Hallo ksanthoula,
ohne jetzt Psychologin zu sein: Ich glaube nicht, dass man nur mit einer komplett aufgearbeiteten Vergangenheit ein glücklicher und zufriedener Mensch sein kann. Die meisten von uns haben Verletzungen, Brüche, Enttäuschungen im Leben erfahren, und ich glaube, vieles davon kann kann man getrost auf sich beruhen lassen und sich dem Hier und Jetzt zuwenden. Nur wenn ich merke, dass ein bestimmtes Thema immer wieder hochkommt, mich daran hindert, mich wirklich zu entfalten oder in einem bestimmten Bereich spürbar blockiert, würde ich mir das tatsächlich noch mal genauer ansehen und versuchen, es mit professioneller Hilfe zu überwinden.
Ich glaube auch nicht, dass es unbedingt notwendig ist, die Vergangenheit komplett aufzudröseln, um sich hier und heute zu ändern. Veränderungsbereitschaft entsteht ja meist unter einem gewissen Leidensdruck. Und wenn man dann merkt, dass man die notwendige Veränderung einfach nicht schafft, obwohl der Leidensdruck sehr hoch ist, dann kann man sich ggf. Hilfe holen. Aber die Veränderung herbeiführen muss man so oder so selbst. Und mir kommt oft vor, dass Leute sich therapeutische Hilfe holen, die sich gar nicht unbedingt selbst ändern wollen, sondern hoffen, dass der Therapeut mit dem Zauberstab wedelt, und schwups ist die Veränderung ganz mühelos da. Aber so geht das leider nicht. Auf den Weg muss man sich selbst machen. Man kann höchstens Hilfe bekommen bei der Analyse, was einen hindert. Aber manchmal will man das auch gar nicht so genau wissen. Mancher Selbstbetrug ist halt auch sehr bequem, und wenn man ihn entlarvt, zerstört man auch einen Teil seines Selbstbildes, was u.U. sehr schmerzhaft sein kann.
Viele Grüße,
Malina
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Thema: Wie oft "neu" anfangen?
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02.08.2011, 18:48
AW: Wie oft "neu" anfangen?
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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02.08.2011, 23:31
AW: Wie oft "neu" anfangen?
...mein leben ist auch noch nicht "fertig"
wird es wohl nie sein. und das ist vielleicht auch ganz gut so!
wär doch auch langweilig, würde es komplett fertig sein???
für mich ist/war veränderungen z.b. ein thema. ein abschnitt geht zuende, ein neuer kommt. angst davor. angst nicht zu genügen etc. in solchen momenten sich dann selbst hochzuhalten und (dem leben resp. mir) zu vertrauen - ist meine übung. auch veränderungen, die das leben mir gab, haben mich immer weitergebracht. viel weiter. und doch hatte ich oft so dolle angst davor! dass ich es bis zum äußersten aushielt...
schreiben kann wirklich hilfreich sein. ich hab hier texte, mit denen könnte ich bände füllenSeit gestern überlege ich nun auch wieder, doch wieder zu schreiben. Aber eben unter neuen Vorzeichen, und das wäre dann ein Weg für mich, das auszudrücken und dem achtsamen "in-Worte-fassen" wieder mehr Zeit und Platz einzuräumen ...
will ich aber nicht, es war damals in einer bestimmten situation sehr gut für mich, das so rauszulassen. tagebuch schreibe ich, seit ich 13 bin. okay, seit geraumer zeit übernimmt das forum diese aufgabe
und wegen im kreisdrehen (tagebuch) - hm, muss nicht sein! einfach reinfließen lassen, zuklappen. ich mag es z.b. in alten tagebüchern zu schmökern, wenn mir danach ist.
