Ich hatte ein paar solche heftige Erlebnisse (Krankheit, Unfall, Gewalt) in jungen Jahren und ich denke, dass ich dadurch zu vielen Dingen eine andere Einstellung gewonnen habe. Also über vieles schon früh anders nachgedacht habe.
Vor allem habe ich wahnsinnig viel Postives von anderen Menschen dabei erfahren, sehr viel Hilfe von guten Freunden gehabt, dass mir das immer wie ein Vermächtnis vorgekommen ist.
Ich habe mich lange furchtbar "sterblich" gefühlt und vor allem, nachdem ich durch einen Gewaltakt erleben musste, wie leicht mein Leben bereit schien, meinen Körper zu verlassen - so kam es mir damals vor - sehr zerbrechlich.
Ich habe danach sogar manchmal Angst vorm schalfen gehen gehabt, weil mir schien, mein Leben könne sich davonschleichen, wenn ich nicht drauf aufpasse.
Das hat sich im Laufe der Zeit jedoch komplett gewandelt in ein: Ich lebe noch, obwohl ich schon dreimal hätte tot sein können. Da will jemand nicht, dass ich sterbe udn beschlossen mindestens 100 Jahre alt zu werden. Das klingt sicherlich albern, aber das ist tatsächlich auch heute noch in meinem Kopf.
Die Ängste einfach mal schnell zu sterben sind verschwunden. Die Angst vor dem Tod nicht.
Ich habe viel Achtung vor dem Leben, meinem und dem vor anderen, aber ich weiß natürlich auch nicht, wie ich gedacht hätte, wenn ich das alles nicht erlebt hätte, weil ich ja gerade mitten dabei war, eine eigene Zukunft zu planen und zu gestalten, mir über mein Leben so meine Gedanken zu machen usw.
Apropos, aus dieser Zeit habe ich, trotz des Gewalterlebnisses mein durch und durch positves Männerbild mitgenommen. Denn es waren fast lauter Männer, die mich damals aufgefangen haben, die vor allem bis an den Rand ihrer eigenen Grenzen gegangen sind, um mich zu unterstützen. Frauen können vielleicht besser zuhören, aber Männer können, um zu helfen, ganz unglaubliche Dinge tun!
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29.05.2011, 00:53
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
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30.05.2011, 16:08Inaktiver User
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
Ich meine, es macht einen Unterschied, was man erlebt hat.
Eine lebensgefährliche Erkrankung, die mit Schmerzen und körperlichem Leiden einhergeht, beeinflußt sicher anders als eine Erkrankung ohne all dieses.
"Nur" mit dem möglichen Tod konfrontiert zu sein, einfach aufhören zu atmen ohne vorherige Warnsignale stellte in meinem Fall die Sorge um die Angehörigen in den Vordergrund.
Angst vor dem Tod hatte ich damals nicht - Angt um meine Lieben und ihre Reaktionen darauf sehr wohl.
Und es ist ein großes Wort zu sagen: Ich habe keine Angst vor dem Tod.
Ich könnte diese Frage nicht beantworten, obwohl ich der Möglichkeit des Todes unberechenbar nahe war. Aber mein Vater war seines Lebens müde ( altersmäßig) und laut seiner Aussage bereit zu gehen-
und doch kämpfte seine Essenz? Überlebenswillen oder wie auch immer man das nennen will, erbittert bis zum letzten Atemzug.
Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn der Akutfall eingetreten wäre und die Pflegekräfte um mein Leben gekämpft hätten.
Aber geändert habe ich mein Leben nicht ( war nicht durch Lebensführung bedingt, sondern einfach ein freak of nature......). Bin vielleicht etwas gelassener, was so die alltäglichen Katastrophen betrifft und hole dawischen öfters mal tief Luft - morgen ist auch noch ein Tag.
Einfach jeden Tag so gut es geht genießen.
Wünsche euch ein erfülltes Leben
Gruß
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30.05.2011, 22:41Inaktiver User
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
Liebe seifreundlich,
ich danke dir für deinen sehr persönlichen Bericht. Es ist schon sehr außergewöhnlich, gleich drei Mal davongekommen zu sein und das prägt mit Sicherheit noch viel nachhaltiger, besonders, wenn man schon in jungen Jahren mit dieser Erfahrung konfrontiert wird. Die Erfahrung, dass es viele liebe Menschen gibt, die sich kümmern und besorgt sind habe ich auch machen dürfen, mir war gar nicht bewusst, dass es so viele sind, denen ich am Herzen liege. Obwohl alles noch sehr frisch bei mir ist, habe ich jedoch das Gefühl, dass dieses Erlebnis mich noch einmal stärker in die Spur gebracht hat, die ich gehe. Es zählen eigentlich nur die Menschen, die mir nahestehen. Und ich sortiere ein wenig aus. Nicht nur Menschen, auch Verhaltensmuster oder Fremdbestimmungen. Ich habe augenblicklich Zeit, zu überprüfen, was ich weiter will und was nicht. Wie sich das längerfristig auswirkt, keine Ahnung. Deine Gewalterfahrung ist mit Sicherheit viel furchtbarer, eine Krankheit ist da etwas anderes. An so etwas hatte ich bei meiner Fragestellung gar nicht gedacht, ich bin dir für deine Offenheit dankbar.
