Ich habe nun den ganzen Thread gelesen und je mehr Du beschreibst, umso mehr komme ich weg von Hypersensibilität und immer mehr hin zu Depression bzw. Depressiver Verstimmung.
Wie komme ich darauf? Alles was Du beschreibst kenne ich auch, aber eben nur aus einer Zeit, in der ich definitiv depressiv war. Ich war innerlich sehr unruhig, jedes Geräusch, jeder Lärm stresste und nervte mich, alles was die Menschen taten bezog ich auf mich, fühlte mich auch unterlegen und irgendwie "gefangen". Auch heute noch, 3-4 Jahre danach fühle ich mich unter der Woche, da das Leben Struktur hat, emotional besser als am WE. Dort "schlägt die Einsamkeit" dann richtig heftig zu. Und ja, das ist schwer auszuhalten und tut manchmal auch richtig körperlich weh und dann weine ich und spüre den ganz alten, sehr tiefsitzenden Schmerz in mir. Das ist sehr anstrengend und war zu Anfang auch sehr beängstigend, aber mittlerweile weiß ich, dass mich diese "Zustände" an mich selbst heranführen, denn in diesen Momenten spüre ich auch ganz genau was ICH tun kann, damit es mir besser geht, was mir guttut und womit ich mir Liebe geben kann. Wenn ich diese Gefühle mit Aktivitäten "deckele" und nicht zulasse, fühle ich mich manchmal wie ein wandelndes Pulverfass....wenn ich die Gefühle zulasse ohne sie mit Essen, Shoppen, Sport, Unternehmungen zu übertünchen, führen sie mich an meinen inneren Kern und ich spüre mich und meine Bedürfnisse deutlicher und es geht mir immer besser. Im Laufe der Zeit nahmen auch die Geräusch-, Licht- und Geruchsempfindlichkeit ab, ich bin wieder viel gelassener und ruhiger, kreise aber auch nicht mehr so viel um mich. Du erscheinst mir auch sehr um Dich zu kreisen.....schon allein der Gedanke, was sein könnte, wenn das Baby im Haus einzieht.....
Hast Du mal Deinen Serotoninspiegel kontrollieren lassen? Daher kann sowas übrigens auch rühren.
Hast Du Kinder? Wolltest Du je welche? Du bist Mitte 30? Bist Du mit dem Leben und was es Dir bisher beschert hat zufrieden? Was sind Deine Pläne, Ziele, hast Du Träume?
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20.04.2011, 01:56
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
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20.04.2011, 13:49
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
Julchen, die Symptome erinnern mich auch an depressive Verstimmungen. Diese könnten eben damit zu tun haben, dass ich zum einen "Zeit zum Denken" habe (da kommt nie was gescheites bei rum) und zweitens eben zuhause bin und diese negativen Reize habe.
Die Symptome sind aber nicht stetig vorhanden. Es gibt auch Wochen ganz ohne "Anfälle". Das sind Wochen, wo ich unter der Woche in der Arbeit bin (Struktur, soziale Kontakte, Aufgabe) und am Wochenende unterwegs bin.
Das seltsame ist aber, dass ich zuhause in meinem Elternhaus keine depressiven Verstimmungen hatte, wenn ich das WE daheim war. Da war aber auch Lärm und Reize von außen.
Habe mich gestern mal im Netz zum Thema Hochsensibilität schlau gemacht, laut Test bin ich es wohl. Aber das hilft natürlich auch nur mittelbar. Man kann dem Ding einen Namen geben, aber will ja trotzdem zufrieden leben.
Zum Thema "Träume & Lebensziele", da erwischt du mich auf dem "falschen Fuß". Ich habe viele Träume und Wünsche, aber entweder widersprechen sie sich, oder sind nur als Millionärin erfüllbar.
Ich habe keine Kinder, weiß auch nicht, ob ich welche will. Mein Mann sagt, "wenn eins da ist, ist es da", sprich er wäre mit und ohne glücklich. Mein Traum wäre es, irgendwo auf dem Land ein altes landschaftstypisches Herrenhaus zu haben, ein paar alte Haustierrassen zu züchten, ein paar alte Birnbaumsorten zu züchten. Aber nur zum Spaß - ich will damit nicht Geld verdienen müssen. Dann zwischen Bibliothek, Kräutergarten und Küche pendeln, Freunde & Famile einladen, in meinem Blumengarten an meinem Roman schreiben, auf dem Klavier rumklimpern, ein bisschen reiten..... Dazu noch eine schicke Stadtwohnung, falls wir mal Lust auf Stadt und Kultur und Shopping haben.
