Ein sehr interessanter Strang!
Dieser Satz triftt das wirklich gut:
Ich schlage mich auch gerne mit solchen Gedanken herum.... manche Entscheidungen waren zwar zu der Zeit die richtigen, aber rückblickend hätte ich sie anders treffen sollen. Und dann denke ich "Hätte ich nicht...". Das sind aber meist die Themen, die man immer noch angehen kann, nur vielleicht nicht ganz so einfach (Beispiel: mehr und länger reisen). Es ist immer noch Zeit!!"Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Die Tragik liegt darin, dass wir nach der geschlossen Tür schauen, nicht zu der geöffneten."
Andere Themen sind durch, oder nur mit sehr viel Aufwand und nicht optimalem Ergebnis zu realisieren (Medizin studieren etc.). Und bei denen weiß ich mittlerweile: vielleicht hätte ich das bereut. Vielleicht auch nicht. Aber auf jeden Fall hätte ich nicht die Liebe meines Lebens kennengelernt. Und die lässt sich nicht ersetzen! (Ich weiß: vielleicht hätte ich jemand anderen kennengelernt, kann sein....aber ich glaube nicht, dass es noch jemanden gibt, der so gut passt!)
Liebe TE, Abschied nehmen von diesem Wunsch ist denke ich eine gute Idee. Und etwas anderes / ähnliches angehen, bei dem du eine gute Alternative hast. Wäre das nicht etwas?
Cy
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Ergebnis 21 bis 24 von 24
Thema: Verpasstes aushalten
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03.07.2011, 14:33
AW: Verpasstes aushalten



Cytheria
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03.07.2011, 18:23
AW: Verpasstes aushalten
Wenn man etwas nicht tut, weil es "zu früh" oder "zu spät" ist, sollte man innehalten und sich überlegen, "warum?" und "wann wäre es richtig", und "wäre das besser?"
Meiner Erfahrung nach ist "zu früh" oder "zu spät" bestenfalls unreflektiert, und kann von "ich hab' das Geld gerade nicht" über "es ist mir peinlich" bis zu "über meine tote Leiche" alles heißen.
Zum Thema "zu spät": Es ist nie wieder so früh wie genau jetzt. "Zu spät" zu sagen und sich zu glauben heißt "nie im Leben". Ist es das, was man will? Wenn nein, dann sieht man besser zu, daß man sich einen eigenen Zeitplan macht und nach dem lebt. Vielleicht kriegt man, was immer man will nicht so, wie man es sich gedacht hat... aber vielleicht anders? Solange nicht die dicke Dame singt, kann man immer noch was rausholen.
Jede Entscheidung ist in dem Moment, wo man sie trifft, die beste. Wenn sie nicht mehr die beste ist, muß man eine andere Entscheidung treffen. Ich habe ex-Studienkollegen, die sich mit 23 nach abgebrochenem Studium nicht um eine Lehrstelle bemüht haben, weil sie "zu alt" waren, und die jetzt mit 40 immer noch Ungelernte sind. So was will man nicht.
Ich versuche, mein Herz nicht an ungeschehenes zu hängen. Klar, das wäre anders gewesen. Wäre es besser gewesen? Keine Ahnung. Damit kann man mal rumspielen, aber das ist wie ein Mädchen sich vorstellt, sie wäre Prinzessin. Wolkenkuckucksheime.
Was was bringt ist, sich zu fragen, Was bedeutet das für mich? Und dann zu gucken, wie man das eben von der aktuellen Startposition aus kriegen kann. Oder was man an ähnlichem kriegen kann. Ich werd' nie mehr Pilotin, aber ich kann immer noch Fliegen lernen. Ich werde nie mehr hoffnungsvolle Jungautorin, aber ich kann immer noch ein Buch schreiben und veröffentlichen. Ich kann immer noch alles stehen und liegen lassen und Aussteigerin werden -- es ist nicht "zu spät" dafür, ich will es nur nicht genug, um es zu tun.
Ich habe endlos darauf gewartet, daß ein bestimmtes Ereignis eintritt und mein Leben anfängt. Aber das Leben ist das, was stattfindet, während man anderweitig beschäftigt ist. Heute könnte ich mit dem Kopf auf den Tisch schlagen, weil ich mich so lange von so einem Mist habe hindern lassen, aber das ist auch nur eine Geschichte, die ich mir erzähle. Wenn ich mich jahrelang von einer dummen Ausrede aufhalten lasse, dann habe ich wohl so lange diese dumme Ausrede gebraucht, um in ihrem Schutz das Mögliche zu tun, statt von mir Unmögliches zu verlangen.
Wenn man überhaupt nicht loslassen kann, heißt das oft nicht, daß man das Problem mit der Vergangenheit hat, sonder mit der Gegenwart, und sich auf etwas fixiert, das man machtlos ist zu ändern, anstatt auf etwas, das vielleicht schwer und schmerzhaft und risikoreich ist zu ändern, oder, alternativ, zu sagen, "Hier bin ich, das bin ich, so ist es" und damit zu leben. Man kann natürlich ewig in Träumen von anderen Welten leben, aber ... bleibt einem wirklich nichts anderes übrig?
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03.07.2011, 18:58Inaktiver User
AW: Verpasstes aushalten
Du schreibst da ein paar sehr wahre Dinge, wildwusel

