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  1. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Wiesenblume,

    ich sehe da viel innere Zerrissenheit bei DIR - Du willst anders sein, aber Du willst auch ganz dazugehören.
    und Du redest von diesen Leuten von oben herab - das alles spüren sie.

    Lalique hat gerade einen Vergleich von Rose und Gänseblümchen gebracht - nicht zufällig - und auch wenn das Gänseblümchen ok sein soll, ist der Vergleich doch nicht neutral.


    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    -ich habe einen neuen Partner, der ... kein Interesse am Dorfleben hat
    das fällt mir auch auf - und klar eckt das an.

    und mein Vater hat mich vor Jahren zum letzten mal zu einem Sonntagsmittagessen im Kreise der trauten Familie gesehen ...
    es muss ja nicht jeden Sonntag sein - aber man kann sich nicht einerseits selbst abgrenzen und sich dann wundern, dass man abgegrenzt ist.

    manche Dinge gibt es nur im Paket - und das Paket "ich will ganz anders aber mittemang sein" ist nicht im Angebot.

    wobei es bei anderen auch oft nur so wirkt, dass sie mittemang sind - keiner ist so selbstsicher und so "immer dabei und sich immer mit der Gruppe wohlfühlend" wie er wirkt.

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    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    j
    - könnte mir vorstellen, du bist da zugezogen und die wohnen seit 3 Generationen dort (i.d.R. Kleinstadt).
    - die können mit deinen Erzählungen nichts anfangen, wo du schon gewohnt hast, gearbeitet, etc.. Die sind da geboren, zu Schule gegangen, gearbeit, geheiratet, gebaut. Die kennen nichts anderes, und die wollen auch nichts anderes hören. Du musst da mehr über den Verein oder das Hobby reden, dann geht das gut in Ordnung mit denen
    - ich selbst hab erhebliche Problem mit Dialekten, z.T. versteh ich die kaum, und selbst kommt man denen sehr fremd vor, wenn man hochdeutsch spricht

    Versuch die Luute einfach so zu nehmen wie sie sind. Da geht einfach nicht mehr, und nimms nicht persönlich.

    Gruß, B.
    Hallo,

    lieben Dank für Deine Antwort. Hm, ich stamme selbst aus diesem Dorf. Meine Familie ist dort seit Generationen stark verwurzelt und ich spreche perfekt "Einheimisch"

    Meine ganzen Angehörigen (bis auf meinen Bruder) wohnen auch dort und leben das Dorfleben, wie ich es oben beschrieben habe.

    Das mit den Themen kann schon gut sein: ich erlebe halt eine Menge in "meiner" Firma, jeden Tag Spannendes. Durch meinen Partner, der aus der anderen Ecke Deutschlands kommt, bin ich auch für Familienbesuche viel in Deutschland on Tour. In einem anderen Thread zitierte ich hierzu mal eine Klassenkameradin, die sich über meine Partnerwahl wunderte und mich allen Ernstes fragte, ob das nicht "sehr anstrengend" sei, wenn man dann zum Besuch von Schwiegertanten u.ä. das Dorf verlassen müsse und 5 Stunden auf der Autobahn unterwegs sei.

    Wenn ich dann aber mal etwas von diesen Themen und Eindrücken zum Besten gebe, bricht Verwirrung aus. Nicht erst einmal passierte es dann, dass nach einem kurzem Moment des Schweigens (das Schweigen klang nach "oh Gott, was soll ich jetzt dazu sagen?") jemand aus dem Dorf unvermittelt loslegt "ja, aber habt ihr schon gehört: die Gitta, die liegt ja ganz schwer mit Magen-Darm daheim und der Sepp - jo, der macht das wohl nicht mehr lange, hat mir gerade vorhin die Anneliese beim Metzger erzählt." Plötzliches Auftauen in der Runde "nee, wirklich, ach komm, erzähl doch mal..."

    Voila...

  3. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    @Wiesenblume

    ich stamme ja auch aus einem Dorf und bin schon 20 Jahre weg. Dies beschränkte Sichtweise, die teilweise auf dem Dorf vorherrscht passt nicht zu meinem Weiteempfinden, das ist mir alles zu eng!

