eigentlich eine Frechheit oder Gemeinheit ist, wie sie sich verhalten (z.B.).
    Dass es dir nun auffällt, ist ein gutes Zeichen!
    Nur nicht eben angenehm …

    Ich wünsche mir auch oft, dass ich mich nicht so schnell aufregen würde (oder dass ich mich schneller wieder "abrege"). Oder nicht so empfindlich wäre. Mir hilft dann, mir zu sagen: "Ich mach, was ich will. Ich darf nach meinen Kriterien und Wertvorstellungen leben." (Was ja eigentlich klar ist. Aber manchmal muss ich mich daran erinnern.)

    Etwas mehr "OMMM" (Yoga o.ä.) hilft tatsächlich auch
    Geändert von Inaktiver User (23.09.2011 um 22:40 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Hallo Nachtmahr,

    ich schließe mich Fenimi an.
    Vielleicht kannst du erst jetzt, nachdem du den abprallenden Panzer des alten Jobs ablegst, dir bewusst werden wie andere Menschen wirklich mit dir umgehen und wie du gerne behandelt werden würdest.
    Soweit wäre das doch erst mal ein guter Schritt!
    Wenn du das für dich erkennst, und deine natürlichen Grenzen aufgebaut hast und auch verteidigen kannst, wirst du auch wieder ruhiger und stärker.

    Sobald es dir dann besser geht, wirst du bestimmt auch dir und anderen Menschen gegenüber wieder großzügiger sein können.
    Und nicht mehr alles persönlich nehmen, sondern erkennen, dass häufig Kritik etc. von anderen Menschen eben mit diesen Menschen und ihrer momentanen Situation zu tun hat.
    Du ruhst im Augenblick noch nicht in dir, eine Abgrenzung deiner Wahrnehmung und Gefühle zu den Aktionen anderer Menschen ist noch nicht so klar.

    Zusatz: hab Geduld mit dir und verwöhn dich ein bisschen
    Ich glaube je besser es einem Innen drin geht, desto besser geht es einem auch im Aussen mit den anderen Menschen.
    Geändert von Inaktiver User (24.09.2011 um 01:16 Uhr)

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