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  1. Inaktiver User

    AW: Persönlichkeit und Informationen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    öhm;

    also ich würde jetzt nicht sagen dass irgendwas abzulehnen ist nur weil das im Moment "in" ist, ich aber so ein super-individueller-Mensch bin
    Da bin ich ganz bei Dir! Wenn sich persönlicher Geschmack und allgemeiner Geschmack zeitweise decken, kann man ja nix dafür! Und kann ausgelebt werden ...

  2. Inaktiver User

    AW: Persönlichkeit und Informationen

    Hey, hier hat sich ja einiges getan. Ich freu' mich

    Den Menschen zeichnet m.E. vielmehr aus, wie er mit den vielfältigen Informationen umgeht.
    Tja, das gehört dann wohl auch zur Persönlichkeit dazu. Ich kann es nicht besonders gut. Vor allem, wenn die Infos mehr oder weniger kostenlos an mich herangetragen werden Da ich nicht über viel Geld verfüge, bin ich halt ziemlich drauf angewiesen, das zu nehmen, was grad da ist.

    Bücher bekomme ich zur Zeit von einer Freundin geliehen. Die muss irgendwie schneller lesen als ich. Deren Bücherregal füllt sich nahezu wie von Geisterhand. Aber vielleicht nimmt sie sich mehr Zeit dafür während ich mir zur Auflage gemacht habe immer nur vor dem Einschlafen zu lesen, damit ich auch noch was anderes mache tagsüber. Da bin ich jetzt schon ziemlich stolz drauf, denn irgendwie wollte ich ja noch was "erreichen" im Leben. Die Bücher finde ich auch interessant, aber sie liegen da quasi schon Schlange, weil ich immer nur ein paar Seiten schaffe abends und zur Zeit einen über 800 Seiten Klopper lese Nun, und sie hat etwas mehr Kohle und geht dann in den Laden und kauft sich das, worauf sie Lust hat. Eigentlich ist es ja nicht so schlecht, denn ich bin mittlerweile schon so weit aufgrund des Bücherandrangs und der vergleichsmäßig wenigen Zeit, dass ich nur die lese, die ich auch wirklich gut finde.

    Trotzdem habe ich immer noch den Hang dazu, dass ich z. B. inner Bücherei, wo ich für n Obolus jede Menge Auswahl habe mich nicht so recht entscheiden kann und mir selber zu viel Druck mache. So nach dem Motto: greif zu solange du noch kannst usw. Wahrscheinlich ist es das. Das Prioritäten setzen fällt mir sehr schwer. Erstmal dieses Buch/Hörbuch, wer weiß schon, ob man noch dazu kommt ein nächstes Buch zu lesen. Umfunktionieren von der Idee, sich das Beste bis zum Schluss aufzuheben und sich auch irgendwie die Sachen anzueignen, die mich nicht sooo vom Hocker hauen.

    Mut zur Lücke sollte man heute haben. Aber ich empfinde die Lücken als ziemlich groß. Sogar als Spezialist ist man auf seinem Gebiet oft nicht der Beste, weil das schon zuviel an Info ist. Und meine Konzentrationsfähigkeit ist sowieso schon so schlecht. Möglicherweise auch durch den Stress, den ich mir mache

    Ich komme mir oft vor wie ein richtiger Idiot, der von nix ne Ahnung hat.

    Das Ganze ist ja auch eine Sache des Alters. Mir ist es z.B völlig egal, was in den Hörercharts gespielt wird.
    Als ich noch ein Teenager war, ist der Himmel eingestürzt, wenn ich da nicht uptodate war.
    Da hast du recht. Ist mir auch nicht unbedingt sooo wichtig. Aber ich habe festgestellt, dass meine Jahre irgendwie gar kein richtiges Gesicht mehr haben. Ich muss oft überlegen bei Ereignissen aus meinem persönlichen Bereich in welchem Jahr das nochmal gewesen ist? Ich weiß das oft gar nicht mehr. Das finde ich schlimm.

    Kann das damit zusammenhängen, dass man das Datum nicht mehr jeden Tag irgendwohin schreibt? Oder eben dass ich die Geschehnisse am Bildschirm nicht mehr mitverfolge?

    Genau - mich lassen solche neuen Sender auch kalt.

    Mein Mann hat jetzt im Auto Digitalradio - es klingt super, aber wirklich wichtig finde ich sowas nicht.
    Für sowas bin ich auch sofort zu begeistern. Soooo viele Radiosender. Man - da sitze ich dann erstmal am Internet und sortiere die Sender aus und möchte gucken, welcher Sender am Besten zu mir passt. Aber die Zeit rennt mir davon.

    Ich habe mir darüber gestern nochmal Gedanken gemacht. Wir haben hier in der Region Lokalsender, die neu aus dem Boden gestampft wurden. Interessant finde ich das schon. Aber letztlich für mich nicht sooo interessant, da die Infos doch insgesamt ziemlich dürftig zu sein scheinen. 3 Titel - Jingle - 3 Titel - Jingle - Kurznachrichten - 3 Titel - Jingle usw. Da muss man wohl zu bestimmter Zeit einschalten. Ich werde da noch gucken, wann es sich lohnt reinzuhören, wenn überhaupt.

    Letztlich dachte ich mir gestern ich halte mich einfach an das Regionalradio. Warum soll ich MDR oder WDR hören? Die spielen auch keine bessere Musik und ich mag eben schon das regional Bezogene. Mh, ich glaube, ich schaff' das noch. Es hilft schon abzugrenzen, was will ich überhaupt, was ist mir wichtig, was macht mir Spaß? Den letzteren Faktor lasse ich oft außer Acht und versuche in einer Hinsicht der Leistungsgesellschaft gerecht zu werden, was mir aber eh nicht gelingt, da ich keine Fuhr reinkriege

    Ich bin auch nicht bei Facebook und anderen Netzwerken - interessiert mich nicht.
    Dazu bin ich zu neugierig, um nicht dabei zu sein Aber ich beschränke mich meist aufs Einloggen, kurz reingucken und wieder abmelden. Ab und zu gucke ich nach Personen, die mich interessieren. Aber alles in allem, bin ich wenig dort zu sehen. Gar keine Zeit

    Ich lese die Zeitung und sehe Nachrichten im TV - auch im Internet. Und dann entscheide ich immer noch selbst, was für mich wichtig ist.
    Jo, bleibt einem ja nix übrig. Selbst wenn man es wollte, man schafft ja auch gar nicht alles Aber ich neige eben dazu, mich doch dann mit Dingen zu beschäftigen, weil ich denke, man sollte das vielleicht doch wissen oder so.

    Was andere mögen und toll finden ist nicht immer auch mein Ding.
    Geht mir genauso. Ist ja im Grunde auch das, was die eigene Persönlichkeit ausmacht. Manche Menschen können sich gut verkaufen, eben weil sie sich mit dem beschäftigen, was sie total interessiert und wo sie gut darin sind. Das wirkt dann unheimlich anziehend auf andere und man findet das dann plötzlich auch interessant

    Ich muss mir das noch in meinen Schädel hämmern, dass die Menschen jeweils für sich gesehen gar nicht immer sooo flexibel sind in ihrem Wesen. Das wirkt sicher nur so auf mich, dass die Leute so wahnsinnig viele Interessen haben und trotzdem noch was gebacken kriegen im Leben?! Im Grunde hat jeder einen Job und oft vielleicht gar keine Zeit mehr für Hobbies. Oft aber doch - und das irritiert mich dann und ich denke, mensch, warum kannst du nur so wenig am Tag abrödeln

    Liegt wohl oft daran, wenn jemand einmal im Jahr zum Nürburgring fährt und sich das anguckt steht das bei Facebook als Interesse bzw. Hobby drin. Und man denkt, weil da noch so viele andere Sachen drin stehen: "Wie macht der/die das nur?" Geht Vollzeit arbeiten, ins Fitnessstudio, geht am Wochenende aus, sieht aus wie aus dem Katalog, geht also öfter Klamotten einkaufen, was auch Zeit kostet und und und. Ich weiß nicht, ob die mehr Stunden am Tag haben. Vielleicht weil sie mit 5 Stunden Schlaf auskommen und ich doppelt so viel brauche?

    Also auf mich wirkt das alles so komplex, weil ich wohl in meinem Schädel das nicht so recht trennen kann, das eine Person die und die Interessen hat, eine andere die und die Interessen - und nicht eine Person alle diese Interessen haben kann und sich auch noch damit beschäftigen kann. Ist doch so?!

    Etwas gerade nicht zu wissen bricht mir auch keinen Zacken aus der Krone!!
    Mit dem, was ich nicht weiß, könnte man ganze Bücher füllen Aber ich muss da auch etwas gelassener werden.

