Habe ich verstanden, finde aber den Weg, damit umzugehen, nicht ideal.
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Thema: ich bin ungebildet
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14.05.2011, 12:20Inaktiver User
AW: ich bin ungebildet
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15.05.2011, 20:51
AW: ich bin ungebildet
Sehe ich ganz genauso. Ich finde es genauso wenig blamabel, nicht zu wissen, wo Réunion liegt, noch zu zeigen, dass man sich dort auskennt und womöglich schon mal da war, wenn auch mit einem anderen Interessensschwerpunkt. Wenn man sich angenehm unterhalten will, findet man Mittel und Wege, solche Klippen elegant zu umschiffen. Das ist dann eben Herzensbildung.
Die vermeintliche Angeberei kann ja durchaus auch der eigenen Begeisterung geschuldet sein. Da wäre ich großzügig und würde sowas antworten wie: danke für den Tipp, aber wir wissen noch nicht, ob wir es auch ins Inland schaffen.
Ich finde aber auf der anderen Seite auch nicht, dass es weh tut, wenn jemand Réunion nicht auf Anhieb lokalisieren kann. Die Karibik-Panne kann man ja auch freundlich ausbügeln, indem man antwortet: Ja, in die Karibik möchte ich auch zu gerne mal. Aber nun haben wir uns erst mal vorgenommen, die Inseln im Süden von Afrika zu erkunden.
Bildung heißt für mich auch, mich auf mein Gegenüber einzustellen und abzuschätzen, wie viel Informationen ich liefern muss, damit mein Gesprächspartner im Bilde ist.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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16.05.2011, 07:43
AW: ich bin ungebildet
Meiner Meinung nach sind es weniger die "Gebildeten", denen es richtig unangenehm ist, mal nichts zu wissen. Das erlebe ich jedenfalls sehr selten. Jemand, der einiges an Schule/Ausbildung/Studium gefahren ist, weiss oft sehr genau, dass er gerade und auch dann noch gaaaanz vieles nicht weiss und dass es immer jemanden gibt, der noch mehr weiss - ja, und?
Das gilt allerdings nicht für jeden, sondern ist sicherlich auch Charaktersache.
Ich finde es allgemein sehr unangenehm, wenn um Wissen "konkurriert" wird. Aber warum ist es gleich Besserwisserei, wenn jemand zufällig etwas mehr weiss? Ich finde das, je nachdem wie es rübergebracht hat, eher interessant und lehrreich...
Bricht man sich damit einen Zacken aus der Krone, etwas Neues zu erfahren?
Geändert von Elwyn (16.05.2011 um 08:17 Uhr)
Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
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18.05.2011, 16:34
AW: ich bin ungebildet
So sehe ich das auch. Ich bin jetzt 29, fast mit meinem Studium fertig und kann jetzt viel selbstbewusster sagen: Das kenne ich nicht, erklär mir es mal. Was meinen Sie damit? Hm, das versteh ich nicht. Noch nie gehört. Etc
Weil ich eben weiß, dass ich mich nicht verstecken brauche weil ich in den letzten 10 Jahren gelernt habe, was ich kann und weiß und dass viele andere weniger können und wissen als sie vorgeben...
Vor 10 Jahren, da hatte ich "nur" (überhaupt nicht wertend gemeint, nur als Vergleich zu meinem jetzigen Abschluss) Realschule und dachte immer: ich kann/weiß nichts...v.a. wenn ich mich mit Abiturienten/Akademikern unterhalten habe. Ich war schüchtern, hab meistens nur alles abgenickt und mich nicht getraut mal zu sagen: Du, das kenn ich nicht. Das worüber du sprichst, sagt mir gar nichts.
Jetzt kann ich das selbstbewusst machen!
