Hallo liebe UserInnen,
mir brennt da etwas seit langem unter den Nägeln und ich würde gern wissen, ob schon mal jemand ähnliche Gedanken/Erfahrungen hatte:
Wohl jeder war schon mal neidisch auf etwas, was die beste Freundin, der Bruder, etc. hat: Erfolg im Beruf, glückliche Liebe, ein neues Auto oder was auch immer. Obwohl neidisch etwas "missgönnend" klingt.
Bei mir geht`s um eine ältere Schwester: sie ist 30 und hat so ziemlich alles, was Frau sich wünschen kann: einen hingebungsvollen Ehemann, das Kind kommt in einem Monat, beide haben hochbezahlte Jobs, viele gute Freunde, es mangelt ihnen an nichts. Natürlich ist es schön, dass sie so happy ist, aber dagegen kommt einem das eigene Leben eher malgelhaft vor:
ich schlittere von einer unglücks-kurz-beziehung in die nächste, wünsche mir sehnlichst auch mal Liebesglück und eine eigene Famile (mit 28 darf man sich das wünschen, denke ich), versuche auf dem 2. weg einen anständigen Beruf zu erlernen und bin oft einsam und alleine mit der Katze....
Kurz: wie kann man es schaffen, dass man sein eigenes Leben einigermaßen passabel findet? Das die Gedanken, wie meine Schwester lebt, mich nicht in Minderwertigkeitskomplexe bringen? Ich wäre so gern wie sie!!
Kennt noch jemand das?
Danke schon mal...
Mandeline
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Thema: Abgucken zählt nicht...!
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18.07.2011, 23:29
Abgucken zählt nicht...!
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18.07.2011, 23:54Inaktiver User
AW: Abgucken zählt nicht...!
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Geändert von Inaktiver User (19.07.2011 um 00:00 Uhr) Grund: Doppelt
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18.07.2011, 23:58Inaktiver User
AW: Abgucken zählt nicht...!
Ich glaube nicht, dass sie deswegen insgesamt glücklicher sein muss als Du.
Ausserdem vergleichst Du zwei Momentaufnahmen. In 5 Jahren, in 10 oder im 50 kann es sich noch mehrmals drehen.
Es macht keinen Sinn sich zu vergleichen. Es sei denn, du kannst etwas von ihr lernen. Scheint aber nicht so, da Du ja denkst ihr wären all diese Dinge einfach so in den Schoß gefallen. Oder gibt es vielleicht doch etwas, was sie zu Ihrem Erfolg beigetragen hat?
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19.07.2011, 00:20
AW: Abgucken zählt nicht...!
Glück hat nichts mit speziellen Rahmenbedingungen zu tun.
Ein Bsp.: Meine Schwägerin hat einen Mann, der sie liebt und alles für sie tut (klar, ist ja auch mein Bruder
), hat zwei gesunde Kinder, die nur so durch die Schule fliegen, sie leben in einem großen Haus, haben jede Menge Geld, fahren mehrmals im Jahr in Urlaub ...
Ich dagegen lebe alleine mit meinen Kindern, gehe den ganzen Tag arbeiten, mein Sohn hat ADS, in Urlaub fahren wir höchst selten, und ich schätze, dass ich die Hälfte von dem an Geld zur Verfügung habe, wie sie.
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Ich fühle mich sehr wohl in meinem Leben und bin sehr, sehr dankbar für das, was mir das Leben bisher geschenkt hat und sie ist ständig am mosern, ist nie zufrieden mit dem, was sie hat.
Also höre auf, dir Gedanken über andere und ihr angebliches Glück zu machen. Glücklich wirst du nur durch die Dankbarkeit. Durch sonst nichts.Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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19.07.2011, 00:53
AW: Abgucken zählt nicht...!
Ich kann dich verstehen, Mandeline,
auch wenn deine Aufzählung recht materiell geprägt ist: Haus, Mann, Kinder, Urlaub...
Es wird immer Menschen geben, die dies haben und ich nicht.
Was sind deine eigenen Werte?
