Davon haben mich die Todesfälle, die ich unmittelbar oder mittelbar erlebt habe, auch überzeugt. Wer im Leben genug hatte, kann loslassen, wer das nicht hatte oder noch etwas Unvollendetes zurücklassen muss, krallt sich wider besseres Wissen ans Leben und verlängert sein Leiden. So habe ich das Sterben einer alten Freundin erlebt.
Wie übt man sich im Altern? Altern heute ist anders als noch vor 40 Jahren. Die Erfahrungen sind völlig andere, denn damals saß die 90-jährige Oma eines Freundes Kartoffeln schälend in der Familienküche und machte sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten nützlich. Heute gehen die alten Leute mit ihren Rollatoren spazieren, kaufen eine Packung Kekse beim Kaufmann, wo keiner der Anstehenden Ungeduld zeigt, wenn das Heraussuchen des Kleingeldes sehr lange dauert. Aber sie entschuldigen sich für ihre Langsamkeit uund Unsicherheit. Das finde ich bedrückend und ich möchte mich nicht darin üben müssen.
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Thema: Angst vor dem Alter/n...
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22.06.2011, 12:20Inaktiver User
AW: Angst vor dem Alter/n...
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22.06.2011, 12:38Inaktiver User
AW: Angst vor dem Alter/n...
Hallo,
ich hatte auch lange Angst vor dem Alter und ganz weg ist sie nicht.
Was mir Angst macht: in erster Linie plötzlich nicht mehr als Frau, sondern "nur noch" als Mensch wahrgenommen zu werden, die Anziehungskraft auf das andere Geschlecht zu verlieren. Angst vor Verlust der Attraktivität ist es weniger, denn ich war immer nur gutes Mittelfeld, hatte aber immer viele Verehrer und es ist jetzt schon (Mitte 40) komisch, wenn ich merke, dass diese eben nicht mehr so da ist.
Selber sehe ich mich als Person, die arbeitet (halt ehrenamtlich) bis sie stirbt und irgendwie freue ich mich auch darauf, mich optisch nicht mehr mit anderen messen zu müssen (Falten bekommen eh alle) und endlich Zeit zu haben, mich gewissen Privatstudien zu widmen (dann wird endlich Sanskrit gelernt). Dabei habe ich eine höchst bemerkenswerte Person vor meinen Augen: ein Bekannter meiner Mutter, Witwer, 79 Jahre alt, übersetzt nun als Hobby ein Buch aus dem Italienischen, baut eine Bibliothek auf, renoviert noch ein altes Haus, ist nie zu müde für neue Ideen.
Ach, zwei Seelen schlagen in meiner Brust, die eine freut sich sehr auf diese Zeit, die andere, der grauts davor. Abbau, Falten, nicht mehr attraktiv, Übergewicht, Krankheiten, aber auch Freiheit für den Geist, sich nicht mehr Normen anpassen müssen etc. etc.
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22.06.2011, 12:42Inaktiver User
AW: Angst vor dem Alter/n...
Das ist eh am besten. Ich hatte einiges nicht: Wunschberuf ging nicht, Kinder gingen nicht.. .Na und, dann eben im nächsten Leben. Ich bin zufrieden mit dem, was ich jetzt erreicht habe. Natürlich habe ich auch fix verinnerlicht, dass der Körper nur ein Vehikel aus Fleisch und Knochen ist, zerfällt, meine Seele aber davon unberührt bleibt, aber dennoch habe ich, trotz Vorfreude auf den Tod auch ein wenig Angst davor. Wie ein Vogel, der lange in einem Käfig war und nun zögert, hinauszufliegen, wo endlich die Tür aufgegangen ist.
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22.06.2011, 12:57
AW: Angst vor dem Alter/n...
Kommt ja auf die Zielgruppe an. Ich kenne auch Frauen, die durchaus mit über 60 Männer kennenlernen und auch zusammenkommen. Allerdings dann eben keine Jungs mehr, und eventuell auch mit Abstrichen an die sogenannte optische Attraktivität.
Dass die vergänglich ist, ist aber relativ. Es ist irgendwie auch unheimlich wichtig, die rein optische Attraktivität generell zu relativieren (in jedem Alter übrigens, denn das Problem haben ja auch Leute, die schon in jungen Jahren mit weniger Schönheit gesegnet sind), sonst macht man sich unglücklich oder wirkt sehr leicht lächerlich (wie Leute, die auf übertriebenem Weg an sich rumpfuschen, um was auch immer aufzuhalten, was, wenn nicht echt gekonnt, ziemlich Scheisse aussieht...). Von Jugend- und Schönheitswahn halte ich grundsätzlich nichts und arbeite dagegen an, mich da total vereinnahmen und total manipulieren zu lassen.
