Es kann halt schon gut sein, dass die einen oder anderen Sorgen, was deine berufliche Zukunft anbelangt, berechtigt sind … Und andere kämpfen auch damit.
Oder haben diese Phase überwunden und - meine Erfahrung - dann wollen sie nichts mehr damit zu tun haben, gerade, weil sie es gut kennen.
In meinem weiblichen Freundes- und Kolleginnenkreis habe ich den Eindruck, dass vor allem positive Meldungen erwünscht sind, so das man sich gegenseitig Mut macht und Energie gibt. Da passe ich manchmal nicht rein mit meinem "Realismus".
Gerade in kreativen Berufen - und du willst ja ins Designfach - sucht man sich gern Leute, die einem Kraft geben und einen ein Bisschen mitziehen.
Die männlichen Kollegen sind einfach irritiert, wenn ich mal von Unsicherheiten berichte. Eben war ich für sie noch die Fachfrau in einem bestimmten Bereich und dann … Manche meinen dann auch, helfen zu müssen. Was überhaupt nicht meine Absicht war und mir sehr unangenehm ist.
Das sind natürlich Verallgemeinerungen. Mein Eindruck ist halt, dass für Männer die Grundhaltung ist, zu zeigen, dass man alles voll im Griff hat. Und dann kommt eine Frau und sagt, sie sei sich in dem und dem Punkt nicht ganz sicher …
Beispiel: Ich habe mal jemanden, mit dem ich beruflich zu tun hatte, beim Einkaufen getroffen. Wir plauderten über Gott und die Welt. In irgendeinem Zusammenhang erwähnte ich, dass mein Schulenglisch nicht besonders gut war. Er war geschockt, dass ich mich so klein machen konnte! Und ich sehr überrascht, denn meine Aussage war für mich eine wertungsfreie Tatsache und nicht von großer Bedeutung für mein fachliches Können. Ich bin ja nicht Übersetzerin!
Ich erzähle das alles, um das Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung noch einmal zu verdeutlichen. Deswegen müssen die anderen ja nicht gleich unaufrichtige Schaumschläger und Selbstdarsteller sein.
Besser bei sich selbst bleiben, im Blick behalten, wie man selbst leben will.
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Thema: Dünnhäutig geworden
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07.10.2011, 18:59Inaktiver User
AW: Dünnhäutig geworden
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07.10.2011, 19:09Inaktiver User
AW: Dünnhäutig geworden
Wie sieht denn eine Anerkennung fachlicher und eine menschliche Art aus? Wodurch unterscheiden sie sich?
Das ist ja die Frage, ob der Chef zu einer menschlichen Anerkennung, wie du sie möchtest, überhaupt in der Lage ist. Manche sagen "In Ordnung" und das ist dann schon die volle Anerkennung und ein aufrichtiges Lob.
Es ist doch auch mal sehr erholsam, wenn man sich nur auf der Sachebene bewegt. Das entlastet.
Gerade, wenn man an sich immer mit der ganzen Person und einem großen Schwung Gefühlen, Mitgefühl, Hoffnungen etc. bei der Sache ist.
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07.10.2011, 20:25Inaktiver User
AW: Dünnhäutig geworden
Ich möchte gemocht werden. Und gelobt. Oder bewundert. Ich geb's ja zu...

Da ich selbständig unterwegs bin, ist das nicht mein Thema. Aber gegenüber Lehrern waren mir Lob und eine persönliche Ebene immer sehr wichtig.Das ist ja die Frage, ob der Chef zu einer menschlichen Anerkennung, wie du sie möchtest, überhaupt in der Lage ist. Manche sagen "In Ordnung" und das ist dann schon die volle Anerkennung und ein aufrichtiges Lob.
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07.10.2011, 20:37Inaktiver User
AW: Dünnhäutig geworden
Wenn du eventuell beruflichen Anschluss suchst, Austausch, z.b. auch Zusammenarbeiten etc., musst du das professionell sehen. Und dich bestmöglich vermarkten - ja der Schein.
Da ist Jammern kontraproduktiv.
Wenn die anderen alleine mit dir sind, sind sie meist höflich und wirken damit mitfühlend etc.
Aber in Wirklichkeit denken sie etwas anderes - Loser! Sind sie in einer Gruppe wird gelästert und Rangordnung gebildet. Wenn du dann deine Schwächen bekannt gemacht hast, bist du ganz unten, unrespektiert, und beruflich uninteressant.
(Ich muss mir das auch immer wieder in Erinnerung rufen, und werde hoffentlich besser. Aber wieso sollten die anderen die auch nur mit Wasser kochen immer den ganzen Kuchen bekommen?!)