Das finde ich auch bedenkenswert. Ein hochbezahlter Job erfordert nun mal kompletten Einsatz. Das habe ich mir immer vorgesagt, als ich von ganz wenig Geld lebte, aber den Vormittag frei hatte, z.B. und sicher kein Kandidat für das Burn-Out Syndrom war.Scheint aber nicht so, da Du ja denkst ihr wären all diese Dinge einfach so in den Schoß gefallen. Oder gibt es vielleicht doch etwas, was sie zu Ihrem Erfolg beigetragen hat?
KittyCoat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
Mae West: Goodness had nothing to do with it...
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19.07.2011, 05:36
AW: Abgucken zählt nicht...!
So ähnliche Gedanken und Gefühle hatte ich früher auch mal. Es war einfach so - wie ich später erfuhr - dass diese Leute lediglich niemals über Probleme oder Sorgen sprachen. Nur über das, was gut war, was klappte. Und viiiiel über "Erfolg"
. Deshalb erschien ihr ganzes Leben so unendlich leicht und wunderbar. Der Schein trog gewaltig.
Ich habe kürzlich einen Vortrag zum Thema "Neid? Ich doch nicht!" gehört. Es ist komisch, aber anscheinend denken die meisten, dass es den anderen besser geht. Dabei ist es so, dass die einen auch beneiden ihrerseits.
Es hieß "Das Licht im Fenster gegenüber scheint immer heller zu scheinen als das im eigenen Haus".
Vergleich dich nicht mit anderen. Sei stolz auf deine Stärken. Welche sind das? Hast du die Liste parat?
Mich haben zu Single-Zeiten alle verheirateten Frauen glühend beneidet. Meine Freiheit! Machen was ich will, jederzeit! Party bis zum abwinken, flirten bis der Arzt kommt und so weiter. Dabei wäre ich auch gerne verheiratet gewesen. Man erzählte mir ja auch nie von den kleinen und großen Sorgen, die eine Ehe mit sich bringt!
Oder tut das deine Schwester? Nee? Na siehste. Und glaub mir - die haben auch ihre Probleme. Eine Ehe ohne Problem gibt es nicht. Schon gar nicht, wenn Nachwuchs anrückt. 
Die Leute wissen gar nicht, dass du etwas neidisch bist. Wie wäre es denn, du sprichst sie einfach mal an. Ganz lieb "ich wünschte mir auch so ein Leben wie du es hast...". Ich schwör dir, sie wird sowas sagen wie "was? Aber so einfach wie es aussieht, ist es weißgott nicht. Ich beneide dich eigentlich um dies...und jenes...". Jedenfalls, wenn ihr einen guten Draht habt zueinander und offen reden könnt.
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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19.07.2011, 07:01Inaktiver User
AW: Abgucken zählt nicht...!
Hallo,
ich sehe das wie Karla.
Ich gebe zu, es gab und gibt immer mal wieder Situationen, da schaut man unter Umständen etwas "neidisch" auf seine Mitmenschen.
Z.B. habe ich eine Bekannte, die sieht super aus, hat einen tollen Mann, zwei süße Kinder, eine tolle Wohnung - genau wie ich sie mir wünschen würde. Hat ausreichend Zeit für ihre Kinder, da sie aufgrund des sehr guten Einkommens ihres Mannes nur ein paar Stunden arbeiten muss, während ich auch mit zwei Kindern immer Vollzeit gearbeitet habe, oft gehetzt und ausgepowert war. Aber meine Bekannte zahlt auch ihren Preis für ihr "angenehmes" Leben und ist nicht wirklich glücklich. Ihr Mann verdient zwar jede Menge Geld, ist dafür aber fast nie zu Hause. Ist ständig im Ausland und kommt nur alle paar Wochen mal für ein paar Tage zu Hause vorbei. Sie sagte mal zu mir, sie fühlt sich sehr allein. Alle Verantwortung für die Kinder, wenn sie mal krank sind, etc. liegt bei ihr.