    Bei der Jobsuche soll man ja auch immer so'n Überflieger sein, habe ich manchmal den Eindruck. Was da alles verlangt wird. Und ich habe sowieso schon tierisch Probleme, überhaupt was geregelt zu kriegen.

    ich vertraue im Großen und Ganzen darauf, dass die Informationen zu mir finden, die mich interessieren und die auch zu mir passen. Dafür sorgt schon meine selektive Wahrnehmung, die den Großteil der für mich nicht relevanten Informationen rausfiltert.
    Sinnvoll ist das. Dazu muss man wohl wissen, was man wirklich will im Leben. Ich lasse mich wohl auch zu sehr durch die Begeisterung anstecken und bin der irrigen Auffassung, wenn ich mich dann auch mit dem Thema beschäftige, habe ich genauso viel Power und Ausstrahlung wie die Type. Schön dämlich.

    Die Buchwelt verfolge ich schon etwas systematischer, picke mir aber auch hier gezielt raus, was mich interessiert.
    Ins Kino oder Konzert gehe ich auch nur sehr gezielt.
    Also keine Experimente? Hört sich aber sehr venünftig an. Warum sich mit etwas rumschlagen, was einen nur mäßig bis gar nicht interessiert, nur um den guten Willen zu beweisen?

    Es gibt auch Themengebiete, die mich mit unterschiedlicher Intensität interessieren. Eine Zeitlang war es Mode, da hab ich viele Modemagazine gekauft und war ziemlich auf dem Laufenden. Im Moment verfolge ich das nur noch am Rande. Dafür ist das Thema Einrichten und Wohnen wieder mehr in den Fokus gerückt, das mich jahrelang interessiert hat. Entsprechend findet derzeit eher mal eine Wohnzeitschrift den Weg zu mir. Irgendwann kommt wieder ein anderes Thema dran.
    Interessant. Du würdest dann bei Facebook schreiben, Interessen: Wohnen und Mode. Und ich würde verzweifelt an meiner Tastatur sitzen und mich fragen, wie du das alles gleichzeitig geschaukelt kriegst

    Ich glaube eher, dass meine Persönlichkeit die Themen anzieht, die gerade dran sind und nicht umgekehrt die Informationen meine Persönlichkeit beeinflussen.
    Vielleicht ist es auch so rum. Dazu braucht man wohl eine gefestigte Persönlichkeit. Man hat sich quasi schon gefunden. Das heißt aber sicher nicht, dass man nicht auch mal was Neues an sich heranlässt und neugierig ist.

    Ich kümmere mich immer weniger um das, was "angesagt" ist, und immer mehr um das, wovon mir Leute, deren Geschmack ich vertraue, mir erzählen. Das sind durchaus auch Leute im Internet. Wenn die richtigen "Kreise" über eine neue Fernsehserie reden, bestell ich mir die DVDs ohne weitere Nachfragen. Wenn auf einem meiner Lieblingsblogs Bücher empfohlen werden, dann setz ich die zumindest auf den Wunschzettel. Wenn ich auf YouTube über etwas falle, das mit spannender Musik unterlegt ist, hol ich mir die CD. (Wird leider aufgrund der zunehmenden Kontrolle von YouTube durch die Verleger immer seltener, deswegen kaufe ich immer weniger CDs. Vanitas Vanitatem.)
    So funktioniert das wohl. Sie Freundin, die mir ihre Bücher leiht. Ich bin aber sehr kontaktarm und daher eher auf die Medien angewiesen Unter andrem liegt das eben daran, dass ich nicht alles auf einmal kann. Ständiges Telefongebimmel und anderen Hobbies oder Pflichten frönen.

    Der Mode renne ich auch nicht hinterher. Aber man muss wirklich schon stark sein, wenn rund um einen herum alle den neuesten Schrei haben und du vielleicht der einzige bist, der das nicht hat.

    Absolut faszinierend fand ich einen Mann, der wirklich eine Persönlichkeit ist und mit einem alten Auto und einem uralten Handy lebt. Direkt neben ihm die Frau, die sich verzweifelt versucht aufzuwerten durch Menschen wie ihn und mit einem krachneuen Markenwagen und Blackberry zu punkten versuchte. Was glaubt ihr wer mich mehr beeindruckt hat? Okay, vielleicht verdient er nicht genug, um sich das zu leisten. Aber ich glaube, der legt auch gar keinen Wert drauf. Ich bin im Grunde auch so gestrickt, aber es ist schon schwer, den Verführungen zu widerstehen. Und wenn ich mehr Geld hätte - wer weiß.

    So lese ich als Japaninteressierte z.B. alles in der Zeitung und teilweise auch online über Fukushima, während ich den Nahostkonflikt noch nie ganz verstanden habe und dazu auch nichts lese.
    Ich mache mir das manchmal nen Kopp drum, dass ich nicht weiß, was jetzt mit aktuellen Nachrichten und so ist. Ich muss leider zugeben, dass ich das mit den Nachrichten oft auch gar nicht so richtig verstehe. Die Idee ist nicht schlecht, dass ich mich da auch nur auf bestimmte Themen stürzen könnte, die mich interessieren und den Rest einfach links liegen lasse. Pfff Ich weiß aktuell gar nicht mehr, welche Minister wir eigentlich haben

    Ich interessiere mich für Gothic Metal, Symphonic Metal und Progressive Metal, Jazz und HipHop gingen mir schon immer am Arsch vorbei, und die aktuelle Sommernöle in den Charts muss ich nicht kennen.
    Mh, habe auch meine Musikrichtungen. Die Charts werden da für mich auch immer uninteressanter. Aber es gibt ja auch Charts in allen möglichen Musikrichtigungen, wo ich manchmal denke, das wäre ein guter Anhaltspunkt, um an gefällige neue Titel zu kommen. Aber das kriege ich raus, wenn ich ab und zu Radio höre. Das geht ja dann ganz automatisch. Wenn mir da was gefällt, das kann ich mitschneiden oder mir kaufen oder so. Und den Rest lassen wa einfach weg.

    Ich war noch so bescheuert und wollte die Sachen in der Bibliothek durchhören, ob da was für mich dabei ist, was mir gefällt. Kein Wunder, dass ich vollkommen gestresst bin. Das braucht nämlich richtig Zeit. Ich mach's jetzt so, dass ich das aus dem Radio rausfiltere, was mir gefällt. Fertig!

    Dasselbe mit den Büchern: Da hab ich meine Themen, andere Bücher lese ich nicht.
    Bestseller lese ich nur dann, wenn sie mich interessieren. Ich lese niemals ein Buch nur, um mitreden zu können, ich schaue auch nie einen Film, nur um mitreden zu können.
    Mitreden muss ich auch nicht unbedingt. Wenn andere davon erzählen, sind sie oft auch froh, wenn sie was wissen, was ich nicht weiß und können mir dann bei Interesse davon berichten. Aber oft wird dann natürlich das Interesse geweckt. Wenn so viel davon schwärmen, muss es gut sein. Aber ich schätze, dass ich das schon automatisch mache, dass ich dann die Sachen lese, die mich interessieren. SciFi z. B. ist so gar nicht mein Ding. Das würde ich wohl auch nicht lesen, wenn mir jemand anderes davon vorschwärmt. Oft denke ich eben, weil mein Interesse relativ breit gefächert ist, dass ich keine Persönlichkeit habe.

    Ein gutes Beispiel: Ich bin Fan von einer Sängerin, die schon seit meiner Kindheit Musik macht. Sie war jahrelang beim selben Produktionsteam und mir haben eigentlich alle ihrer Lieder gefallen. Die einen mehr, die anderen weniger. Aber so wie andere Fans oft Titel richtig in die Tonne kloppen wollten, danach war mir nie und ich dachte schon, dass man mir wohl echt alles andrehen kann. Doch seit ein paar Jahren ist sie bei einem neuen Produktionsteam und ich merke, dass es nicht mehr so gut ist wie vorher. Also habe ich doch noch einen eigenen Geschmack. Ich bin zwar oft noch nachsichtiger als andere Musikhörer, aber ich bin nicht mehr so begeistert wie das vorher der Fall war und durchaus kritischer geworden. Das hat mich irgendwo auch ein wenig beruhigt, da ich auch schon dachte, mir fehlt irgendwie die Persönlichkeit.

    Von dieser Art der Prestigehuberei habe ich mich freigemacht.
    Ist mir auch zu blöde und auch viel zu stressig und fremdbestimmt, auch zu teuer.

    Ich kann damit leben, dass andere zu vielen Themen besser informiert sind als ich. Schließlich bin ich bei etlichen Themen auch besser informiert als sie.
    Und wenn man was nicht weiß, kann man sich das ja von jemandem erklären lassen - oder man liest es nach. Aber dazu gehört eben schon eine gewisse Motivation.
    Ich hab' auch schon gedacht, dass man am besten einen gut durchsortierten Bekanntenkreis hat, wo man für jedes Gebiet einen Spezialisten hat, den man befragen kann.