Ja, so Leute kenne ich auch, vorzugsweise in der älteren Generation. Dabei haben einige von denen ganz gewaltig etwas mitgemacht im Krieg oder der Nachkriegszeit. Jedenfalls hatten die keine leichte Jugend.Dabei habe ich eine höchst bemerkenswerte Person vor meinen Augen: ein Bekannter meiner Mutter, Witwer, 79 Jahre alt, übersetzt nun als Hobby ein Buch aus dem Italienischen, baut eine Bibliothek auf, renoviert noch ein altes Haus, ist nie zu müde für neue Ideen.
Ich finde es toll, eben in solche Sachen zu investieren und daran Spass und Freude zu behalten: Lernen, Lesen, Schauen, Kreativ-Tätigsein oder für irgendetwas Ehrenamtliches (wie du!
)
Das kann dir im Unterschied zur "Schönheit" keiner nehmen und auch keiner "beurteilen". Daraus ziehst du deine eigene Anerkennung.
Mir ist da auch der innere Schweinehund und die Disziplin oft im Wege, oder fehlt es mir manchmal an Motivation? Aber das Beispiel dieses Bekannten ist ein ganz Tolles und man sollte gleich damit anfangen, "Sanskrit" zu lernen. Jetzt und immer dann, wenn man im Jetzt gerade Zeit für sowas hat, statt dessen verfällt man viel zu oft ins blöde Grübeln.
Geändert von Elwyn (22.06.2011 um 13:02 Uhr)
Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
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22.06.2011, 13:50Inaktiver User
AW: Angst vor dem Alter/n...
Angst vor dem Alter ist was ganz menschliches. Passiert vielen auch wenn sie als nutzlos empfunden wird (was sie aber nicht ist!). Angst und Vernunft gehen nun mal nicht zusammen. Da nicht jeder seine Ängste mit Stil und Stumpf ausrotten kann, muss man manche akzeptieren und mit ihnen leben.
Je gelassener man mit Angst umgeht, umso weniger beeinflusst sie einen. Angst muss einem nicht alles vermiesen - ganz im Gegenteil. Sie macht wacher, nachdenklicher, weicher, empfindsamer, aufmerksamer - hat nicht nur Nachteile, Angst (natürlich in Grenzen!) zu empfinden.
Alt sein/werden kann man nicht üben. Auch nutzt einem der Erfahrungsschatz der Menschheit in dieser Hinsicht wenig, da jeder Mensch sein eigenes Alter - und seinen eigenen Tod - hat.
Psychohygiene ist für jeden wohl was anderes.
Für mich: ich frage, warum ich dieses Gefühl habe und ws ich damit anfangen kann. Macht es mich handlungsunfähig, tu' ich was dagegen. Ansonsten wird es "assimiliert" Ich habe für mich festgestellt, dass meine Ängste kleiner werden, wenn ich ihnen Raum gebe, sonst lauern sie irgendwo im Unterbewusstsein und fressen sich fest.
Sie zulassen, anschauen - und dann entscheiden, welchen Raum negative Emotionen in meinem Leben haben dürfen - damit komme ich am besten klar.
Jeder hat eine andere Art, mit Angst umzugehen!!
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Lakota Woman:
ja - es ist Mist, seine weibliche Attraktivität einzubüßen und nur noch als "Mensch" gesehen zu werden.
Empfinde ich genauso!! Aber...man gewöhnt sich dran - und kann sich immer noch freuen, dass man es irgendwann mal hatte (meine ich ganz ernst) und eine schöne Frau war. Es verliert mit den Jahren seine Spitze - tut nicht mehr so weh, wird erträglicher - und es liegt an einem selbst, zumindest ansehnlich zu bleiben. Wer sich selbst attraktiv findet, kommt besser damit klar - man soll sich nicht von der Meinung anderer abhängig machen.
Sicher kann man als Alter eine tolle Ausstrahlung haben - aber das hat wenig mit Aussehen zu tun. Rein äußerlich werden alle unattraktiver, wenn sie alt werden - unabängig von ihrer Ausstrahlung.
Immerhin: es geht allen so. Das tröstet ein bißchen.
Ausstrahlung kann man in jedem Lebensalter haben! Damit muss man nicht warten, bis man alt wird.
Schlimmer als der Verlust der Attraktivität ist noch der Verlust von Beweglichkeit und Gesundheit - der Verlust von Menschen, die man liebt - auch der Verlust von Arbeitsstelle und Büro wird mir mal weh tun.
