hallo liebe leute
ich hatte gestern in meiner therapie-sitzung ein spannendes thema. es ging um, richtig, grenzen setzen
beispiel beziehungen: ich verliere meine grenzen in beziehungen, bzw. weiß gar nicht, wo meine grenzen sind. ich merke zwar, dass mir etwas nicht gut tut, nicht gefällt, aber ich sage zu spät: will ich (so) nicht. denke erst mal immer (zumindest bisher...), der fehler läge bei mir.
beispiel freundschaften: ich tue mich schwer, emotionale bitten meiner freunde abzuschlagen. da ich gut zuhören kann und wahrscheinlich auch mal gute tipps gebe, wird oft von mir erwartet, IMMER zuzuhören. oder sich bei mir auszuheulen. überwinde ich mich mal, und sage "nein, jetzt nicht" (kommt äußerst selten vor), plagt mich ein schlechtes gewissen.
ich kann leute, die mir was bedeuten, schlecht frusten. sei es familie, freunde, partner, kollegen. auch wenn mich ihr verhalten bspw. sehr nervt.
in beziehungen wurde ich dann (in mir) wütend/aggressiv ggü. meinen partnern, weil ich wahrscheinlich meine eigenen grenzen nicht achtete.
hinter dem nicht-grenzen-ziehen steht mit ziemlicher sicherheit die angst vor zurückweisung, einsamkeit (schlage ich eine bitte ab, mag mich die betreffende person nicht mehr...).
so. ich bin ja gerade dabei, mich selbst ganz gut kennen zu lernen, was ich so mag, was nicht, was gar nicht... und nächster schritt wäre dann: grenzen setzen und das ergebnis dessen einfach mal aushalten.
wie sieht das bei euch aus, wie habt ihr gelernt grenzen zu setzen oder konntet ihr das schon immer und wenn ja, wie macht ihr das??
bin gespannt und wünsche schon mal eine gute nacht
fly
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Thema: Grenzen setzen
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11.05.2011, 23:00
Grenzen setzen
„Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören.
Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“
(Peter Kuznic, kroatischer Theologe)
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11.05.2011, 23:40Inaktiver User
AW: Grenzen setzen
Nur soviel dazu:
Das schwierigst an Grenzen setzen ist meiner Meinung nach nicht das Grenzen setzen nach aussen gegenüber anderen sondern
das Grenzen setzen gegenüber sich selbst.
Erst wenn man sich selbst ernst nimmt, sich beachtet, sich Aufmerksamkeit schenkt und dem inneren Kritiker Einhalt gebietet, der einen die Grenzen überschreiten lässt so wird das auch im Aussen sichtbar und spürbar.
Meist muss man dann erst gar nichts mehr sagen oder es reicht eine Andeutung weil man bereits spürt, dass innerlich eine Entscheidung bzw. Grenze bereits gezogen wurde und derjenige nicht wankt.
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12.05.2011, 00:17
AW: Grenzen setzen
Hi Happy_Fly,
ich beschäftige mich in meiner Therapie auch seit einiger Zeit mit "Grenzen". Bei mir ist bzw. war es ähnlich wie bei Dir, wobei ich heute schon ein gutes Stück weit gekommen bin und es tatsächlich schaffe, häufig NEIN zu sagen und dabei billigend in Kauf zu nehmen, dass man mich dann vielleicht "nicht mehr lieb" hat. Es macht mir aber in vielen Beziehungen dann auch nichts mehr aus. Sollte man sich bei einem wohl überlegten und sich gut anfühlenden NEIN von mir beleidigt zurückziehen, dann ist das eben so. Ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle habe ich dann nicht.