Ich find's toll! So lernt man auch immer mehr dazu. V.a. kann man so schön Leute entlarven, die mit großen Worten um sich schmeißen, aber eigentlich gar nicht wissen, wovon sie reden :-)
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18.05.2011, 18:24Inaktiver User
AW: ich bin ungebildet
Das war Guttenberg. Gutenberg würde die TE auf die falsche Fährte führen. So sie, wie im nächsten Beitrag vorgeschlagen, nachschlagen würde ...
Ich hatte diesen Fall gerade, als ich Gutenberg zitierte und man mir meinte sagen zu müssen, dass von Guttenberg gerade keiner etwas wissen will ...
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18.05.2011, 20:11
AW: ich bin ungebildet
@ Candy:
Was du beschreibst, ist das Phänomen, dass derjenige mit akademischem Abschluss per se als gebildet angesehen wird - mit seinem Abschluss hat er quasi den nicht mehr ständig neuerlich zu erbringenden Beweis geliefert, dass er entsprechend intelligent und gebildet ist. Er kann sich quasi darauf lebenslang ausruhen und könnte den Rest seines Lebens in kein Buch mehr schauen, ohne dieses Ansehen oder auch diesen Vertrauensvorschuss zu gefährden.
Während andere, die diesen Titel nicht besitzen, ständig aufs Neue den Beweis erbringen müssen, dass sie nicht dumm oder ungebildet sind.
Das ist durchaus eine sehr unfaire Geschichte.
Denn wer einen akademischen Abschluss hingelegt hat, hat vielleicht Fleiß, Durchhaltevermögen und geringfügig mehr als durchschnittliches Intelligenzniveau bewiesen, muss aber weder Intellekt noch wirkliche Bildung besitzen.
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19.05.2011, 00:05
AW: ich bin ungebildet
Das hat sie gerade nicht gesagt, sondern nur, dass Ihr der Abschluss geholfen hat, selbstbewusst zu werden, so dass sie keine Angst mehr hat, Ihr Nichtwissen zuzugeben.
Und bestätigt damit den anderen Post, der bemerkt hat, dass es einen Zusammenhang zu geben scheint, zwischen Wissensmenge und Bewusstsein nichts zu wissen. So wie diese Sokrates zugeschobenen verkürzte Formel "Ich weis, dass ich nicht weis" es aussagt.
Und woher kommt nun diese Weisheit?
Ich denke nicht, dass man ohne Intellekt und Bildung tatsächlich einen akademischen Abschluss erzielen kann - wäre ich böse, würde ich fragen, ob das denn bei Dir so war. Dass einem - andere - Akademiker (in bestimmten Bereichen?) durchaus blöd vorkommen können, spricht jedenfalls nicht dagegen.
Sorry, das musst jetzt sein, weil es mE nicht zielführend ist, Leute mit Intellekt und Bildung abzuwerten. Vielmehr sollte aufgewertet werden, was die vermeintlich Nichtwissenden an Fähigkeiten besitzen.
Und richtig, auch Akademiker wissen nicht in allen Bereichen alles, sie wissen nicht mal unbedingt in vielen Bereichen viel, aber gerade darum ging es im obigen Abschnitt.
Und daher sollte sich eigentlich niemand für sein Nichtwissen schämen müssen.
Aber das ist immer leichter gesagt als getan und hängt eben vom Selbstbewusstsein und sicherlich auch vom Umfeld ab.
Niemand fühlt sich wohl, wenn er zu fast keinem Thema etwas beitragen kann bzw. den Gesprächen nur schwer folgen kann.
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19.05.2011, 00:20
AW: ich bin ungebildet
Ein Ergebnis von Bildung kann es sein, ihre Verzichtbarkeit zu erkennen. Theoretisch kannst du dir diesen Weg also sparen
.
Aber nein, es kann natürlich auch ein Vergnügen sein, ein privates und eines, das den Austausch mit anderen bunter gestaltet.
