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  1. Inaktiver User

    Schamesröte Ich bin ein Moralapostel

    Ich merke immer wieder, dass ich Menschen, Situationen, Entscheidungen moralisch bewerte und mich hochgradig aufregen kann. Wie gestern, als in einem Gespräch eine Dame meinte, dass alle sie als Lügnerin da stehen lassen - um im nächsten Moment selbst einem das Wort im Munde zu verdrehen. Wie bei Menschen, die die Schuld für etwas Negatives immer nur bei anderen, nie bei sich selbst suchen. Wie bei meinem Arbeitgeber, dessen Entscheidungen nicht immer rational, sondern oft subjektiv sind. Und auf dessen Leitbild etwas anderes steht als tatsächlich getan wird.

    Ich rege mich auf, wenn Menschen mich/meine Meinungen/ Äußerungen übergehen - ich habe doch der Welt so viel an Inputs zu geben. Und manche merken es nicht mal...

    Das ist jetzt ein wenig überzeichnet, aber manchmal schäme ich mich ein wenig für meinen moralinhaltigen Zeigefinger...

  2. Inaktiver User

    AW: Ich bin ein Moralapostel

    Verwechselst Du das nicht mit Gerechtigkeitssinn?

    Die Beispiele, die Du genannt hast sind natürlich in einem moralischen Rahmen aber dafür ist ja Moral auch da in einer Gesellschaft.

    Wir leben in einer Welt von lauter Powerpointpräsentierer (Synonym für Schaumschläger), es gibt wenige, die sich an ihr Wort gebunden fühlen oder auch an Verträge.
    Und wenn man auf die Einhaltung pocht, dann wird man schnell als moralisierend hingestellt. Das ist aber eine Umkehr der Verhältnisse und leider haben im Moment diejenigen die Nase vorn, die lautstark ihre Meinung vertreten.

    Das mit dem Arbeitgeber ist auch so eine Sache, da werden Leitbilder aufgestellt, da werden hohe Massstäbe angesetzt, da müssen Broschüren über Führungskultur gedruckt werden und davon bleibt im Alltag herzlich wenig über.

    Ich habe festgestellt, dass wenn genau diese Sachen so hochgehalten werden, dass es meistens ganz schön kracht im Gebälk.
    In Firmen in denen eine gute Führungskultur gelebt wird, die haben es nicht nötig sich hinter hochtrabenden Hochglanzbroschüren zu verstecken!

    Und das gilt nicht nur für Firmen....

    Manche reden und schreiben darüber andere tun es einfach ohne grosses Gedöns und genau das ist das Problem in unserer "lauten" Welt, die werden meist nicht beachtet und solange man verklärt den "lauten" hinterherläuft wird sich diesbezüglich wenig ändern.

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    AW: Ich bin ein Moralapostel

    Solange der Spruch gilt"Es gibt nichts Gutes,ausser man tut es" kann ich mich sehr gut damit identifizieren.Also solange die Ansprüche an Moral oder Sitte so sind dass ich sie selber lebe und mich nicht über andere Menschen aufrege und dann auch selber nicht so lebe wie ich sage ist das doch voll in Ordnung.
    Es gibt ja auch in der Dichtung solche Beispiele,etwa Erich Kästner,Ch. Morgenstern,W.Busch usw-die schreiben doch auch das was man Moral nennt in ihrer Art und Weise und das hat so gar keinen negativen Geruch.Ich mag Moral,weil sie eine Leitschiene für das gemeinsame Leben ist und weil ich finde dass es nötig ist.

  4. Inaktiver User

    AW: Ich bin ein Moralapostel

    Danke für Deine Antwort, Stecher. Ich grübel noch.

    Ja, der Vorwurf "Moralapostel" kommt oft von außen. Und ja, ich war geplättet, als der Chef meiner Chefin in einer Fortbildung über werteorientiertes Management abwinkte und mit diesem seichten Gehabe nichts zu tun haben wollte (mein Mann ist mit dem Dozenten befreundet und hat sich von dem Seminar berichten lassen). Während unser Leitbild sooooo sehr auf Werteorientierung ausgerichtet ist.

    Ich äußere meine Meinung auch (sofern es geht), wenn ich solche Diskrepanzen erlebe. Und höre dann oft, dass man ja realistisch bleiben müsse, ich solle das mal lassen mit dem Moralin, es würde doch nichts bringen. Das erinnert mich ein wenig an die "Realos" bei den Grünen. Ich finde ja, dass dadurch deren Kurs "aufgeweicht" wurde. Aber stimmt das? Ist realistisch gleichbedeutend mit einem Aufweichen von Werten?

    Ich bin dann immer recht emotional bei der Sache. Und grundsätzlich bin ich auch so drauf, dass ich höhere Ziele anstreben mag, dafür auch Anstrengungen und Durststrecken in Kauf nehmen mag, statt "realistischerweise" nur das jetzt aktuell Mögliche im Blick zu haben. Aber ist das wirklich realistisch? Oder doch zu viel Moral und Wollen?

  5. Inaktiver User

    AW: Ich bin ein Moralapostel

    Zitat Zitat von heidpofferl Beitrag anzeigen
    Solange der Spruch gilt"Es gibt nichts Gutes,ausser man tut es" kann ich mich sehr gut damit identifizieren.Also solange die Ansprüche an Moral oder Sitte so sind dass ich sie selber lebe und mich nicht über andere Menschen aufrege und dann auch selber nicht so lebe wie ich sage ist das doch voll in Ordnung.
    Das versuche ich auch. Mein Mann hat mir ab und zu gesagt, dass ich sehr verkopft sei. Und klar klappt es bei mir selbst auch nicht immer, das benenne ich dann aber auch als Diskrepanz.

