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  1. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Nachtmahr Beitrag anzeigen
    Vielleicht sitzen die anderen doch viel mehr im gleichen Boot wie ich, als es von außen immer so den Anschein hat?
    Es kann halt schon gut sein, dass die einen oder anderen Sorgen, was deine berufliche Zukunft anbelangt, berechtigt sind … Und andere kämpfen auch damit.
    Oder haben diese Phase überwunden und - meine Erfahrung - dann wollen sie nichts mehr damit zu tun haben, gerade, weil sie es gut kennen.

    In meinem weiblichen Freundes- und Kolleginnenkreis habe ich den Eindruck, dass vor allem positive Meldungen erwünscht sind, so das man sich gegenseitig Mut macht und Energie gibt. Da passe ich manchmal nicht rein mit meinem "Realismus".

    Gerade in kreativen Berufen - und du willst ja ins Designfach - sucht man sich gern Leute, die einem Kraft geben und einen ein Bisschen mitziehen.

    Die männlichen Kollegen sind einfach irritiert, wenn ich mal von Unsicherheiten berichte. Eben war ich für sie noch die Fachfrau in einem bestimmten Bereich und dann … Manche meinen dann auch, helfen zu müssen. Was überhaupt nicht meine Absicht war und mir sehr unangenehm ist.

    Das sind natürlich Verallgemeinerungen. Mein Eindruck ist halt, dass für Männer die Grundhaltung ist, zu zeigen, dass man alles voll im Griff hat. Und dann kommt eine Frau und sagt, sie sei sich in dem und dem Punkt nicht ganz sicher …

    Beispiel: Ich habe mal jemanden, mit dem ich beruflich zu tun hatte, beim Einkaufen getroffen. Wir plauderten über Gott und die Welt. In irgendeinem Zusammenhang erwähnte ich, dass mein Schulenglisch nicht besonders gut war. Er war geschockt, dass ich mich so klein machen konnte! Und ich sehr überrascht, denn meine Aussage war für mich eine wertungsfreie Tatsache und nicht von großer Bedeutung für mein fachliches Können. Ich bin ja nicht Übersetzerin!

    Ich erzähle das alles, um das Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung noch einmal zu verdeutlichen. Deswegen müssen die anderen ja nicht gleich unaufrichtige Schaumschläger und Selbstdarsteller sein.
    Besser bei sich selbst bleiben, im Blick behalten, wie man selbst leben will.

  2. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mir persönlich scheint das Zwischenmenschliche wichtiger als jeder Erfolg - oder nein, anders, Erfolg ist mir sehr wichtig, aber der Erfolg ist für mich nur ein wirklicher, wenn er positiv, und zwar nicht nur sachlich, sondern auch menschlich anerkannt wird.
    Wie sieht denn eine Anerkennung fachlicher und eine menschliche Art aus? Wodurch unterscheiden sie sich?

    Das ist ja die Frage, ob der Chef zu einer menschlichen Anerkennung, wie du sie möchtest, überhaupt in der Lage ist. Manche sagen "In Ordnung" und das ist dann schon die volle Anerkennung und ein aufrichtiges Lob.

    Es ist doch auch mal sehr erholsam, wenn man sich nur auf der Sachebene bewegt. Das entlastet.
    Gerade, wenn man an sich immer mit der ganzen Person und einem großen Schwung Gefühlen, Mitgefühl, Hoffnungen etc. bei der Sache ist.

  3. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wie sieht denn eine Anerkennung fachlicher und eine menschliche Art aus? Wodurch unterscheiden sie sich?
    Ich möchte gemocht werden. Und gelobt. Oder bewundert. Ich geb's ja zu...

    Das ist ja die Frage, ob der Chef zu einer menschlichen Anerkennung, wie du sie möchtest, überhaupt in der Lage ist. Manche sagen "In Ordnung" und das ist dann schon die volle Anerkennung und ein aufrichtiges Lob.
    Da ich selbständig unterwegs bin, ist das nicht mein Thema. Aber gegenüber Lehrern waren mir Lob und eine persönliche Ebene immer sehr wichtig.

  4. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Wenn du eventuell beruflichen Anschluss suchst, Austausch, z.b. auch Zusammenarbeiten etc., musst du das professionell sehen. Und dich bestmöglich vermarkten - ja der Schein.
    Da ist Jammern kontraproduktiv.

