Ich unterscheide immer die Antwort auf eine konkrete Fragestellung und parallel dazu die eigenständige Diskussion, die sich aus dem Thema ergibt. Hier wurde ja schon angemerkt, dass es schwierig ist, ohne weitergehende Informationen detailliert auf die Ausgangsfrage zu antworten. Aber ich finde die Frage auch ganz allgemein interessant. Warum soll man sich nicht darüber austauschen?
Gruß,
Malina
Antworten
Ergebnis 21 bis 30 von 91
Thema: ich bin ungebildet
-
13.05.2011, 10:26
AW: ich bin ungebildet
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
-
13.05.2011, 10:33
AW: ich bin ungebildet
Sicher, daher würde mich ebenfalls interessieren, was die TE eigentlich meint mit ihrer Frage, wieviel "Training" man für Bildung braucht!
Für "Bildung" im klassischen Sinne braucht man natürlich neben einem grundlegenden Interesse daran einen gewissen Aufwand in Form von Lesen, Lernen, Ausbildung usw. Dat kommt leider nicht vom Himmel!
Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
-
13.05.2011, 11:24
AW: ich bin ungebildet
Ja, kannst du nachholen. Lernen ist ein Leben lang. Und es ist tatsächlich schwierig, *nicht* zu lernen. Der Trick, wenn du gebildet werden willst, ist, das zu lernen, was du deiner Ansicht nach brauchst, um ein gebildeter Mensch zu sein.
Für mache ist das Kultur, für manche Geschichte, für manche Wissen über die Welt, oder über aktuelle Angelegenheiten. Für mich würden zum Beispiel Naturwissenschaften, Literatur und sprachliche Ausddrucksfähigkeit eine große Rolle spielen. Du solltest dir auf jeden Fall erst einmal überlegen: Was verstehst du unter Bildung, und wozu willst/brauchst du sie. Dann kannst du entscheiden, wo du anfängst.
Wenn du nicht einmal weißt, was du nicht weißt/wissen solltest (das ist keine Schande -- tatsächlich ist das normal, wenn man sich auf unbekanntes Territorium begibt) würde ich vielleicht mal in ein VHS-Programm gucken, ob's da so was wie Studium Generale gibt, oder etwas zu einem Themenbereich, der sich für dich nach Bildung anfühlt und was dein Interesse wecken könnte. Vielleicht hilft es auch, sich durch diesen war-mal-ein-Beststeller "Bildung -- alles was man wissen muß" zu lesen und dann zu entscheiden, ob das die Dinge sind, die man findet, das man sie wissen muß, und dann da weitermachen. Am Ende wird man eine gewisse Vertrautheit mit einer Menge unterschiedlicher Themen haben müssen, um so etwas wie Bildung zu haben, aber an welcher Ecke man anfängt spielt nicht so die große Rolle.
Eine gute Basis an Wissen aufzubauen und damit so vertraut zu werden, daß es wie "Bildung" rüberkommt und nicht nicht wie ein Haufen unsortierter Daten, dauert meiner Einschätzung nach fünf Jahre. Aber nicht in Vollzeit. Jeden Tag eine Stunde oder so mit Lesen zu verbringen, und es der Zeit überlassen, das Wissen im Kopf zu Bildung zu fermentieren. Es ist einfacher und effizienter, vom Großen zum Kleinen zu kommen (Also z.B. mit "Eine kurze Gescichte von fast allem" anzufangen) als vom Kleinen ("Bachs Passionen, ein musikalischer Werkführer") zum Großen, aber möglich ist beides. Das Problem bei Vorträgen und auch bei Fernsehsendungen ist, daß sie zum "Kleinen" tendieren.
Meine Mutter schwor für Bildung darauf, realistische (im Unteschied zu fantastischen) Romane zu lesen, die ein Leben beschreiben, das ganz anders ist als das eigene. Braucht nicht hohe Literatur zu sein, nur andere Orte, andere Zeiten, andere Menschen. So kann man auch ganz gut anfangen. Wenn man dann noch ein bißchen Hintergrundlektüre betreibt, und wenn es nur Wikipedia ist, kommt man schon sehr weit. Ich habe als Kind mit Begeisterung Almanache gelesen: Auch aus einem Stapel Datenmaterial wird mit der Zeit Bildung.