Das wäre mal so ein Wunschbild.....
In der Realität sind wir momentan ziemlich "festgefahren" - das kann man positiv und negativ sehen. Beruflich ist alles fix, wir sind glücklich verheiratet und gesund. Wirklich neue Entwicklungen im größeren Stil sind nicht in Sicht. Aber viele Leute beneiden mich (auch in meinem ehemaligen Strang)- denn ich hätte es ja gut, ich hab keine Probleme...... Meine Freunde & Bekannten hüpfen zwischen Jobsuche, Jobfrust, Single-Dasein, Finanzsorgen etc hin und her......
Grüße
Chennai
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20.04.2011, 14:05Inaktiver User
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
Chennai,
da hast Du doch schon ein ganz klares Bild entworfen. Du fühlst Dich fest gefahren und eigentlich gar nicht wirklich zufrieden, geschweige denn glücklich.
Deine innere Bewegtheit will Dich vielleicht dazu aufrufen, endlich mal das zu leben, was vielleicht nicht sicher, und auch nicht "vernünftig" ist, dafür aber Dir entspricht.
Für ein Haus auf dem Land, das man sich nach und nach herrichtet, muss man kein Millionär sein. Birnbaumsorten, ebenso wie Kräuter und Gemüse kann man auch im heimischen Garten züchten, wenn der entsprechend beim Kauf des Hauses berücksichtigt wurde, und die dazu notwendigen Voraussetzungen erfüllt. Niemand hindert Dich, ein Buch zu schreiben, und Freunde und Familie einzuladen und zu bewirten.
Wann fängst Du an?
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20.04.2011, 17:59
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
Also ich habe mich jetzt durch diesen Strang gelesen, weil ich auch ein sehr ruhebedürftiger Mensch bin, und es sei gleich gesagt, der hypersensibilitätstest war bei mir auch positiv und das dazu gelesene Buch sehr aufschlußreich. Nutzen der Diagnose: Null. Es interessiert keinen Menschen.
Na gut, ich weiß jetzt dass ich nicht beknackt bin nur sondern etwas anders gestrickt, also normal.
Mir hilft letztlich nur eines:
Meine Schutzräume verteidigen. Ruhezonen schaffen und nutzen. Öfter mal "nichts" tun, und dazu stehen! Den Neid anderer aushalten, dass man sich das leisten kann, ist manchmal nicht einfach.
Insgesamt geht es wohl um das eigene Selbstwertgefühl, aber auch um die Frage der Toleranz anderen gegenüber.
Ein Beispiel: Neulich denke ich "was ist denn auf der Straße los, seit wann wird hier Fußball gespielt wer brüllt da dauernd rum...geht ja gar nicht...!!". Blicke also auf die Straße. Sehe: Jugendliche. Unter anderem Nachbars Kinder. Tja, dachte ich mir. Das sind Kinder, die spielen. So wie wir früher. Das ist schön und gut so, und irgendwann gehen die auch rein und dann ist wieder Ruhe. Die Welt braucht Kinder, und Kinder brauchen Spielraum. Dann habe ich mein TV lauter gedreht und gut. Ich habe mich wieder wohlgefühlt. In mir und in meinen vier Wänden.
Ich gestehe gerne ein, dass mir das so nicht immer gelingt, und dann gehe ich auch mal vor die Tür und frage (kleinere) Kinder, ob sie ein Stück weiter unten spielen könnten, ich würde mich gerne ausruhen. Machen sie dann auch.
Wenn man Ruhe braucht, muss man auf anderes verzichten. Wir haben z.B. ein Haus, wo man gut was vermieten könnte. Aber der ganze Zirkus mit Leuten, die mich beschallen...kann ich mir im Moment noch nicht vorstellen für mich. Lieber lebe ich mit weniger Geld und muss oft knapsen. Sich so zu entscheiden, ist möglich, aber nicht einfach. Was meinst du wie oft uns Leute fragen wieso um Himmels willen wir nicht endlich vermieten. Raaaah!! Geld ist nicht alles! Heutzutage ist doch Ruhe der wahre Luxus!