    Wenn die anderen alleine mit dir sind, sind sie meist höflich und wirken damit mitfühlend etc.
    Aber in Wirklichkeit denken sie etwas anderes - Loser! Sind sie in einer Gruppe wird gelästert und Rangordnung gebildet. Wenn du dann deine Schwächen bekannt gemacht hast, bist du ganz unten, unrespektiert, und beruflich uninteressant.

    (Ich muss mir das auch immer wieder in Erinnerung rufen, und werde hoffentlich besser. Aber wieso sollten die anderen die auch nur mit Wasser kochen immer den ganzen Kuchen bekommen?!)

  5. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Nachtmahr Beitrag anzeigen
    Konkret: ich versuche seit einiger Zeit, in einer Berufsgruppe Anschluss zu finden. Diese Gruppe besteht aus vielen Exkommilitonen und anderen Leuten, die genau in dem Bereich (Design) arbeiten, in dem auch ich arbeite. Dieser Kontakt ist mir sehr wichtig, weil ich eine Selbstständigkeit in diesem Bereich anstrebe und mir einen Erfahrungsaustausch diesbezüglich wünsche.
    Möchtest du dich als Einzelunternehmerin selbständig machen oder als Teil einer Gruppe?

    Zitat Zitat von Nachtmahr Beitrag anzeigen
    Nun hadere ich aber immer wieder sehr und kämpfe mit vielen Ängsten hinsichtlich der ungewissen Zukunft.
    Hast du mal versucht, die Ängste konkret aufzudröseln?
    Wie hoch muss dein Umsatz sein, damit du davon leben kannst? Wie hoch sind die Kosten, wie ist die Marktlage? Ich würde alle diese Punkte genau durchgehen. Diffuse Ängste sind ein schlechter Ratgeber. Vielleicht liegt es auch daran, dass die anderen nicht darauf einsteigen?

    Meine Erfahrung ist, dass man immer Hilfe und Tipps bekommt, wenn man ganz konkrete Fragen stellt, die andere auch beantworten können. Allgemeines Klagen über die berufliche Situation ist allerdings unproduktiv und hilft niemandem, im Gegenteil: damit füttert man seine Ängste nur noch mehr.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Eine Bekannte von mir kann es nicht so gut leiden, wenn jemand davon berichtet, dass er Schwierigkeiten mit der Unsicherheit oder den Kröten hat, die man in ihrem Beruf schlucken muss. Sie sagt dann immer: "Das gehört zum Berufsbild. Das wusste man vorher."
    Das finde ich schon hart, aber etwas ist dran.
    Ich gebe deiner Bekannten recht. Wer zu dünnhäutig für die Unwägbarkeiten einer Selbständigkeit ist, wird das kaum längere Zeit durchhalten. Allerdings kann man auch lernen, mit seinen Ängsten umzugehen und mit wachsender Erfahrung wird man gelassener.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn du eventuell beruflichen Anschluss suchst, Austausch, z.b. auch Zusammenarbeiten etc., musst du das professionell sehen. Und dich bestmöglich vermarkten - ja der Schein.
    Da ist Jammern kontraproduktiv.
    Ich glaube nicht, dass man sich gegenüber Kollegen vermarkten muss. Man darf auch durchaus seine Gefühle zeigen. Nur sollte man die anderen nicht runterziehen, indem man diffuse Ängste schürt. Natürlich sind Kollegen angenehmer, die zwar auch mal fluchen, aber insgesamt Zuversicht ausstrahlen.

  6. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich möchte gemocht werden. Und gelobt. Oder bewundert. Ich geb's ja zu...
    Und das macht leider verletzlich …
    Und die Dinge manchmal kompliziert.

    Und du musst den richtigen Beruf dafür haben. Ich stelle mir gerade eine Steuerberaterin vor, die für ihre Leistung bewundert und geliebt werden will Als Schauspielerin funktioniert das bestimmt besser, Lauren

    Nicht, dass ich dich nicht verstehen könnte …

  7. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich möchte gemocht werden. Und gelobt. Oder bewundert. Ich geb's ja zu...
    wir möchten alle gemocht und anerkannt sein. ich finde das etwas ganz natürliches.

    bei unterschiedlichen menschen für unterschiedliche aktionen.

  8. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und das macht leider verletzlich …
    Und die Dinge manchmal kompliziert.