    Das Wissen der Menschheit hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht, die Informationen werden immer mehr - da kann man nur noch selektieren.
    Was nämlich nicht unendlich ist, ist unsere Energie - und vor allem unsere Lebenszeit!
    Ja, das merke ich. Und ich merke, dass ich viel zu viel Energie da hinein hänge und mich verzettel. Aber ich bin sicher, ich krieg' das hin.

    Es wäre eine Verschwendung von Lebenszeit, ständig allen Informationen hinterher zu rennen - zumal sie immer schneller veralten.
    Ja, das ist der Punkt. Goethe konnte noch auf vielen Gebieten studieren und sich weiterbilden. Heute wäre das nicht mehr möglich.

    Ein richtiger Fachidiot zu sein und sich immer nur mit demselben Thema zu beschäftigen ist aber auch irgendwie angsteinflößend. Da komme ich mir auch irgendwie verloren vor, obwohl das Spezialisieren heutzutage aber wohl die einzige Überlebensstrategie ist.

    Der Mensch ist was er isst... auch im übertragenen Sinn?!?!
    So ähnlich.

    Aber wir werden nicht nur durch Massenmedien und neue Informationstechnologien konditioniert, die leider sehr präsent sind und einen großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung & Verhalten haben, sondern in erster Linie durch unser persönliches Umfeld und den Menschen, denen wir begegnet sind und noch begegnen werden. Eltern, Familie, Freunde, Arbeitskollegen. (Alleinstehende Menschen haben es allerdings schwerer, sich diesem Mediensog zu entziehen oder sich von ihm abzuschirmen, da oft Fernsehen, Internet, etc. Sozialkontakte - mehr oder weniger - ersetzen.)
    Tja, so ist es wohl. Aber auch wenn ich mir neue Kontakte suchen möchte, kriege diese Kontakte dementsprechend meines Inputs. Wenn ich mir den ganzen Tag die Gerichtsshows angucke, kann ich nicht erwarten, dass ich gut situierte, gebildete Kontakte an Land ziehe, da ich selber ja auch nix zu bieten habe.

    Ich denke aber auch, dass es in Zukunft immer wichtiger wird, ein Selbst-Bewußtsein zu haben und/oder zu entwickeln, um sich in einem immer vielfältiger werdenden Angebot an Lebensentwürfen, Meinungen, Kulturen, Moden usw. zurechtzufinden und sich mit Hilfe von stetiger Selbstreflexion plus Bauchgefühl in einer sich immer schneller ändernden Welt seinen eigenen Weg zu bahnen. Das ist nicht sehr bequem, aber es ist die einzige Möglichkeit. m.M.
    Da arbeite ich dran. Ich muss mehr darauf hören, was ich selbst möchte und was mir gefällt und wo ich Spaß dran habe. Bin oft eher im Raster, was könnte mir beruflich helfen oder bei anderen gut ankommen. Und das bringt eigentlich dann überhaupt gar nix Ich bin viel zu verkrampft und verkniffen Das muss besser werden.

    Denkst du, daß es schwerer ist, ein authentisches Selbst zu finden, wenn man von vielerlei Einflüssen umgeben ist, als wenn man in einer Kultur ohne nennenswerte Alternativen lebt?

    Erscheint mir etwas kontraintuitiv.
    Also ist es schon nicht schlecht, wenn man viele Angebote hat in einer Gesellschaft. Das denke ich auch. Aber auch der Druck, den man sich macht, wegen andere Menschen, die sich eben auch mit vielen Hobbies und Interessen interessant machen. Huch - Interessen - interessant. Das hängt wohl zusammen.

    Also quasi der Konkurrenzdruck, mithalten wollen, nicht unbedingt im Sinne von up-to-date-sein, aber doch interessant. Oft habe ich den Eindruck, wer nicht irgendeine Form von Unterhaltung bieten kann im Bekanntenkreis, da will keiner was mit zu tun haben. Menschen wollen immer mehr unterhalten werden. Z. B. gibt es Leute, die nicht still am Kaffeetisch hocken können, die sich schnell langweilen. Ich finde diese Entwicklung ziemlich schlimm. Aber so ist es heute eben.

    Wo keine Angebote sind, muss man sich aber auch keinen Stress mit Entscheidungen machen und das Gefühl haben, was zu verpassen oder abzukacken und ausgegrenzt zu werden bzw. sich selbst auszugrenzen. Oder man passt in der Arbeitswelt eher nicht zu den anderen, weil auch da der Gruppendruck irgendwo präsent ist und man gewisse Dinge einfach mitmachen sollte, wenn man nicht komplett draußen stehen will. Muss nicht unbedingt sein, aber man hat es dann wohl etwas schwerer. Und das wird auch komplizierter, wenn es viele andere Themengebiete gibt, die mich im Gegensatz zu den Kollegen interessieren. Wenn es nicht anderes im Angebot gibt als Feiern und Essen und so, dann bin ich wohl eher geneigt dazu, diesem Angebot zu folgen.

    Wenn die Kollegen gerne ins Kino gehen, habe ich Pech, weil ich nicht einsehe so viel Geld dafür auszugeben und es auch noch unbequem dort ist. Und man ist immer weniger dazu geneigt, die Zähne zusammenzubeißen. Genauso wie immer weniger Menschen bereit sind, sich anderen zuliebe zurückzustellen, weil es einfach so viele schöne Sachen zu Erleben gibt.

    Wenn das "man" eine Person ist, die schon ein starkes Selbst (oder ein starkes "Ich") besitzt (z.B. erworben in einem stabilen Familienumfeld) und sich selbst soweit vertrauen kann, dass sie sich auch, trotz Irrwege (die zu Wege der Selbsterkenntnis werden können) nicht selbst verliert, so können viele Einflüsse/Möglichkeiten, das Leben zu gestalten, sicher stimulieren und dazu führen, dass man immer mehr an das authentische Selbst herangeführt wird. Viele äußere Einflüsse wirken dann nämlich wie Prüfsteine, an denen sich die Person abarbeiten kann und die das wahre Selbst herausschälen können. Spreu vom Weizen trennen also.
    Das ist wohl mit ein Grund, warum ich meist allein zu Hause bin, weil ich das nicht unbedingt so drauf habe. Wenn ich ständig im Treiben wäre, wüsste ich wohl irgendwann nicht mehr, wer ich bin. Geschweige denn, dass ich wohl gar nicht mehr dazu kommen würde, meine eigene Persönlichkeit zu pflegen, weil ich mich auch immer ziemlich davon erholen muss, wenn ich weg war und so viele Eindrücke und andere Persönlichkeiten auf mich eingeprasselt sind. Also bin ich eher keine starke Persönlichkeit.

    Wenn es allerdings um Personen geht, die diese Sicherheit/Festigkeit in sich selbst nicht besitzen, dann ist für diese die Gefahr groß, sich in dem riesigen Angebot erst recht zu verlieren und für diese wird es dann wirklich schwer. Schwer, zusätzlich zur inneren Unsicherheit und Verwirrung auch noch die äußere Unsicherheit und Verwirrung zu ertragen und das auch noch auseinander zu dividieren. Tschüss "authentisches Selbst"! Das ist doch auch der Nährboden jeglicher Ideologie und Seelenfängerei. Wenn die Fähigkeit und das Vertrauen in sich selbst fehlt, Dinge wirklich "fühlen" und "verstehen" zu können, wenn der "innere Kompass" fehlt, so wird ein riesiges Angebot an Meinungen, Lebensentwürfen, Moden, etc. (s.o.) eher noch mehr verunsichern und man wird den Stimmen folgen, die gerade am lautesten und ausdauerndsten rufen und Sicherheit versprechen.
    So ist es wohl. Daher macht mir die Welt da draußen eher Angst, da ich sie eher so empfinde, dass sie meine Persönlichkeit vollkommen platt drückt. Nicht immer habe ich dieses Gefühl, aber ich brauche halt auch viel Zeit für mich, damit ich wieder zu mir selbst finden kann und mich erholen kann.

    Ich habe vor kurzem einem S21 Befürworter zugehört und habe Bauklötze gestaunt. Da hatte die Lobby aus Wirtschaft, Bahn und Politik doch ganze Arbeit geleistet.
    Wenn die Argumente logisch klingen und man sie oft genug hört, wird man schnell zum Papagei. Zumal sämtliche Informationen doch auch mehr oder weniger persönlich eingefärbt wurden vom Schreiberling und nie wirklich objektiv oder neutral sind.