Ich selber hatte zu Ehezeiten auch ein "perfektes" Leben. Wir haben beide gearbeitet, hatten zwei süße Kinder, konnten uns dies und das leisten. Sind regelmäßig in den Urlaub gefahren. Allerdings war das alles im normalen Rahmen. Unsere Ehe und unser Familienleben erschienen nach Außen hin perfekt. Kein Streit, kein böses Wort, immer eitel Sonnenschein. Was wirklich zwischen meinem Ex-Mann und mir abging, das hat keiner auch nur geahnt. Als wir uns trennten, waren unsere Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen total geschockt. Bei uns hätte nie jemand damit gerechnet. Und glaube mir, ich war seit vielen Jahren nicht mehr glücklich. Und mein Ex wohl auch nicht.
Ein weiteres Beispiel: Eine Kollegin, auch ein perfektes Leben, so wie Du es von Deiner Schwester beschreibst. Was ist passiert? Ihr Mann wurde schwer krank und ist dann nach ganz kurzer Zeit verstorben. Finanziell hat sie zwar ausgesorgt, aber glücklich sind sie und die Kinder nach diesem Verlust auch nicht.
Wir sollten wirklich nicht immer auf unsere Mitmenschen schielen, sondern uns das Leben nach unseren Möglichkeiten schön machen.
Bei mir wird es z.B. nie ein eigenes Haus und keine Traumwohnung geben (ich habe da so ganz bestimmte Vorstellungen
). Dafür mache ich mir aber meine kleine Wohnung ganz besonders schön. Ich fühle mich wohl dort und freue mich, dass ich z.B. nicht so viel putzen muss, wie eine Freundin, die ein großes Traumhaus ihr Eigen nennt.
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19.07.2011, 08:16Inaktiver User
AW: Abgucken zählt nicht...!
Das halte ich für die Schlüsselfrage.
Was "man" als beglückend empfindet, bringt Dir gar nichts, Mandeline. Es kann Dir nur darum gehen zu klären, was DICH glücklich macht und zu schauen, wie Du das erreichst. Da alles seinen Preis hat, ist es sinnvoll, auch die Schattenseiten anzuschauen: Ein gutbezahlter Job kann bedeuten, dass Du wenig Freizeit hast. Ein eigenes Haus bindet Dich an einen bestimmten Ort. Etc.pp. Was ist Dir so wichtig, dass Du bereit bist, die "andere Seite der Medaille" in Kauf zu nehmen? Das kann sich übrigens im Laufe des Lebens ändern!
Und Neid, ein Gefühl, dass "man" tunlichst nicht haben darf, hat auch seinen Sinn: zu erspüren, dass da etwas fehlt im eigenen Leben. Aber aufpassen: Welche Maßstäbe legst Du an? Die von "man" = Allgemeinheit? Oder Deine?
Außerdem finde ich Beklamos Post sehr wertvoll. Dankbarkeit bedeutet, sich bewusst zu machen, wo man gerade steht und wie wertvoll das ist. Du hast eine 2. Chance für Deine Berufsausbildung bekommen. Und Katzen sind etwas Wunderbares. Sicherlich gibt es noch mehr in Deinem Leben, um das Dich andere beneiden.
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19.07.2011, 08:36Inaktiver User
AW: Abgucken zählt nicht...!
so sieht´s aus.. aber die auf die man neidisch ist, meinen oft sie hätten immer noch zu wenig.
ich war früher ständig neidisch, neidisch auf die super Freundinnen der Kumpelz, neidisch auf deren Motorräder und Autos, auf deren Leistungen in der Penne, neidisch auf die die noch so eben einen Job kriegten nach dem Studium, was-weiss-ich-nicht-alles. Man hat z.B. gedacht, das kann nicht wahr sein, DER Kerl hat jetzt nicht wirklilch was drauf und sitzt wie die Made auf dem Superposten. Oder der andere, echt der letzte Hänger und und Großmaul, mit Altlasten und nichts in der Birne ausser Alk, DER (u.a.; z.B.!) hat jetzt die super Frau (äußerlich top und echt in Ordnung) und du hängst hier am A. der Welt lonely rum und hast ansonsten nur noch die hinterletzten Pleitegeier und Totschläger um dich rum.
wenn du dich aber ständig mit anderen vergleichst, wirste aber irgendwann mal bekloppt. Egal ob das die super Typen sind oder welche in im Sudan im Flüchtlingscamp sitzen und verhungern. Es gibt immer was besseres und schlechteres. Allerdings, jeder arm ist, ist nicht gut und die Reichen nicht automatisch schlecht.