Oft schleppen Menschen Lebensträume mit sich herum, die sich nie verwirklichen lassen. Nicht, weil sie den Zeitpunkt verpasst haben, sondern weil die Voraussetzungen nicht gegeben sind und sie nicht wirklich bereit waren, sich der Realität zu stellen.
Um dein Beispiel mit der Jungautorin heraus zu greifen: Sehr viele Menschen träumen von einer erfolgreichen Schriftstellerkarriere, gleichzeitig werden sie immer von irgend welchen "Störfaktoren" davon abgehalten, endlich ihr Meisterwerk zu schreiben und damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Immer ist da etwas, was sie daran hindert, ihren Traum zu verwirklichen. Dieses Muster gilt auch für andere kreative Berufe.
Der Vorteil: man kann sein Selbstbild aufrecht erhalten, ohne es dem eisigen Wind der Realität aussetzen zu müssen. Stellt man sich der Wirklichkeit zeitgerecht und stürzt sich in das berufliche Haifischbecken, kann es sein, dass man ernüchtert feststellt, dass die eigenen Fähigkeiten doch nicht so herausragend sind und nicht für eine Karriere reichen.
Wer den Realitäts-Check vermeidet, erhält sich zumindest eines: seine Illusionen. Und kann den Rest des Lebens den Glauben an die eigene Grandiosität pflegen mit dem bedauernden Gefühl, was aus einem hätte werden können, wenn die Umstände nicht so widrig gewesen wären.....
Das nennt sich Lebenslüge.
Wenn es darum geht, wichtige Anteile von sich selbst zu leben, ist das sicher in vielerlei Form möglich, nicht nur beruflich. Auch ehrenamtlich oder als Hobby ist Vieles möglich.Geändert von Inaktiver User (03.07.2011 um 19:07 Uhr)
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03.07.2011, 20:29
AW: Verpasstes aushalten
um welchen beruflichen traum geht es bei dir elmgaard. vielleicht besteht ja doch noch eine chance das umzusetze? weil altersgrenzen sind ja meist nicht komplett strikt. manch einer fängt später an zu studieren und kann sich dann auch noch beruflich verändern. warum nicht auch du?

vielleicht bist du ja auch jetzt in besseren umständen (familiär,...), so dass du unterstützung zur verwirklichung deiner ziele hättest?
ich glaube schon, dass sowas scheinbar verpasstes sehr belasten kann. aber eventuell ist es nicht zu spät?


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