Hallo alle,
ich schreibe ein bisschen verzweifelt. Verzweifelt über mich selbst. Ich möchte gerne vorwärtskommen in meinem Leben und habe das Gefühl, stillzustehen oder zu wenig in Bewegung zu sein.
Ich habe irgendwie eine ambivalente Persönlichkeit ("zwei Seelen in meiner Brust"). Ich sehe immer tausend Möglichkeiten und kann mich für keine richtig entscheiden. Habe offenbar Mühe damit, festgelegt zu sein, ich weiss nicht, aus was es kommt. Es hat bisher so vieles in meinem Leben tangiert; meine Beziehungen gingen in die Brüche, im Job komme ich zu wenig vorwärts, es betrifft auch meine Wohnsitutation etc etc. Ich leide darunter, es ist nicht so, dass mir der immer offene Zustand gefällt. Ich finde mich selbst unsymphatisch und mein Herumeiern auf allen Ebenen macht mir sehr zu schaffen.
Ich weiss nicht, wie ich vorwärts kommen soll. Das Problem ist mir erst seit einem Jahr so richtig bewusst, und seither hatte ich die "Methode", einfach überall, wo ich gerade bin oder was ich gerade konfrontiert mit bin, voll mich hineinzugeben und zu investieren. Dieser Gedanke kam daher, da ich es bisher noch nicht schaffe, einen klaren Weg zu gehen und mich klar für etwas zu entscheiden. Das hat mich früher blockiert, so dass ich mich oft für gar nichts entschieden habe und komplett stillgestanden bin, bei allem nur halbherzig dabei war. Jetzt probiere ich bei allem, mit vollem Herzen dabei zu sein. So fühle ich mich schon besser, aber jetzt kommt langsam der Punkt, wo mich das auch nicht mehr zufriedenstellt. Ich möchte gerne einen Weg gehen und nicht tausend mögliche. Doch wenn ich mich für einen entscheiden soll, geht es überhaupt nicht. Ich weiss nicht, wo ich hingehöre oder habe bei allem das Gefühl, nicht komplett hinzugehören, nicht ganz "abgedeckt" zu sein. Ich würde gerne einen Ort/Menschen/Situation finde, wo dieses Gefühl sich einstellt, wo ich aus mir heraus mich bekennen kann zu etwas.
Kennt jemand dies selbst? Ich bin unzufrieden und möchte was ändern - entweder an den Punkt gelangen, an dem ich meine ambivalente Persönlichkeit akzeptieren kann und mein Leben dementsprechend gestalten kann - noch lieber aber ehrlich gesagt würde ich es schaffen, meine ambivalente Person voranzutreiben und ein klarer Mensch zu werden, da ich selbst und mein Umfeld darunter leiden. Hab realisiert, dass ich einer dieser mühsamen Menschen bin, die sich schwer entscheiden können, und herumeiern. Es nervt.
Kann mir jemand raten, wie ich auf dieses Ziel hinarbeiten kann? Noch bin ich nicht an dem Punkt, möchte aber da hin kommen. Möchte gerne den "Hebel umlegen", so wie es ja auch ein anderes Thema in diesem Thread ist, steh aber an.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 15
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12.06.2011, 21:52
Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
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12.06.2011, 22:25Inaktiver User
AW: Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
Also gut, Du eierst rum, in Dir ist anscheinend ein ständiger Konflikt.
Hast mal ein paar Beispiele wo sich solche Entscheidungskonflikte zeigen?
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12.06.2011, 22:29
AW: Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
hervorragende Methode :-)
Das braucht Geduld. Aber auch viele kleine Veränderungen und mit vollem Herzen getroffene Entscheidungen verändern das langfristige Leben. Es braucht einfach Zeit und Verständnis für sich selbst. und dann ist es auf einmal da.
grüsse, barbara
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12.06.2011, 22:44
AW: Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
Beispiele:
Eine langjährige Beziehung, die einerseits sehr tief ging, andererseits fühlte ich mich eingeschlossen und als wäre nicht genügend Raum da für mich. Fühlte mich häufig nicht bei mir in dieser Beziehung, nicht verstanden oder genügend akzeptiert, so wie ich bin. Das Gefühl war aber nie so stark, dass ich gegangen wäre. Im Gegenteil waren die anderen Gefühle der Verbundenheit immer stärker und so blieb ich in der Beziehung, aber immer mit innerem Konflikt. In der Beziehung fühlten sich folgende Dinge sehr angesprochen "in mir": Intellekt meines Partners gefiel mir sehr und inspirierte mich, Tiefgründigkeit, Sensibilität, gemeinsame Werte etc. Nicht angesprochen fühlte ich mich in: Sinnlichkeit, Freiraum, Akzeptanz meiner Selbst, Kommunikationsfähigkeit und noch anderes. Bis mein Partner sich trennte. (Also es klingt jetzt ein bisschen einseitig, da waren auch Schuldanteile von ihm, aber im Moment gehts ja um mich).