Auch habe ich mich entschieden (nicht ganz freiwillig...die Gesundheit...), nicht mehr berufstätig zu sein, weil mir der Arbeitsstreß einfach völlig über den Kopf wuchs. Da muss man natürlich Abstriche machen, mit weniger Einkommen .
Aber das eigentliche Leben (worunter ich nicht "Arbeit für andere" verstehe, so wie ich es erlebt hatte), das kann man dann schon sehr viel eher so einteilen, wie es einem beliebt. Ich kann morgens kurz im Garten herumlaufen und meine Seele pampern. Zum Beispiel.
Tierhaltung ist übrigens nichts für Romantiker, sondern für fleißige Arbeiter.
Da möchte ich doch warnen. Einen Roman zu schreiben, ist harte Arbeit (ich weiß wovon ich rede). Das macht man alles nicht "mal eben", so "ein bißchen als Hobby", wenn man es gut machen will.
Vielleicht wäre es für dich einfach mal an der Zeit, eine Auszeit zu nehmen, eine psychosomatische Reha oder so, und herauszufinden, was willst du eigentlich vom Leben, und später dann einen Plan machen, wie man da hinkommt.
Wenn du bereit bist, finanziell zurückzuschrauben, und es nicht gerade ein Herrenhaus sein muss (wieso auch, du bist auch ohne Schloß eine Prinzessin
), dann hast du doch gute Möglichkeiten, dich selber glücklich zu machen!
Noch ein Verdacht: Wieviel Streß hast du auf der Arbeit, oder in der Familie?
Nimm deine Bedürfnisse ernst. Sehr ernst. Sie sind das Wichtigste, damit du zur Ruhe kommen kannst, und nur dann kannst du auch ein guter Freund, Nachbar, Partner, und eventuell Mutter sein. Finde heraus, was lediglich Traum ist oder echtes Ziel. Das ist ein Weg, und zwar ein total spannender. Mach dich auf!
My 2 cents.
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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20.04.2011, 18:34
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
Hallo Chennai,
ich finde, Du bist jetzt in einem Alter und in einer Lebenssituation, wo man durchaus darüber nachdenken kann, wie man die nächsten zwanzig, dreißig, vierzig Jahre leben will. Einiges in Deinem Leben ist fix und anscheinend ja auch in Ordnung (Job, Beziehung). Die Wohnsituation ist es offenbar so nicht.
Warum also nicht die Veränderung dieser Situation zum nächsten Projekt machen. Mir scheint, das würde sich durchaus anbieten. Du musst Deinen Traum vom Herrenhaus auf dem Lande ja nicht eins zu eins umsetzen, sondern kannst ihn zur Basis nehmen, mal zu überlegen, was Dir wirklich wichtig und unverzichtbar wäre. Ein altes Haus auf dem Land zu renovieren kann ja durchaus ein spannendes Projekt sein, wenn beide Lust darauf haben und davon träumen.
Wenn ich mich recht erinnere, schriebst Du mal, dass Du auf der Suche nach einem Projekt bist. Warum nicht den perfekten Platz zum Leben suchen und daraus ein Projekt machen? Vielleicht stellt sich am Ende sogar heraus, dass eine Penthouse-Wohnung mitten in der Stadt das nonplusultra ist. Es kann doch spannend sein, alles in Betracht zu ziehen und zu entdecken.
Wenn ich mich in meinen vier Wände so unwohl fühlte, dass ich depressive Verstimmungen bekäme und meine finanzielle und partnerschaftliche Situation gefestigt wäre, würde ich nicht lange zögern, dieses Thema ernsthaft anzugehen.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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07.06.2011, 15:16
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
So, mittlerweile sind einige Wochen ins Land gegangen....
Ich habe im Monat Mai insgesamt drei Wochenenden nacheinander zu Hause verbracht - und das Ganze ohne Anfälle. Wir haben den Samstag meist zu Ausflügen genutzt, den Sonntag waren wir meist zuhause.
Positiv war, dass ich mit den "Geräuschen" einigermaßen umgehen konnte - ich habe mich, z.B. beim Einschlafen bemüht, mich auf meine Atmung zu konzentrieren. So schaffe ich es auch einzuschlafen, wenn unser Obermieter-Kind mal brüllt. Ich habe es sogar geschaft, das Fensterknacken (bei Sonne, am Wochenende) zeitweise zu ignorieren....