    Die Themen bewegen sich auf Stammtischniveau (nichts dagegen einzuwenden wenn das mal passiert), interessant ist nur welcher Nachbar wann und wo nicht in der Kirche oder auf dem Fest war. Wer seinen Garten pflegt und wer nicht.

    Da sind dann andere Themen und Ansichten, wie Du sie hast, neugierig bist auch sowas wie eine Bedrohung in dem Dorfidylle.

  4. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Das Gefühl, dass du beschreibst, kenne ich sehr gut. Ich habe mich noch nie zu irgendeiner Gruppe zugehörig gefühlt, war immer irgendwie „anders“ ,selbst in meiner Herkunftsfamilie. Das Bild mit dem Fettauge auf der Suppe beschreibt das ganz schön.

    Allerdings schließe ich mich bezüglich der Ursachen Leonie an:

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich will Dir Deine Wahrnehmung nicht absprechen - aber entweder die Dinge liegen vor allem in Dir (ich finde sehr bemerkenswert, dass Du Dein Leben in irgendeiner Weise als ungewöhnlich empfindest) oder es liegt an ganz anderem.
    Ich habe ganz lange gedacht, dass ich dazugehören kann, wenn ich mich meinem Umfeld anpasse. Aber nach und nach kam die Erkenntnis, dass ich auch bei Leuten mit äußerlich geringen Unterschieden (bezüglich Herkunft, Bildung, Lebensstil etc.) dieses Gefühl des nicht Dazugehörens auftritt. Es ist wohl eher eine Frage der gemeinsamen (oder eben nicht gemeinsamen) Geisteshaltung.
    Meine beiden besten Freundinnen haben zum Beispiel beide einen komplett anderen Lebensweg eingeschlagen als ich – trotzdem fühle ich mich ihnen näher als den Menschen, die rein statistisch gesehen zu mir passen würden.

    Du beschreibst ja recht eindrücklich, was dich von den Menschen in deinem Heimatort unterscheidet. Aber auch diese Unterschiede lassen sich doch auf eine gewisse Geisteshaltung zurückführen.
    Würdest du automatisch dazugehören, wenn du einen Mann aus dem Dorf geheiratet hättest und dort jetzt als Mutter und Hausfrau leben würdest? Vielleicht würdest du anders wahrgenommen werden, aber du würdest doch deswegen nicht zwangsläufig die Werte und Einstellungen deines Umfelds teilen. Die Unterschiede würden sich dann eben im Kleinen zeigen.

    Ich kenne das Gefühl, dass man trotzdem dazugehören möchte, dass es irgendwie schmerzhaft ist, der „Außenseiter“ zu sein. Aber ich lebe glücklicher, seit ich akzeptieren kann, dass es mit manchen Menschen eben nicht passt.
    Man kann ja trotzdem Kontakt mit den „Andersdenkenden“ haben und es hilft sicherlich, wenn man offen auf andere zugeht und sich auf deren Lebenswelt einlässt. Wie linedance das ja schon ausgeführt hat: auch oberflächliche Kontakte können nett sein.

    Und ich denke, wenn man diese Tatsache akzeptiert, fällt es auch deutlich leichter, die Leute ausfindig zu machen, die zu einem passen, und mit denen man sich zumindest im kleinen Rahmen zugehörig fühlen kann.

  5. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    mir geht es auch manchmal so, dass ich - wenn ich mich nicht selbst spüre - nicht mit anderen gut in Kontakt kommen kann.

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    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ich sehe da viel innere Zerrissenheit bei DIR - Du willst anders sein, aber Du willst auch ganz dazugehören.
    und Du redest von diesen Leuten von oben herab - das alles spüren sie.
    Hm, ich weiß nicht - ja, wenn ich jetzt von Ihnen schreibe, mag das tatsächlich so klingen. Da hast Du wohl recht. Wenn ich ihnen begegne, versuche ich eigentlich, "auf Augenhöhe zu sein". Im Job rede ich z.B. Hochdeutsch, bin ich im Dorf unterwegs, spreche ich tiefsten Dialekt.