    Vielleicht ist es für verunsicherte Menschen, die in einer pluralistischen Gesellschaft wie die unsrige leben tatsächlich einfacher, ein starkes und authentisches Selbst auszubilden (sofern noch nicht in der Kindheit geschehen, oder wenigstens Grundstein dazu gelegt) und zwar aus dem einzigen Grund, dass es hier einfacher ist, sich Hilfe zu holen, als anderswo, wo diese Hilfe nicht existiert oder nicht gegeben werden will. Aber dass es hier soweit kommt, muss diese Hilfe auch erst einmal von den betreffenden Personen gewollt werden.
    Man muss einfach dahin gelangen, dass weniger oft mehr ist. Wenn man das richtig begriffen hat, ist das schon viel wert. Und dass man nicht unbedingt mehr gilt, wenn man das neueste Handy hat. Vielleicht gibt es viele, die sich davon mehr beeindrucken lassen, wenn man auf die neuesten Dinge einfach sch..... und sich nix draus macht, was die Gesellschaft grade vorgibt. Könnte ja sein. Zumindest, wenn man insgesamt nicht wie ein Penner rüberkommt und sonst noch einen zivilisierten Eindruck macht.

    Ich gehe nicht nach dem Modediktat. Aber ich müsste wohl trotzdem ein wenig mehr Wert auf gute Klamotten legen. Das heißt weniger schlabbrig. Mein Mann hatte mal eine T-Shirt an, was er selber gerne zu Hause anzieht. Eine Bekannte, die immer sehr gepflegt rumläuft und geraderaus ist, meinte zu ihm, dass das ziemlich assig aussehen würde, weil der Stoff bereits ziemlich viele Ribbeln aufweist durch zu vieles Waschen oder wie auch immer. Naja, da fiel es mir auch auf und es war mir schon etwas peinlich, weil wir halt auch nicht ständig neue Klamotten kaufen können. Bisher war ich nie in einer Umgebung, wo Markenklamotten Pflicht waren. Aber ich muss wohl doch mal drauf achten, mich ein wenig besser anzuziehen. Ich laufe schon sehr schlabbrig und seltsam in der Gegen rum. Ist aber eben auch ne Geldfrage.[/QUOTE]

    Ich freue mich auf weitere Beiträge.

    Lieben Gruß

    MrsInkognito

  3. Inaktiver User

    AW: Persönlichkeit und Informationen

    also ich würde jetzt nicht sagen dass irgendwas abzulehnen ist nur weil das im Moment "in" ist, ich aber so ein super-individueller-Mensch bin
    Da gebe ich dir recht. Aber grundsätzlich nur, weil es jetzt "in" ist, muss ja nicht sein. Da muss man in sich reinhorchen, ob man das nun wirklich gut findet oder sich bloß einseifen lässt.

    doitsche Schlagerschei.. auf den 4ern der Radio-Regionalsendern oder um 8 abends im Schunkel-TV, das is schon ne harte Sache, wenn man gezwungen wäre sich da reinzuhören. Allerdings gibt´s die ein- oder andere Scheibe, die geht durchaus i.O., wenn der Text oder die Musik wenigstens stimmt. Also sagen wir mal, wenn ein gewisser Geist dahinter steckt.
    Wenigstens bist du in gewissem Maße offen dafür. Es gibt nämlich auch schöne Schlagermusik Verstehen kann ich's, wenn es einem nicht liegt und er kaum dran vorbeikommt. Dafür gibt es zum Glück so viele Musiksender, dass für jeden was dabei sein dürfte. Was ich allerdings übel finde ist, dass ältere Menschen, die doch noch zahlreich vorhanden sind immer mehr mit Musik vorlieb nehmen müssen, die sie nicht hören wollen. Es gibt on air gar keine Sender mehr, die nur noch Schlager spielen. Und viele Senioren haben kein Internet, wo es noch einige Sender für sie gibt.

    Leider ist ja denn nun von den 300 oder 400 freien HOTBIRD- oder ASTRA2b- Sat-Sendern mehr als die Hälfte der völlige Mül, aber dennoch wird das durchgezappt, das kann durchaus interessant sein.
    Zum Glück ist das meiste unnötig. Wann sollte man sich das alles angucken. Dann könnte ich mich gar nicht mehr entscheiden

    Was hat heute mal wieder der Islam-channel zu sagen, was geht in diesen Köpfen vor und warum. Oder ein "Dating-Channel" mit Leuten und ihrem Bild dabei, welches sehr unvorteilhaft rüberkommt. Oder Frauen in leichter Bekleidung auf einer Liege mit einem Telefonhörer in der Hand, ohne dass man deren Stimme hört. Was sind das für Leute die da anrufen und was haben die wohl für Nöte und Ängste.
    eine Frau die Karten legt, da kann man auch anrufen. Meist rufen andere Frauen an und kriegen Dinge gesagt, die immer passen und Hoffnung machen. Hier auch mal zuhören, mit welchen immer gleichen Mustern da gearbeitet wird.
    und denn die ganzen Verkaufssender alle. Was DIE sich alles für ein seichtes Gesülze einfallen lassen um ihren Kram zu verkaufen. Und was das wohl für Leute sind, die den Schrott kaufen.
    Das finde ich auch ab und an interessant. So inner Werbepause kann man da mal durchzappen. Aber ein Hobby ist das natürlich nicht. Bei dem Astrosender könnte ich mich oft weglachen. Da war mal eine, die regelmäßig mit ihren Vermutungen daneben lag. Die Anruferin hat immer verneint, wenn die Astrotante getippt hat, ob dass sie z. B. verheiratet ist usw. Köstlich! Aber das Geplärre bei den Verkaufssendern kann man sich nicht lange antun. Furchtbar. Wenn ich bei NeunLive reinzappe, bin ich eh dann damit beschäftigt, meinen Mann davon abzuhalten, anzurufen. Ist doch totaler Besch.... sowas. Sicher war die Moderatorin nicht attraktiv genug

    da war auch mal so eine Gewinn-Ratesendung, wo man anscheint erstmal für ein paar euro in einer Warteschleife landete, auf irgendeinem Sender. Da machte eine Frau mit, hab den Namen vergessen, die hatte angeblich auch mal bei Big-Brother mitgemacht, eine Berliner-Schnauze vom feinsten ("hey komm jetzt ruf an hier mach nicht rum, zackig jetzt.." etc) die hatte immer so dermaßen gut geredet (und sah auch noch super aus), da saß ich gut 20min davor saß und hab die einfach nur angehimmelt. Boh war die gut.
    War die vielleicht blond? Kommt ja oft gut an bei Männern. Aber das ist wohl auch der Sinn vom guten Reden, dass man da einfach kleben bleibt.

    Die erinnerte mich an die Frauen die füher immer an der Kasse am Autoscouter oder der Raupe saßen und die ganze Zeit das Volk am aninmieren ("..eine tolle Fahrt, mitfahren jetzt, mitmachen, mitfahren.. eingesteigen hier jetzt...") da hab ich schon als Kind lange vor der ihrer Bude gestanden und die angeguckt ohne einmal mitgefahren zu sein bis dann endlich Muttern kam und einen wegzerrte ("komm da weg das ist nur für Erwachsene!"); also DIE war megastark, aber LEIDER kommt die nicht mehr (wahrscheinlich weil die Kerle alle nur die Frau gucken wollten und nicht anrufen)
    Wie süüß!

    Vielleicht hat bei der Fernsehtante jemand angerufen, der sie auf nen Kaffee eingeladen hat. Der Typ war sicher vermögend, jetzt sind sie zusammen und sie muss sich das mit dem Verkaufssender nicht mehr geben Vielleicht konnte sie aber einfach irgendwann nicht mehr. Ist doch mordsanstrengend die ganze Zeit zu labern und die Leute übern Tisch zu ziehen.

    Und auch da muss man Abstriche bei der Persönlichkeitsentfaltung machen?! Sicherlich wäre sie lieber Schauspielerin geworden oder Sängerin. Mangels Talent oder Beziehungen wird da oft nix draus und dann macht man plötzlich etwas, was man eigentlich gar nicht wollte. Da muss man wohl auch wissen, wer man ist, was man kann und nicht zu sehr dem Ruhm und dem Rampenlicht hinterherrennen. Aber vielleicht war's besser als für n Appel und n Ei am Fließband zu stehen.

    Lieben Gruß


    MrsInkognito

  4. Moderation

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    AW: Persönlichkeit und Informationen

    Hi Bruenette,

    sorry, ich hatte dein Post etwas vom "falschen Ende" her gelesen, da es einen meiner "Buttons" zu treffen schien, da werde ich manchmal auch etwas untermotiviert sehr skeptisch.

    Beim Nochmallesen habe ich das aber festgestellt.