Jetzt treffe ich neuen Mann. Wieder das gleiche Problem, aber auch ganz anders. Hier fühle ich mich eher auf der sinnlichen, emotionalen Ebene angesprochen. Zweifel sind auf der anderen Seite bei den gemeinsamen Werte, Grundmodellen, Intellekt etc. Ausserdem bin ich über die alte Beziehung überhaupt nicht hinweg, und mein Ex-Partner wohl auch nicht. Wir haben beide wohl noch das Gefühl, zusammenzugehören, haben es aber irgendwie nicht hingekriegt. Das Gefühl verschwindet nicht, obwohl die Trennung schon eine Weile her ist.
In mir ist immer noch etwas, das unbedingt diese alte Beziehung lösen will, weil wir uns immer noch so verbunden fühlen. Als ich aber in der Beziehung war, gab es diese ganze Ambivalenz von sich nicht richtig entscheiden können. Ich habe das Gefühl, wenn ich mich völlig für meinen Ex-Partner entscheiden könnte, dann würde die Beziehung besser funktionieren. Was hält mich ab? Irgendetwas in mir kann sich nicht entscheiden, weil gewisse Teile fehlen. Was ist los mit mir???
Ähnlich bezüglich Wohnsituation:
Ich lebe schon eine Weile mit einigen Freunden zusammen, die mir sehr viel bedeuten. Wir haben auch gemeinsame Arbeitsprojekte und sind wirklich so etwas wie eine Lebensgemeinschaft. Auch hier wieder: Vieles gefällt mir extrem gut, fühle ich mich wohl und verstanden, möchte da sein. Dann zieht es mich aber immer wieder weg, weil ich gerne mal alleine wohnen würde, da ich das nie hatte in meinem Leben, auf mich alleine gestellt sein möchte. Wenn ich aber ein paar Tage weggehe, vermisse ich meine Lebensgemeinschaft und möchte wieder da hin (nicht immer, aber oft).
Ich halte das selbst nicht mehr so gut aus. Noch halte ich es aus, sonst würde ich wohl irgendeinen Reissleine-ziehen-Entschluss fassen. Ich wäre gern klarer und möchte an mir arbeiten.
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12.06.2011, 22:47
AW: Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
Danke, Du machst mir Mut. Meinst Du, ich soll einfach weitermachen bei allem, was ich tue, mit vollem Herzen dabei zu sein, so sehr ich es halt kann? Es gelingt mir ja wie beschrieben nicht durchbrechend, sondern erst in Teilbereichen und im kleinen oder in einzelnen Situationen bzw. in all dem zusammen. Und auch da muss ich immer wieder Zweifel und Ängste abwehren und aushalten, die mich die ganze Zeit belagern.
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12.06.2011, 22:51
AW: Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
ja ich würde einfach so weitermachen. wenn du erst mal die Gewohnheit hast, in kleinen Dingen schnell und entschlossen zu entscheiden, wirst du dich später auch an grössere, wichtigere Dinge wagen. und auch das Zweifel- und Ängste-Aushalten gehört dazu, das ist ein Teil davon. so wird sich das Leben Stück für Stück verändern.
grüsse, barbara
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13.06.2011, 06:38
AW: Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
Die große Freiheit (der Entscheidung) und wie damit umgehen...Mir fiel als erstes dazu ein "Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes ist immer grüner!".
Dies hier (Bitte googeln nach Pal-Verlag / Entscheidungen treffen)
fand ich interessant.
Es gibt eine Menge in google zum Thema! Du bist nicht die einzige, die sich da weiterentwickeln möchte!
