das täuscht. tatsächlich befinden wir uns in einer situation des wertepluralismus, d.h.: es gibt gewissermaßen MEHR werte als vorher, bloß sind diese zumeist nicht konsensfähig. auf derlei richten sich minimalethiken ein, die sich auf einen harten kern rechtsfähiger standards beschränken, auf die man sich in der kompromissfindung stützen kann.
moralapostel nennt man diejenigen, die o.g. nicht einsehen (wollen).
ich habe den verdacht, dass diejenigen am lautesten nach moral rufen, die der ansicht sind, (chronisch) zu kurz zu kommen. ein höchst egoistisches, mithin moralisch fragwürdiges motiv, wie ich finde.
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Thema: Ich bin ein Moralapostel
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21.07.2011, 17:33
AW: Ich bin ein Moralapostel
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21.07.2011, 17:41
AW: Ich bin ein Moralapostel
Ist das ironisch gemeint ?
Das ist jetzt ein wenig überzeichnet, aber manchmal schäme ich mich ein wenig für meinen moralinhaltigen Zeigefinger...
oder doch nicht ironisch ?
Was beinhaltet denn der moralinhaltige Zeigefinger ?
So allgemein gehalten kann man sich alles Mögliche dabei denken.
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21.07.2011, 18:46Inaktiver User
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21.07.2011, 19:34
AW: Ich bin ein Moralapostel
Bringt es dir was, wenn du dich aufregst? Leute sind, wie sie sind, und alle haben ihre Gründe und ihr Problem. Du kannst dir denken "finde ich nicht OK, würde ich nicht machen", oder "danke für die Info, ich trau dir nicht", oder "was für eine scheinheilige Schnepfe", oder "Logik und Selbsterkenntnis ist eben nicht jedem gegeben", und es kann auch sehr interessant und spannend sein, ein bißchen zu gucken, welche Philosophie man eben selber verfolgt, wo die eigenen Werte liegen, was die da tun und wie sich das auf das eigene Leben auswirkt, zum Guten oder zum Schlechten...
Aber sich aufregen, da muß ich jetzt mal aus meinen Wertesystem sprechen, erscheint mir komplett unkonstruktiv.
Wenn ich das Verhalten einer Person moralisch bedenklich finde, dann wäre meine erste Frage immer, ist das relevant? Und wenn ja, habe ich einen Einfluß drarauf? Und wenn ja, welchen? Und wie setze ich den am besten ein, ohne meinerseits etwas zu tun, das bewirkt, daß ich mich selber weniger respektiere?
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22.07.2011, 09:29Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
Mal ein Beispiel, das mir kürzlich aus zweiter Hand unterkam: Ein Bekannter erzählt in einer größeren Runde von einem kleinen Versicherungsbetrug. Er hat etwas kaputt gemacht, und anstatt sich selbst einen Ersatz zu kaufen, lässt er es sich von der Haftpflicht eines anderen Bekannten zahlen.
Was tun? In so einer Situation kann man, finde ich, ruhig mal sagen, dass für einen selbst sowas nicht in Frage kommt. Aber ohne Zeigefinger, nur mit der Aussage: "Ich persönlich hätte ein schlechtes Gefühl dabei, die Versicherung zu hintergehen. Ich würde das nicht machen." (Natürlich vorausgesetzt, dass das auch stimmt.
) Das wäre der Weg, den ich nehmen würde - einfach, damit klar ist, dass ich Versicherungsbetrug nicht für schulterklopfenswürdig halte.
Vielleicht gibt es Menschen, die sowas sogar der Versicherung anzeigen würden? Wären das die besseren Menschen? Andere sitzen dabei und denken sich ihren Teil. Einige würden vielleicht diskutieren. Wieder andere würden versuchen herauszufinden, warum der Bekannte so handelt. Ist er so knapp mit dem Geld? Hatte er früher das Gefühl, von Versicherungen über den Tisch gezogen zu werden, und handelt nach dem Prinzip, Gleiches mit Gleichem zu vergelten? Denkt er einfach nicht darüber nach? Oder er hält er Versicherungen prinzipiell für Betrüger, die betrogen werden wollen?
Meines Erachtens gibt es nicht das eine korrekte Verhalten.
