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01.05.2011, 13:31Inaktiver User
AW: Aufdringliche Fröhlichkeit - Abgrenzung - eigene Fassade aufrecht erhalten
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01.05.2011, 13:38Inaktiver User
AW: Aufdringliche Fröhlichkeit - Abgrenzung - eigene Fassade aufrecht erhalten
Ich sags mal so, die Angst ist gelegt worden.
Natürlich haben wir Angst, Angst davor ausgeschlossen zu werden, einer Gruppe nicht mehr anzugehören.
Mir gehts aber um: Muss ich das um jeden Preis? Auch für den Preis der Selbstaufgabe?
Nichts gegen Anpassung, nichts dagegen auch mal die Wahrheit ein bischen günstiger auszulegen, quasi nicht jedem seinen emotionalen Zustand vor die Füsse zu kotzen.
Warum nicht? Ich trage genau diese Angst mein Leben lang mit mir rum und diese Angst wurde durch Adoption und Misshandlung noch ziemlich verstärkt.Du schreibst selber, dass manche sich verkrümeln, wenn sie nicht mit deiner Fassadenlosigkeit umgehen können.
Was, wenn das Menschen sind, die einem sehr am Herzen liegen?
(und jetzt bitte nix von frühkindlichen Prägungen schreiben- das genügt nicht.)
Was hilft es mir wenn sich Menschen, die mir am Herzen liegen von mir abwenden und ich ihnen nicht am Herzen liege?
Sind das wirklich Menschen, die mir nahe sein dürfen, sollen?
Lies Dir doch nochmal Original Sins Ausführungen zu den ach so fröhlichen Menschen durch, die sie mit ihrem Glück überschütten.
Ich kenne sie nicht aber für mich hört sich das so an wie wenn diese Menschen sie überhaupt nicht wahrnehmen würden, geschweige denn ernst nehmen.
Wenn jemand verliebt ist kann ich das ja noch verstehen, der Zustand ändert sich irgendwann wieder aber Menschen, die ein "Dauergrinsen" im Gesicht spazieren tragen, die eine
Schau-mich-an-wie-gut-es-mir-geht-im-Leben-positives-Denken-Mantra-vor-sich-hertragen-Du-brauchst-doch-nur-ans-Universum-eine-Botschaft-schicken-blöde-Kuh-ich-weiss-gar-nicht-wie-es-dir-schlecht-gehen-kann-hab-dich-nicht-so- Ausstrahlung haben,
bei denen werde ich immer ganz schnell argwöhnisch.
Die blenden meist alles mögliche um sich selber aus und missachten auch noch, dass es anderen Menschen anders geht.
Ein wirklich in sich ruhender und glücklicher Mensch kann es vollkommen aushalten wenn ihm eine am Herzen liegende Person ihr wahres Gesicht zeigt. Der muss sich nicht abwenden oder selbst in tiefe Trauer fallen, der kann sie einfach so annehmen wie sie gerade ist eben weil er genau weiss, dass sein Glücklichsein als Gegenpart die Trauer hat und sie auch kennt.
Der nimmt Dich in den Arm und überschüttet Dich nicht, der erdrückt Dich nicht mit seiner Glücklichkeit sondern er vermittelt Vertrauen, und zwar das Vertrauen in das Angenommensein so wie es gerade jetzt ist. Der nimmt Dich mit und schaut sich Deine Dämonen an und streichelt sie mit damit Du weniger Angst hast und dann nimmt er Dich wieder mit hinauf ins Licht.
Solche Menschen wenden sich nicht ab, solche Menschen bleiben bei dir und sind ein wahrer Freund und solchen Menschen begegnet man auch nicht oft im Leben und man kann sich sehr glücklich schätzen so jemand zu kennen.
All das was Du hier beschreibst kenne ich nur allzu gut. Ich kann Dir nur auf den Weg mitgeben, dass dies eine Station im Heilwerdungsprozess ist und sich ändert.Man muss in einem ausreichenden Maß über die Erfahrung verfügen, dass es immer auch welche gibt, die sich nicht verkrümeln.
Es ist eine Gefahr, dass es zu diesen Erfahrungen nicht kommen kann, wenn man sich zum Schutz zurückzieht.
Den Wunsch nach Rückzug zu überwinden, kostet auch erheblich Energie-
und so ist es ein ständiges Abwägen, was anstrengender ist: die Überwindung oder das Sich-Öffnen oder die Fassade.
Auch das Abwägen strengt an.
Ach, alles strengt einfach irgendwie immer an...
Und andere eben offensichtlich nicht.