-
13.05.2011, 12:45Inaktiver User
AW: ich bin ungebildet
Das mit dem "Training" ist so eine Sache...man muss sein Leben lang trainieren, um fit zu bleiben.
Gilt für Körper und für Geist. Wer Spaß am Training hat, ist klar im Vorteil.
Ich "trainiere", weil es mir (meistens) Freude macht und mich im Kopp und auch sonst jung hält.
Weiß ich was nicht, kann ich was nicht, gebe ich das zu. Nobody is perfect...
Allerdings kann man sich - geistig - auch eine Tarnweste anziehen.( Tun viele - hemmungslos...manche werden dann Politiker :-/)
Dazu muss man ein paar Bücher lesen (zumindest die Kapitelüberschriften) - einen guten Rhetorikkurs
besuchen, ein paar kompliziert klingende Fremdworte kennen und sich ein stilsicheres Auftreten antrainieren.
Und schon kann man prima blenden ;-)) Richtige Bildung sieht allerdings anders aus...
Man kann aber auch so tun, als ob man gebildet wäre...und sich echte Bildung nach und nach aneignen...wäre die positive Tarn-Variante :-))
-
13.05.2011, 13:00
AW: ich bin ungebildet
Das seh ich auch so: Für mich ist "Bildung", sprich etwas über meine Interessen lesen, neues lernen, darüber diskutieren usw. kein "Training", sondern Spass! Ausserdem gibts fast kein (Allerwelts)-Thema, was mich nicht interessiert. Mit Blendern oder Fachidioten hab ich nichts am Hut, aber genausowenig mit Leuten, die auf sog. elitäre "klassische Bildung" neidisch sind und denen es zu anstrengend oder zu langweilig ist, etwas zu lernen.
"Klassische Bildung" fällt nicht vom Himmel, aber es gibt lebenslang Möglichkeiten, daran teilzuhaben und sich fortzubilden. Das Einfachste ist Lesen/Informieren, dafür braucht man nicht einmal soviel Geld oder einen Computer, eine gute Stadtbücherei tuts auch schon.
Gelegentlich fehlt mir ein wenig die Disziplin oder Motivation, etwas wirklich in der Tiefe zu lernen, wenn es anfängt, anstrengend zu werden. Sprich: eine wirklich schwierige Sprache oder sonstige Fertigkeit, etwas, was wirklich Übung und "Dranbleiben" erfordert. In Ausbildung oder Schule/Studium ist die Motivation, aber auch, hoffentlich gesunder, "Druck" höher und hebelt den "inneren Schweinehund" aus.
Man sollte nicht ganz unterschlagen, dass es viel Eigeninitiative, auch Disziplin braucht, wenn man sich wirklich etwas Schweres aus eigener Kraft aneignen möchte.
Bildung im Sinne von Herzensbildung/Lebenserfahrung ist eine andere Ebene. Das entsprechende "Training" sieht auch ganz anders aus.
"Klassische Bildung" sagt auch nichts über den Charakter der Person aus!
Ich glaube nicht, dass das hier von der TE gemeint ist! Aber das wissen wir ja immer noch nicht...
Geändert von Elwyn (13.05.2011 um 13:19 Uhr)
Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
-
13.05.2011, 13:25
AW: ich bin ungebildet
Auf gesellschaftlicher Ebene (hier in Deutschland) scheint es ein sehr gespaltenes Verhältnis gegenüber "Klassischer Bildung" zu geben. Einerseits korrumpieren Leute wie Gutenberg den Stellenwert der Bildung, andererseits gibt es breite "bildungsferne" Schichten, die diese Bildung als elitär und unbrauchbar fürs Leben verurteilen.
