Hallo
da mir der austausch hier im forum eigentlich immer auf irgendeine art hilft, mach ich zu meinem aktuellen thema "wieder stark " werden einen eigenen strang auf und hoffe auf tipps und anregungen
kurz zur vorgeschichte, anfang letzten jahres hat sich mein mann von mir getrennt, unsere ehe kriselte davor zwar, aber ich war überzeugt davon das wir das wieder hinbekommen und er sagte auch bis kurz vor der trennung er liebt mich und "wir schaffen das"
die trennung und wie das ablief hat mich sehr verletzt und mir ging es die erste zeit auch körperlich nicht gut
in der zwischenzeit sind wir geschieden und die trennung an sich ist kein thema mehr, mir geht es körperlich auch wieder gut, ich habe einen neuen partner und mein leben geht weiter
ABER: ich merke, daß die veränderung in meiner person durch die ehe und die scheidung mir zu schaffen macht
bis zu trennung war ich eigentlich eine "starke frau", ich hab angepackt und umgesetzt, kein berg der zu groß war, ich war bis zu 20 Stunden am tag für familie und firma auf den beinen, da mein mann beruflich unterwegs war, hab ich zu hause alles organisiert usw.
dann kam die trennung und mit ihr der wunsch auch mal schwach sein zu dürfen und mich auch mal anlehnen zu können ... ich hab das erste mal vor einer fremden person geweint und seit dem scheint es mir als könne ich damit nicht mehr aufhören :-(
ich hab meine schwäche nach der trennung zugelassen und jetzt finde ich den weg zurück nicht mehr ... bei jeder kleinigkeit treten mir die tränen in die augen, jedes noch so kleine hinderniss erscheint vor mir als riesenberg, ich fühle mich oft klein und kraftlos
ich hab das gefühl ich stehe nicht mehr fest auf meinen beinen und traue mir auch nix mehr zu ohne das nicht alles irgendwie abgesichert ist ...
lasse mich total leicht verunsichern welche bedürfnisse darf ich haben, welche werden mir als dominant, egosistisch, fordernd ... was weiss sich ausgelegt
hab ich früher noch nicht mal mitbekommen wenn die leute über mich tuscheln, mach ich mir heute gedanken wie was bei wem ankommt :-(
konnte ich früher ganz gut und locker auf menschen zugehen, ziehe ich mich heute lieber still zurück - nicht das ich nicht offen bin, nein das bin ich immernoch, aber irgendwie fehlt mir manchmal einfach auch der mut für etwas
ich möchte gern wieder mehr zurück zu meinem alten ich und mich wieder stark und gut mit mir selbst fühlen und quasi ohne irgendwelche ängste und mit vertrauen auf mich und meine fähigkeiten das leben in vollen zügen geniessen
aber wie mach ich das ? wie finde ich den weg zurück um nach vorne zu gehen?
liebe grüße
jasmintee
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28.06.2011, 09:21
wieder "stark" und selbstbewusst werden
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28.06.2011, 10:33Inaktiver User
AW: wieder "stark" und selbstbewusst werden
Und dahin willst du wirklich zurück?bis zu trennung war ich eigentlich eine "starke frau", ich hab angepackt und umgesetzt, kein berg der zu groß war, ich war bis zu 20 Stunden am tag für familie und firma auf den beinen, da mein mann beruflich unterwegs war, hab ich zu hause alles organisiert usw.
In ein Leben, in dem du selbst zu kurz kamst? Deine Bedürfnisse, deine Interessen, dein Schlaf, dein "Ich" immer als letztes kamen?
Du hast jahrelang - Jahrzehnte? - nicht auf dich geachtet, deine Bedürfnisse zurückgestellt.
Nun ist das weggebrochen und das Pendel hat ins andere Extrem umgeschlagen: du hörst plötzlich alles und nimmst dir alles zu Herzen. Die Seite an dir, die vorher nicht ausgelebt werden durfte, hat jetzt das Zepter übernommen. Und weil du offenbar verlernt hast, mit dieser Seite umzugehen (Grund: weil sie nie oder zumindest schon lange nicht mehr) gelebt wurde (gelebt hat werden dürfen), beherrscht sie dich.
Du wirst eine neue Balance zwischen den beiden Extremen finden müssen. Das geht nicht so schnell. Dauert Monate, vielleicht Jahre.
Ein erster Schritt wäre, sich von beiden Extremen bewusst zu verabschieden. Auch von dem der "starken Frau", wie du es Jahre lang gelebt hast.
Du musst nicht dorthin zurück, was war (Zum Glück nicht). Sondern du solltest etwas Neues entwickeln.
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28.06.2011, 10:48
AW: wieder "stark" und selbstbewusst werden
danke für deine antwort, so betrachtet hatte ich es bisher noch gar nicht ...
mit zurück meinte ich nicht das ich an den punkt zurück will, sondern mehr zurück zu der stärke nicht bei jeder gelegenheit in tränen auszubrechen und mir jeden schuh anzuziehen
das mit dem verabschieden beider extreme und was neues finden ... wie macht man das?
