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    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich bin über die Jahre immer skeptischer geworden was Vorbilder anbelangt. Allzuleicht gibt man sehr viel auf wenn man sich an Vorbilder hängt anstatt zu sehen wo man selbst gerade ist. Vorbilder sagen im Endeffekt ja nichts anderes aus, dass man so wie man ist nicht mit sich zufrieden ist - warum?
    Jede Persönlichkeit hat seine ganz eigene Wirklichkeit, die sich nicht mit anderen Wirklichkeiten vergleichen lässt.
    Das sehe ich ganz genauso. Erstens aus diesen Gründen, die du beschreibst, zweitens weil ich mir selbst nicht immer traue: Denn viele (reale, also nicht abstrakte) Menschen, die ich als Vorbilder gesehen habe, die mich durch irgendetwas "beeindruckt" haben, haben mich enttäuscht - ich habe sie überbewertet, was natürlich seine Ursachen in mir hat!

    Und: Wo viel Licht, da auch viel Schatten!





    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und ich durfte auch bei mir erfahren, dass da wo viel Schatten ist auch irgendwo ganz viel Licht sein muss und dass ich dadurch Fähigkeiten ausgebildet habe, die es mir ermöglichen andere Menschen durch ihre persönliche Hölle zu begleiten.
    Das gibt dem Spruch eine sehr positive Wendung! Nicht schlecht und wieder mal...eine nette Erkenntnis von dir!
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

  2. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    [...} , ich stamme selbst aus diesem Dorf. Meine Familie ist dort seit Generationen stark verwurzelt und ich spreche perfekt "Einheimisch"
    mh, da is eigentlich ungewöhnlich, sehr ungewöhnlicht normalerweise sind grad Frauen sehr stark in die geborene Gemeinschaft eingebunden.

    allerdings, eine "Zerrissenheit" seh ich da auch nicht

    unterschiedliche "Horizonte" würde ich sagen.. da prallen Welten aufeinander. Deren Welt ist eine Teilmenge von Deiner.
    vielleicht bist im Moment gefrustet, wegen der Einladung. Kann aber morgen schon wieder anders aussehen.

    selbst hab ich auch nirgendwo eine richtige "Wohnung", z.T. nur Zimmer, Unterkünfte, WGs. In WGs kommste in der Beziehung immer am besten klar, wenn dort sämtliche anderen Bewohner auch nicht aus der Gegend sind, am besten auch alle heimatlos und entwurzelt, so "lose Gestalten" eben. Mit denen kannste dich natürlich am besten austauschen.
    das Gegenteil dazu ist eine 2ZKB im 80er-Jahre Block oder womöglich ne Bude dörflicher Gegend wo dir jeder erstmal die örtlichen Gepflogeheiten runterbetet. Wenn man denen erzählt was man beruflich macht ist das für die die reinste Horrorstory. Für die ist dein ganzes Leben ein einziger Horror, auch wenn du bester Gesundheit bist und ohne größere Sorgen. Man belaste diese Leute damit nicht, man ist einfach da und fertig, und wo man mal früher war und wo man noch hin will oder soll oder muss interessiert nicht.

    ich war ein halbes Jahr in einer Kleinstadt in Niederbayern ansässig, da hatte ich das Problem dass ich mir keinen Menschen und keinen Namen merken konnte. Die sahen da alle irgendwie gleich aus. Ein Kollege klärte mich dann auf: es sei ja praktisch jeder mit jedem verwandt; selbst Ehen aus verschiedenen Nachbardörfern würden nicht gern gesehen. Inzucht, eben; anscheint gäbe es aus diesem Grund auf Dörfern ja auch mehr Deppen als in Großstädten (dort dann allerdings mehr Psychopathen). Ich fand das allerdings etwas weit hergeholt.


    nimm das Gegebene an, mehr kannst du nicht von den Leuten erwarten. Sei froh dass du deren Dialekt sprichst.
    Geändert von Inaktiver User (11.05.2011 um 13:26 Uhr)