Das is gemein.
Dazu benötigt es eine Basis, die Basis ist das Fundament, dass uns mitgegeben wurde. Dieses Fundament baut sich aus dem Urvertrauen zusammen auf dem dann unser Selbstwert wachsen kann.Ich denke, es ist für die "sensiblen" Menschen schwieriger, sich anderen in allem zuzumuten, einfach wegen der tiefen und besonders starken Empfindungen, die sie haben.
Vielleicht eine Temperaments- und Charakterfrage. Nicht jeder kann mir nichts dir nichts beschließen, von jetzt an ohne Fassade zu leben.
Fang an das Fundament zu stärken so kann das andere von alleine wachsen.
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01.05.2011, 16:26
AW: Aufdringliche Fröhlichkeit - Abgrenzung - eigene Fassade aufrecht erhalten
Ich halte mir in den Dingen,
die mich interessieren,
lichte Punkte und lichte Menschen fest,
das übrige mag quirlen wie es will und kann.
J.W.v.Goethe
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01.05.2011, 17:30Inaktiver User
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01.05.2011, 18:02Inaktiver User
AW: Aufdringliche Fröhlichkeit - Abgrenzung - eigene Fassade aufrecht erhalten
Hallo ihr Lieben,
morgen mehr in Zeit und Muße, grad nur dazu:
Der Treiber für das Aufrechterhalten meiner Fassade ist nicht die Angst, dann nicht mehr gemocht/geliebt zu werden. Klar, im Bekanntenkreis muss ich nicht rumerzählen, dass es mir scheiße geht, aber das ist aktuell nicht mein Problem. Die lassen sich abspeisen mit allgemeinen Informationen. (Ich erzähle nicht, dass alles super wäre, aber ich muss auch nicht vor allen und jedem einen kompletten Seelenstriptease hinlegen.) Hier geht es aber um den engsten Familienkreis und die dortige Distanzlosigkeit. Und die einzige Möglichkeit, die ich - außer Kontaktabbruch - sehe, die für mich nötige Distanz aufrecht zu erhalten, ist eben, eine positive Fassade zu präsentieren. Weil mein Wunsch nach Ruhe eben nicht akzeptiert wird. Weil es sonst noch viel schlimmer würde.
In Richtung Elternhaus habe ich das gerade wie oben geschrieben hoffentlich jetzt erstaunlich positiv geklärt. Jedenfalls für den Moment. In Richtung (sehr) nahelebende, tratschende, klammernde ältere Verwandtschaft ist das schlichtweg unmöglich. Und ja, ich weiß das definitiv. Ich erlebe das Theater seit Jahren.
Aber genug der negativen Gedanken: aktuell geht's mir ganz gut, das drüber schreiben und reden hilft.
Ich wünsch' euch allen einen schönen Abend!
Sin
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01.05.2011, 18:08Inaktiver User
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01.05.2011, 18:14Inaktiver User
AW: Aufdringliche Fröhlichkeit - Abgrenzung - eigene Fassade aufrecht erhalten
Noch kurz:
Ich sehe, Ellipell versteht mich... Auch solche Leute an der Backe?
"Aber Du bist doch mein Ein und Alles!" ... "Was hat das Mädchen nur? Sie bringt mich noch ins Grab!" "Ihr müsst mich an eurem Leben teilhaben lassen! Ich habe doch nur euch!" "Nie erzählst Du mir was!"
gepaart mit umklammernden Umarmungen und anderen körperlichen Übergriffen.
Ältere, allein- und nahestehende Verwandtschaft. Leider um die Ecke wohnend. Sich ständig über Vernachlässigung beschwerend, gegenüber mir wie Elternhaus und eigentlich gesamter Verwandt- und Bekanntschaft. Was macht man mit solchen Menschen?
Ach ja, "nein"/"darauf will ich nicht antworten" sagen gilt nicht, dann wird weitergebohrt. (Außerdem: "Das gehört sich nicht!") Einfach gehen führt zu Heulanfällen gegenüber allen und jeden gepaart mit obigen Kommentaren. Wütend werden geht gar nicht - wie kann ich nur so undankbar sein, soviel, wie für mich getan wurde! Und außerdem wird dann ja gleich der Rücken wieder schlimmer und der nächste Herzinfarkt kommt um die Ecke...
Tja, wieder Kontaktabbruch? Und mir dann von anderer Verwandtschaft anhören, ich versaute alten Menschen ihren Lebensabend?