Ich hoffe,
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31.05.2011, 04:57
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
Hallo Regenpanther,
ich kan so offen sein, weil ich hier anonym bin. Ansonsten sind das Erlebnisse die ganz tief in mir ruhen und über die ich nicht (mehr) sprechen möchte.
Vielleicht weil es kaum möglich, das jeweils Gefühlte jemand mitzuteilen, der nicht wenigstes was Ähnliches erlebt hat. Es wird zu einer Geschichte, vielleicht spannend, sicher auch mit "Ach je wie schlimm begleitet" aber dazu ist es mir zu intim, wenn Du verstehst, ws ich meine. Es ist ja auch alles lange her.
Alle drei Ereignisse passierten innerhalb eines Jahres und ja, die jeweiligen Erfahrungen waren komplett verschieden.
Bei dem Unfall war es vor allem im Moment des Aufpralls, das mir bewusst war, dass ich nun sterbe und dann kommt die Gedächtnislücke. Und es war eher ein Wunder, dass ich es überlebt habe. Und dass ich es so gut überlebt habe. Trotz zerschnittenem Gesichts sind mir keien Narben geblieben. Ein Schnitt begann direkt am Auge, aber das Auge bleib unverletzt und auch diese Naht ist heute nicht mehr zu sehen.
Die plötzlich diagnostizierte Krankheit konfrontierte mich mit der Prognose, dass man damit üblicherweise stirbt bevor man 30 ist. Das habe ich längst überschritten und nach anfäglicher Vorsicht treibe ich heute meinen Sport und fühle mich fit wie ein Turnschuh, obwohl diese Krankheit nicht heilbar ist. Auch meine zweite Deadline (der damals genannte älteste Patient) steht kurz bevor - vielleicht ist mir das deshalb auch gerade wieder so bewusst, und ich werde die Links überleben, denn man kann meine Krankheit zur Zeit nur mit einem besondern Test nachweisen, alle anderen Werte sind topp. Mit Mitte 40 habe ich beschlossen 100 zu werden, denn ab da wurde ich immer leistungsfähiger!
Meine Gewalterfahrung hat bis heute die Nachwirkungen, dass ich bestimmte Dinge und bestimmte Menschen meide, und noch immer heftig erschrecke, wenn jemand plötzlich hinter mir steht, ohne dass ich ihn bemerkt habe, noch schlimmer, mich dann auch noch berührt.
Damals wurde ich bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und für mich war es nach Panik und Gegenwehr so, als müsse ich zuschauen, wie sich mein Leben davon schleicht, wie mein Körper nicht merh fühlbar wurde. Ich weiß, das mein letzter Gedanke von unheimlicher Trauer begleitet war, dass mein Leben offenbar so gar nicht kämpfte. Schwer zu beschreiben, bestimmt sehr individuell. Aber damals hatte ich die Vision eines aus mir gleitenden Lebensfaden, den ich in dem Moment erschreckend zart empfand. Danach hatte ich lange Zeit das Gefühl, dass mein leben gar nicht die Kraft udn Stärke hätte, wie ich immer gedacht hatte.
Und irgendwann wurde mir bewusst, dass mich ja keines dieser Ereignisse wirklich umgebracht hatte und in mir wuchsen ganz neue Kräfte.
Ja, eigentlich komisch, dass ich mir das erst noch mal klar machen musste, dass meine "Todeserlebnisse" ja keine echten waren, da ich schließlich noch lebe.
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31.05.2011, 06:52Inaktiver User
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
Ich habe eine schwere Hirnblutung überlebt, die sich vorher nicht ankündigte. Da ich nur die Variante kenne das sich der Körper von einer Sekunde auf die andere im Todeskampf befindet, ich sofort komatös war, also nix bewußt mitbekommen habe von der Sache, meine ich es macht einen großen Unterschied aus.
Wenn man z.B eine Krebserkrankung mit schlechten Prognosen hat, setzt ein Prozess ein in der der Überlebenskampf bewußt stattfindet.