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28.06.2011, 10:51Inaktiver User
AW: wieder "stark" und selbstbewusst werden
Hallo Jasmintee,
ich verstehe dich wirklich gut! Bin selbst durch eine Zeit gegangen, in der ich das heulende Häuflein Elend fast nicht mehr als mich selbst erkannt habe.
Und ich würde es anders sehen als Horus: Wenn du das möchtest, kannst du dich selbst wieder in die Verfassung bringen, in der du früher warst. Vielleicht um ein paar Narben und Erfahrungen reicher, aber der gleiche starke, energiegeladene Mensch.
Schritt eins: Hab ein bisschen Nachsicht mit der Person, die du gerade bist! Sie ist durch eine harte Zeit gegangen, und das Mindeste, was sie verdient, ist, dass du sie respektierst und ihr mit Empathie begegnest.
Schritt zwei: Überleg dir, was dir früher diese Stärke, diese Power gegeben hat. Was sind "Energiespender" für dich? Sport, Kreativität, Wellness, Freunde, Musik, gutes Essen, berufliches oder ehrenamtliches Engagement, positives Feedback ... ? Schau in dich rein und überleg, was dir Kraft gibt. Und dann sorg dafür, dass du dir genau das in den nächsten Monaten in besonderem Maße zukommen lässt. In besonderem Maß deswegen, weil du ja jetzt nicht nur deinen Wohlbefindens-Level halten, sondern erstmal erhöhen musst.
Irgendwann wachst du auf und weißt: Ja, ich bin wieder die Frau, die ich gern bin. Und das ist ein tolles Gefühl!
Alles Gute!
Grüße, Cariad
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28.06.2011, 11:13
AW: wieder "stark" und selbstbewusst werden
Noch toller wäre möglicherweise das Gefühl, wenn du aufwachen würdest und feststelltest: Ich bin jetzt schon die Frau, die ich gerne bin.Irgendwann wachst du auf und weißt: Ja, ich bin wieder die Frau, die ich gern bin. Und das ist ein tolles Gefühl!
Ich kann gut verstehen, dass man am liebsten immer stark und selbstbewusst und dick-fellig wäre. In diesen Zeiten ist das Leben doch oft bedeutend leichter.
Aber wie Horus
das sehr schön erklärt hat: Die "schwache" Seite ist eben auch deine. Und diese Seite zu akzeptieren und zu lieben - das macht dich erst vollständig. Und letztlich ist es auch ehrlicher, beide Seiten zu leben und zu zeigen. Für andere Menschen sind nämlich die Dickfelligen, Starken, immer Selbstbewussten oft eher eine Landplage.
Überleg mal: Vielleicht hättest du deinen neuen Partner gar nicht kennengelernt, wenn du nur innerhalb deines "alten Ichs" aufgetreten wärst?
Ein selbst-bewusstes Ich ist sich seiner Selbst bewusst: der starken und der schwachen Seiten.
Du hast die schwachen so lange vernachlässigt, jetzt wollen sie erstmal deine ganze Aufmerksamkeit. Die "starken" sind ja immer noch da. Aber halten sich momentan eher im Hintergrund.
Vielleicht kannst du die beiden Seiten wie zwei Geschwister betrachten. Dem einen gehts gerade gut, es ist versorgt und zufrieden, es braucht kaum Aufmerksamkeit, ja, es will sogar seine Ruhe vor Muttis Fürsorge. Das andere aber hat Liebeskummer, ist schlecht in der Schule und braucht ein paar Streicheleinheiten. Da würdest du doch auch nicht sagen, ach das erste ist mir aber lieber! Gell?
Alles wird gut.
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28.06.2011, 11:24Inaktiver User
AW: wieder "stark" und selbstbewusst werden
Ja, wieder ein energiegeladener Mensch werden, diese Formulierung gefällt mir. Darum gehts. Wieder Energie haben, wieder eine positive Grundeinstellung zum Leben und sich selbst haben.
Aaaaber ... ich werde den Verdacht nicht los, dass da eine Portion Selbsttäuschung mit im Spiel ist.
20 Stunden für die Firma und die Familie da sein, alles wuppen, alles organisieren, immer stark auftreten, immer alles können ... das sind Ansprüche, die man (und frau) an sich selbst stellt, häufig fremdbestimmt, häufig aus Sorge, den Erwartungen des Umfeld (Familie, Kollegen, Freunde ...) nicht zu genügen. Ansprüche, die man sosehr verinnerlicht, dass man sie für seine "ureigenste Lebensart" (sorry, weiss kein besseres Wort) hält.
Mit Selbstbewusstsein (Selbst-Bewusstsein) hat das für nicht sehr viel zu tun. Im Gegenteil. Das ist in grossem Masse Fremdbestimmung.
Und jetzt ist dieser ganze äussere Erwartungsrahmen (Familie, Firma, gewohnter Lebensstil) weggebrochen. Plötzlich sind die äusseren Leitplanken weg, die man sich bisher dermassen zu eigen gemacht hat, dass man sie gar nicht mehr als solche erkannt hat.
