Das ist die Selbstreflexion, so hab ich auch catamara verstanden, dass sie selbst auch bei sich selbst guckt.
Da bin ich mir nicht so sicher ob das gilt weil nehmen wir das Arbeitsumfeld.Ob andere Menschen moralisch sind, ist nicht dein Belang.
Da werden verbindliche Richtlinien rausgegeben, da wird ein Pomp und Glanz veranstaltet wie die Führungskultur zu sein hat, wie mit Mitarbeitern umgegangen werden soll, da wird auf Werte gepocht - zur Zeit ist Nachhaltigkeit das Stichwort und im täglich Erleben stellt sich das aber vielfach ganz anders da.
Spricht man besagte Personen darauf an dann bekommt man vielleicht eine Antwort oder es wird einem gesagt "was interessiert mich mein Geschwätz von gestern".
Und diese Konsequenzlosigkeit kannst auch in der Politik und im täglichen Leben beobachten, bis es wieder mal richtig kracht.
Nein, die Grenze ist nicht nur die individuelle Haltung zur Moral und das man nicht durch anderer Moral beeinflusst wird, das ist ja genau das Wesen von Moral.
Deine Haltung trägt dazu bei, dass man nicht gleich hochgeht und auch Fehler wohlwollender betrachten kann und damit sich und anderen nicht gleich eine Lösung verbaut, dies setzt aber Einsicht in das eigene Handeln voraus und da hapert es bei vielen gewaltig!
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Thema: Ich bin ein Moralapostel
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21.07.2011, 10:35Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
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21.07.2011, 10:44Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
@Stecher: Wenn das Handeln zb eines Vorgesetzten einer Unternehmensrichtlinie widerspricht, würde ich ihn durchaus darauf hinweisen: "Meines Erachtens widerspricht das, was wir hier planen, unserer Nachhaltigkeitsrichtlinie."
Ein solcher Satz ist aber weit weg von einer Moralpredigt, oder? Wenn derjenige dann sagt: "Ach, was geht mich mein Geschwätz von gestern an?", weiß ich auch, woran ich bin. Und wenn es unerträglich würde, könnte ich gehen. Aber ich habe kein Druckmittel und auch nicht die Aufgabe, ihn zur Einhaltung seiner Richtlinien zu bringen.
Grüße, Cariad
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21.07.2011, 11:00Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
Ich weiss schon was Du im Grunde aussagen möchtest und ich sehe es in weiten Teilen so wie Du.
Aber ein Vorgesetzer hat nicht nur Rechte sondern auch Pflichten und genau diese Konsequenzlosgikeit ist es die mitlerweile ziemliche Stilblüten treibt in den Firmen.
Jetzt ist das obige Beispiel mit der Nachhaltigkeit ja noch relativ unverfänglich aber lass es mal in den Mobbingbereich gehen und ich konnte bisher feststellen, dass bei allen Mobbingfällen der Vorgesetzte zumindest billigend in Kauf genommen hat, dass dies passieren kann.
Das geht damit los, dass man der nächsten Ebene nicht auf die Finger schaut weil man sich das Leben selbst leicht macht und sich nicht aus dem Büro rausbewegt, kritische Stimmen werden ignoriert.
Das ist unterlassen der Führungsverantwortung.
Es liegt in der Natur des Menschen, dass man sich nur die Rosinen rauspicken möchte und aus diesem Grunde existiert ja normalerweise ein Wertekanon in einer Gesellschaft.
Der ist aber Schall und Rauch wenn es keine Konsequenzen nach sich zieht wenn man beliebig nach eigenem Gusto handelt wie man gerade möchte.
Ich kann das auch gar nicht so gut in Beispielen erklären, ich lauf ja nicht ständig miesepetrig rum und mach einen auf Moralapostel aber alleine wenn man bestimmte Dinge anspricht wird als Totschlagargument genannt, dass man ja ein moralinsaueres Gehabe an den Tag legt, ist mir hier erst in der Bri so ergangen.
Dahinter versteckt sich aber kein moralinsaueres Gehabe wenn man Menschen sagt, dass ihr Handeln auch nicht nur schöne Seiten beinhaltet sondern auch im gleichen Masse negative Auswirkungen hat, sowohl für sich selbst als auch für andere.
Aus meiner Sicht sehr wichtig ist dabei zu unterscheiden in welcher Situation und in welchem Zusammenhang das passiert. Missionarisch da rumzuaposteln ist nicht okay aber wenn jemand frägt was man selbst von der Situation hält oder wenn man sieht, dass andere zu Schaden kommen, da ist eine Stellungnahme richtig und auch sinnvoll.