Also lieber jetzt leben, es sich schön machen, für gute Beziehungen sorgen und das Leben geniessen! Das Leben wartet nicht - und besser wirds im Alter nicht mehr.
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können...
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22.06.2011, 14:12
AW: Angst vor dem Alter/n...
Rein äusserlich werden alle unattraktiver, mag sein, aber was unattraktiv oder attraktiv ist, wird in hohem Masse von aussen diktiert. Ich rede ja nicht davon, dass Falten schöner sind als glatte Haut, aber es kommt immer auf die Peer-Group und die Masstäbe an, denen man sich selbst bereit ist zu stellen oder bewusst oder unbewusst unterwirft.
Ich wage mal anzusprechen, dass Frauen, die früher mal sehr schön waren, in der Gruppe der Gleichaltrigen auch später meistens noch sehr sehr sehr gutaussehend sind. Im Vergleich zu Jüngeren nicht, aber genau dieser Vergleich wird durch Medien und vielleicht auch durch uns selbst immer wieder herangezogen und das verzerrt schlicht die Realität. Bei diesem "Vergleichsverfahren" kann man eben im Alter nur verlieren und das ist hausgemacht!
Dagegen muss man sich unbedingt wehren!
Davon mal abgesehen hab ich schon darauf hingewiesen, dass man immer schlechte Karten hat, wenn man nur auf äussere Schönheit abhebt, auch wenn man noch jünger ist. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ich jemals zufriedener war als heute, auch wenn ich damals allen Grund dazu gehabt hätte. Ich war auch damals unzufrieden, hab Angst gehabt, irgendwelchen Schönheitsidealen nicht zu entsprechen, dabei ist das eine Spirale, die sich dann ja nur ins Negative drehen kann, wenn man nicht aussteigt. Ganz zu schweigen von Leuten, die schon in jungen Jahren nicht dem Schönheitsideal entsprechen.
Jetzt im Urlaub ist mir im Zusammenhang mit einem Strang hier zur "Bikinifigur" aber etwas aufgefallen:
Macht es einen Unterschied, das Schwimmen, Strand und Meer zu geniessen, wenn man eine Bikinifigur hat oder wenn man keine hat?
Ich finde, es macht überhaupt keinen Unterschied. Es macht genausoviel Spass, in der Sonne zu liegen, ins Meer zu hüpfen oder einfach rumzuspringen, ob nun mit Besenreisern und Falten oder Cellulite oder ohne. Solange man noch halbwegs gesund ist!
Daran versuche ich mir klarzuwerden, dass positive Gefühle zählen, der Spass an der Sache und nicht, wie ich dabei aussehe - das ist etwas, was eigentlich das Empfinden nur nimmt oder beeinträchtigt. Da geht es wieder um Anerkennung und Aufmerksamkeit durch andere, oder um Vergleiche.
Das ist sowas von überflüssig, wenns ums Erleben geht und das Erleben macht das Leben aus!
Klar, tut man auch gut daran, sich mit Leuten bzw. Gesellschaft zu umgeben, die eben ähnliche Masstäbe haben und einen nicht nur nach äusseren Merkmalen, Reichtum und Schönheit urteilen oder ihre Egos vergleichen. Ein solches Umfeld gefällt mir nicht mehr und ich versuche, mich davon frei zu machen!Geändert von Elwyn (22.06.2011 um 14:18 Uhr)
Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
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22.06.2011, 15:56Inaktiver User
AW: Angst vor dem Alter/n...
Und ich wundere mich darüber, dass das Altwerden - und die Angst davor - so selten Thema sind.
Altersheime, Pflegestationen und die dazu gehörigen Krankheiten usw. sind doch nicht zu übersehen - die meisten von uns werden in nicht all zu ferner Zukunft damit zu tun haben.
Irgendwie scheint jeder zu denken, dass es nur 'die anderen' treffen wird.
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22.06.2011, 16:08
AW: Angst vor dem Alter/n...
Ich finde nicht, dass das zu selten Thema ist, sondern mag eher den Umgang damit nicht!
Sicherlich kommt das auf uns alle zu, aber das ist kein Grund für eine Panikmache in einer reichen Gesellschaft wie der unseren. Ich halte auch nichts von der Anprangerung des sogenannten Pflegenotstandes, Rentnerschwemmen usw., denn wenn wir keine Möglichkeiten haben, damit produktiver umzugehen, welche Gesellschaft denn bitteschön dann!
Aber die Leute diskutieren das wie mit Scheuklappen, entweder Panikmache oder Alters-Hedonismus, dazwischen gibts nix.Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
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22.06.2011, 16:13
AW: Angst vor dem Alter/n...