Was nun einschneidender ist mag Typabhängig sein. Ich vermute das ein Richtungswechsel eher bei Menschen einsetzt die eine lebensbedrohliche Diagnose erhalten.
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31.05.2011, 17:00Inaktiver User
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
genau so sehe ich das auch bzw. habe es so erlebt. Dann habe ich Dich oben missverstanden.
bis ich begriffen habe, was wirklich los war/ist und wie sehr es auf der Kippe stand, war ich schon operiert, hatte ausreichend Bluttransfusionen bekommen und "musste mich nur noch wieder erholen".
das habe ich nicht so sehr als einschneidendes Erlebnis empfunden.
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01.06.2011, 22:32Inaktiver User
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
Was mir so langsam bewusst wird ist die Vielschichtigkeit, die sehr individuellen, unterschiedlichen Empfindungen und Erlebnisse, die diese Erfahrung, dass das eigene Leben endlich ist, erzeugt. Vielleicht hat man, bevor einem etwas "zustösst" eine bestimmte Vorstellung davon, wie es sich dann anfühlt. Und dann ist es doch vielleicht ganz anders als man vorher angenommen hatte. Ich finde es sehr faszinierend, wie unterschiedlich sich manches auswirkt oder wie man manches empfindet und ich bin sehr froh, dass andere Userinnen ihre Erlebnisse gepostet haben, die so völlig anders waren.
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06.06.2011, 13:26Inaktiver User
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
Das finde ich sehr interessant, denn mir geht es aehnlich (habe als Kind/Teenager eine lebensbedrohliche Erkrankung gehabt, die nicht erkannt worden war. So befand ich mich ganz ploetzlich in einer akuten Notsituation und wurde mit einer dramatischen OP gerettet). Betrifft es mich selber, habe ich einen ziemliche Optimismus: 'wird schon gut gehen (= ging ja schon mal gut?), und wenn es schief gehen sollte, hatte ich wenigstens ein schoenes Leben, dass nun schon um ueber 20 Jahre "verlaengert" wurde'. Betrifft es meine Kinder oder meinen Mann, habe ich ziemliche Angst davor, dass sie sterben. Vor einiger Zeit war eines meiner Kinder zum ersten Mal im Krankenhaus, wegen einer Kleinigkeit zur Beobachtung. Ich habe den gesammten ersten Tag nur geheult und konnte mich einfach nicht mehr beruhigen, bis mir die Aerzte am Abend selber eine Beruhigungsspritze gegeben haben. Ich denke, da ist eine ganz tiefe Urangst aus der Zeit meiner eigenen Erkrankung hochgekommen.
Geändert von Inaktiver User (06.06.2011 um 13:31 Uhr)
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11.06.2011, 13:10Inaktiver User
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
Hallo,
vor drei Jahren eine lebensbedrohliche Sepsis durch einen KH Keim, mir ist es erst klar geworden, als der Arzt mir später erklärte, ich hätte im besten Fall noch zwei Stunden gehabt.
Für mich ist weniger selbstverständlich, Dinge, die ich UNBEDINGT machen will, verschiebe ich nicht auf "Später".
Es sind banale Dinge,
ich bin nach Barcelona geflogen, ganz allein für vier Tage,
hab in der Kletterhalle einen Einsteigerkurs gemacht (mit vermeintlicher Höhenangst),
erfülle mir öfter mal nen kleinen Wunsch,
genieße DEN Augenblick,
lebe mehr im HIER UND JETZT
LG NNMi
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21.06.2011, 16:16
AW: Noch einmal mit dem Leben davongekommen. Was hat sich bei Euch danach verändert?
Ich bin bisher nur immer unter Narkose gestorben (3 mal) Daher war schon alles vorbei, als ich es erfahren habe.
Angst vor dem Tod habe ich überhaupt nicht, vor dem Sterben schon, da ich ja vielleicht nicht immer das Glück habe, dass dies in einem OP passiert.
Geändert hat sich dadurch nichts, ich bin nur danach immer ziemlich lange mit meinem Körper im Zoff, weil er nicht so funktioniert wie ich mir das vorstelle.
In 3 Wochen habe ich meine nächste OP und streite jetzt schon mit meinem Körper, weil er vor kurzem mitten auf der Strasse umgekippt ist. Bin ja mal gespannt, was da raus kommt.Ich bin bereit,Das Leben ist ein Spielmit dir Wege zu suchen,Du kannst gewinnen und verlieren.die wir gehen können.Willst du nur im Schatten stehenNicht bereit bin ich,und nie etwas riskieren?deinen Weg mit Verständnis zu pflastern
und damit so beschäftigt zu sein,
dass ich von meinem Weg abkomme!


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