Grüße, Cariad
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22.07.2011, 09:46Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
Gutes Beispiel.
Und da stimme ich Deinem "Pragmatismus" nicht mehr zu und das hat auch mit Effizienz nichts mehr zu tun. Das halte ich für Konfliktvermeidung von Dir.Was tun? In so einer Situation kann man, finde ich, ruhig mal sagen, dass für einen selbst sowas nicht in Frage kommt. Aber ohne Zeigefinger, nur mit der Aussage: "Ich persönlich hätte ein schlechtes Gefühl dabei, die Versicherung zu hintergehen. Ich würde das nicht machen." (Natürlich vorausgesetzt, dass das auch stimmt.
) Das wäre der Weg, den ich nehmen würde - einfach, damit klar ist, dass ich Versicherungsbetrug nicht für schulterklopfenswürdig halte.
Es geht hier nicht mehr um ein "schlechtes Gefühl" und es geht auch nicht um ein isoliertes "ich lass mir den Schaden von der Versicherung" zahlen.
Es geht ganz konkret darum, dass eine Versicherung mit Hilfe von zu erwarteten Schäden und Risiken und den tatsächlichen Schäden eine Formel aufstellt mit der die Prämien aller Einzahler in diese Versicherung festgelegt werden.
Das bedeutet konkret, dass er durch seinen Betrug nicht die Versicherung alleine bescheisst und betrügt sondern auch alle anderen, die ebenfalls ihre Beiträge bezahlen.
Und dann gehe ich nicht mehr her und mache eine lauwarme Ansage so wie Du sie über die Gefühlsebene ausdrückst sondern das geht jeden was an der ebenfalls in die Versicherung einzahlt und damit indirekt mitgeschädigt wird.
Das ich ihn nicht überzeugen kann ist mir schon klar aber ich kann das deutlich ansprechen.
Wieso gehts da um "bessere" Menschen? Nur weil Du es ausblendest und nicht direkt einen Verlust spürst?Vielleicht gibt es Menschen, die sowas sogar der Versicherung anzeigen würden? Wären das die besseren Menschen?
Das ist mitunter ein Hauptgrund warum die Versicherungssysteme überlastet sind weil sich viel zu viele an den Systemen schadlos halten und keine Eigenverantwortung mehr übernehmen wollen.
Und diejenigen, die ohne Schaden in die Versicherungen einzahlen, die sind die blöden in dem System oder diejenigen, die sich korrekt verhalten. Und wenn das die Regel wird na dann gute Nacht.
Doch eindeutig gibt es das! Und in Deinem Beispiel gibt es nicht mal einen Ermessensspielraum. Alle von Dir angeführten Dinge sind zwar menschlich aber trotzdem falsch. Wenn er schon einen Ausgleich für frühere "Schmähungen" sucht dann nicht auf Kosten der Gemeinschaft was leider immer wieder anzutreffen ist und sich dann die Leute wundern, dass die gemeinschaftlich finanzierten Systeme immer mehr ausufern und die Beiträge steigen!Meines Erachtens gibt es nicht das eine korrekte Verhalten.
Er will die Konsequenzen seines eigenen Handelns nicht tragen und schädigt andere für sein Verhalten, ja gehts noch?
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22.07.2011, 09:57Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
Und genau da setzt die Effizienz ein.
Du weißt schon im Voraus, dass du mit deiner Methode nichts erreichst. Also ist sie untauglich.
Meine Methode regt vielleicht wenigstens manchmal ein paar der am Tisch sitzenden zum Nachdenken an (das habe ich zumindest mehrfach erlebt). Deine sorgt nur dafür, dass du als Spielverderber giltst und keiner mehr auf dich hört - was du offenbar mehrfach schon erlebt hast.
Ich hab beides ausprobiert. Meiner Erfahrung nach erreiche ich mit meiner Methode mehr. Es geht mir ja nicht darum, dass ich mich lauthals als moralischer Mensch positioniere.