    Ja, ich denke auch, daß es angesichts einer großen Auwahl wichtiger ist, ein starkes Bewußtsein davon zu haben, wer man ist, wer man sein will, und was einem wichtig ist. ("man" ist übrigens die gleiche unpersönliche Form, die auch das "sich" in "sich zurechtfinden" ist. Ein hypothetisches Individuum, Otto Normalverbraucher und Erika Mustermann ohne Paßbild.) Die Zeiten, wo man lebte wie seine Eltern oder Großeltern und in jedem Alter und Stand das tat und schätzte, was diesem Alter und Stand angemessen war, sind glücklicherweise vorbei (falls sie je existiert haben). Die Medien bieten uns ein Gegenbild zur Familie, das Umfeld, in dem wir leben, bietet ein Gegenbild zu den Medien, und die Fähigkeit, diese Widersprüche wahrzunehmen und mit ihnen zu leben, anstatt sich ängstlich und überfordert in einer beschrifteten Schublade zu verstecken, ist essentiell.

    Ich denke auch, es ist wichtig, daß diese Fähigkeit -- die zur Interpretation, zur Kritik, zur Bewertung von Aussagen, zu Schlußfolgerungen, aber auch zum Verstehen des Selbst -- gelehrt werden. So unzufrieden bin ich da gar nicht mit meiner Schulbildung zu dem Thema. Anscheinend hat doch eine Synthese aus der "oh mein Gott, die Welt ändert sich"-Panik, und der "Gott sei Dank, die Welt ändert sich"-Erleichterung der 60er und 70er konstruktiv abgestrahlt.

    Ich denke allerdings, du machst einen häufigen Fehler, wenn du "Internet" als "Sozialkontakte ersetzend" betrachtest. Ich mag keinen Sozialkontakt haben zu dem Kommentator in meiner Tageszeitung oder dem Autor meines Lieblingsblogs, aber eine Beziehung zu einer Brieffreundin oder die Mitgliedschaft in einem Hobbyistenklub würde ich als Sozialkontakt betrachten, ungeachtet der Form, in der sie stattfindet. Ich sehe den Unterscheidungspunkt da in der Reziprozität der Beziehung, nicht im Medium.

    Und -- das war der Punkt meiner ursprünglichen Kritik -- "sich einen eigenen Weg zu bahnen": Exakt *das* erfordert heute *weniger* mentale und emotionale Kraft und Eigensinn als es vor 50 oder 100 oder 200 Jahren getan hat, und zwar genau deswegen, *weil* ein größeres Angebot an Alternativen vorliegt. Die Herausforderung ist nicht mehr, Alternativen zu schaffen, sondern aus bereits geschaffenen Alternativen auszuwählen, und insofern wir es m.E. so leicht wie wenige vor uns.

    Ich finde es auch nicht angemessen, Leuten, die sich z.B. nach dem kleiden, was am einfachsten zu kriegen ist und am wenigsten Aufwand macht, gleich zu unterstellen, sie seien leicht manipulierbar. In einer Welt, wo (fast) jede Alternative schon im Regal ist, ist Originalität eine Kunst, und die Kunst ist lang, das Leben ist kurz: Zu erwarten, daß jeder in jedem Bereich ein Künstler ist, ist lebensfern. (Ironischerweise scheint es, je exotischer und extremer die Subkultur ist, in der man sich bewegt, desto leichter wird man von dem Mann oder der Frau auf der Straße als konformistisch wahrgenommen. Ein seltsames Paradox...)

    Außerdem denke ich, ein gewisses Maß an Verunsicherung ist gar nicht so schlecht, solange ihm der Mut entspricht, damit zu leben. Die Leute, die sich immer in allem ganz sicher sind, sind oft furchterregend.

  5. Inaktiver User

    AW: Persönlichkeit und Informationen

    uh ihr macht euch ja ganz schön viel Mühe hier

    alles bis ins kleinste analysiert..

    was ich noch zu sagen hätte dauert eine Zigarette und ein letzets Glas im stehen ("Gute Nacht Freunde" - Reinhard Mey D1976)

    die Sender und Zeitungen müssen ihren Soll füllen, und das da viel Müll dabei ist dürfte klar sein. Das Brauchbare da rauszufiltern und richtig zu interpretieren liegt aber nicht jedem so, hab ich das Gefühl. Bei "BILD dir deine Meinung" ist das z.B. schwierig, weil da ausser den Überschrfiten nix drin steht. Allerdings guckt ich die auch schon mal durch, um den Kontakt zum gemeinen Volke nicht zu verlieren.
    ab und an über den Tellerand gucken, das schadet nicht. Bin eigentlich kein Kunstexperte, aber nicht abgeneigt als schnöder Techniker sich das ein- oder andere mal anzusehen. Eine Austellung "lose Gestalten" gabs hier mal, so hatte uns Lehrlinge immer unser alter Meister bezeichnet, diese Figuren da also mal ansehen (waren echt gut). U.a. ein weißer Holzstuhl, an dem die hinteren Beine durchgesägt aber dann abgeknickt mit einem Scharnier verbunden und dann schief nach hinten hingestellt war mit einem Schild dran: "Ein Stuhl, der sich nach langen Jahren der Benutzung endlich zur Ruhe gesetzt hat"
    Fantastisch. Fällt mir grad so ein.

    es gibt schon gute Sachen.. ihr müsst nur die Augen aufmachen..

  6. Inaktiver User

    AW: Persönlichkeit und Informationen

    Ja, ich denke auch, daß es angesichts einer großen Auwahl wichtiger ist, ein starkes Bewußtsein davon zu haben, wer man ist, wer man sein will, und was einem wichtig ist.
    Unbedingt. Ich frage mich manchmal, was wird mir wichtig gewesen sein, wenn ich mal mit 70 auf mein Leben zurückschaue. Aber ich finde es nicht unbedingt einfach. Doch ich arbeite weiter dran und werde vielleicht besser mit der Zeit.

    Die Zeiten, wo man lebte wie seine Eltern oder Großeltern und in jedem Alter und Stand das tat und schätzte, was diesem Alter und Stand angemessen war, sind glücklicherweise vorbei (falls sie je existiert haben). Die Medien bieten uns ein Gegenbild zur Familie, das Umfeld, in dem wir leben, bietet ein Gegenbild zu den Medien, und die Fähigkeit, diese Widersprüche wahrzunehmen und mit ihnen zu leben, anstatt sich ängstlich und überfordert in einer beschrifteten Schublade zu verstecken, ist essentiell.
    Ja, das ist wohl so zum Glück. Doch unsere Vorfahren kannten es nicht anders. Waren sie glücklicher? Weniger glücklich? Weiß man nicht so genau. Abgesehen von den Kriegen und den Nachwehen dieser Zeit. Doch fühle ich eine Distanz zwischen meinen Eltern und mir, die so gar nicht verstehen können, dass es einem wichtig sein kann, das Internet zu benutzen. Zugegeben benutze ich es sehr viel. Ich habe regelrecht Angst, wenn man da nicht mehr so viel Zeit verbringt, blickt man auch da irgendwann nicht mehr durch ohne fremde Hilfe. Das finde ich ziemlich beängstigend. Aber es liegt auch daran, dass ich mich noch nicht wirklich sortiert habe.

    Ich denke allerdings, du machst einen häufigen Fehler, wenn du "Internet" als "Sozialkontakte ersetzend" betrachtest.... Ich sehe den Unterscheidungspunkt da in der Reziprozität der Beziehung, nicht im Medium.
    Abgesehen davon, dass reine Internetkontakte oft niemals persönlich statt finden. Wenn man sich wenigstens ab und an mal am Telefon hört oder sich trifft, ist das sicherlich was ganz anderes.

    Für mich stellt sich das Problem dar, dass soziale Kontakte natürlich anstrengender sind als im Internet zu surfen. Ich fühle mich überfordert von dem Standpunkt, dass Menschen natürlich schwieriger sind als das Internet. Ich kann nicht erwarten, dass sich die Leute immer nach mir richten, wann ich Lust und Zeit habe. Wenn jemand anruft oder vorbeikommen will, kann ich natürlich auch mal sagen, nee, jetzt passt es mir nicht. Aber idR muss ich mir dann Zeit nehmen, auch wenn mir grad nicht danach ist und den Kopf voll habe mit anderen Dingen oder eben im Stress bin, was ja im Grunde eine tägliche Angelegenheit ist. Dann ist man grad schon ausgelastet mit der Familie mit Bruder, Schwester, Mutter, Schwiegermutter. Wenn ich da die Woche mehrmals jemanden bedienen müsste, würde ich Zustände kriegen. Legt man das aber nur auf den Sonntag, bekommt man die einzelnen Parteien unter Umständen nur einmal im Monat zu Gesicht, was eigentlich auch wieder erschreckend wenig ist. Aber allein der Gedanke, dass sie gerne öfter was mit einem unternehmen würden, stresst mich schon wieder. Und dann soll man noch seine Freunde irgendwo unterbringen. Puuuuh