Ich habe am Anfang mit meiner Therapeutin besprochen, dass ich mich aus vielen Situationen, in denen mein Bauch NEIN sagte und mein Verstand meinte, "das kannst Du nicht machen", ein Stück weit rausgezogen habe. Ich habe mir Zeit ausbedungen, mich zu entscheiden oder etwas zu zusagen und habe dadurch Zeit für mich "herausgeschunden", um Verstand und Bauch zu überprüfen und somit auch meine Grenzen bewußt wahrzunehmen und jeweils im Einzelfall zu entscheiden, ob ich meine Grenze durch ein NEIN verteidige oder ob ich den anderen "gewollt" meine Grenze überschreiten lasse. Die so getroffenen Entscheidungen sind nicht von "Anerkennung und hab mich bitte lieb" beeinflußt, sondern wurden bewußt getroffen und fühlten sich gut und richtig an.
Wie bereits oben gesagt, bei ganz vielen Menschen/Beziehungen (sowohl im privaten Bereich als auch im Job) funktioniert das ganz prima. Ich habe aber auch einige Beziehungen, wo ich immer wieder in das alte Verhaltensmuster zurückfalle. Es ärgert mich und ich will es nicht, aber, ich weiß nicht warum, bei manchen Menschen klappt es einfach nicht. Dies gilt im Übrigen auch für Menschen im privaten als auch beruflichen Umfeld. Warum dies bei diesen bestimmten Menschen nicht klappt, das versuchen wir in meinen Sitzungen zu ergründen.
Wie gesagt, ich merke, dass mein Bauch sich total sträubt und ein NEIN signalisiert, ich es aber bei diesen Personen nicht schaffe, dieses NEIN auszusprechen. Ich eiere dann herum, geh aus den Situationen raus, lasse eine Grenzüberschreitung quasi nicht direkt zu, für mich hat es aber was von Flucht und fühlt sich irgendwie nicht gut an. Aber wahrscheinlich bin ich insgesamt auch noch nicht so weit und muss mich hier noch in Geduld üben.
Berichte mal, liebe Happy_Fly, wie es Dir auf Deinem Weg der "Grenzverteidigung" denn weiter so ergeht.
Liebe Grüße
LalunaGeändert von laluna (12.05.2011 um 00:20 Uhr)
Ich bin bei 30 Grad waschbar .... aber bestimmt nicht pflegeleicht!
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12.05.2011, 03:05
AW: Grenzen setzen
Du kannst das auch mit Rollenspielen im Kopf üben. Stelle Dir eine Situation vor, in der Du nicht Nein sagen konntest, obwohl Du Nein sagen wolltest. Diesmal sagst Du in Gedanken Nein und schaust Dir mal an, wohin Dich Deine Gedanken bringen.
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12.05.2011, 08:40Inaktiver User
AW: Grenzen setzen
Ja, das ist auch meine Erfahrung. Nach außen hin "Nein" zu sagen habe ich, nachdem ich als Kind/Jugendliche ganz große Probleme damit hatte, schließlich gelernt. Dabei kann ich wenn es ein muss auch sehr bestimmt, manchmal leider auch aufbrausend, auftreten.
Aber ganz schwierig, vor allem in der Beziehung zu meinem Mann, war, meine Grenzen auch mir selbst gegenüber zu akzeptieren. Oft kam (kommt manchmal immer noch) nach dem äußeren Abgrenzen das schlechte Gewissen und das Herunterspielen meiner Gefühle, gefolgt von einem versöhnlichen Einlenken, um die Wogen zu glätten.
Das hat zu einigen massiven Krisen geführt, weil sich meine Grenzen dann doch immer wieder ihren Weg gebahnt haben, und das, wohl ähnlich wie du es beschreibst, zu Wut und Aggression geführt hat.
Geholfen hat mir, schwierige Situationen immer wieder in der Therapie durchzusprechen. Habe mich dabei oft gefühlt wie eine kaputte Schallplatte, weil ich das gleiche in ungefährt hundert Variationen durchgekaut habe. Und zwischendrin habe ich mich immer gefragt, was das eigentlich bringt.
Aber es kam dann schleichend die Besserung.
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12.05.2011, 20:08
AW: Grenzen setzen
danke für eure antworten!