    Wo Du recht hast: ich kann mich nicht "maximal" verbiegen. Gespräche à la "habt Ihr schon gehört, der so und so und die sowienoch.." interessieren mich nicht - ich empfinde sie als bösartigen Dorfklatsch. Ein Klatsch, dem ich mit meiner Scheidung ja auch schon selbst zum Opfer gefallen bin und ich weiß daher, wie weh man Menschen damit tun kann. Eine Person herunterzuputzen, nur um sein eigenes Bedürfnis nach Entertainment zu stillen, finde ich widerlich. Ja, das stimmt, da mache ich dann nicht mit. Aber muss man denn gleich volktümelnd werden, um den Menschen das Gefühl zu vermitteln "ich bin nicht von oben herab" ?

    Dass mein Partner z.B. dem Dorfleben nichts abgewinnen kann: warum scherts diese Leute? Ich bewege mich gerne im Dorf, in den vertrauten Straßen und Gassen, bin dort im Verein aktiv und wuppe im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit auch eine Menge Dinge, die dem Dorf zugute kommen. "Reicht" das nicht?

    Hm, ich merke an meinen Fragen, dass ich mich da schon innerlich sehr weit von all dem entfernt habe...

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    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    ...leben das Dorfleben, wie ich es oben beschrieben habe.
    Ja, das hast du schon sehr genau beschrieben, wie die Leute dort in deiner Umgebung ticken. Du hast auch geschrieben, dass du gute Gründe für dich gefunden hast, nicht so leben zu wollen! Du scheinst ja zu wissen, was du willst und was du nicht willst!

    Daher glaube ich nicht, dass es daran liegt, dass du deine Umwelt und deinen Platz darin nicht einschätzen könntest, im Gegenteil!

    Ich schliesse mich denjenigen an, die hier geschrieben haben, dass das derzeitige Umfeld vermutlich nicht das Richtige für dich ist. Was dir definitiv fehlt (und das kenne ich auch aus eigener Erfahrung) sind Menschen auf deiner Wellenlänge, mit etwa gleichen Wertvorstellungen, die dir das Gefühl von Aufgehobensein vermitteln (ohne dass sie dich direkt an die Hand nehmen müssten, das brauchst du glaub ich gar nicht unbedingt).

    Ich selbst stosse auch ständig an Grenzen (ich vermute, das geht fast jedem so) bei Menschen, die nun mal andere Auffassungen und Lebensmodelle haben. Es ist aber so, dass das bis zu einem gewissen Punkt nunmal normal ist und bei weitem nicht immer persönlich gemeint ist. Handelt es sich um eine festgefügte, in sich geschlossene homogene Gruppe (wie bei dir), dann ist das Gefühl des Ausgegrenztseins natürlich ziemlich hoch. Ein bisschen Gruppenpsychologie öffnet dir vielleicht die Augen: Natürlich verfolgt eine Gruppe immer gemeinsame Ziele, wer sich dem nicht halbwegs anpasst, der gerät schnell in eine Aussenseiterposition. Je fester und geschlossener die Gruppe, desto stärker ist das so.
    Das ist nichts Persönliches gegen dich, aber vielleicht ein Ansatz für dich, diese Gruppenstruktur in deinem Dorf besser zu begreifen. Du wirst, um "dazu zu gehören" nicht umhinkommen, einige Kompromisse zu schliessen. Dann könnte es, wie Mr. Bombastic schon geschrieben hat, eventuell besser klappen.

    Auf richtiges Verständnis, gleiche Wellenlänge in allen Bereichen brauchst du - glaube ich - nicht zu hoffen. Dafür haben diese Menschen zu sehr ihre eigene Weltsicht und die kannst du ihnen nicht nehmen, das will schliesslich keiner.

    Es geht eher darum, dich zu positiionieren, deine Rolle etwas abzufedern, damit du dich halbwegs wohlfühlst und dann die Grenzen zu setzen, die du brauchst, sowie deine Erwartungshaltung an diese Leute zu korrigieren. Übrigens könnte ich mir vorstellen, dass dir dort nicht alle direkt etwas Böses wollen, schon gar nicht deine Eltern oder Angehörige. Versuch mal das zu sehen, was gut ist und nimm das dann mit. Gegen Negatives kannst du dich dann abgrenzen.