Angst vor dem Alter habe ich persönlich (noch?) nicht, aber ich bin mir sehr bewusst, dass man es so und so erleben kann und dass der eigene Einfluss darauf auch nur sehr begrenzt ist. Und man weiß ja auch gar nicht, wie lange man lebt…ob man überhaupt alt wird ….
Es hängt sicher auch sehr vom Umfeld ab, wie man dem Alter entgegen sieht, hat man erlebt, wie sich Eltern oder Großeltern oder andere Menschen im engen Umfeld jahrelang mit schweren Krankheiten abgequält haben, macht man sich wahrscheinlich andere Gedanken, als wenn die eigenen Eltern lange gesund oder zumindest beweglich waren. Und je älter man ist, desto mehr hat man natürlich auch an Schicksalen in seinem Umfeld miterlebt…..
Ist man finanziell ganz gut abgesichert, kann man auch vieles gelassener sehen, als wenn man unter Hartz 4 alt wird.
Ich sehe es da wie Ruby : Das Wissen bringt mich dazu, jetzt möglichst bewusst zu leben, bzw. es anzustreben, und damit meine ich gar nicht, tolle Dinge zu machen, sondern mehr den Blick für die Kleinigkeiten zu haben und sich tatsächlich auch zu fragen, ob Dinge (und vor allen Dingen Menschen bzw. ihr Verhalten) es wert sich, sich darüber zu ärgern und damit Zeit zu verschwenden….
Zum Beispiel ist mir auch immer sehr bewusst, wenn ich mal krank bin, dass ich jetzt noch davon ausgehe, dass es „wieder gut wird“ , wieder besser wird und dass es im Moment auch wirklich so ist. Aber wie würde es sein, wenn man weiß, es wird nie wieder besser, es wird immer nur noch schlechter?
Hm, also der Glaube an Reinkarnation tröstet mich auch nur sehr bedingt, da ich mir auch sehr darüber im klaren bin, dass wir hier zu den 10/20 Prozent der Welt gehören, denen es am besten geht. (Die Wahrscheinlichkeit, dass man im nächsten Leben wieder dazu gehört, ist wohl eher geringer, rein mathematisch gesehen….)
Ähem,... aber das Vergnügen gönnst du dir doch wohl hoffentlich auch jetzt schon , oder ????....( )...aber auch Freiheit für den Geist, sich nicht mehr Normen anpassen müssen etc. etc.
"Wenn du hervorbringst, was in dir ist, wird das, was du hervorbringst, dich retten. Wenn du nicht hervorbringst, was in dir ist, wird das, was in dir ist, dich zerstören"
Mit einem Brunnenfrosch kann man nicht über den Ozean sprechen. Chuang Tzu
Aber du weißt, wie ich im Anschauen lebe, es sind mir tausend Lichter aufgegangen. Goethe
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22.06.2011, 16:22Inaktiver User
AW: Angst vor dem Alter/n...
Ich seh das ganz realistisch.
Altern macht häßlich. Wer nicht vorher stirbt, wird alt und verliert seine äußere Schönheit.
Damit kann ich leben.
Auch in wenig schön kann man Spaß haben - jede Menge sogar!
Klar kann man mit Falten/Altersflecken/grauen Haaren schwimmen gehen, am Strand rumlaufen,
das Leben geniessen - warum denn auch nicht? Kann ich auch mit massig Übergewicht, schiefen Zähnen, einer Glatze und Hautausschlag.
Ist denn Spaßhaben nur den Schönen vorbehalten? Was hat SChönheit mit Lebensfreude zu tun?
Elwyn - auch wenn wir reich und umsorgt alt werden - wir werden alt - da beißt die Maus keinen Faden ab.
Arme GEsellschaften sind oft gnädiger zu ihren Alten als wir...
Eine Freundin von mir arbeitet im Altersheim und erzählt mir, dass auch Reichtum nicht davor schützt, im
Alter dement zu werden, unbeweglich ect - es ist eben nur etwas luxoriöser, als in Armut alt zu werden.
Es gibt auch in Deutschland viele arme und gleichzeitig alte Leute, die nicht mehr arbeiten können, krank sind und
versorgt werden müssen.
Da wird sich die Politik (und jeder einzelne von uns) was einfallen lassen müssen - Kreativität wird da wenig helfen, eher schon Geld, und davon gewaltige Mengen...denn Pflegeheime sind teuer.
Panik: nein
Rosarote Brille: auch nicht.
Gibt irgendwo einen Mittelweg...



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