Der Nachbar hat seine Hecke noch nicht wieder gestutzt - hoffe, es bleibt so.
Negativ war, dass es halt immer "Anstrengung" war. Ich war instinktiv immer auf der Hut (Soldat auf Wache) und musste mich erst mühsam mittels Verstand/Atmung/Ablenkung wieder beruhigen.
Unser Vermieter hatte für etwa eine Woche Besuch von seinem Sohn & Enkel - dabei hatte ich zeitweise Wutgefühle. Diese Gefühle habe ich natürlich hinterfragt - weil es mir ja eigentlich wurscht sein kann, wer ihn besucht.
Bin draufgekommen, dass ich neidisch bin - nicht auf das Auto des Sohns, sondern auf das Familienleben. Der Vermieter ist ein Alteingesessener und lebt mir halt - völlig unschuldig
- das "gute, alte Familienbild" vor. Die Tochter bringt die Enkel früh zum Betreuuen, der Sohn kommt ein paar Mal im Jahr zu Besuch, es gibt Gespräche zwischen Vermieter und Hunde-Grundstücksnachbar über den Gartenzaun.
Mir ist natürlich vom VERSTAND her, auch klar, dass bei denen nicht alles Gold ist, was glänzt. Aber irgendwie bin ich dann traurig, dass das bei uns nicht so ist - dass nicht alle Familienteile im selben Dorf wohnen.
Das zweite negative Gefühl war, als der Sohn & Enkel im Gemeinschaftsgarten gespielt haben - was war da los? Nun, ich neidete ihnen, ihre Unbefangenheit - die haben da einfach, fröhlich und gutgelaunt gespielt. Und ich traue mich noch nichtmal in meinen Gartenanteil......
Meist haben wir die Vorhänge zu, damit man uns nicht reinschaut.
Am letzten WE waren wir dann (endlich) wieder weg. Da habe ich ganz bewusst mal auf die Unterschiede und meine Empfindungen geachtet.
Bei unserem WE-Domizil gab es:
- einen Hausnachbar, der theoretisch in den Garten hätte schauen können
- Kinderlärm
- Nachbarn, die in die Fenster hätten sehen können.
Fühlte ich mich gestört?? NEIN!
1). Im Unterschied zu "daheim" ist die Wohnsiedlung anonymer, ich kenne die Nachbarn nicht, weiß nicht, WER ins Fenster schaut - schon ist es mir egal.
2). Der Garten an sich war nach außen hin, deutlich abgegrenzt (Mein-Dein war klar definiert) und ziemlich uneinsehbar.
Da ich keine Angst hatte, dass jemand, die "Grenzen" überschreiten könnte - da sie eben mittels Zaun & Mauer klar definiert waren - haben mich spielende Kinder, lachende Nachbarn überhaupt nicht mehr gestört. Ich saß im Garten und las.....
Diese neuen Erkenntnisse sind gut, und werden bei zukünftigen Wohnungssuchen sicher berücksichtigt werden. Allerdings dauert das noch mehrere Jahre.....
Der Immobilienmarkt in unserem Großraum ist sehr angespannt - ETWs und Reihenhäuser (alles andere ist eh unbezahlbar) kosten locker ab 200.000 € aufwärts. Da muss erstmal Eigenkapital angespart werden. Somit ist ein Umzug kurzfristig nicht machbar.
Was mich wieder zu der Frage bringt - WOhin ziehen? Zur Auswahls stehen, eine laute, unbezahlbare Großstadt, eine halbwegs bezahlbare Kleinstadt und unser jetztiges Dorf.
Vorteil Dorf: Ruhe, Grün, unsere besten Freunde wohnen dort
Nachteil Dorf: mit den Lebenskonzepten der meisten Leute passen wir nicht zusammen - hier wohnen eben Familien mit kleinen Kindern, die aus der Stadt zuziehen, um die Kinder aufzuziehen, und tendenziell - nach Auszug der Kinder wieder wegziehen. Dazu kommen noch die "Ureinwohner", die ebenfalls diesem Lebenskonzept zugetan sind.
Die DINKS mit kulturellen Interessen sind halt eher in der Stadt vertreten - auch die "Öko-Spinner" (wie ich z.T. gerne wäre) gibts eher selten.