    Ich kann extrem gut verstehen, dass dieses Umfeld schon etwas am Selbstwertgefühl nagt. Jeder sucht Anerkennung und Bestätigung - die Leute deines Umfeldes finden das in ihrem Dorf, du leider nicht.

    Vermutlich würden dir schon zwei oder drei Leute auf deiner Wellenlänge reichen, um daraus für dich das Gefühl zu ziehen, dass es auch Leute gibt, die dich verstehen und deinen Lebensweg nachvollziehen können. Hast du die irgendwo anders (nicht in dem Dorf) oder hast du die überhaupt nicht? Wie ist das mit deinem Partner, seid ihr eine Einheit?

    Gibt es Möglichkeiten für dich, dir noch andere Standbeine oder Aktivitäten aufzubauen, Gleichgesinnte zu finden - eventuell in einer nahen grösseren Stadt?

    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

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    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Aber dieses Gefühl begleitete mich noch zehn weitere Jahre durch unterschiedliche Orte und ich habe viel Energie hineingesteckt, um zu überlegen, wie ich meinen "Krummheiten" gerade biegen kann.

    Der Wendepunkt wurde von einer ganz anderen Geschichte ausgelöst, die zur Folge habe, dass ich so gut wie alle meine Glaubenssätze, feststehenden Wertemaßstäbe etc.pp. in Frage gestellt habe. Ich habe sie nicht aufgegeben, sondern bin in kritische Distanz gegangen:`Ist das wirklich ein Maßstab, der in Stein gemeißelt ist? Wo sind Vor-, wo sind Nachteile? Ist das wirklich so, wie ich es selbstverständlich annehme?´ Die Folge war nicht, dass ich das alles aufgegeben und mich angepasst habe, sondern dass ich mich sehr bewusst für meine Maßstäbe entschieden habe. Ich weiß, warum ich bestimmte Dinge für wichtig erachte und nehme die Folgen in Kauf. Das hat das Ende einiger Bekanntschaften bedeutet.

    Zugegegebenermaßen klappt das nicht immer. Wir sind einfach soziale Wesen und die Rückmeldung anderer ist wichtig für uns. Dabei darf man aber immer auch mal fragen: Ist das, was mir rückgemeldet wird, hilfreich für mich? Oder steht möglicherweise ein eigener Zweck für die kommentierende Person dahinter? Zum Beispiel, ihren Lebensstil als absolut zu erklären?

    Und zugegebenermaßen habe ich Unterstützung von nahestehenden Menschen erhalten, die mich ermutigt haben, meinen Weg zu suchen und zu gehen. Mich begleiten einige sehr liebe Menschen, sie haben bei weitem nicht immer denselben oder einen ähnlichen Lebensentwurf, aber wir mögen uns und schätzen uns.

    Ich glaube, Dein Gefühl der Heimatlosigkeit ist eng damit gekoppelt, dass Dir diese Ermutigung fehlt. Vielleicht fehlt Dir auch aus Dir selbst heraus der Mut, Deinen eigenen Weg konsequent zu gehen. Vorbilder nützen Dir nur insofern, als Du den Mut entwickelst, trotz Widrigkeiten zu Dir selbst zu stehen. Dein Leben leben musst Du letztlich ohne "Rezept", denn irgendwie ist Leben doch, sein eigenes Rezept zu schreiben. Dann finden sich meistens von selbst Menschen, die davon mal kosten wollen.
    Dein Beitrag spiegelt sehr genau wieder, wie ich empfinde. Und ist auch sehr ermutigend. Danke dafür!
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

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    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Elwyn Beitrag anzeigen
    Es geht eher darum, dich zu positiionieren, deine Rolle etwas abzufedern, damit du dich halbwegs wohlfühlst und dann die Grenzen zu setzen, die du brauchst, sowie deine Erwartungshaltung an diese Leute zu korrigieren. Übrigens könnte ich mir vorstellen, dass dir dort nicht alle direkt etwas Böses wollen, schon gar nicht deine Eltern oder Angehörige. Versuch mal das zu sehen, was gut ist und nimm das dann mit. Gegen Negatives kannst du dich dann abgrenzen.