Ich weiss nicht, was dahinter steckt. Einerseits ein zu grosser Respekt vor "Bildung auf dem Papier" und sog. Autoritäten (wie den sog. "Wirtschaftsweisen" beispielsweise) einschliesslich elitärem Gehabe, andererseits eine Ablehnung dessen, was Bildung wirklich bedeutet: Erweiterung des Weltbildes, Erwerb gesellschaftlich und sozial fruchtbarer Fähigkeiten und Fertigkeiten, bessere Chancen...
Hier in Deutschland wird der Wert der Bildung sehr verkrampft gesehen!
Geändert von Elwyn (13.05.2011 um 13:33 Uhr)
Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
-
13.05.2011, 13:44Inaktiver User
AW: ich bin ungebildet
Am besten so: Immer wenn du (in einem Film, in einer Zeitung, in einem Buch, in einem Gespräch) auf ein Wort, eine berühmte Person, einen Städtenamen oder ein historisches Ereignis triffst, das dir nichts sagt, schlag es sofort nach.
Die gebildetsten Menschen, die ich kenne, machen das so.
Dabei stößt man manchmal auf Themen, die einen interessieren. Dann kann man weiterlesen. Oder man stößt auf unnötiges Wissen. Das ist immer nett. Oder man hat einfach mal wieder eine kleine Wissenslücke geschlossen.
Grüße, Cariad
-
14.05.2011, 10:33
AW: ich bin ungebildet
Der bürgerliche Bildungskanon hat in der Gesellschaft nicht mehr den Stellenwert wie früher. Worum dreht sich der Smalltalk? Um Sport, die Benzinpreise, unverbindliche Tagespolitik und das Wetter. Unangenehm fällt nur auf, wer auf wissend macht und dann daneben liegt. Unangenehm ist allerdings auch, wenn jemand gebildet ist und dies zu sehr hervorkehrt.
Auf einen Satz wie „dieses Jahr mache ich einen Tauchurlaub in Réunion“ gibt es hundert unverfängliche Antworten, auch wenn einem im Moment nicht ganz präsent ist, was dieses Réunion sein mag. „Ein Karibikurlaub wäre auch immer mein Traum“ tut allerdings weh.
Auf der anderen Seite kann „machen Sie auf jeden Fall auch einen Abstecher zum Piton de la Fournaise!“ in die Hose gehen, denn der der Gesprächspartner hat nicht signalisiert, dass er sich für die Geologie des Landes interessiert, und „sagt man nicht Tauchurlaub auf Réunion? - es handelt sich doch um eine Insel“ ist das Ende der Unterhaltung.
-
14.05.2011, 11:52Inaktiver User
AW: ich bin ungebildet
Klingt mir viel zu sehr nach Wettstreit. Wenn mein Gegenüber was Falsches von sich gibt, muss ich ihn nicht zwangsweise korrigieren. Besonders, wenn das Gespräch dann beendet ist. Wozu? Um ihn bloßzustellen? Um Recht zu haben? Ich möchte kommunizieren und mich austauschen, nicht "ich bin man viel schlauer, und du bist doof" spielen.
Auf jedes dieser Beispiele lässt sich mit einer interessierten und freundlichen-charmanten Nachfrage eingehen.
"Réunion? Helfen Sie mir mal schnell, wo war das gleich? Ach, da kann man gut tauchen? Erzählen Sie mal. Und wieso den Abstecher? Was fanden Sie daran so toll?"
Und um den "Fehler" ganz nonchalant zu ignorieren? "Ach, klar, Réunion! Ich Huhn! Welche Seite der Insel eignet sich denn am besten zum Tauchen? Ich war noch nie dort, aber wenn Sie´s mir ganz schön beschreiben, überlege ich es mir vielleicht ..."
Ergebnis: der andere und ich hatten eine nette Unterhaltung - und noch was gelernt.
Nicht Unwissenheit ist peinlich - sondern nicht mehr wissen zu wollen.
Geändert von Inaktiver User (14.05.2011 um 11:57 Uhr)
-
14.05.2011, 12:11Inaktiver User
AW: ich bin ungebildet
Äh ... genau darauf wollte doch wohl Melin hinaus: Dass das Angeben mit Wissen peinlich ist und eher kontraproduktiv.



Zitieren