das ist ne gute sichtweise! das fette übe ich ja nun seit geraumer zeit und mache auch fortschritte. ich nehme mich selbst mehr wahr als früher... aaaber, nu kommt langsam nach der theorie und der praxis mit mir selbst (
) die umsetzung im außen. und als wir in der thera so davon sprachen, merkte ich, wie sich ne richtige wand auftat und eine art schock-starre. grenzen gesetzt hab ich oft spät, dann, als es eigentlich schon zu spät war. und, was dazu kommt, oft wird mir bspw erst im nachhinein bewusst - hoppla, da hättest du dich aber auch anders, klarer, verhalten können. in dem moment wo ne grenzüberschreitung passiert, tu ich das ab. "ist ja nicht so schlimm".

hey laluna, freut mich, dass du schon weit gekommen bist! genau, das "nicht mehr lieb haben" - das muss ich üben in kauf zu nehmen. wie blöd eigentlich
ich mag's doch am liebsten harmonisch und unkompliziert. aber so ist das leben ja nicht 
okay, das mit dem rausziehen aus der situation und entscheidung auf später vertagen, merk ich mir schon mal. bin auch derzeit dabei, meinen kopf und meinen bauch "anzunähern" - generell so zu leben, dass beides im einklang ist. ich quasi in mir selbst harmonisch bin - und das auch bleibe, egal was für ein sturm um mich herum tobt - z. b.Ich habe am Anfang mit meiner Therapeutin besprochen, dass ich mich aus vielen Situationen, in denen mein Bauch NEIN sagte und mein Verstand meinte, "das kannst Du nicht machen", ein Stück weit rausgezogen habe. Ich habe mir Zeit ausbedungen, mich zu entscheiden oder etwas zu zusagen und habe dadurch Zeit für mich "herausgeschunden", um Verstand und Bauch zu überprüfen und somit auch meine Grenzen bewußt wahrzunehmen und jeweils im Einzelfall zu entscheiden, ob ich meine Grenze durch ein NEIN verteidige oder ob ich den anderen "gewollt" meine Grenze überschreiten lasse. Die so getroffenen Entscheidungen sind nicht von "Anerkennung und hab mich bitte lieb" beeinflußt, sondern wurden bewußt getroffen und fühlten sich gut und richtig an.
okaaayyy, na das werd ich noch herausfinden, ob ich auch menschen habe, bei denen das dann gut geht, und welche, bei denen nicht. was sind das denn für menschen, bei denen das nicht klappt bei dir??? und ist sicher auch ne übungssache. man scheitert oft solang, bis man irgendwann den dreh raus hat?Wie bereits oben gesagt, bei ganz vielen Menschen/Beziehungen (sowohl im privaten Bereich als auch im Job) funktioniert das ganz prima. Ich habe aber auch einige Beziehungen, wo ich immer wieder in das alte Verhaltensmuster zurückfalle. Es ärgert mich und ich will es nicht, aber, ich weiß nicht warum, bei manchen Menschen klappt es einfach nicht. Dies gilt im Übrigen auch für Menschen im privaten als auch beruflichen Umfeld. Warum dies bei diesen bestimmten Menschen nicht klappt, das versuchen wir in meinen Sitzungen zu ergründen.
werde ich tunBerichte mal, liebe Happy_Fly, wie es Dir auf Deinem Weg der "Grenzverteidigung" denn weiter so ergeht.
danke, werd ich versuchen! bzw. mach ich das ja oft im nachhinein... allerdings mit oft anklagendem "hättest du nur... bla..." werd mir mal ne gute beispielsituation raussuchen und das üben.
stimmt, eigene grenzen zu erkennen UND auch zu akzeptieren, ist wohl ne kunst für sich. kann das gut nachvollziehen mit dem schlechten gewissen dann deinem mann ggü.