    Ich kann extrem gut verstehen, dass dieses Umfeld schon etwas am Selbstwertgefühl nagt. Jeder sucht Anerkennung und Bestätigung - die Leute deines Umfeldes finden das in ihrem Dorf, du leider nicht.

    Vermutlich würden dir schon zwei oder drei Leute auf deiner Wellenlänge reichen, um daraus für dich das Gefühl zu ziehen, dass es auch Leute gibt, die dich verstehen und deinen Lebensweg nachvollziehen können. Hast du die irgendwo anders (nicht in dem Dorf) oder hast du die überhaupt nicht? Wie ist das mit deinem Partner, seid ihr eine Einheit?
    Liebe Elwyn,

    danke für Deine Einschätzung. Ich denke auch nicht, dass die Leute mir etwas Böses wollen, oder dass ihr Verhalten vorsätzlich ist. Mich schmerzt mehr, dass sie es genau eben nicht merken. Es ist diese Gedankenlosigkeit, dieses Scha-la-la, was mich hier am meisten verletzt...

    Ich brauche in der Tat nicht viele Menschen um mich herum - aber die, die mich umgeben, sollten mir halt schon guttun. Und derzeit bin ich da etwas orientierungslos.

    Mein Partner kann mir da nicht wirklich helfen. Er steht solch einer Gefühl- und Gedankenakrobatik meinerseits eher immer etwas belämmert und hilflos gegenüber. Er kann das nicht recht nachvollziehen, was mich umtreibt und was mich anficht. Das muss ich tatsächlich leider mit mir selbst ausmachen...

  10. Inaktiver User

    AW: Merke, dass mir Vorbilder fehlen - Gefühl der Heimatlosigkeit

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    Wo Du recht hast: ich kann mich nicht "maximal" verbiegen. Gespräche à la "habt Ihr schon gehört, der so und so und die sowienoch.." interessieren mich nicht - ich empfinde sie als bösartigen Dorfklatsch. Ein Klatsch, dem ich mit meiner Scheidung ja auch schon selbst zum Opfer gefallen bin und ich weiß daher, wie weh man Menschen damit tun kann. Eine Person herunterzuputzen, nur um sein eigenes Bedürfnis nach Entertainment zu stillen, finde ich widerlich. Ja, das stimmt, da mache ich dann nicht mit. Aber muss man denn gleich volktümelnd werden, um den Menschen das Gefühl zu vermitteln "ich bin nicht von oben herab" ?
    was heißt volkstümelnd?

    Du lässt sie doch die ganze Zeit spüren, dass deren Themen Dich nicht interessieren, dass Du ihre Gespräche widerlich findest.

    Natürlich musst Du Dir nicht mit den Mund darüber zerreißen, dass der Heini die Käthe geküsst haben soll und dass die neue Pfarrerin ihren Vorgarten nicht pflegt - aber interessiert Dich denn so etwas:
    "ja, aber habt ihr schon gehört: die Gitta, die liegt ja ganz schwer mit Magen-Darm daheim und der Sepp - jo, der macht das wohl nicht mehr lange, hat mir gerade vorhin die Anneliese beim Metzger erzählt."

    nimmst Du echten Anteil daran, dass der Sepp schwer krank ist - oder ist Dir das egal?


    Dass mein Partner z.B. dem Dorfleben nichts abgewinnen kann: warum scherts diese Leute?
    auch das demonstriert, dass Ihr "etwas Besseres" seid und Euch für die Leute im Dorf nicht interessiert.

    Ich bewege mich gerne im Dorf, in den vertrauten Straßen und Gassen, bin dort im Verein aktiv und wuppe im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit auch eine Menge Dinge, die dem Dorf zugute kommen. "Reicht" das nicht?
    das reicht für einen Gutsherren, der Gutes für seine Leute will - aber nicht für jemanden, der dazugehören will.

    wobei es mir nicht darum geht, dass Du jetzt auch bei Elektromeister Müller anfangen sollst zu arbeiten oder noch schnell ein Kind bekommen. Du kannst schon leben, wie Du möchtest. Aber Du müsstest das Leben der Leute im Dorf besser akzeptieren, sie nicht spüren lassen, dass Du etwas Besseres bist, und Dich ehrlich und von Herzen für sie und das, was sie beschäftigt, interessieren.

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