warum solltest du eine falsche herangehensweise gehabt haben? du hattest sicher vorher nie berührungspunkte mit therapeuten, oder? kann doch auch einfach sein, dass ihr nicht gepasst habt. soll vorkommen. oder der zeitpunkt für dich da nicht "reif" war. kommt auch vor
ich kann ja nur für mich und von mir sprechenVielleicht an alle:
Eine Frage drängt sich mir hierbei auch auf, die jetzt nichts direkt mit diesem Strang zu tun hat, was ich aber gern mal in die Diskussionsrunde werfen würde:
Was glaubt Ihr, wie sinnvoll ist es, Ursachenforschung zu betreiben, um sich selbst zu ändern? Ist es nicht besser, mithilfe von Verhaltenstherapie das Heute zu ändern, als in der Vergangenheit und in der Verantwortung der Eltern (u.a.) zu suchen - was man ohnehin nicht ändern kann, außer möglicherweise vergeben?
also, vor über zehn jahren hatte ich verhaltenstherapie. hat damals den sinn erfüllt und mich in eine selbstbestimmtes leben geführt. vor etwa vier jahren hab ich eine tiefenpsychologische therapie angefangen - mit unterbrechung und auch verlängerung. läuft nun langsam aus. ich WUSSTE für mich, dass in meiner kindheit was begraben liegt. hatte mal ein erlebnis beim yoga, da musste ich sehr doll weinen - während der abschlussmeditation, die kurz in die kleinkind-zeit führte. und das haben wir jetzt aufgearbeitet. angesehen. es war mir wichtig.
ich für mich habe eine ursprungs-schmerz und eine ursprungs-leere, beides hat jetzt quasi ihren schrecken verloren. wenn beides kommt, kann ich es annehmen, statt wegzudrücken. und so kann ich mich auch mehr annehmen und das fühlt sich einfach sehr befreiend an. denn: ich bin richtig so, wie ich bin! ich bin so geworden, wie es den umständen entsprechend möglich war. ich finde auch noch immer nicht alles gut oder toll an mir, aber ich finde mich deswegen selbst nicht mehr "schxxxe". dieses andere umgehen macht mir veränderungen an mir selbst (und auch das aushalten negativer gefühle) viel leichter!
ich finde beide therapien sinnvoll und gut. beschäftige dich mal näher mit beiden, informiere dich, du wirst merken, in welche richtung es dich zieht.
*zustimm*
so war das bei mir. ich habe stark destruktive tendenzen, was männer
und mich selbst angeht. problem ist nun erkannt. gebannt - naja. bin dabei 
ich glaub auch, dass ALLES sowieso nicht aufarbeit-bar ist!Ich glaube auch nicht, dass es unbedingt notwendig ist, die Vergangenheit komplett aufzudröseln, um sich hier und heute zu ändern.
wenn wirklich krasse sachen waren, die dazu führen, dass man als erwachsener da nicht rauskommt - dann dieses thema beleuchten. das hilft oft schon.
jep.Aber die Veränderung herbeiführen muss man so oder so selbst.
hihi. davon hab ich auch gehört. man muss aber wirklich dahinter stehen und es auch wollen. auch wenn es weh tut. oder sich komisch anfühlt, erst mal. oder eben das eigene selbstbild bisschen leidet.Und mir kommt oft vor, dass Leute sich therapeutische Hilfe holen, die sich gar nicht unbedingt selbst ändern wollen, sondern hoffen, dass der Therapeut mit dem Zauberstab wedelt, und schwups ist die Veränderung ganz mühelos da.
offen sein, sich selbst neu kennenlernen.
kann schmerzhaft sein.Aber so geht das leider nicht. Auf den Weg muss man sich selbst machen. Man kann höchstens Hilfe bekommen bei der Analyse, was einen hindert. Aber manchmal will man das auch gar nicht so genau wissen. Mancher Selbstbetrug ist halt auch sehr bequem, und wenn man ihn entlarvt, zerstört man auch einen Teil seines Selbstbildes, was u.U. sehr schmerzhaft sein kann.
ich hatte z.b. immer ein sehr negatives selbstbild von mir. in der therapie gespiegelt zu bekommen, dass ich durchaus wertvoll bin, und es auch zu fühlen, war neu. auch schmerzhaft - aber letztendlich gut.
gute nacht euch
fly„Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören.
Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“
(Peter Kuznic, kroatischer Theologe)
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03.08.2011, 06:41
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03.08.2011, 22:26
AW: Wie oft "neu" anfangen?
„Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören.
Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“
(Peter Kuznic, kroatischer Theologe)
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04.08.2011, 20:32
AW: Wie oft "neu" anfangen?
Hallo kasanthoula,
wir kennen uns ja ein wenig und heute bin ich beim Stöbern durch die Foren auf deinen Beitrag gestoßen. Deine Frage "Wie oft neu anfangen?" kann ich nur mit "jeden Tag" beantworten. Wir alle fangen doch jeden Tag "neu" an. Ich bin das beste Beispiel dafür. Jeden Morgen sage ich mir heute wird ein guter Tag, Du hast ein Erfolgserlebnis, weil ein Jobprojekt positiv abgeschlossen wurde oder sogar ein Lob vom Chef. Meine Mutter wird mich mal nicht auf die Palme bringen und ich werde jemand anderem etwas gutes tun, vielleicht nur ein nettes Kompliment, ein gutes Wort etc. Wenn es dann nicht funktioniert, dann habeich immer noch die Hoffnung auf Morgen. Denn eines ist sicher, es gibt immer ein Morgen und damit immer wieder einen Neuanfang. Man muss auch mit kleinen Fortschritten und Änderungen zufrieden sein. Vorallem sollte man aber keine Hebel umlegen nur um des umlegens willen, man muss wissen wo man hin will, welches Ziel man mit den Änderungen verfolgt. Du solltest dich auch freuen, dass Du immer noch Hebel umlegen willst und, dass es auch noch welche zum Umlegen gibt, sonst wäre das Leben ja langweilig. Ich beneide dich um deinen Tatendrang.
Viele Grüße von blauekrakeJedenfalls ist es besser, ein eckiges Etwas zu sein, als ein rundes Nichts.
Friedrich Hebbel
Lebe mein Leben, und dann urteile über mich.
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06.08.2011, 00:21Inaktiver User
AW: Wie oft "neu" anfangen?
Liebe ksanthoula,
das kommt darauf an.
Wenn deine Vergangenheit dich belastet, so muss diese aufgearbeitet werden. Das merkt man aber in der Regel, weil sie einen dann auch ständig beschäftigt.
Bei mir war es so, dass ich immer wieder das Gespräch mit meinen Eltern gesucht und erzwungen habe, die damit aber nichts anfangen konnten und sich rechtfertigen "mussten". Ich habe eine ganz intensive Therapie machen dürfen und die Vergangenheit intensiv aufgearbeitet. In dieser Zeit habe ich nachts meine gravierenden Kindheitserlebnisse in Träumen noch einmal durchlebt, bin mit Tränen aufgewacht - und konnte es endlich überwinden! Das war eine riesengroße Befreieung, eine ganze Last ist von mir abgefallen. Ich bin so dankbar für diese Hilfe!
Wenn du so ein Bedürfnis nicht empfindest, denke ich, ist es hilfreicher nach vorne zu schauen. Allerdings wird in der Therapie schon des öfteren auch die Kindheit hinterfragt, auch, weil Therapeuten so Erklärungen für bestimmte Verhaltensweisen entdecken können. Darin muss ja nicht weiter "rumgestochert" werden, wenn du es nicht möchtest.
Durch Therapien versteht man vieles besser, es kann einem auch das schlechte Gewissen genommen werden (welches du ja auch hin und wieder hast).
Warum hast du das Bedürfnis, deinen Beruf so stark auszubauen? Deine Kinder sind noch so klein. Du könntest das auf später verschieben und dafür mehr für dich machen.
