Fenimiwie nett, dass du nachfragst!
Wie es mir mit der Dünnhäutigkeit geht?
Nun, ich stelle fest, dass ich bezüglich Gruppendynamik und Gruppenverhalten noch sehr viel zu lernen habe. Irgendwie verstehe ich da ganz vieles nicht und liege auch gerne mal daneben, wenn ich in dieser Sache von mir aus gehen würde. Ganz viele Menschen verhalten sich in Gruppen anders, als ich das erwarten würde und auch anders, als ich mich verhalten würde.
Außerdem bin ich anderen gegenüber offen, wahrscheinlich zu offen und sehe dann erst im Nachhinein, dass ich ohne Schutzschild dastand und dass ich meinem Gegenüber direkten Zugriff auf mein Innerstes, meiner Gefühlswelt gewährt habe, weshalb mich Angriffe dann umso heftiger treffen.
Ich habe mit meiner Therapeutin darüber gesprochen und sie weiß um meine mangelnden Fertigkeiten hinsichtlich Selbstschutz versus sozialen Kontakten. Und ich sehe, dass ich diesbezüglich noch einiges zu lernen habe.
Schwierig finde ich die Balance zwischen Kontaktfreudigkeit und Offenheit einerseits und ausreichendem Selbstschutz andererseits - für mich keine einfache Gradwanderung.
Ab und zu habe ich den Wunsch, mich auf eine einsame Insel, fern von allen Menschen und nur mit meinen Tieren umringt, zurück zu ziehen - natürlich eine Utopie, denn ich brauche die Menschen.
Deshalb - und auch nochmal, um zum ursprünglichen Thema zurück zu kehren: ich sehe es als Aufgabe für mich, an Beziehungen zu arbeiten, diese gelingen zu lassen einerseits und gut auf mich selber Acht zu geben andererseits.
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Ergebnis 61 bis 68 von 68
Thema: Dünnhäutig geworden
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19.10.2011, 14:50
AW: Dünnhäutig geworden
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19.10.2011, 15:05Inaktiver User
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19.10.2011, 16:06
AW: Dünnhäutig geworden
Ich konnte deine Beiträge hier nicht alle en detail durchlesen, doch spontan ist mir ein Gedicht in den Sinn gekommen, das ich mir mal aufgeschrieben hatte (den Verfasser weiss ich leider nicht mehr)
(...)
Ich bitte dich
mach dich nicht hart
um Verletzungen zu widerstehn.
Sicher, die kleinen Brocken
werden an dir abprallen
doch die großen
könnten dich
zum Einsturz bringen.
Ich bitte dich
mach dich weich
um Verletzungen zu widerstehn.
Sicher, die kleinen Brocken
werden in dich eindringen
und die großen um so tiefer.
Doch sie werden aus dir zurückfedern
nachdem sie dich bereichert haben.
Ich bitte dich
mach dich verletzbar
und du wirst es
irgendwann
nicht mehr sein.
Liebe Grüße.
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19.10.2011, 17:53
AW: Dünnhäutig geworden
Hallo Junebug,
Danke für's Einstellen dieses Gedichtes. Es hat mich sehr berührt! Titel ist übrigens: "An ein gebranntes Kind" und der Autor heißt Jörn Pfennig. (Google sei Dank
rausgefunden)
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21.10.2011, 22:17
AW: Dünnhäutig geworden
@junebug 71: Das Gedicht ist wunderschön. Mich hat es auch berührt. Aber kann das gelingen, verletzbar zu bleiben und doch nicht "einzustürzen"?
Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer/eine, der wusste das nicht und hats gemacht
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21.10.2011, 22:19
AW: Dünnhäutig geworden
@Nachtmahr: Wie möchtest du diese erlernen - deine fehlenden Bausteine hinsichtlich Gruppendynamik und sozialer Fertigkeiten? Hast du da konkret Pläne oder möchtest du diese Fähigkeiten einfach im kommenden Alltag erlernen, ausbauen, erweitern.
Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer/eine, der wusste das nicht und hats gemacht
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25.10.2011, 08:54
AW: Dünnhäutig geworden
@Eliisa - Da habe ich keine Vorgehens-Gebrauchsanweisung für mich. Ich hoffe schlicht, indem ich mich immer wieder in Gruppen bewege, dort positive Erfahrungen machen zu können und durch die Ansammlung (hoffentlich) positiver Erfahrungen meine Scheu und Angst vor solchen Begegnungen zu verlieren und mich besser in Gruppen zurecht zu finden.
Hast du vielleicht eine Idee oder einen Ratschlag für mich?
In den letzten beiden Jahren habe ich mich, wie erwähnt, doch sehr zurück gezogen. Dieser Rückzug jedoch hat für mich nicht nur positive Auswirkungen, sondern hat meine Scheu noch verstärkt. Ich bin mir also nicht so sicher, ob ich mir selber damit einen Gefallen getan habe.
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29.10.2011, 16:02
AW: Dünnhäutig geworden
Liebe Nachtmahr,
ja, das kommt mir bekannt vor. Da wünscht sich frau einfach nur Hornhaut auf der Seele und die will sich einfach nicht bilden. Dabei tut frau doch alles: Der alte Job ist Geschichte, diverse Entspannungstechniken tun gut und dann fängst Du an zu weinen, wenn Dich der Tankwart mal doof anpault....
Mein Fazit ist: Wir verändern uns immer und mit über 40 Jahren muss und will ich nicht mehr die Lady aus Stahl sein. Ich zeige inzwischen meine weiche Seite und bin autenthisch.
Früher habe ich oft eine Fassade vor mich getragen und das hat unendlich viel Kraft gekostet. Heute habe ich die abgelegt und akzeptiert, dass meine Seele im Laufe des Lebens - warum auch immer - Schaden genommen hat. Kränkungen wird es im Leben immer geben, aber ich gehe wesentlich gelassener mit ihnen um.


wie nett, dass du nachfragst!
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