Vorteil Kleinstadt: Etwas mehr Kultur & Co. Arbeit meines Mannes, mehr DG-Wohnungen
Nachteil Kleinstadt: Kultur & Co jetzt nicht soooo dolle, wir kennen keinen, Stadt (Lärm, Leute & Co)
Vorteil Großstadt: Kultur & Events, meine Arbeit
Nachteil Großstadt: Preise nicht finanzierbar, Nachteile der Stadt in XXL
Wie könnte man nun herausfinden, welche der drei Alternativen die am wenigsten schlimmste wäre...?
Die Idee mit dem alten Bauernhaus aus meinem Traum ist für uns halt eher unrealistisch - ich sehe selber ein, dass man da schon Arbeitswillen und handwerkliches & gärtnerisches Geschick bräuchte. In der Praxis bin ich froh, wenn meine Kakteen überleben.....
Chennai
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07.06.2011, 16:05Inaktiver User
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
Hallo Chennai,
ich finde das Thema sehr interessant. Ich bin HSP, habe Tinnitus und laute Nachbarn, die sich nicht ansprechbar halten. Lärm von aussen durch eigene Geräuschpegel zu überdecken ist kontaproduktiv für den Tinnitus. Das nur mal, um meine Ausgangsposition zu beschreiben.
Hier wurde öfter gesagt, die "Diagnose" HSP würde nichts nutzen. Dem möchte ich wiedersprechen. Ich weiß seitdem, daß es mir nicht gut tut, zu versuchen mich an die unaufhörlichen akustischen Reize gewöhnen zu wollen. Das funktioniert nicht. Ich leide darunter. Aber ich weiß, daß ich mir einfach Ruhe-Inseln schaffen muss. Es gibt eine Zeit für Lärm und es gibt eine Zeit, in der ich Ruhe brauche. Und wenn die Nachbarkids wieder stundenlang rumschreien, habe ich dafür einen Fluchtpunkt. Einen Wohnwagen der in einem großen Areal am Fluß steht. Und mit dem ich bei Bedarf auch in ruhige Gegenden fahren kann. Hier kann ich hin, wenn es mir zuviel wird. Und schon das Wissen darum, ausweichen zu können, läßt Lärmsituationen in eine gute Relation rutschen.
Ich wohne in einer überschaubaren Gemeinde, von der Bebauung eher städtisch, von der Sozialstruktur etwas ländlich. Meinen Lebensstil finde ich hier nicht abgebildet, Freunde habe ich eher in der nahegelegenen Großstadt. Für mich ist das alles ein Sammelsurium, das mir die Lebensumstände bietet, die ich brauche. Infrastruktur, Kultur, soziales Umfeld, Rückzugsmöglichkeit. Allem wird Rechnung getragen. Nicht an einem Ort, sondern in einem Gebiet. Und so erhalte ich die Balance, die ich brauche. Ohne die Erkenntnis, HSP zu sein, würde ich die nicht hinbekommen.
Dir wünsche ich viel Erfolg beim Setzen deiner Schwerpunkte und beim Finden der Balance, die dir gut tut.Geändert von Inaktiver User (07.06.2011 um 16:11 Uhr)
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07.06.2011, 17:26
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
Es gibt viele Methoden zur Entscheidungsfindung.
Schau mal hier:
Methoden zur Entscheidungsfindung ? Zeit zu leben
Da kannst du dich einlesen!
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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07.06.2011, 21:35
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
Hallo Chennai,
erst mal muss ich sagen, dass ich es super finde, dass Du so sehr auf Selbsterforschungstour gegangen bist und für Dich ja auch einige wichtige Erkenntnisse gesammelt hast. Und anscheinend ist manches jetzt ja auch leichter erträglich.
Von Deiner Auswahl bezüglich zukünftiger Wohnorte würde ich spontan die Kleinstadt wählen - aber das ist eben meine Wahl und muss nichts heißen.
Meine ganz persönliche Erfahrung ist, dass die Wohnung einfach Liebe auf den ersten Blick sein muss und dann im zweiten Schritt auch rationalen Überlegungen standhalten muss.