Zu spät ist es bestimmt nicht, aber „Training“ klingt so wenig lustvoll, irgendwie anstrengend. Sofern es nicht um einen bestimmten beruflichen Vorteil geht, würde ich an deiner Stelle Gebiete wählen, zu denen du dich hingezogen fühlst, und die dich anregen. (Aber ergibt sich das nicht automatisch, kann man dem überhaupt entgehen?) Und häufig kommt man, glaube ich, von ganz allein vom einen zum nächsten. Z.B. von der Musik zur Literatur, von Geschichte überall hin, bzw. umgekehrt usw. Aufrichtiges Interesse vorausgesetzt. Fehlt das, halte ich es eh für Quatsch.
Und wenn es doch sein soll, es gibt ja auch Bücher mit so provokanten Titeln wie "Bildung - alles, was man wissen muss". Ist natürlich subjektiv, aber als kleiner Einstieg, sollte es um Allgemeinbildung gehen, vielleicht auch ganz nett.
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19.05.2011, 00:40
AW: ich bin ungebildet
Ja, und ich denke, daran sollte man sich auch orientieren, es sei denn, dass man sich aus bestimmten Gründen dinge aneignen muss, die einen gar nicht interessieren.
Aber wenn Bildung Spaß macht, bleibt sie auch leicht im Gedächtnis, man lernt besser, mehr und bleibt natürlich leichter bei der Stange.
Es ist auch egal mit was man anfängt und in welchem Alter - ich denke ja sowieso, dass die meisten Leute fast schon automatisch ein Leben lang dazulernen - es geht vor allem darum, dass Du Dich mit dem was Du lernst und weist wohl fühlst.
Und egal in welchem Alter man anfängt, man profitiert immer, es sei denn man betreibt es so zwanghaft, dass es die Lebensqualität verschlechtert.
Und auch die praktische Bildung erweitert Horizonte und bringt Vergnügen. Egal ob Du ein (neues) Musikinstrument lernst, eine Sportart, zu Malen beginnst oder ein Handwerk erlernst. Und ausch das ist echte Bildung.
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19.05.2011, 08:44
AW: ich bin ungebildet
Ganz genau, danke Seifreundlich

Die Einstellung, Nichtwissen zugeben zu können und gleichzeitig vorurteilsfrei dazulernen zu wollen, halte ich für gebildet in dem hier geforderten Sinne der "Herzens-, Lebens-, tieferen Bildung" (das wurde noch nicht genau umrissen, was das ist) - egal, welches Fakten- oder akademisches Wissen jemand besitzt.
Besitzt jemand Fakten- oder akademisches Wissen, so ist das primär ebensowenig negativ wie handwerkliches Wissen, Geschick im Umgang mit Menschen...was auch immer.
Was die Verfechter der Wertes der Herzensbildung hier umtreibt, ist ja wohl hoffentlich nicht das Wissen an sich, sondern der jeweilige Umgang damit...sprich: Fachidioten, elitäres Gehabe oder Blender. Das muss man aber trennen! Eine Fremdsprache zu sprechen ist immer etwas Gutes, oder nicht? Ein Instrument zu spielen ebenfalls. Eine schwierige ingenieur-technische Leistung zu vollbringen auch. Ein schönes Haus zu bauen ebenfalls. Undsoweiter! Was sollte daran schlecht oder unnütz sein?
@RomiaSophiaEin Ergebnis von Bildung kann es sein, ihre Verzichtbarkeit zu erkennen. Theoretisch kannst du dir diesen Weg also sparen .
Wie ist der Satz zu verstehen? Im Sinne des "Ich weiss, dass ich nichts weiss." würde ich es so verstehen, dass Bildung auf jeden Fall den Horizont erweitert, auch wenn man dann erkennt, dass der Horizont in Wirklichkeit riesig ist!
Braucht man Bildung?
Eine interessante Frage. Ich würde sagen, es schadet nicht und tut nicht weh!
Geändert von Elwyn (19.05.2011 um 08:50 Uhr)
Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell


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