    Und du musst den richtigen Beruf dafür haben.
    Die Erwartung, im Beruf gemocht und bewundert zu werden, ist riskant. Wichtiger ist, dass man selbst von seiner Arbeit überzeugt ist, nur dann kann man sie auch erfolgreich nach außen kommunizieren.

  9. User Info Menu

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn die anderen alleine mit dir sind, sind sie meist höflich und wirken damit mitfühlend etc.
    Aber in Wirklichkeit denken sie etwas anderes - Loser! Sind sie in einer Gruppe wird gelästert und Rangordnung gebildet. Wenn du dann deine Schwächen bekannt gemacht hast, bist du ganz unten, unrespektiert, und beruflich uninteressant.
    Ja, diesen Eindruck habe ich auch.
    Dabei fühle ich mich nicht als Loser, sondern ich gehe meinen Weg einfach nur zögerlich und manchmal stolpernd.

    Das mit der Rangordnung bilden habe ich noch nie verstanden. Die Regeln, die das Verhalten in Gruppen lenken auch noch nie.
    Kennt jemand von euch ein gutes Buch zum Thema Gruppenregeln, Sozialverhalten in Gruppen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Aber wieso sollten die anderen die auch nur mit Wasser kochen immer den ganzen Kuchen bekommen?!
    Das ist auch meine Rede! Yes, we go for it!!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Möchtest du dich als Einzelunternehmerin selbständig machen oder als Teil einer Gruppe?
    Einzelunternehmer, aber in Teilzeit.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hast du mal versucht, die Ängste konkret aufzudröseln?
    [...] Diffuse Ängste sind ein schlechter Ratgeber.
    Ich mag mich mit meinen Ängsten nicht mehr auseinander setzen, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass mich das nicht weiterbringt. Stattdessen möchte ich ganz pragmatisch arbeiten, Dinge schaffen, konkrete Schritte weiter gehen statt bei meinen Ängsten zu verweilen.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wer zu dünnhäutig für die Unwägbarkeiten einer Selbständigkeit ist, wird das kaum längere Zeit durchhalten. Allerdings kann man auch lernen, mit seinen Ängsten umzugehen und mit wachsender Erfahrung wird man gelassener.
    Das ist meine Hoffnung und daran arbeite ich.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Erwartung, im Beruf gemocht und bewundert zu werden, ist riskant. Wichtiger ist, dass man selbst von seiner Arbeit überzeugt ist, nur dann kann man sie auch erfolgreich nach außen kommunizieren.
    Ja, das wäre das einfachste. Nur kollidiert das häufig mit der eigenen Gefühlswelt.

    Bist du so vernünftig oder im Reinen mit dir selbst, dass du das problemlos für dich umsetzen kannst?

  10. Inaktiver User

    AW: Dünnhäutig geworden

    Zitat Zitat von Nachtmahr Beitrag anzeigen
    Einzelunternehmer, aber in Teilzeit.
    Reicht dir die Zeit dafür aus? Meine Erfahrung ist, dass man sich voll reinhängen muss, wenn man Erfolg haben will.
    Es geht ja nicht nur um die kreative Arbeit, man ist auch eine Firma mit all dem damit verbundenen administrativen Kram. Und während man an einem Projekt arbeitet, muss man bereits die nächsten Aufträge rein holen.

    Zitat Zitat von Nachtmahr Beitrag anzeigen
    Stattdessen möchte ich ganz pragmatisch arbeiten, Dinge schaffen, konkrete Schritte weiter gehen statt bei meinen Ängsten zu verweilen.
    Das ist eine sehr gute Einstellung.

    Zitat Zitat von Nachtmahr Beitrag anzeigen
    Ja, das wäre das einfachste. Nur kollidiert das häufig mit der eigenen Gefühlswelt.

    Bist du so vernünftig oder im Reinen mit dir selbst, dass du das problemlos für dich umsetzen kannst?
    Ja, ich kann inzwischen meine Gefühlswelt und die beruflichen Anforderungen auseinander halten. Die Emotionen werden durchaus in die beruflichen Projekte eingebracht, aber in der Form, dass ich mit meiner Arbeit zufrieden sein muss. Sie muss meinen eigenen Qualitätskriterien entsprechen.
    Falls ich von anderen dafür gelobt werde, ist es schön, aber nicht wirklich entscheidend. Wichtiger ist, dass laufend neue Aufträge herein kommen und die Honorare pünktlich bezahlt werden. Ich sehe das als ausreichende Anerkennung und muss nicht noch extra bewundert werden.

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