    In einer Welt, wo (fast) jede Alternative schon im Regal ist, ist Originalität eine Kunst, und die Kunst ist lang, das Leben ist kurz: Zu erwarten, daß jeder in jedem Bereich ein Künstler ist, ist lebensfern. (Ironischerweise scheint es, je exotischer und extremer die Subkultur ist, in der man sich bewegt, desto leichter wird man von dem Mann oder der Frau auf der Straße als konformistisch wahrgenommen. Ein seltsames Paradox...)
    Ja, heute kann jeder etwas Besonderes aus sich machen. Wer es nicht zum Anführer schafft, ist ganz allein selbst dran schuld. Wer kein Star wird - tja, es gibt so viele Möglichkeiten. Selber schuld. Ja, da wird man tatsächlich schon mal blöd angeglotzt, weil man kein Starformat hat und gewöhnlich und unauffällig daher kommt. Leistungsgesellschaft. Jeder ist sein eigenes Unternehmen. Und dazu gehört wohl auch, dass man wenigstens ein bisschen informiert ist, um nicht ganz hinten abzufallen. Kommt vielleicht tatsächlich auf die Kreise an, in denen man sich aufhält oder sich aufhalten möchte. Wenn die anderen nur Barbara Salesch gucken, kann ich mit wenig mehr Aufwand bereits bewundert werden in der Clique. Falls es überhaupt irgendeinen dann noch interessieren sollte. Wenn die anderen um mich herum hoch gebildet sind, muss ich mir schon mehr einfallen lassen. Aber das ist wohl auch ganz normal. Man muss auch richtig einschätzen können, bis wohin kann oder will man es schaffen.

    Als Schaf unter Schafen trottet man hinter anderen her, die das zwar ganz nett finden, dass sie Anhänger gefunden haben, die sie toll finden. Doch Respekt haben sie daher eher nicht für einen übrig. Und in unsere invididualisierten Welt tue ich mich schon oft schwer, mich unterzuordnen.

    Außerdem denke ich, ein gewisses Maß an Verunsicherung ist gar nicht so schlecht, solange ihm der Mut entspricht, damit zu leben. Die Leute, die sich immer in allem ganz sicher sind, sind oft furchterregend.
    Furchterregend. Wie genau meinst du das? Klingt interessant.

    Also ich komme schwer damit zurecht mit der Unsicherheit. Aber ganz ohne wäre es sicherlich auch langweilig?

    Daher wohl auch das Interesse an Information. Dann fühle ich mich nicht ganz so hilflos.

    was ich noch zu sagen hätte dauert eine Zigarette und ein letzets Glas im stehen ("Gute Nacht Freunde" - Reinhard Mey D1976)
    An einem Glas kann man auch ganz schön lange schlürfen, wenn's sein muss

    die Sender und Zeitungen müssen ihren Soll füllen, und das da viel Müll dabei ist dürfte klar sein. Das Brauchbare da rauszufiltern und richtig zu interpretieren liegt aber nicht jedem so, hab ich das Gefühl. Bei "BILD dir deine Meinung" ist das z.B. schwierig, weil da ausser den Überschrfiten nix drin steht. Allerdings guckt ich die auch schon mal durch, um den Kontakt zum gemeinen Volke nicht zu verlieren.
    Dient halt vieles der Unterhaltung und ist eben meist auch subjektiv eingefärbt. Interessant finde ich, dass ich das nicht unbedingt wissen muss, was Florian Silbereisen grad so macht. Wenn ich mal beim Arzt bin, liest man mal was. Naja, zugegeben liest sich das Zeug ziemlich schnell und einfach und dient herovorragend für Klatsch und Tratsch. Doch im Grunde ist's echt unwichtig und man kann sehr gut ohne leben. Trotzdem kann man sich die Musik anhören, was mir zumindet im Endeffekt mehr bringt. Und über vereinzelte Stars, die mich wirklich interessieren kann man im Internet gut nachforschen. Ein wenig kann ich schon gut selektieren, was mir wichtig ist und was nicht. Die Bild-Zeitung ist natürlich extrem. Die Aufreißer sind ganz schön heftig getextet. Ich seh's oft im Vorbeirennen. Den Aufmacher sieht man deutlich im Vorbeilaufen, kann alles einwandfrei lesen und das bringt oft gute Umsätze. Ist schnell und einfach zu lesen und bestens für Klatsch geeignet. Aber was meinst du genau damit, den Kontakt zum Volk nicht zu verlieren?

    ab und an über den Tellerand gucken, das schadet nicht. Bin eigentlich kein Kunstexperte, aber nicht abgeneigt als schnöder Techniker sich das ein- oder andere mal anzusehen. Eine Austellung "lose Gestalten" gabs hier mal, so hatte uns Lehrlinge immer unser alter Meister bezeichnet, diese Figuren da also mal ansehen (waren echt gut). U.a. ein weißer Holzstuhl, an dem die hinteren Beine durchgesägt aber dann abgeknickt mit einem Scharnier verbunden und dann schief nach hinten hingestellt war mit einem Schild dran: "Ein Stuhl, der sich nach langen Jahren der Benutzung endlich zur Ruhe gesetzt hat"
    Fantastisch. Fällt mir grad so ein.
    Ist wohl so wie mit der Musik. Ein hartgesottener Fan von XY dem gefällt einfach mehr von XY als einem anderen, der vielleicht nur ein paar Songs mag oder gar nix. So gibt es auch für Nicht-Hardcore-Kunstfans was, das durchaus unterhaltsam sein kann. Wenn einem die Kunst erklärt wird, ist es auch wirklich besser. Hätte man ohne Beschreibung gewusst, was der Künstler einem sagen will? Ich sicher nicht. Ich wäre weiter gelaufen und hätte den Kopf geschüttelt.

    Bin auch mal mit einer Gruppe ins Ballett gefahren. Bin quasi hinter meinen Freundinnen hergetappt. Die erste Halbzeit fand ich total komisch. Das Thema war mir bekannt, mehr nicht. In der Pause wurde mir erklärt, dass ich mal ins Heft gucken solle. Und die zweite Hälfte konnte ich dann auch genießen, weil ich endlich anhand der Erklärungen im Heft verstanden habe, was die Figuren auf der Bühne darstellen wollten. Es war wirklich interessant. Aber brennen tue ich dafür nun auch nicht, dass ich jetzt unbedingt wieder sowas gucken möchte. Auch den Film Black Swan fand ich supertoll. Und trotzdem... Ich finde solche Erfahrungen erweiteren den Horizont und können einem neue Dinge näher bringen und eventuell eine Flamme entzünden.

    Aber jeder Mensch hat so seine alltäglichen Gewohnheiten. Und da möchte ich gut überlegen, womit ich meine Zeit verbringen möchte bis ich nicht mehr kann oder ins Gras beiße. Ich versuche mir sozusagen eine alltägliche Grundlage zu schaffen, wo ich mich nicht jedes Mal einarbeiten muss. Möchte aber schon gut überlegen, welchen Sender ich z. B. jeden Tag hören will. Doch das hat sich ja jetzt zum Glück schon gut eingekreist, das Thema. Obwohl ich immer im Hinterkopf habe, dass es das vielleicht noch was Besseres gibt Dann kommt wieder das Gefühl, sämtliche existierende Radiosender durchzustöbern und zu gucken, ob's noch was Schöneres gibt. Denn irgendwie formt sich ja auch das Weltbild oder der Tag wird entsprechend des Radioflairs /- programms eingefärbt.

    Lieben Gruß


    MrsInkognito

  7. Inaktiver User

    AW: Persönlichkeit und Informationen

    Hallo wildwusel,

    dem Grundtenor Deiner Antwort, dass uns in unserer jetzigen Gesellschaft für unsere Lebensgestaltung so viele Möglichkeiten wie nie zuvor offen stehen und wir uns deswegen glücklich schätzen können und sollen, kann ich im Großen und Ganzen zustimmen. Aber ein paar Einwände hätte ich doch noch,

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    (...) Ja, ich denke auch, daß es angesichts einer großen Auwahl wichtiger ist, ein starkes Bewußtsein davon zu haben, wer man ist, wer man sein will, und was einem wichtig ist. ("man" ist übrigens die gleiche unpersönliche Form, die auch das "sich" in "sich zurechtfinden" ist. Ein hypothetisches Individuum, Otto Normalverbraucher und Erika Mustermann ohne Paßbild.)
    Ich fand es wichtig, gerade im Hinblick auf unsere heutigen zahlreichen Möglichkeiten, das "Man" in selbst-bewusst/selbst-unsicher aufzudröseln, da - je nach dem, zu welcher dieser Kategorien man die Leute zählen kann - diese auf ein breites Angebot unterschiedlich reagieren. Die einen mit Angst und Verunsicherung, die anderen mit Neugier und Mut zum Risiko. Das ist jetzt zwar etwas pauschal, aber ich denke, dennoch Realität.