Gruß, B
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19.07.2011, 08:47
AW: Abgucken zählt nicht...!
Genau, man bemerkt es bloss nicht. Vielleicht hätte manche Frau gerne eine Katze - darf aber nicht, der Mann hat etwas dagegen, oder er hat eine Allergie...
Die Putzerei im großen Haus ist echt die Hölle. Wir haben ein altes billiges Haus, was groß ist, ich wollte eigentlich ein kleines, aber die waren alle doppelt so teuer
. Also - Ich sagte auch kürzlich zu einer guten Bekannten, die gerade auf nerviger Wohnungssuche ist, "du willst tauschen? Komm mal putzen!".
(Ach so - einen Garten hat es auch, tolle Sache wenn der Rücken streikt...
...alles viel Arbeit, nicht nur Vergnügen).
Oder zu Leuten, die mich beneiden, weil ich Frührentnerin bin (also: zuhause, nicht im Streßjob): "Du willst tauschen? Möchtest du Dauerschmerzen? Möchtest du rausgekickt werden aus dem Erwerbsleben, obs dir passt oder nicht?".
Meine Mutter sagte früher mal, als ich wieder mal rumjammerte, alle wären unter der Haube, bloss ich nicht "Na DEN hättest du doch nicht mit dem Allerwertesten angeguckt!! Zu recht übrigens!!".
Oh, was ich von den äußerst wohlhabenden Männern ihrer Freundinnen höre, da wirst du blass.
Da muss eine Leitende Angestellte des öffentlichen Dienstes punkt 17 Uhr nach Hause, weil ER sich weigert, alleine ein Abendbrot zu machen. Er schmiert kein Butterbrot, nein er nicht.
Eine andere hat am Wochenende nie Zeit, etwas mit zu unternehmen. Sie kann ihren Mann nicht alleine lassen.
Rentner, super aktiv, Segler, flott, top gesund...nein, so einen kann man auf keinen Fall alleine lassen. 
Mich beneiden hier auch eine Menge Leute. Haus, Hausfrau (kein Job), netter Mann, großer Bekanntenkreis, nicht häßlich. Um mal ein paar Dinge aufzuzählen, die mir jetzt so einfallen.
Tja.
Ist ja alles sooooo toll.
Nur die engeren Vertrauten wissen um Sorgen, Nöte, Probleme, Schmerzen, Tränen, tausende von Arztterminen, Ängste vor frühem Tod...blabla...
Zwei Kinder (deiner Schwester) klingen sehr nett. Für mich wäre das eine ungeheure Belastung, der ich gar nicht gewachsen wäre. Auch nie war. Deshalb habe ich auch keine Kinder. Ich kenne auch nur Leute, die entweder Zeit plus Freunde plus eine Beziehung haben oder Menschen mit kleinen Kindern, die so abhängig sind, dass ein normaler Kaffeetermin viermal verschoben werden muss, weil immer etwas ist und die Partnerschaft sich nur noch um Kinder dreht, womit die Menschen dann auch nicht wirklich glücklich sind.
Sowas muss man wissen, wollen und - können. Überleg dir das sehr, sehr gut, ob das dein Weg sein soll, wenn es mal ansteht.
Ich habe Freunde, die sagen "Wenn die Kinder aus dem Haus sind, verkaufen wir sofort das Haus und nehmen eine schöne, bequeme Wohnung". Sie bedauern, dass das noch 10 Jahre dauert.
LGThe original Karla
est. 2006













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