Ich selbst wollte eigentlich in eine größere Mietwohnung in meinem jetzigen Wohnkomplex umziehen. Als das nicht klappte, weil man meine Vormerkung anscheinend verschludert hatte, war ich erstmal total frustriert. Und dann hab ich mich spontan in ein Neubauprojekt in meiner Heimatstadt verliebt, obwohl ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich daran gedacht hatte, dorthin zurückzuziehen. Aber es hat einfach klick gemacht, und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr wusste ich, dass ich genau das will
Einige Monate nachdem ich den Kaufvertrag unterschrieben hatte, stellte sich heraus, dass genau gegenüber meiner jetzigen Wohnung Eigentumswohnungen gebaut werden. Das wäre vor ein paar Jahren noch so ein Traum von mir gewesen. Aber nun habe ich gemerkt, dass es gar nicht mehr meins ist.
Jetzt ziehe ich also im nächsten Jahr aus der Großstadt, wo ich arbeite, in die deutlich kleinere Stadt, wo ich aufgewachsen bin und freue mich darauf. Ich merke, dass ich das Überangebot an Kultur gar nicht brauche und von dem weitaus überschaubareren Angebot in der Heimatstadt viel mehr Gebrauch mache, wenn ich mal da bin. Und so weit ist es ja nicht in die große Stadt.
Ich glaube, man kann so was nicht rein rational entscheiden. Hätte ich entschieden, dass ich wieder zurückziehen will, noch ohne eine konkrete Wohnung vor Augen zu haben, hätte ich womöglich nichts gefunden, was mir gefallen hätte und ich hätte mich am Ende vielleicht mit einem faulen Kompromiss begnügt. Insofern würde ich dafür plädieren, wenn es so weit ist (oder ruhig auch schon früher mal spaßeshalber) einfach mal Wohnungen, Neubaugebiete, Stadtteile anzuschauen und zu überlegen, ob Du Dir vorstellen könntest, dort zu leben, ob Dich da was richtig anspricht. Mal Dir Dein Leben in allen drei alternativen Wohnorten doch einfach mal plastisch aus: was würdest Du machen? Mit wem hättest Du Umgang? Wie wäre Dein Leben in zehn, zwanzig, dreißig Jahren dort? Und lass das alles ruhig in Ruhe wirken.
Vielleicht läuft Dir irgendwann Deine Traumwohnung über den Weg und Du weißt auf einmal, das ist es. Und dann passt es auch mit Deiner Vision vom Leben zusammen. Ich glaube nämlich, eine Traumwohnung ist nur eine echte Traumwohnung, wenn sie zu dieser Vision auch passt. Das merkst Du ja schon am Traum vom Bauernhaus: schön, aber nicht wirklich Deins.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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10.06.2011, 07:46
AW: Mein Zuhause - der Ort des Schreckens
Liebe Chennai,
ich muss gestehen, ich war etwas fassungslos, als ich mich durch diesen Thread gelesen habe.
Weil ein Leben in einem Ort, egal wie groß, immer auch Lärm und Kontakte mit sich bringt.
Mein erster Gedanke war: oh je, sie muss an den Nordpol auswandern!
Dann dachte ich, vielleicht wäre es ja etwas anderes, wenn Du einen besseren, und persönlicheren Kontakt zu Deinen Nachbarn hättest, Du also bei Bedarf ein bißchen mit einbezogen wärst in ihr Leben?
Vielleicht überwiegt dann das Mit-Freuen statt dem Neid?
Ich wohne in einer nicht allzu großen Stadt und habe ein sehr gutes und mit manchen Nachbarn auch freundschaftliches Verhältnis. Der Gedanke, dass jemand die HEcke stutzt führt bei mir eher dazu, dass ich denke: "Schön, dann unterhalten wir uns öfter mal über den Gartenzaun."
Wie kommst Du darauf, dass Du nicht willkommen bist, nur weil Dein Lebensentwurf ein anderer ist?
Wir haben hier ein regelmäßiges Nachbarschaftstreffen einmal im Monat, und da kommen die verschiedensten Leute: junge und alte, Familien und Singles, alle eben, die Zeit und Lust haben. Keiner bewertet das Leben des anderen.
In jedem Fall wünsche ich Dir persönlich eine andere Sichtweise!
Ich würde Dir definitiv den Mittelweg empfehlen.Vorteil Kleinstadt: Etwas mehr Kultur & Co. Arbeit meines Mannes, mehr DG-Wohnungen
Nachteil Kleinstadt: Kultur & Co jetzt nicht soooo dolle, wir kennen keinen, Stadt (Lärm, Leute & Co)Die Osterglocke
Wer nicht sagt, was er will, kriegt es auch nicht.



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