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    AW: Ich bin ein Moralapostel


    Dein Kommentar gefällt mit gut, Stecher.

    Hallo Catamara,

    ich habe oft die gleichen Gedanken wie du in Deinem 1. Absatz beschrieben hast.

    So gestaltet sich der tägliche Wahnsinn privat und jobmäßig, mal mehr ausgeprägt, mal weniger- mit seltenen Lichtblicken, was Gerechtigkeit und Wahrheit angeht.

    Die Masse, die den Lauten gedankenlos hinterherläuft, ist erschreckend groß. Es ist so schön bequem, nicht selbst über Wahrheit und Lüge und über eigenes Verhalten nachdenken zu müssen.

    Ich äußere auch mene Menung zu Mißständen oder Unvereinbarem, werde auch später hinterm Rücken beredet- weil ja die "Meinungslosen hinterher doch alles vieeeeel besser wissen oder sich in ein besseres Licht rücken müssen mit noch mehr Schaumschlägerei.
    Geändert von Kenga (21.07.2011 um 10:19 Uhr)
    Lieber Staub aufwirbeln als Staub ansetzen ...

  7. Inaktiver User

    AW: Ich bin ein Moralapostel

    Hallo Catamara,
    hihi, manchmal neige ich auch zum Moralapostel.

    Eine Erkenntnis, die mir geholfen hat: Meine Maßstäbe gelten nur für mich. Ich habe kein Recht und auch keine Pflicht, von anderen Menschen zu verlangen, dass sie nach meinen Maßstäben handeln. Andere Menschen sind manchmal unfair, bigott, ungerecht, aggressiv? Ja, so ist das. Und das Wetter ist auch manchmal schlecht - beides liegt außerhalb meines Einflussbereichs.

    Wenn ich es selbst immer schaffe, fair, eindeutig, gerecht und maßvoll zu reden und zu handeln, dann hab ich genug getan. Und meistens gibt es da ja auch Verbesserungsmöglichkeiten.

    Moral ist gut. Sei moralisch!

    Ob andere Menschen moralisch sind, ist nicht dein Belang.

    Grüße, Cariad

  8. Inaktiver User

    AW: Ich bin ein Moralapostel

    Cariad, meinst Du dann, dass es "nur" individuelle Maßstäbe gibt, keine allgemeingültigen? Moralisch handeln für mich - andere "dürfen" machen, was sie wollen? Was ist, wenn Politik Werte proklamiert, die im konkreten Handeln nicht erkennbar sind?

    Ich glaube, hier liegt für mich ein Knackpunkt, der mir Schwierigkeiten macht: Ich habe Werte und versuche, sie zu leben (was mir auch nicht immer gelingt). Aber endet moralisches Handeln hier, an der Grenze meiner Person? Inwieweit darf ich auch anderen meine moralische Bewertung ihres Handelns mitteilen - oder das besser gar nicht?

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    AW: Ich bin ein Moralapostel

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Eine Erkenntnis, die mir geholfen hat: Meine Maßstäbe gelten nur für mich. Ich habe kein Recht und auch keine Pflicht, von anderen Menschen zu verlangen, dass sie nach meinen Maßstäben handeln.

    Ob andere Menschen moralisch sind, ist nicht dein Belang.

    ...... ich glaube, diese Deine Erkenntnis könnte mir auch helfen, besser mit der "Moral" anderer zurecht zu kommen.

    Lieber Staub aufwirbeln als Staub ansetzen ...

  10. Inaktiver User

    AW: Ich bin ein Moralapostel

    Ja, ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es nur individuelle Maßstäbe gibt. Richtig und falsch sind Kategorien, die jeder für sich individuell festlegt.

    Beobachte dich selbst: Wenn du etwas gemacht hast, was nach deinem Maßstab nicht moralisch war, dann rechtfertigst du das, oder? Zumindest bei mir ist das so. Wenn ich mal außerhalb meiner eigentlich relativ hohen Maßstäbe gehandelt habe, finde ich für mich selbst sicher eine gute Ausrede dafür. Und die anderen Menschen machen das genauso.

    Wenn man sich in einer Diskussion auf Augenhöhe befindet, kann man natürlich sein eigenes Wertesystem anderen mitteilen. Aber einfach so jemandem sagen: Du bist unehrlich - was soll das bringen, außer dass sich die Person unwohl fühlt und dir jede Menge Gründe nennen wird, warum es in dieser Situation völlig okay war, unehrlich zu sein - oder aber dich darauf hinzuweisen, dass du aber vor zwei Jahren mal dann und dann auch unehrlich warst?

    Oder dir gar mitzuteilen, dass er Ehrlichkeit nicht für eine Tugend hält und darum gar nichts auf deine Moral gibt? Auch das ist denkbar: Nicht alles, was ich als grundlegend falsch ansehe, wird von anderen Menschen auch so gesehen. (Ich persönlich halte zum Beispiel Ehrlichkeit eher für eine Sekundärtugend, weil ich darin keinen unmittelbaren Wert sehe.)

    Mit Predigten erreicht man meiner Erfahrung nach nichts. Lebe du nach deinen Maßstäben! Ein gutes Beispiel ist das beste, was du anderen geben kannst.

    Grüße, Cariad
    Geändert von Inaktiver User (21.07.2011 um 10:47 Uhr)

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