Grüße, Cariad
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22.07.2011, 10:48Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
ich kann da auch ein beispiel bringen.
ein ehemaliger mitarbeiter meines mannes - jetzt im ruhestand - brüstet sich damit, bei den discountern irgendwas zu kaufen, den kaufbeleg so lange aufzuheben, bis garantie abgelaufen ist und kurz vorher zu reklamieren.
ist für mich betrug.
solche menschen sind dermassen beratungsressistent, warum sollte ICH mich darüber aufregen???
dann müsste ich mich ja über jeden sozialschmarotzer aufregen, von denen es zur genüge gibt.
aber, wenn dieser mann, mir da direkt ins gesicht sagen würde, dass er das so und so macht und auch noch toll findet, dann würde ich ihm schon sagen, was sache ist - jedoch am stammtisch????
bringt null, ausser die runde wird gesprengt.
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22.07.2011, 11:03Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
Nö überhaupt nicht, das musst Du Dir ja nicht so vorstellen, dass ich da wie Rumpelstilzchen und hochrotem Kopf auf dem Tisch rumtanze und mich lauthals über den Deppen mokiere.
Ich kann das genauso gut wie Du sachlich und auch mit Diplomatie rüberbringen und auch der Satz mit dem Gefühl kann fallen nur würde mir das nicht reichen zu sagen, also ich hätte da ein schlechtes Gewissen.
Ja und nein und manchmal bin ich Spielverderber und deswegen kommen die Leute dann auch zu mir weil ich eine klare Position habe. Diejenigen, die meinen sie müssten mich daraufhin schneiden wären sowieso nicht der Umgang den ich mir wünschen würde.Meine Methode regt vielleicht wenigstens manchmal ein paar der am Tisch sitzenden zum Nachdenken an (das habe ich zumindest mehrfach erlebt). Deine sorgt nur dafür, dass du als Spielverderber giltst und keiner mehr auf dich hört - was du offenbar mehrfach schon erlebt hast.
Ist ja nicht so, dass ich demjenigen das Gefühl vermitteln würde, dass ich ihn nicht mehr mögen würde weil er da ein Fehlverhalten zeigt mir wird ja umgekehrt auch manchmal gesagt wo ich mich falsch verhalte und das überlege ich mir dann auch.
Solange das Korrektiv arbeitet ist alles in Butter ich habe aber auch festgestellt, dass man unter Umständen nicht auf die freiwillige Selbstverpflichtung setzen sollte.Ich hab beides ausprobiert. Meiner Erfahrung nach erreiche ich mit meiner Methode mehr. Es geht mir ja nicht darum, dass ich mich lauthals als moralischer Mensch positioniere.
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22.07.2011, 11:07
AW: Ich bin ein Moralapostel
Es wirkt oft schon Wunder, wenn der Beifall ausbleibt. Leute erzählen so etwas ja, um darzustellen, wie erfolgreich oder clever sie sind, mit dem Ziel, in den Augen der Zuhörer besser dazustehen. Ihnen mitzuteilen "Hallo, du stehst jetzt schlechter da" bringt sie mindestens dazu, die Klappe zu halten, was auch mittelbar dazu führt, daß solches Verhalten generell als weniger akzeptabel wahrgenommen wird.
Sich dagegen auf die Seite der Autorität zu schlagen weckt nur in den meisten Zuhörern nur den Wunsch, sich mit dem Rebellen oder Underdog zu identifizieren und ihn gegen den wahrgenommenen Druck von oben zu verteidigen, und gibt dem Sprecher zusätzlich zu dem "oh, ich bin so clever" auf das er abzielt, auch noch eine schicke Dosis Nonkonformismus. *Und* hilft ihm, seine Argumente, weswegen er ja so im Recht ist, noch mal darzustellen und sich selber noch mal extra davon zu überzeugen.
Ich helf mir oft mit "das ist mir zu blöd", "dafür ist mir meine Zeit zu schade", "ich hab' das nicht nötig", oder im Fall von bigotten Witzen "das kapier ich jetzt nicht... kann mir jemand das erklären? Aha, soso... ihr findet das witzig? Dinge gibt's...". Wenn Leute mit ihrem Geiz prahlen, kann man auch anbieten, ihnen einen Kaffee zu bezahlen.
Ich versuche in solchen Fällen, richtig zu raten, was die Leute jetzt gerade wollen, und ihnen genau das nicht zu geben.



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