Antworten
Seite 13 von 26 ErsteErste ... 3111213141523 ... LetzteLetzte
Ergebnis 121 bis 130 von 258
  1. Inaktiver User

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    Zitat Zitat von Gedankenkarussell Beitrag anzeigen
    Ist es nicht schwer, die Balance zu finden zwischen Sich-Selbst-So-Akzeptieren und An-Sich-Arbeiten? Wenn man zu viel akzeptiert, dann sieht man vielleicht keinen Grund mehr, an sich zu arbeiten?


    Gedankenkarussell, Du hast einen ganz schön schnittigen Inneren Kritiker!


    Darfst Du existieren, ohne an Dir zu arbeiten? Bist Du nur etwas wert, wenn Du Deine - vermeintlichen - Makel unablässig ausbesserst?

    Frag´ihn ´mal danach! (und lass Dich nicht einlullen von seiner Antwort - der mag eloquent sein, ist aber nicht schlauer als Du!)

  2. Inaktiver User

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hm. Da habe ich jetzt noch nen Tag länger drüber nachdenken müssen.
    Wenn da solche Gedanken bei rauskommen ... lass´Dir Zeit!
    Und ich glaube, da würde ich nochmals unterscheiden.

    Das was du beschreibst, würde ich eher als natürliche Schutzhaltung bezeichnen. Das ist eigentlich unabhängig vom Kindlichen. Beispielsweise: Jemand droht mir Kloppe an oder jemand will mich emotional missbrauchen. Da bleibt man ja auch nicht stehen und hält demjenigen die linke Wange hin, weil nur das die wahre Güte ist.
    Ah, ich habe mich nicht deutlich genug ausgedrückt, sorry.

    Wovon ich sprach, sind tatsächlich Übergriffe emotionaler und anderer Natur, die in der Kindheit stattgefunden haben.
    Da greifen natürliche Schutzmuster nicht. Es gibt sie einfach nicht. Weil eben jemand Erwachsenes seine Verantwortung nicht getragen hat.
    Da kann man als Kind nicht viel tun.

    Das andere sind so Situationen, die triggern. Beispielsweise: Ich habe ein Problem und derjenige hat grad keine Zeit, mir zu helfen, obwohl ich erwarte, dass derjenige für mich da sein müsste und doch merken sollte, dass ich ihn gerade brauche.
    Dann geht's los: "Wie kann das sein, dass er mich einfach im Stich lässt? Sowas würde ich nieeee tun. Das bedeutet ganz klar, dass ich ihm nichts bedeute. Er liebt mich einfach nicht. Warum müssen mich immer alle im Stich lassen." Was folgt, sind Vorwürfe, Verletztsein, Rumschreien, Weinen. (alles beliebig erweiter- und auch austauschbar). Danach fühlt man sich nur noch schlechter. Aber nicht nur man selbst, auch der andere. Man fühlt sich schuldig, denkt, man hat was kaputt gemacht, zerfleischt sich eventuell mit Selbstvorwürfen.
    Ja, die Reaktionen kenne ich auch, mittlerweile. Und das werte ich als Fortschritt, denn es gab Zeiten, in denen ich mir solche Gedanken und Gefühle nicht einmal erlaubt habe.

    Siehe mein vorheriges Post: ich muss mich solchen Gedanken nicht mehr unterwerfen. Nichts damit tun, nicht reagieren.
    Sie dürfen da-sein.

    Aber klar habe auch ich Trigger, bei denen es sehr sehr schwer wird. Und es klappt nicht immer mit dem "Annehmen".

    Genau so. Allerdings könnte man das differenzieren. Sich fragen, von wem man sich denn damals, als kleines Kind, so im Stich gelassen gefühlt hat. Also, herausfinden, was man da auf jemand anderen projiziert. Und dem Kind sagen: "Hey, ich lass dich nicht im Stich. Das, was damals war, war eine andere Situation, mit anderen Beteiligten. Das, was jetzt ist, hat damit nichts mehr zu tun."

    Also, wirklich versuchen, diese alte Situation zu klären. Das Kleine stellvertretend aus der damaligen Situation zu erlösen. Vielleicht meine ich das mit "nachreifen". Eine solche wunde Stelle einfürallemal zu schließen, sich mit diesem Aspekt aussöhnen, und ja, weil es hier schon erwähnt wurde, auch verzeihen. Sich selbst. Aber auch den Beteiligten.

    Und dann mit erwachsenen Augen, die man ja jetzt hat, die gegenwärtige Situation angehen.
    Genau das, was ich meinte.

    Wobei ich bei dem "ein für alle Mal aussöhnen" ein kleines Fragezeichen habe.

    Es geht unfassbar viel, aber nicht alles.
    Narben stören aber nicht beim Glücklichsein. Sie machen es mitunter sogar viel, viel bewusster, das Glück.