Dass viele die negativen Auswirkungen nicht hören wollen liegt daran, dass sie dann nicht mehr so leicht mit sich und anderen spielen könnten ohne diese Information, die sie gut verdrängt haben und nicht wissen wollten.
Dann ist natürlich jeder, der darauf hinweist erstmal der Böse weil er eine Illusionsblase zerstört.
Gabs eigentlich schon immer, dass der Überbringer der schlechten Nachricht der Depp dann war, tja!
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21.07.2011, 11:07Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
@Stecher: Mir geht es da eher um die Effizienz. Da, wo ich ohnehin nichts erreichen kann, investiere ich auch keine Mühe. Wenn du erstmal als moralinsaurer Besserwisser dastehst, wirst du nichts mehr erreichen. Das ist für die "Moral" an sich das Schlechteste, was du tun kannst.
Wenn du nur da ansetzt, wo sich etwas erreichen lässt, und nur mit den Mitteln, die wenigstens potenziell erfolgversprechend sind, hast du letztlich mehr getan - für das Gute in der Welt, sozusagen.
Ein sehr pragmatischer Ansatz, ich weiß. So bin ich halt.
Grüße, Cariad
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21.07.2011, 11:31Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
Ich bin da ganz bei Dir!
Nur in solchen Diskussionen erlaube ich mir einfach auch Punkte anzusprechen und das Thema weiter zu fassen um mir selbst keinen Maulkorb zu verpassen und evtl. auch neue Impule zu bekommen sei es auch nur um bei dem zu bleiben wie ich es bereits mache.
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21.07.2011, 12:20Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
@ Stecher, mit dem, was Du schreibst, kann ich ziemlich gut mitgehen, da finde ich mich auch wieder. @ Cariad, Dein sehr pragmatischer Ansatz ist für mich nachvollziehbar, erzeugt aber dennoch Magengrummeln bei mir. Zum Einen finde ich die Unterscheidung "Wo macht es Sinn, wo nicht?" recht schwierig und "störanfällig". Zum Anderen: derjenige, der am härtesten seine "Unmoral" vertritt, bleibt unkommentiert? Weils "nichts bringt"?
Was ist mit der Verpflichtung in bestimmten Positionen, die Stecher anspricht?
Was ich problematisch finde, ist dieses Wechseln von Wertesystemen nach Beliebigkeit. Kundenorientierung ist so lange Aushängeschild, bis Kundenorientierung eine geringeren Gewinn bedeuten kann - dann ist Gewinnmaximierung die Orientierungsgröße. Nachhaltigkeit dito. Dass hier unterschiedliche Interessen eine Rolle spielen, kann ich nachvollziehen. Aber es wird nicht offen benannt! Dieser Wechsel ist normal.
Und ich hätte Angst vor einer Gesellschaft, deren Wertesystem nur auf Papier steht, deren Umsetzung aber Beliebigkeiten unterworfen ist...
Ist das Einsetzen für Werte, deren Umsetzung auch mal für den Einzelnen unbequem sind, moralinhaltig?
O ja, ich glaube, ich bin ein Moralapostel...
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21.07.2011, 12:34Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
@Catamara: Dann musst du versuchen, in eine Position zu kommen, in der du tatsächlich Menschen beeinflussen kannst. Werde selbständig und setze deine eigenen Maßstäbe für dein Unternehmen an. Oder geh in die Regionalpolitik. Von "unten" jemandem zu sagen, wie er es besser machen kann, ist immer einfach. Gerade in der Wirtschaft.
Diejenigen, die Unoral hart und gewissenlos vertreten (vielen davon bin ich noch nicht begegnet), wirst du nicht ändern können - es sei denn, sie bewegen sich außerhalb der Gesetze. Oder sie sind dir disziplinarisch untergeordnet. Jemanden, der so abgehärtet ist, kriegst du mit Predigten nicht auf deine Seite.
Wenn du moralisch sinnvoll handeln willst, liefere diesen Menschen Daten und Fakten, warum moralisches Handeln sinnvoll ist. Da gibt es manchmal echte Chancen, und da sehe ich mich dann wirklich in der Pflicht.
Aber wie gesagt: Alles ist müßig, wenn man nicht bei sich selbst ansetzt. Bei allen Menschen, die ich kenne - mich selbst eingeschlossen - gibt es da durchaus Handlungsbedarf. Und es ist am lohnendsten, genau da anzusetzen.
Grüße, Cariad
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21.07.2011, 13:43Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
Ich würde gern in eine andere Richtung gehen wollen weil es ist wie es ist und Du weisst ja was und wo Dich was triggert.