Ich bilde mir ein, dass ich durch mein Karrieredenken unkreativ geworden bin. Sicher verändert man sich mit der Zeit, aber ich konnte früher viele schöne Dinge viel besser spüren und empfinden und heute empfinde ich oft Leere und die füllt sich auch nicht, wenn ich einfach lange nichts unternehme - im Gegenteil. Ich muss etwas tun, um nicht abzurutschen. Ich finde z.B. zwischenmenschliche Kontakte sehr wichtig. Hast du durch die Kinder nicht viele Kontakte zu anderen Eltern? Unternehmungen mit Freunden und Gespräche sind Balsam für die Seele.
LG Tony
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11.08.2011, 18:23
AW: Wie oft "neu" anfangen?
Spannendes Thema...MEINS auch

Ich kenne dieses Gefühl, nicht das "richtige" Leben dem ureigenen Selbst entsprechend zu leben"...so nenne ich das jetzt mal.
Ich denke auch oft, ich würde gerne beruflich noch etwas völlig anderes machen, endlich mal 10kg abnehmen, etc.. Ich bin der festen Überzeugung, ich könnte so viel glücklicher sein mit Veränderungen. Es läuft dann oft so, dass ich Phasen großen Auftriebs habe (mit Phasen meine ich teilweise auch nur einen Tag
). Da sitze ich dann auf meinem Sofa nachdem ich eine Pizza gemampft habe und sage mir, dass es ab morgen ja nun wirklich anders werden muss.
Damit dass jetzt nicht zum Diät-Beitrag wird...das geht mir auch in anderen Sachen so. Oft habe ich den typischen "ab morgen"-Gedanken. Ab morgen ändere ich ALLES!
Und was ist? Bei der kleinsten Stimmungsschwankung meinerseits schaffe ich es nicht mal, so einen kleinen Vorsatz, wie z.B. morgens die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen, umzusetzen.
Ich merke, dass es bei mir oft so ist, dass ich die kleinen Sachen nicht in Angriff nehme, weil ich das Gefühl habe, dass es doch um die großen Themen geht...Beziehung, Arbeit, Geld, Freunde...und wenn da nicht prompt irgendwas Tolles passiert, nachdem ich mich doch entschlossen habe, nun alles zum Positiven zu wenden, bin ich so frustriert, dass ich eben auch das Treppenlaufen sein lasse und mich gräme.
DAS ist mein Teufelskreis
Ich hasse mich oft für diese schreckliche Inkonsequenz. Und ich weiss dass das keine guten Gefühle sind für mich selbst.
Ich habe schon drei Therapien gemacht und weiß, wo so meine Dreh- und Angelpunkte sind. Trotzdem weiß ich nicht, wie ich es schaffen soll, konsequenter zu sein, Dinge wirklich anzugehen. Ich bade mich anscheinend lieber in Selbtmitleid.
Ich würde zwar sagen, dass ich mich mittlerweile mehr akzeptiere als in jüngeren Jahren...aber irgendwie bin ich doch unzufrieden mit dem, was ich aus meinem Leben mache.
Keine Ahnung, ob es da den einen großen Ansatzpunkt gibt, den Knoten, den es zu lösen gilt.
Ws habe ich nicht alles schon für Bücher gelesen über die Veränderung der Gedankenmuster, etc. ...ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich mich da jemals ändern werde.
Also habe ich keinen Tipp, weil ich genauso bin.
Weiter geht es halt immer irgndwie
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12.08.2011, 20:15
AW: Wie oft "neu" anfangen?
ich glaube nicht. Meine Erfahrung ist, es gibt eine Million kleine Ansatzpunkte.
inzwischen hab ich mir angewöhnt, immer gleich etwas zu tun, wenn ich Lust dazu habe - wer weiss, ob und wann sie wieder kommt... so krieg ich doch einiges erledigt. Meist nicht in der Art und Reihenfolge, wie ich es mir plane, aber egal.
Wichtig ist das Tun, und jede einzelne kleine Handlung macht einen Unterschied.
grüsse, barbara
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14.08.2011, 07:09Inaktiver User
AW: Wie oft "neu" anfangen?


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