    Nicht umsonst haben gerade in den letzten Jahren z. B. diese Land- und Gartenzeitschriften im Hochglanzformat (die ich selbst auch mal ganz gerne durchblättere) Hochkonjunktur, da viele einfach Sehnsucht nach Stabilität und Kontinuität und nach klaren Inhalten ("früher und auf dem Lande, da war die Welt halt noch in Ordnung") haben. Oder die einfach ein Stück Ruhe suchen, weil sie endlich mal nicht mehr ständig irgendetwas entscheiden müssen möchten, siehe Konsum- und Leistungsdruck. Oder auch Bewegungen wie "Slow Food", "Simplify your life", etc.- Kommt ja alles nicht von ungefähr. Wurde ja auch schon teilweise hier im Strang besprochen. Dass das alles, was da jeden Tag auf uns einströmt, inzwischen bei vielen auch ganz einfach durchrauscht, weil man sonst nicht mehr hinterher- und damit zurechtkommt. So gehts mir ja auch.


    Die Medien bieten uns ein Gegenbild zur Familie, das Umfeld, in dem wir leben, bietet ein Gegenbild zu den Medien, und die Fähigkeit, diese Widersprüche wahrzunehmen und mit ihnen zu leben, anstatt sich ängstlich und überfordert in einer beschrifteten Schublade zu verstecken, ist essentiell.
    Das trifft sicherlich zu. Doch ich möchte hinzufügen:
    Die Medien bieten nur den Blick auf das Gegenbild, eine Art oberflächlicher Information - , welches im besten Falle als Impuls wahrgenommen werden kann, sich selbst auf die Socken zu machen, denn das Bild bleibt solange Theorie, solange dieses Bild nicht real gelebt und erfahren wird. Nur der persönliche Kontakt und das persönliche Erleben machen, dass ich wirklich eine Ahnung von dem bekomme, was "da draußen in der Welt" stattfindet. Film ersetzt halt (noch) nicht persönliches Erleben und Gefordert-sein in neuen Situationen. Ich habe bis jetzt meine wichtigsten Erfahrungen immer in persönlich ge- und erlebten Situationen gemacht. Nie, weil ich den oder den Film gesehen hatte. Obwohl ich auch schon von einigen Filmen gute Impulse bekommen habe, nun, das sicherlich auch. Aber eben nicht so tief gehende ,wie in der Realität erlebte. Wenn ich bei Hugh Hefners "Playmate-Mansion" oder wie man das nennt, reinzappe, bin ich noch lange nicht wirklich dabei (Gottseidank!), obwohls so aussieht, und/aber ich kann mir ja schon ein Bild vom dekadenten Amerika machen Jaja. Is gefährlich, Film für bare Münze zu nehmen.

    Ich denke allerdings, du machst einen häufigen Fehler, wenn du "Internet" als "Sozialkontakte ersetzend" betrachtest. Ich mag keinen Sozialkontakt haben zu dem Kommentator in meiner Tageszeitung oder dem Autor meines Lieblingsblogs, aber eine Beziehung zu einer Brieffreundin oder die Mitgliedschaft in einem Hobbyistenklub würde ich als Sozialkontakt betrachten, ungeachtet der Form, in der sie stattfindet. Ich sehe den Unterscheidungspunkt da in der Reziprozität der Beziehung, nicht im Medium.
    Ja, das stimmt natürlich auch. Wenn ich das Medium so nutze, dass tatsächlich Kommunikation stattfindet und nicht zur Einbahnstraße wird, ist das sicher Ok. Ist also alles eine Frage des richtigen und ausgewogenen Umgangs. Womit wir allerdings wieder bei dem Punkt wären, dass die Menschen damit aber auch umgehen können müssen. Nicht so wie ich, die ich jetzt schon wieder fast 2 Stunden am PC sitze und in der Bri abhänge, statt mit meiner Freundin einen schönen Abendspaziergang mit dazugehörigem Durchkauen von Frauenthemen zu unternehmen. Tja.- Obwohl Du ja jetzt auch schon wieder - wenn auch weitläufig und unbekannt - ein Sozialkontakt für mich bist!

    Und -- das war der Punkt meiner ursprünglichen Kritik -- "sich einen eigenen Weg zu bahnen": Exakt *das* erfordert heute *weniger* mentale und emotionale Kraft und Eigensinn als es vor 50 oder 100 oder 200 Jahren getan hat, und zwar genau deswegen, *weil* ein größeres Angebot an Alternativen vorliegt. Die Herausforderung ist nicht mehr, Alternativen zu schaffen, sondern aus bereits geschaffenen Alternativen auszuwählen, und insofern wir es m.E. so leicht wie wenige vor uns.
    Dem stimme ich auch nur teilweise zu. Ich glaube, dass es sich größtenteils um eine Verlagerung der Schwierigkeit handelt. Brauchte man früher mehr Kraft und Eigensinn, seinen eigenen Weg zu gehen, wenn er von der Norm abwich, so braucht es heute ebenso Kraft und vor allem innere Klarheit, sich nicht (jedenfalls nicht allzu oft) durch andere, vielversprechendere Möglichkeiten von seinem Weg abbringen zu lassen. Sich für eine Möglichkeit entscheiden und diese durchzuhalten, in dem Bewusstsein, damit andere Möglichkeiten ausgeschlossen zu haben, erfordert ebenso Kraft und einen starken Willen. Denn, es gäbe ja immer noch Plan B und C und D und was wäre gewesen, wenn... Ja, es ist eine Herausforderung, gut zu wählen, aber leicht muss das deswegen noch lange nicht werden, heißt ja nicht umsonst "Qual der Wahl".

    Ich finde es auch nicht angemessen, Leuten, die sich z.B. nach dem kleiden, was am einfachsten zu kriegen ist und am wenigsten Aufwand macht, gleich zu unterstellen, sie seien leicht manipulierbar. In einer Welt, wo (fast) jede Alternative schon im Regal ist, ist Originalität eine Kunst, und die Kunst ist lang, das Leben ist kurz: Zu erwarten, daß jeder in jedem Bereich ein Künstler ist, ist lebensfern. (Ironischerweise scheint es, je exotischer und extremer die Subkultur ist, in der man sich bewegt, desto leichter wird man von dem Mann oder der Frau auf der Straße als konformistisch wahrgenommen. Ein seltsames Paradox...)
    Ich wollte den Leuten nicht unterstellen, leicht manipulierbar zu sein. Es gibt ja auch Menschen, die Mode nicht interessiert. Stimmt. Gibt ja auch noch andere wichtige Themen im Leben! :-) Und ja, niemand muss sich auf jeder Ebene des Daseins als Künstler und Individualist beweisen. Ich wollte nur verdeutlichen, dass gesellschaftliche Beeinflussung schon bei so harmlosen Themen wie Mode anfängt. Eine Beeinflussung, die per se nicht schlecht sein muss. Aber DASS sie existiert (vielleicht auch ein Merkmal an sich von Gemeinschaft ist) kann doch nicht von der Hand gewiesen werden.

    Und dass auch (und gerade) Mode ein Mittel ist, das zum Zweck werden kann, um eine Zugehörigkeit zu jedweder Gruppe zu demonstrieren. Gerade in einer offenen Gesellschaft, wo sich der Einzelne verunsichert fühlt, ist es doch der Rückgriff auf Codes, die eine Zugehörigkeit zu einer Idee oder einer Gruppe verdeutlicht, der wieder Sicherheit verleiht. Heraus aus dem frei schwebenden Zustand, hin zu einer Sicherheit und Orientierung gebenden Gruppe. Das funktioniert über das Tragen von sommerlichen Leinenhosen, über das Tragen von Marken wie W.....in (na, die mit der Pfote ;-)) bis hin zum Kopftuch gläubiger Muslimas.

    Außerdem denke ich, ein gewisses Maß an Verunsicherung ist gar nicht so schlecht, solange ihm der Mut entspricht, damit zu leben. Die Leute, die sich immer in allem ganz sicher sind, sind oft furchterregend.
    Ja, finde ich auch. Wobei selbstbewußt-sein nicht bedeutet, sich immer über alles sicher zu sein! DAS wäre in der Tat furchterregend.

  8. Inaktiver User

    AW: Persönlichkeit und Informationen

    MrsInkognito,

    Deine Beiträge wirken auch mich sehr rastlos und getrieben. Kann es sein, dass Du deshalb in diesem ganzen Meer von Informationen und Möglichkeiten unterzugehen drohst, weil es an Tiefe in Deinem Leben fehlt? An einem Anker, der Dich irgendwo festhält, damit Du nicht weggespült wirst? Ein Anker kann z.B. etws sein, das man unheimlich gerne tut. ein Hobby, wofür man einige Zeit opfern würde, um es ausüben zu können. Hast Du sowas? Etwas, was Dir unheimlich Spass macht, oder Dich so richtig interessiert? Überleg'mal!