"herunter spielen der eigenen gefühle", danke für diesen ansatz. genau das mache ich leider echt oft. naja, wirklich eine übungssache!
jep. das erinnert mich ein wenig an das innere-kind-thema. es sucht sich auch immer wieder seinen weg, lässt sich nicht wegmanipulieren, wegrationalisieren, weg-schweigen. ne zeitlang vllt, aber nicht auf dauer.Das hat zu einigen massiven Krisen geführt, weil sich meine Grenzen dann doch immer wieder ihren Weg gebahnt haben, und das, wohl ähnlich wie du es beschreibst, zu Wut und Aggression geführt hat.
hier musste ich echt grinsenGeholfen hat mir, schwierige Situationen immer wieder in der Therapie durchzusprechen. Habe mich dabei oft gefühlt wie eine kaputte Schallplatte, weil ich das gleiche in ungefährt hundert Variationen durchgekaut habe. Und zwischendrin habe ich mich immer gefragt, was das eigentlich bringt.
Aber es kam dann schleichend die Besserung.
kaputte schallplatte - schönes bild!!! 

aber wahrscheinlich geht es nur so. hundertmal in abwandlungen üben, veränderung kommt langsam, aber stetig...
bin gespannt auf meine praxiseinheiten im grenzen-ziehen-lernen
fly„Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören.
Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“
(Peter Kuznic, kroatischer Theologe)
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12.05.2011, 20:14Inaktiver User
AW: Grenzen setzen
Hm das was Du da erlebst ist doch völlig normal im Prozess.
Ich kann nur vermuten, dass Deine Grenzen als Kind nie beachtet wurden, oder?
Und wenn dem so ist dann hat sich das ganz tief eingebraben, bis auf die Knochen.
Dann ist doch klar, dass Deine Schilde hochfahren, das war und ist Dein Selbstschutzmechanismus um der Bedrohung auszuweichen.
Nur weil man Erwachsen ist bedeutet, das nicht, dass man das so einfach mit dem Verstand wegwischen könnte, das dauert ein bischen bis Du in diesen Situationen souveräner wirst und das Schutzschild nicht mehr sooo nötig hast weil Du abgrenzen kannst ob das überhaupt ne Überschreitung ist und ob Du sie zulässt.
Also nicht selber schimpfen sondern Dir sagen, dass Du diesen Schutz noch ne Zeitlang benötigst bist Du so ein Fundament aufgebaut hast, dass Du Dich selbst aktiv schützen kannst.
Bleib dran
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12.05.2011, 20:25
AW: Grenzen setzen
jepp. alles in der thera durchgekaut und gut weiter gekommen damit. bin ich echt froh drüber das dann doch noch mal hochgeholt zu haben...
Dann ist doch klar, dass Deine Schilde hochfahren, das war und ist Dein Selbstschutzmechanismus um der Bedrohung auszuweichen.
richtig. mein verstand wusste oft, was "richtig" gewesen wäre... aber das dumme gefühlNur weil man Erwachsen ist bedeutet, das nicht, dass man das so einfach mit dem Verstand wegwischen könnte, das dauert ein bischen bis Du in diesen Situationen souveräner wirst und das Schutzschild nicht mehr sooo nötig hast weil Du abgrenzen kannst ob das überhaupt ne Überschreitung ist und ob Du sie zulässt.
das mit dem nicht-schimpfen übe ich derzeit explizit. klappt auch gut bis sehr gut (überraschung!! ich bin gar nicht so blöd wie mein innerer kritiker oft behauptete. selbst wenn ich mal nix leiste, nicht nett bin, einfach nur rumschlawenze - ich darf das und es tut mir auch gut! und meine welt geht davon nicht unter...).Also nicht selber schimpfen sondern Dir sagen, dass Du diesen Schutz noch ne Zeitlang benötigst bist Du so ein Fundament aufgebaut hast, dass Du Dich selbst aktiv schützen kannst.
mach ich. mit geduld und spuckeBleib dran
„Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören.
Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“
(Peter Kuznic, kroatischer Theologe)


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