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    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ich war ein halbes Jahr in einer Kleinstadt in Niederbayern ansässig, da hatte ich das Problem dass ich mir keinen Menschen und keinen Namen merken konnte. Die sahen da alle irgendwie gleich aus. Ein Kollege klärte mich dann auf: es sei ja praktisch jeder mit jedem verwandt; selbst Ehen aus verschiedenen Nachbardörfern würden nicht gern gesehen. Inzucht, eben; anscheint gäbe es aus diesem Grund auf Dörfern ja auch mehr Deppen als in Großstädten (dort dann allerdings mehr Psychopathen). Ich fand das allerdings etwas weit hergeholt. Sei froh dass du deren Dialekt sprichst.
    *lach*

    Tut mir leid, ich habe mir gerade meinen Nachmittagskaffee über die Tastatur gekippt vor Lachen. Herr Wiesenblume, bist Du's etwa?

    Solche Sprüche bekommen ich von meiner besseren Hälfte auch immer zu hören: reiiinste Inzucht bei Euch hier auf dem Dorf! Da ist ja jeder mit jedem... sowas kann ja über kurz oder lang nicht mehr gut gehen.

    Du hast mir den Tag gerettet. Lieben lieben Dank!!!


  4. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    ich denke wie Malina - es ist durchaus möglich zwischen bzw. in beiden Welten zu leben.

    mein Mann ist in ähnlicher Situation wie Du - er ist 10 km weit mit mir in die Stadt gezogen und ist damit der Ausgewanderte. Wir haben hier in der Stadt unsere Freunde und unsere "Vereine und Ehrenämter", aber wenn er regelmäßig bei der Familie auf dem (großen) Dorfe ist, dann interessiert ihn aufrichtig wenn er hört, dass Sepp schwer krank ist, dass Müllers ihr Haus an Meiers verkauft haben, dass der vorletzte Bäcker schließt, wer neuer Sportvereinsvorsitzender ist ...

    und umgekehrt bin ich mit meiner Bildungsbürgertum-Familie als Jugendliche 10km aus der Stadt aufs Dorf gezogen - und insbesondere meine Eltern sind dort sehr intergriert - aber nicht mittemang. Dazu gehört aber auch, dass meine Mutter die Nachbarin mit dem Auto mit zum Einkaufen nimmt und dann ehrlich Anteil an deren Sorgen nimmt.


    @Wiesenblume, bei Dir ist die besondere Situation, dass Du meinst, dass die Leute sich hinter Deinem Rücken über Deine Scheidung den Mund zerrissen haben. Ist das wirklich so, dass sich dort niemand sonst scheiden lässt - bzw. dass das dann alles Außenseiter werden?
    oder ist es vielleicht auch so, dass Du selbst noch damit haderst, dass Deine Ehe nicht geklappt hat (was nicht bedeuten soll, dass Du die Scheidung bereust).
    Geändert von Inaktiver User (11.05.2011 um 13:39 Uhr)

  5. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    Liebe Uli,

    vielen vielen Dank für Deine Antwort. Es klingt so sehr danach, als ob wir da in etwa das Selbe erlebt hätten - nur, dass Du schon einen Schritt weiter bist, nicht wahr?
    Ja, ich denke, das ist so.

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    Sag, bist Du dann "richtig weit weg" von Deinem Heimatdorf gezogen?
    Das ist etwas komplizierter. Zusammengefasst lebe ich nach wie vor in der Region. Ich habe das Glück, daß ich genau zwischen dieser dörflichen Struktur und der Großstadt lebe. Dadurch ist es für mich kein Problem, meine Freizeit und sozialen Bezüge in der Großstadt zu leben, ohne das Umland völlig hinter mir lassen zu müssen. Und es hat auch etwas mit Nähe zum Arbeitsplatz und eben zur Familie zu tun. So ist es mir auch möglich, mich ab und zu mit den Menschen zu treffen, die ich ja nach wie vor sehr mag und mit denen mich Jahrzehnte verbinden. Aber mein Alltag und mein neu gewähltes Umfeld sieht jetzt ganz anders aus.