    Tiefes Interesse an den Dingen verleiht Tiefe und Halt. Und das Beste: Das Ganze macht auch noch Spaß und bringt Freude!


  9. Inaktiver User

    AW: Persönlichkeit und Informationen

    Hallo ihr Lieben!

    Ich fand es wichtig, gerade im Hinblick auf unsere heutigen zahlreichen Möglichkeiten, das "Man" in selbst-bewusst/selbst-unsicher aufzudröseln, da - je nach dem, zu welcher dieser Kategorien man die Leute zählen kann - diese auf ein breites Angebot unterschiedlich reagieren. Die einen mit Angst und Verunsicherung, die anderen mit Neugier und Mut zum Risiko.
    Ich würde dann wohl zur ersten Kategorie gehören.

    Nicht umsonst haben gerade in den letzten Jahren z. B. diese Land- und Gartenzeitschriften im Hochglanzformat (die ich selbst auch mal ganz gerne durchblättere) Hochkonjunktur, da viele einfach Sehnsucht nach Stabilität und Kontinuität und nach klaren Inhalten ("früher und auf dem Lande, da war die Welt halt noch in Ordnung") haben. Oder die einfach ein Stück Ruhe suchen, weil sie endlich mal nicht mehr ständig irgendetwas entscheiden müssen möchten, siehe Konsum- und Leistungsdruck. Oder auch Bewegungen wie "Slow Food", "Simplify your life", etc.- Kommt ja alles nicht von ungefähr. Wurde ja auch schon teilweise hier im Strang besprochen. Dass das alles, was da jeden Tag auf uns einströmt, inzwischen bei vielen auch ganz einfach durchrauscht, weil man sonst nicht mehr hinterher- und damit zurechtkommt. So gehts mir ja auch.
    Mir auch. Und viel Ruhe bedeutet leider oft wenig Geld und letztendlich doch keine Ruhe. Die Ruhe in sich selbst finden. Ich bin ruhig solange ich niemanden habe, der mir Druck macht oder auf mich einredet und was von mir verlangt, dass ich dann versuchen will umzusetzen. Ich gehe davon aus, dass ich einen schwachen Charakter habe und mich leider zu oft darauf einlasse, wenn sich jemand mein Vertrauen erschleichen will oder stark und lange auf mich einredet.

    Ich selber rede mir ein, dass ich halt offen bin für andere Meinungen und so. Aber dem ist wohl nicht so. Ich habe wohl auch Angst davor, zu stur zu sein und nur meinen Kopf durchdrücken zu wollen. Daher ziehe mich lieber von anderen zurück, weil ich mich leicht überrumpeln lasse. Viele Menschen haben diese Taktik Gott sei Dank nicht drauf, aber es gibt sicher immer mehr von der Sorte. Und grade, wenn man ruhig ist möchten andere einen gerne für sich ausnutzen. Ich darf zwar ruhig sein, muss dann aber wahrscheinlich öfter Angriffe abwehren als andere. Entweder ändere ich mich um 180° oder ich bleibe den ganzen Tag alleine zu Hause (Kontakt mit Freunden mal abgesehen). Aber auch da gerät man irgendwann auf die Konfliktschiene, die ich scheinbar gerne vermeide.

    Die Medien bieten nur den Blick auf das Gegenbild, eine Art oberflächlicher Information - , welches im besten Falle als Impuls wahrgenommen werden kann, sich selbst auf die Socken zu machen, denn das Bild bleibt solange Theorie, solange dieses Bild nicht real gelebt und erfahren wird.
    Interessant. Scheinbar kann ich diese ganzen Impulse nicht richtig verarbeiten. Ich bin schnell interessiert, aber halte dann nicht durch, mich richtig damit zu befassen. Wie ein Springball.

    Nur der persönliche Kontakt und das persönliche Erleben machen, dass ich wirklich eine Ahnung von dem bekomme, was "da draußen in der Welt" stattfindet. Film ersetzt halt (noch) nicht persönliches Erleben und Gefordert-sein in neuen Situationen.
    Es gibt keinen Ersatz fürs persönliche Erleben, das stimmt.

    Aber eben nicht so tief gehende ,wie in der Realität erlebte. Wenn ich bei Hugh Hefners "Playmate-Mansion" oder wie man das nennt, reinzappe, bin ich noch lange nicht wirklich dabei (Gottseidank!), obwohls so aussieht, und/aber ich kann mir ja schon ein Bild vom dekadenten Amerika machen Jaja. Is gefährlich, Film für bare Münze zu nehmen.
    Playmate-Mansion - du lieber Gott... Das kommt im Fernsehen? Die zeigen aber nicht, was im Schlafzimmer vom Hef vorgeht?

    Nicht so wie ich, die ich jetzt schon wieder fast 2 Stunden am PC sitze und in der Bri abhänge, statt mit meiner Freundin einen schönen Abendspaziergang mit dazugehörigem Durchkauen von Frauenthemen zu unternehmen.
    Warum hast du die Bri vorgezogen? Abendspaziergang mit Freundin hört sich doch gut an.

    Brauchte man früher mehr Kraft und Eigensinn, seinen eigenen Weg zu gehen, wenn er von der Norm abwich, so braucht es heute ebenso Kraft und vor allem innere Klarheit, sich nicht (jedenfalls nicht allzu oft) durch andere, vielversprechendere Möglichkeiten von seinem Weg abbringen zu lassen. Sich für eine Möglichkeit entscheiden und diese durchzuhalten, in dem Bewusstsein, damit andere Möglichkeiten ausgeschlossen zu haben, erfordert ebenso Kraft und einen starken Willen. Denn, es gäbe ja immer noch Plan B und C und D und was wäre gewesen, wenn... Ja, es ist eine Herausforderung, gut zu wählen, aber leicht muss das deswegen noch lange nicht werden, heißt ja nicht umsonst "Qual der Wahl".
    B-I-N-G-O

    Und dass auch (und gerade) Mode ein Mittel ist, das zum Zweck werden kann, um eine Zugehörigkeit zu jedweder Gruppe zu demonstrieren. Gerade in einer offenen Gesellschaft, wo sich der Einzelne verunsichert fühlt, ist es doch der Rückgriff auf Codes, die eine Zugehörigkeit zu einer Idee oder einer Gruppe verdeutlicht, der wieder Sicherheit verleiht.
    Gemeinsamkeiten verbinden. Das kann auch was Schönes sein. Muss man wohl wissen, ob man es wirklich will oder ob es einem aufgedrückt wurde.

    Da gehört wohl wieder die Abenteuerlust hin, sich eben neue Gruppen zu suchen, wenn man sich in einer Zugehörigkeit nicht wohl fühlt. Also Leute kennen lernen, die dann bestimmte Interessen haben und sich dann da einfinden, nur weil man sonst niemanden kennt, sich damit aber nicht wohlfühlt. Aber auch da muss man wissen, wann man sich wohlfühlt. Sonst ist man nie lange genug bei einer Gruppe dabei, weil einen immer wieder irgendwas stört.

    Wobei selbstbewußt-sein nicht bedeutet, sich immer über alles sicher zu sein!
    Aber ein selbstbewusster Mensch kann wohl mit diesen Unsicherheiten besser und schneller umgehen?!

    Deine Beiträge wirken auch mich sehr rastlos und getrieben. Kann es sein, dass Du deshalb in diesem ganzen Meer von Informationen und Möglichkeiten unterzugehen drohst, weil es an Tiefe in Deinem Leben fehlt? An einem Anker, der Dich irgendwo festhält, damit Du nicht weggespült wirst? Ein Anker kann z.B. etws sein, das man unheimlich gerne tut. ein Hobby, wofür man einige Zeit opfern würde, um es ausüben zu können. Hast Du sowas? Etwas, was Dir unheimlich Spass macht, oder Dich so richtig interessiert? Überleg'mal!

    Tiefes Interesse an den Dingen verleiht Tiefe und Halt. Und das Beste: Das Ganze macht auch noch Spaß und bringt Freude!
    Ja, daran liegt es wohl. Mich lange und eingehend mit etwas zu beschäftigen ist schwierig, weil es so viele Angebote gibt. Wenn ich das eine tue, kann ich nicht noch was anderes machen und mein Tag hat nur 24 Stunden, die oft von außen auch noch diktiert werden. Ich habe eine handfeste Entscheidungsschwäche. Aber die kann man wohl nur auflösen, wenn man weiß, was einem wichtig ist im Leben. Und anhand dieser Punkte muss ich meine Entscheidungen treffen. Vielleicht habe ich Angst vor falschen Entscheidungen, irgendwo festzusitzen oder zu sehr von außen bestimmt zu werden. Ich weiß nicht.

    Was für Anker hast du denn z. B., wenn ich dich fragen darf?

    Lieben Gruß


    MrsInkognito

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