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07.10.2011, 20:52Inaktiver User
AW: Dünnhäutig geworden
Möchtest du dich als Einzelunternehmerin selbständig machen oder als Teil einer Gruppe?
Hast du mal versucht, die Ängste konkret aufzudröseln?
Wie hoch muss dein Umsatz sein, damit du davon leben kannst? Wie hoch sind die Kosten, wie ist die Marktlage? Ich würde alle diese Punkte genau durchgehen. Diffuse Ängste sind ein schlechter Ratgeber. Vielleicht liegt es auch daran, dass die anderen nicht darauf einsteigen?
Meine Erfahrung ist, dass man immer Hilfe und Tipps bekommt, wenn man ganz konkrete Fragen stellt, die andere auch beantworten können. Allgemeines Klagen über die berufliche Situation ist allerdings unproduktiv und hilft niemandem, im Gegenteil: damit füttert man seine Ängste nur noch mehr.
Ich gebe deiner Bekannten recht. Wer zu dünnhäutig für die Unwägbarkeiten einer Selbständigkeit ist, wird das kaum längere Zeit durchhalten. Allerdings kann man auch lernen, mit seinen Ängsten umzugehen und mit wachsender Erfahrung wird man gelassener.
Ich glaube nicht, dass man sich gegenüber Kollegen vermarkten muss. Man darf auch durchaus seine Gefühle zeigen. Nur sollte man die anderen nicht runterziehen, indem man diffuse Ängste schürt. Natürlich sind Kollegen angenehmer, die zwar auch mal fluchen, aber insgesamt Zuversicht ausstrahlen.
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08.10.2011, 01:47Inaktiver User
AW: Dünnhäutig geworden
Und das macht leider verletzlich …
Und die Dinge manchmal kompliziert.
Und du musst den richtigen Beruf dafür haben. Ich stelle mir gerade eine Steuerberaterin vor, die für ihre Leistung bewundert und geliebt werden will
Als Schauspielerin funktioniert das bestimmt besser, Lauren 
Nicht, dass ich dich nicht verstehen könnte …
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08.10.2011, 10:27Inaktiver User
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08.10.2011, 11:02Inaktiver User
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08.10.2011, 13:17
AW: Dünnhäutig geworden
Ja, diesen Eindruck habe ich auch.
Dabei fühle ich mich nicht als Loser, sondern ich gehe meinen Weg einfach nur zögerlich und manchmal stolpernd.
Das mit der Rangordnung bilden habe ich noch nie verstanden. Die Regeln, die das Verhalten in Gruppen lenken auch noch nie.
Kennt jemand von euch ein gutes Buch zum Thema Gruppenregeln, Sozialverhalten in Gruppen?
Das ist auch meine Rede! Yes, we go for it!!
Einzelunternehmer, aber in Teilzeit.
Ich mag mich mit meinen Ängsten nicht mehr auseinander setzen, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass mich das nicht weiterbringt. Stattdessen möchte ich ganz pragmatisch arbeiten, Dinge schaffen, konkrete Schritte weiter gehen statt bei meinen Ängsten zu verweilen.
Das ist meine Hoffnung und daran arbeite ich.
Ja, das wäre das einfachste. Nur kollidiert das häufig mit der eigenen Gefühlswelt.
Bist du so vernünftig oder im Reinen mit dir selbst, dass du das problemlos für dich umsetzen kannst?
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08.10.2011, 13:41Inaktiver User
AW: Dünnhäutig geworden
Reicht dir die Zeit dafür aus? Meine Erfahrung ist, dass man sich voll reinhängen muss, wenn man Erfolg haben will.
Es geht ja nicht nur um die kreative Arbeit, man ist auch eine Firma mit all dem damit verbundenen administrativen Kram. Und während man an einem Projekt arbeitet, muss man bereits die nächsten Aufträge rein holen.
Das ist eine sehr gute Einstellung.
Ja, ich kann inzwischen meine Gefühlswelt und die beruflichen Anforderungen auseinander halten. Die Emotionen werden durchaus in die beruflichen Projekte eingebracht, aber in der Form, dass ich mit meiner Arbeit zufrieden sein muss. Sie muss meinen eigenen Qualitätskriterien entsprechen.
Falls ich von anderen dafür gelobt werde, ist es schön, aber nicht wirklich entscheidend. Wichtiger ist, dass laufend neue Aufträge herein kommen und die Honorare pünktlich bezahlt werden.
Ich sehe das als ausreichende Anerkennung und muss nicht noch extra bewundert werden.



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