Die Haltung, die Cariad hat habe ich mir im laufe der Jahre erworben, das bedeutet nicht, dass ich jetzt "blind" bin für diese Sachen aber sie berühren mich nicht mehr so stark und wenn dann schaue ich ob mir nicht auch etwas gespiegelt wird.
Ich habe unter anderem genau aus diesem Grunde z. B. vor etlichen Jahren meinen Fernseher einem Freund geschenkt.
Ich musste feststellen, dass vieles was gesendet wurde zwar einer Wahrheit entsprach aber durch Verkürzungen und Darstellung in einem anderen Zusammenhang ein völlig falsches Bild ergab und wie sich im Umfeld diese manipulierten Meinungen wiederspiegelten.
Man wird die Welt selbst nicht besser machen können aber man kann bei sich selbst schauen was man tun kann und da bin ich ganz bei carriad.
Ich habe beschlossen mich durch die vielen Informationen, die ich mir ja selbst antue, nicht mehr kirre machen zu lassen. Die Angst, dass ich nicht informiert wäre kann ich definitiv verneinen weil man ist durch Radio und Internet sowieso überversorgt. Und auch hier kann ich entscheiden was ich mir antue und was nicht.
Das selbe in der Arbeit, im konkreten Falle wenn es mich betrifft dann nehme ich Stellung dazu aber ich werde gefühlte Ungerechtigkeiten nicht mehr für andere ansprechen, das müssen sie selber lernen.
Dazu gehört es auch sich nicht mehr am Flurfunk zu beteiligen und aus Schlangengruben rauszuhalten, entweder konsequent meiden oder ablenken und unterbrechen oder kritisch hinterfragen.
Und trotzdem finde ich es wichtig, dass es Menschen gibt, die noch Werte haben und diese auch verteidigen. Das "immer höher weiter schneller Prinzip" fördert die "Der Zweck heiligt alle Mittel Denker und Macher" und diese sind es die auch die Stabilität einer Gesellschaft bedrohen, weil sie sich nur noch ihrem Ego verpflichtet fühlen und es ihnen egal ist wie es anderen geht.
Die Zeche zahlen ja meist die anderen für ihre Verfehlungen.
Ich weiss meinen Antrieb, warum ich so denke und handle, catamara kennst Du Deinen Antrieb warum Du da so feinfühlig bist?
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21.07.2011, 14:34Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
Hallo Catamara

Wenn Du sagst, daß Du versuchst nach Deinen Moralvorstellungen zu leben, dann hört sich das sehr anstrengend an.
Als ob es ein ständiges Bemühen wäre.
Irgendwie- kostet sowas aber doch viel Kraft und bedeutet, daß Du immer einen Abgleich finden musst über Dein Handeln.
Mich würde mal interessieren, was genau Du dann sagst- um was für Situationen es im Genauen geht!
Ich finde mich bei stecher wieder und hab schon lange aufgehört den anderen zu sagen, wie sie es "tun sollten".
Meine Erfahrung ist, daß jeder seinen WEg geht- gehen will und nichts hören will- vor allem, wenn er nicht gefragt hat
Kein Thema- wenn etwas wirklich von mir als daneben empfunden wird- dann würde ich durchaus was sagen, aber in den meissten Fällen bin ich zwar anderer Meinung, aber mir ist es der Kraftakt nicht wert eine Auseinandersetzung zu haben, die letztlich total fruchtlos ist, weil der Gegenüber davon nix hören will.
Natürlich kann man einem Chef sagen, daß sein HAndeln dem Reden widerspricht-- die Frage ist aber, ob er das ändern wird!
Ich frage Dich auch- wer hat sich denn nach Gesprächen verändert?
Und- ändern sich nicht auch unsere eigenen Moralvorstellungen im Laufe des LEbens?
Gut- man muss erst mal wissen, was Du alles unter Moralvorstellungen verstehst.
lieben Gruss
kenzia
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21.07.2011, 15:08Inaktiver User
AW: Ich bin ein Moralapostel
Stecher, das
finde ich gut und merke mir.Powerpointpräsentierer
Zur Sache selbst:
Manchmal habe ich das Gefühl uns als Gesellschaft und/oder den einzelnen Mitglieder sind die Werte verloren gegangen
Von daher wird derjenige, der sie (auch für sich) einfordert, oft als Moralapolstel betitelt.
Und niemand will mehr die Konsequenzen seines Handelns tragen. Ich stelle das auch bei mir fest. Und ich lerne zu sagen, wenn es um Fehler oder falsches Handeln geht, einfach zu sagen, ist gut, ich wars, ohne lange Rechtfertigungen für mein Handeln zu suchen.




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