Ratlos
Sin
(Vernünftige Gespräche - zwecklos. Prallen ab an tiefverwurzelter Selbstgerechtigkeit und der Überzeugung, ein ständig nur gebender, ausgenutzter Gutmensch zu sein.)Geändert von Inaktiver User (01.05.2011 um 18:22 Uhr)
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01.05.2011, 18:21Inaktiver User
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01.05.2011, 18:22
AW: Aufdringliche Fröhlichkeit - Abgrenzung - eigene Fassade aufrecht erhalten
Hallo Original Sin,
wenn Du magst: ein großes Kraftpaket für Dich
Ich hatte diese Situation auch schon - finanzielle_berufliche_persönliche_Komplettkrise.
Wohin ich geschaut habe, war ne Wand.
Zum Schreien und Weinen ist sowas, ich habs in jedem Moment gehaßt.
DIe Fröhlichkeit anderer Menschen hat mir fast körperlich wehgetan, weil ich so gar nicht in der Lage war, daran teilzuhaben (und deren Leben so einfach schien und meins so schwer).
Aber: es ist VORBEI, und es wird auch bei Dir vorbei gehen - denn nichts ist für immer, auch die Krise nicht!
Zum einen möchte ich Dich gerne ermutigen, Dir therapeutische und/oder ärztliche Hilfe zu suchen - Du kannst sie brauchen und hast sie verdammtnochmal auch verdient in dieser Situation.
Klar wirst Du dadurch nicht reicher - aber sicherlich gelassener Deiner Situation gegenüber.
Und es tut unglaublich gut, vor einem Menschen zu sitzen, der sich für DICH interessiert, Dir helfen kann und will und diese eine Stunde die Woche Dich zur Hauptperson in Deinem Leben macht.
Zum anderen: ja, in einer Lage wie dieser ist es schwer, Mitmenschen zu finden, die den richtigen Ton treffen. Manch einer will mit seiner überzogenen Heiterkeit das Negative im Leben abblocken, ausblenden, in der Hoffnung, daß es ihm dann nie schlecht gehen möge.
Manche sind schlicht unsensibel und haben keine Lust auf traurige Worte und Zeiten, und andere lästern halt gern.
Der nächste fragt Dich - in seiner eigenen Hilflosigkeit- alle fünf Minuten, ob Du noch Kuchen willst oder ob Du nicht Lust auf einen Spaziergang hättest, das täte doch gut, und überhaupt, früher hast Du doch so gerne xyz gemacht, warum tust Du das denn nicht mal wieder? (Das war immer der Moment, wo ich den Sprecher gerne solange aus dem Fenster geworfen hätte, bis er oder sie kapiert hat, daß ich im Moment leider gar nichts gerne tue, weil nämlich überall eine Wand ist, wo ich auch hinschaue).
Du wirst diese Leute nicht ändern können - alles, was Du tun kannst, ist zum einen den Versuch zu
machen, Deine Situation zu erklären und Verständnis auch ruhig mal laut einfordern (nicht leise - sondern glasklar! Fassade hin oder her - Du stößt gerade an Deine Grenzen, da wird es Zeit, daß Deine Mitmenschen diese Grenzen auch mal zu spüren bekommen) und zum anderen eine gesunde "Leck mich doch" - Haltung einnehmen.
Wollen sie reden über Dich? Na, dann sollen sie doch - sie reden über ihr Bild von Original Sin, über Ihre eigene Leere vermutlich und über ihr eigenes Weltbild - mit DIR, so wie Du wirklich bist, hat das alles nix zu tun - folglich wird es Dich auch nicht im Innersten schädigen, höchstens an der Oberfläche kratzen. Laß es nicht so nahe an Dich heran, das Gerede und Gedenke anderer Menschen ist nun wirklich in deren Verantwortung.
Gegenüber mir wirklich sehr nahe stehenden Menschen habe ich dann irgendwann, als es gar nicht mehr ging, die Fassade komplett fallengelassen. Und ihnen ihre eigene Hilflosigkeit selber überlassen, denn darum konnte ich mich nicht auch noch kümmern - und das ist es, was man hinter seiner Fassade ja oft tut, man will ja auch irgendwie keinen über Gebühr belasten und außerdem kommt man sich dann bedürftig vor und überhaupt...
Ergebnis war: meine Familie war zum gefühlten ersten Mal in meinem Leben voll für mich da.
Auf ihre eigene Art - aber da.
Und ich selber war, ganz sicher zum ersten Mal in meinem Leben, voll für mich da und hab mich um mich gekümmert, ganz egal, was andere dazu denken oder sagen.
Alles Gute für Dich
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01.05.2011, 18:24Inaktiver User



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