ja, das ist heute normal. Ob es einem gefällt oder nicht. Wenn man ein Auto hat und einem wird der Spiegel eingetreten, dann ist man selbst schuld, warum hat man das Auto da hingestellt. Wenn einem das Fahrrad geklaut wird, ist man selbst schuld, warum hat man es unbeaufsichtigt stehen lassen. Wenn man vergewaltigt wird, ist man selbst schuld, warum ist man zu der Zeit an dem Ort gewesen. Wenn man von seinem Mann verprügelt wird ist man selbst schuld, man hätte ja nicht heiraten brauchen. Wenn eine Verkäuferin schlecht verdient und schlecht behandelt wird ist sie selbst schuld, sie hätte ja was ordentliches lernen können. Und wenn jemand seine gesamte Kohle verliert, dann hätte er eben besser aufpassen müssen. Schulterzuck, so ist das eben. Jeder ist sich selbst der Nächste und seines eigen Glückes Schmied. Jedem das Seine und mir das meiste. Gewissen? Wozu? Kann ich mir nicht leisten.
Alles andere ist kommunistische Utopie, die wollen wir ja nicht.
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Thema: ist das "normal" heute ?!
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19.06.2011, 23:45Inaktiver User
AW: ist das "normal" heute ?!
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19.06.2011, 23:53
AW: ist das "normal" heute ?!
Falsch finde ich, da hochzurechnen: wer 5 € einsackt, macht das auch bei 500 €.
Hab ich auch schon gemacht. Mein Gott, 5 € .... wie oft am Tag vertippt sich eine Verkäuferin bei F (ich grübel immer noch ...) zu Gunsten oder Ungunsten ....
Ich werde erst ab ... sagen wir mal .... 50 € zum Gutmensch ;-)
Zusatz: obwohl, kommt drauf an ... einer armen gestressten Lidlverkäuferin würd ich's zurückgeben und mich freuen wenn sie sich freut .... dem unfreundlichen Tankwart nicht ... [na das war jetzt mal ne weltwichtige Aussage]Geändert von Rotweinliebhaberin (20.06.2011 um 00:10 Uhr)
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20.06.2011, 00:12
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20.06.2011, 01:51
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20.06.2011, 12:03Inaktiver User
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20.06.2011, 12:33Inaktiver User
AW: ist das "normal" heute ?!
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20.06.2011, 13:00
AW: ist das "normal" heute ?!
Hallo sinnsucht,
was mich interessieren würde - wie alt ist denn deine Tochter?
Bei der Beurteilung der Situation und deiner Reaktion gegenüber deiner Tochter bin ich zwiegespalten.
Klar: Es wäre moralisch geboten gewesen, dass die Kollegin deiner Tochter, die Kassiererin auf den Wechselfehler aufmerksam macht und das zuviel gezahlte zurück gibt. Wenn ich richtig gelesen habe, dann war deine Tochter bei der Zeitungsaktion gar nicht anwesend.
Aber meiner Meinung nach, ist das die Baustelle der Kollegin und nicht deine und nicht die deiner Tochter.
Es ist völlig o.k. deiner Tochter zu sagen, dass du das Verhalten der Kollegin unangebracht findest, und dass du selber stets das zuviel gezahlte zurückgibst. Mehr aber auch nicht.
Eine "Moralpredigt" gegenüber deiner (volljährigen? / fast volljährigen?) Tochter gegenüber, wegen eines Verhaltens der KOLLEGIN finde ich überzogen - und viel schlimmer für kontraproduktiv.
Wenn ich deine Tochter gewesen wäre - dann hätte ich dich als "moralinsaure, zickende Spielverderberin" abgespeichert, die mich noch vor meiner coolen Arbeitskollegin blosstellt. Ich hätte - selbst wenn ich das im Inneren einsehen würde - die Kollegin aus Prinzip verteidigt. Ausschließlich deswegen, weil mich das Verhalten von Mama sinnsucht so wütend machen würde.
Viel schlauer von dir wäre es, wenn du es schaffst, bei deiner Tochter an den "inneren guten Kern" ranzukommen. Das schaffst du aber nicht mit "Gardinenpredigten" und Genörgel. Schließlich bist du ja fast Soz-Päd geworden...
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Und nicht zu vergessen - ich hätte anstelle deiner Tochter, eine Arbeitskollegin auch nicht unbedingt auf ihr moralisches Fehlverhalten aufmerksam gemacht. Sei es, weil deine Tochter sie cool/nett findet, oder weil sie nicht als "Spießer" da stehen will.
Von daher kann ich dir nur raten, wieder - auf freundlichem Wege - emotionalen Zugang zu deiner Tochter zu finden und beide der Meinung zu sein, dass das Verhalten der Kollegin nicht o.k. war.
Chennai
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20.06.2011, 13:46
AW: ist das "normal" heute ?!