Es ist klar, dass dies zu grosser Verunsicherung führt.
Deine Aussage, dass du dir sehr zu Herzen nimmst, was andere über dich denken bzw. ev. denken können, ist für mich ein Indiz dafür, dass du dein Leben bisher wirklich stark an den Erwartungen der anderen ausgerichtet hast. Zwar auf einer anderen Ebene - Tratsch hast du bisher nicht wahrgenommen - aber nichtsdestotrotz an den Erwartungen der anderen. Alle haben gesagt - toll, wie sie das alles wuppt! Und alle haben selbstverständlich erwartet, dass du alles mit links schmeisst. Inklusive dein Mann (war das ein Grund mit für die Trennung?). du hast es getan und dich damit identifiziert.
Jetzt ist dieser Rahmen weg. Und du stellst fest: du bist dir ohne diesen fremdgesetzten Rahmen gar nicht selbst-bewusst, was DU eigentlich willst, woher DU deine Energie beziehst, wo DEINE Grenzen sind.
Cariad hat gute Ratschläge gegeben, finde ich. Aber das wird dauern. Neugeboren wird man nicht innerhalb weniger Tage.
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28.06.2011, 11:29
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28.06.2011, 11:48Inaktiver User
AW: wieder "stark" und selbstbewusst werden
Ich frage mich ja immer, wie das andere emotional verkraften? In 1,5 Jahren Trennung, Scheidung neuer Partner... Wie kriegt man das in diesem Tempo seelisch verarbeitet? Wenn ich jetzt lese, daß Du dünnhäutig bist, halte ich es für meine Vorstellung von Verarbeitung der wesentlichen Einschnitte im Leben für eine völlig akzeptable Reaktion deiner Psyche.
Wir sind doch keine Maschinen. Alles braucht seine Zeit und klingt auch noch nach.
Aber sich sehr stark fühlen kann man schon, wenn man aus dem, was man macht seine Energie gewinnt. Ich würde hier nicht so auf der vernachlässigten Schwäche rumreiten. Jetzt ist sie halt schwach, aber ich denke, wie sie schreibt, hat sie einen guten Stärkelevel gelebt, der nicht ausgebrannt hat, sondern beflügelt. Sowas gibt es tatsächlich. Und ich kann es sehr gut verstehen, wenn man dazu zurückkehren möchte, weil es das eigene Ding ist.Geändert von Inaktiver User (28.06.2011 um 11:53 Uhr)
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28.06.2011, 12:10
AW: wieder "stark" und selbstbewusst werden
Gib dir Zeit, aber steh nicht still. Veänderungen dauern und tun weh, das ist so, man muß eine neue Rolle finden und in sie hineinwachsen, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.
Wenn du immer so 200% bei allem dabei warst, bist du vielleicht einfach erschöpft. Während man so etwas macht ist man gewissermaßen "high" und von seiner eigenen Geschäftigkeit getragen, das klappt genau so lange, bis es irgendwo kracht, dann fällt es wie Dominosteine. Aber Erschöpfung gibt sich, wenn auch nicht ganz von selber: Die Zeit hilft dir, aber du kannst sie nicht einfach vergehen lassen, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Sieh zu, daß du genug Schlaf bekommst, umgebe dich mit Leuten, die dir gut tun, mach Sachen, die dir Spaß machen und dich mehr zu der Person machen, die du sein willst.
Mach dir klar, was du geschafft hast und was du jeden Tag wieder schaffst, nimm dir Sachen vor, die du schaffen wirst (sei realistisch dabei), immer eines nach dem anderen, bis du deine Kräfte wieder kennst. Und wenn du in der Zwischenzeit zweifelst oder weinen mußt: Laß das zu. Stärke ist, was du tust, nicht, wie du dabei aussiehst.
Viel Glück!
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28.06.2011, 12:33
AW: wieder "stark" und selbstbewusst werden
danke cariad
hihi - die 3 Worte hängen seit 15 Monaten an meinem Kühlschrank und ich glaube auch dran
das ist ein punkt den ich wohl näher betrachten muss, ich versteh das mit der selbsttäuschung nicht ganz - ich kann für mich nicht sagen wo ich mich selbst täusche
mh nein ich empfinde es nicht als übertrieben, es definiert ja jeder für sich wie er sich als "stark" empfindet
ich bin mit 16 zu hause ausgezogen, habe sehr früh mein erstes kind bekommen und hatte die verantwortung für mich und mein kind immer allein - hab alles sehr gut hinbekommen, hab mich früher nie so hilflos gefühlt wie jetzt sehr oft, war früher nie so "ängstlich" vor veränderungen wie jetzt, wusste immer wohin der nächste schritt zu setzen ist und ging voran und von daher bezeichne ich es als "stark"
ja genauso ist esaber ich denke, wie sie schreibt, hat sie einen guten Stärkelevel gelebt, der nicht ausgebrannt hat, sondern beflügelt. Sowas gibt es tatsächlich. Und ich kann es sehr gut verstehen, wenn man dazu zurückkehren möchte, weil es das eigene Ding ist



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