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    Ich frage mich bezogen auf meine Situation tatsächlich, ob man sich nicht vielleicht besser komplett aus der Anziehungskraft des Planeten namens Heimatdorf befreien muss, um wirklich neu anzufangen. Ich habe den EIndruck, ich bin so nah dran, als dass ich weg sein könnte. Verstehst Du?
    Das kann sehr gut sein. Wie gesagt, ich empfinde es als Glück, die "alten" Freunde, die mir am Herzen liegen ab und zu auch wieder zu sehen, aber jetzt die Art zu leben, die mir entspricht.

    P.S. Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich ganz in die Stadt ziehen.
    Geändert von Inaktiver User (11.05.2011 um 13:34 Uhr)

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    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    bei Dir ist die besondere Situation, dass Du meinst, dass die Leute sich hinter Deinem Rücken über Deine Scheidung den Mund zerrissen haben. Ist das wirklich so, dass sich dort niemand sonst scheiden lässt - bzw. dass das dann alles Außenseiter werden?
    oder ist es vielleicht auch so, dass Du selbst noch damit haderst, dass Deine Ehe nicht geklappt hat (was nicht bedeuten soll, dass Du die Scheidung bereust).
    Hallo Leonie,

    als ich mich damals habe scheiden lassen, haben sich bis dahin nur "die anderen" scheiden lassen. Ohne ins Detail zu gehen: meine Familie ist im Dorf sehr prominent und die Familie, in die ich eingeheiratet habe, ist es ebenfalls. Scheidung gabs da schlicht nicht - hatte es nicht zu geben.

    Mittlerweile kommt die Statistik nun auch in diesem Dorf an und mehr und mehr Paare "in meinem Alter" lassen sich scheiden.

    Kurios ist dann aber die Antwort auf die Frage "warum?" Die Antwort scheint unheimlich einleuchtend: weil ich den jungen Leuten im Dorf mit meiner Rebellion ein schlechtes Vorbild gewesen bin (musste ich mir von einem Vater einer Frau anhören, die nach 15 Jahren Ehe nun auch die Scheidung eingereicht hat).



    Ob ich hadere.. hm, kann ich nicht sagen. Ich denke nicht. Das Leben, welches ich heute führen würde, wäre ein anderes, ein vorgezeichneteres: ich hätte 3 Kinder, wäre zuhause und würde meine Schwiegermutter pflegen - wie es sich gehört...

    Es ist nicht vergleichbar - was soll ich sagen.

  7. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    ...Kurios ist dann aber die Antwort auf die Frage "warum?" Die Antwort scheint unheimlich einleuchtend: weil ich den jungen Leuten im Dorf mit meiner Rebellion ein schlechtes Vorbild gewesen bin (musste ich mir von einem Vater einer Frau anhören, die nach 15 Jahren Ehe nun auch die Scheidung eingereicht hat). ...
    Siehste, Du bist auch schon Vorbild

    Die Scheidung hat also nichts mit seiner Tochter und ihrem Mann zu tun, sondern du warst ansteckend. Und noch dazu mit etwas "Schlechtem". Du hast gekippt, daß das Wohlfühlen in einer Ehe wichtiger ist, als die einmal aufgestellte Ordnung um jeden Preis (den hier die Frau gezahlt hätte) zu erhalten. Sowas aber auch.


    Übrigens werden Menschen, die nicht konform leben, gerne als Grund für alle Schwierigkeiten angesehen. Denn da kann man alle Konflikte problemlos hinschieben, ohne die gruppenerhaltende Harmonie im Innern zu gefährden. Eine der nervigen Eigenschaften einer engen Heimat.

    Schwarze Schafe sind was verdammt praktisches. Es sei denn, man ist es ...
    Geändert von Inaktiver User (11.05.2011 um 13:54 Uhr)

  8. User Info Menu

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Übrigens werden Menschen, die nicht konform leben, gerne als Grund für alle Schwierigkeiten angesehen. Eine der nervigen Eigenschaften einer engen Heimat.
    Brrrr... klingt jetzt sehr nach Scheiterhaufen irgendwie

  9. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Nö. Ist Gruppendynamik. Soziologie. Mehr nicht.

    Denn es gilt auch: Ein schwarzes Schaf sollst Du nicht schlachten ...

  10. User Info Menu

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ein schwarzes Schaf sollst Du nicht schlachten ...
    Juchu!

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