Nein. Es hat schon immer Leute gegeben, die ehrlich sind, und Leute, die unehrlich sind. Die unehrlichen halten die ehrlichen für blöd, die ehrlichen halten die unehrlichen für unappetitlich.
Natürlich definiert sich jeder seine läßlichen Sünden. Aber eine überarbeitete Verkäuferin um einen Netto-Stundenlohn zu betrügen ist (nicht vorliegende Extremfälle ausgenommen) m.E. keinesfalls läßlich, sondern bestenfalls menschenverachtende Gedankenlosigkeit, die höchstens mit alterstypscher mangelnder sozialer Kompetenz erklären läßt, schlimmstenfalls bösartig.
Ja, ich habe schon Geld behalten, wenn mich Verkäuferinnen angeschnauzt haben, ich soll aufhören, sie wegen dem Wechselgeld zu nerven. Bin ich nicht stolz drauf, sondern sehe das als Zeichen meiner mangelnden Kompetenz, die Situation korrekt zu lösen. Ich kann nur empfehlen, in solchen Fällen eine Gewohnheit daraus zu machen, das unselige Geld dem nächsten wohltätigen Zweck zu spenden.
Ist natürlich schwer, wenn's eine Freundin der Tochter ist, denn auf die will man ja als gute Freundin nichts kommen lassen. Als Mutter könnte das vielleicht angehen mit einem bekümmerten, "Ja, wenn sie es nötig hat..." angehen, und auf den Widerspruch, daß die Freundin nicht Bettlers Kind sei mal die Ökonomie und Ethik der Situation erklären. Oder sie fragen, was für ein Leben sie/die Freundin erwartet zu führen, wenn sie jedem, der gerissener und skrupelloser ist als sie das moralische Recht zugesteht, sie abzulinken.
Zumindest sollte klar sein, daß man gestohlen Gut nicht als Geschenk animmmt. Ob es allerdings realistisch ist, von einem Teenie zu verlangen, der Freundin nachträglich eine Szene zu machen, oder zurückzugehen und die Verkäuferin zu entschädigen... hängt davon ab.
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20.06.2011, 14:50
AW: ist das "normal" heute ?!
Dies Argument hab' ich gefressen. Fehler passieren, das liegt in der Natur des Menschen und des Universum. Der einzige, der keine Fehler machen kann ist der Papst, wen er Ex Cathedra spricht, und auch das erst seit 1871. Zu argumentieren, der Mensch dürfe eben keine Fehler machen ist absolut realitätsfern, und ich kann das nur als eine Ausrede betrachten, die man sich selber erzählt um sich eine eingebildete Sicherheit zu verschaffen, oder sein eigenes antisoziales Verhalten zu rechtfertigen. (Für letzeres ist auch "das tun alle" ein tolle Ausrede, die den zusätzlichen "Vorteil" hat, daß man sein ganzes Leben von Dieben und Betrügern umgeben verbringen kann.)
Ich arbeite in einem Bürogebäude, in dem wahrscheinlich mehr Fehler produziert werden als in der Grundschule nebenan, und jeder Fehler kann Millionenschäden verursachen. Das behebt man nicht, indem man den Leuten Sonntagsreden hält oder ihnen ein paar Millionen vom Gehalt abzieht, sondern indem man Mechanismen einbaut, die Fehler verhindern, und Systeme so konstruiert, daß Fehler früh auffallen und wenig anrichten können. Und ein in der Gesellschaft bereits eingebauter Mechanismus zur Fehlertoleranz ist, Fehler anderer, deren Zeuge man wird, nicht auszunutzen, sondern sich, falls möglich, um Korrektur und Schadenskontrolle zu bemühen.
"Wer ist mein Nächster?"
Teile und herrsche. Solange man den Leuten erzählen kann, wer durch die Ritzen fällt, der sei ja selber schuld, kann man die Gesellschaft erfolgreich entsolidarisieren. Die Leute, auf der Kippe, die den Abgrund schon sehen, sind so panisch, bloß keinen Fehler zu machen, der sie auf die Verliererseite befördert, daß sie sich nicht trauen, irgendwas zu tun. Die, die bequem sitzen, erzählen sich gleichzeitig gebetsmühlenartig, daß sie das alles nur ihrer eigenen Tugend zu verdanken haben. Und auf die, die nichts haben, hört keine, denn die sind ja unzureichend tugendhaft oder haben blöde Fehler gemacht.
Möglichst wenig zu kosten und leicht ersetzbar zu sein. Das Aldi-Nord-System war besser darin, in einem Affenzahn Krusch über den Tisch zu befördern, machte aber die Kassenfräuleins zu qualifizierten Kräften, die angelernt werden mußten und ein paar Wochen brauchten, bis sie optimal arbeiteten. Wurde abgeschafft.
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20.06.2011, 14:50


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