LG KarlaGeändert von Lizzie64 (18.07.2011 um 20:36 Uhr) Grund: Link auf Seite mit Werbe-Inhalten gelöscht
The original Karla
est. 2006











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13.06.2011, 09:43Inaktiver User
AW: Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
Hallo Krolli,
ich kann Deinen "Grundkonflikt" schon verstehen. Aber hast Du schon mal überlegt, dass Deine Ambivalenz auch Vorteile hat? Du siehst sehr klar, dass alles mehrere Facetten hat: Der Partner, der bestimmte Eigenschaften mit sich bringt - andere aber auch nicht hat. Die Wohnsituation, die einerseits wunderbar ist in der WG - andererseits aber den Nachteil hat, nie wirklich allein zu sein.
Ich finde es erst mal gut, dass Du so differenzieren kannst!
Und dass alles mehrere Facetten hat, verschwindet auch nicht, wenn man Entscheidungen für oder gegen etwas trifft. Ich denke, es geht vielmehr darum, sich bewusst zu machen, dass jede Entscheidung auch bestimmte Dinge ausschließt und sich trotzdem dafür zu entscheiden: Der neue Job, der (vorläufig) andere berufliche Möglichkeiten ausschließt. Der emotionale Partner, bei dem Dein Intellekt nicht ganz so stark "gekitzelt" wird wie bei Deinem Ex. Eine eigene Wohnung, die es notwendig macht, die alten Freundschaften auf andere Art und Weise zu pflegen. Etc.pp.. Es geht darum, Prioritäten zu setzen und genau zu schauen, welche Bedürfnisse Du hast. Und das kann sich im Laufe der Zeit auch mal ändern. Der intelligente Partner, mit dem Du Dich stundenlang unterhalten konntest, war sicherlich ein guter Partner für Dich. Jetzt steht (möglicherweise) das Emotionale, Sinnliche mehr im Vordergrund. Vielleicht wird Dir in 10 Jahren noch mal etwas Anderes wichtig sein.
Vielleicht nutzt Du Deine Ambivalenz, um Dir Entscheidungen bewusst zu machen. Ganz, ganz viele Entscheidungen sind nicht nur Entscheidungen für etwas, sondern beinhalten auch ein ganz großes "Obwohl". Wenn Dir das bewusst ist, stehst Du aber auch dahinter. Ich finde, Deine Ambivalenz birgt ein ganz eigenes Potential.
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16.07.2011, 11:19
AW: Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
Schöner Beitrag! Kämpfe mit ähnlichen Problemen wie Krolli und bin allgemein interessiert an Tipps, Anregungen, Lebensgeschichten bezüglich sehr ambivalenter Persönlichkeit (ein bisschen hat das ja jeder). Siehe auch mein eigener Strang "ich habe ambivalente Gefühle..." unter Beziehung im Alltag.
Ich glaube langsam zu ahnen, dass der Weg tatsächlich über das Annehmen der Ambivalenzen führt, sie als Stärke zu begreifen - erst dann kann man mit ihnen umgehen lernen. Sie verleugnen oder loshaben wollen oder auf Biegen und Brechen entscheidungsfreudig sein wollen hilft einfach nicht.
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16.07.2011, 14:15
AW: Ambivalente Persönlichkeit - wie vorwärtskommen?
Ambivalenz
Ist es die Angst Entscheidungen zu treffen und dann revidieren zu müssen?
Ist es die Unfähigkeit, auch mal was "aushalten" zu müssen?
Angst vor dem Erfolg?
Angst, festgezurrt zu sein und nie wieder raus zu kommen?
Zum Teil kenne ich diese Probleme auch, aber ich habe für mich festgestellt, das ich nicht darauf warten möchte, das jemand anderer MEINE Entscheidungen trifft. Auch wenn ich manchmal noch lieber "weglaufe" vor den Entscheidungen, weiß ich dennoch "Lieber eine falsche Entscheidung, als gar keine" Denn das macht mich auf Dauer extrem unglücklich ( und meine Umwelt noch dazu )
Ich möchte weder anderen weh tun mit meiner Entscheidungslosigkeit, noch möchte ich "fremdbestimmt" leben.
Es hat gedauert, bis ich die Balance zwischen "Ich halt das aus, weil es letztendlich gar nicht schlimm ist" und "Nun geht es nicht mehr" gefunden habe.
Das war ein langer Prozess und ich kann leider keine Ratschläge geben, wie es funktioniert.
Ich möchte nur sagen, das es geht. Also nur Mut
Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm


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