    Und am Rande: ich halte Dankbar-sein-können für wesentlich wichtiger als Verzeihen.
    Geändert von Inaktiver User (06.05.2011 um 22:23 Uhr)

  3. User Info Menu

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es ist da.
    Liebe,
    so schönes post!

    Und weil ich grad von dem Gedanken noch beseelt bin:
    Wir haben unglaublich viel Freiheit, in unserer Zeit, unsererm Leben. Segen und manchmal so schwierig. Dafür möchte ich manchmal öfter dankbar sein, weil ich viele Frauen in ganz andren Leben kenne.

    Nun meins:
    Wir - ich? bin auf dem Weg. Ich wüsste schon, wie ich sein würde, wenn ich es mir dann mal aussuchen könnte.
    Aber ok.
    Ich vergleiche es mit 'nem Navi. Wenn ich meine aktuelle Position nicht geortet kriege, nutzt mir das Ziel nix, null.
    Dann steh ich eben in Groß Klein Schaarensflöt auf dem Marktplatz und habe zero check.
    Muss ich dann auch sagen: hier bin ich.
    Und es hört sich natürlich immer besser an: Ich bin auf dem Weg nach ...

    Ach, metaphorischer Kram, aber kein Ankommen ohne Ausagngsposition/ierung.
    Und die ist beim Innreren Kind immer mal so weit zurück ....


    bblume
    Geändert von Butterblume (06.05.2011 um 22:37 Uhr)
    flying is the art of falling to the ground without touching

  4. Inaktiver User

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    Zitat Zitat von Butterblume Beitrag anzeigen
    Nun meins:
    Wir - ich? bin auf dem Weg. Ich wüsste schon, wie ich sein würde, wenn ich es mir dann mal aussuchen könnte.
    Ach Butterblume, Du hast nen tollen Navi!
    Du hast eine Vorstellung,wohin es gehen kann! Du kennst Deine Sehnsucht!

    Dein Bauch findet einen Weg. (der hat mehr Nervenzellen als Dein Hirn, ergo: er kann besser denken ... )
    Ich vergleiche es mit 'nem Navi. Wenn ich meine aktuelle Position nicht geortet kriege, nutzt mir das Ziel nix, null.
    Dann steh ich eben in Groß Klein Schaarensflöt auf dem Marktplatz und habe zero check.
    Muss ich dann auch sagen: hier bin ich.
    *brüll* Das hast Du herrlich ausgedrückt!

    Und es hört sich natürlich immer besser an: Ich bin auf dem Weg nach ...
    (...), aber kein Ankommen ohne Ausagngsposition/ierung.
    Nicht vergleichen, Butterblume!

    Tu bitte nichts, was für die anderen besser klingt.



    Mach´es so, dass es sich für Dich gut anfühlt.
    Geändert von Inaktiver User (06.05.2011 um 23:04 Uhr)

  5. Inaktiver User

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    Euer Dialog - so rund und schön, ich bin dankbar dafür und dankbar, dass es euch gibt.
    Wenn man euch beide liest, geht es einem schon gleich richtig gut im Innern. Wäre ich Amerikanerin, würde ich sagen, ich liebe euch. Aber in Deutschland sagt man so etwas nicht, da ist überschwengliches Gefühl gleich verdächtig, oder?

  6. User Info Menu

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    Hallo ihr!

    Zuerst mal: Nachschlag, ich finde, du hast eine sehr schöne, klare Art zu schreiben! Es macht Spaß, deine Beiträge zu lesen!

    Ängste lassen sich nach einer Weile ganz gut annehmen, weil man gelernt hat, sich selbst zu trösten - aber wie ist es mit Gefühlen wie Trauer, Neid, bockig und engstirnig sein. Oder gar mit Wut.
    Darüber hatte ich tatsächlich noch gar nicht nachgedacht. Mit Angst kenne ich mich aus. Da bin ich verständnisvoll mit mir/meinem inneren Kind. Aber Wut, Trotz, Neid... dieses Gefühl, als ob mein inneres Kind mit dem Fuß aufstampft und um Aufmerksamkeit schreit, das ist viel schwerer anzunehmen.
    Ich merke in diesen akuten Situationen meist gar nicht, dass da mein inneres Kind die Oberhand gewonnen hat, da kommt mir dieses Gefühl völlig berechtigt vor und es will unbedingt raus, soll dem anderen mitgeteilt werden.
    Erst, wenn ich wieder zu Ruhe gekommen bin, merke ich dann, dass das unangemessen war und ärgere mich.

    Ich habe in den Situationen selbst Schwierigkeiten zu merken, dass ich plötzlich in eine gewisse Überreaktion gerate, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun hat. Meist merke ich es erst danach.
    Geht euch das auch so? Wie geht ihr damit um? Kann man lernen, dass rechtzeitig zu erkennen und zu reagieren, bevor eine Situation aus dem Ruder läuft?

    Sich selbst lieben heißt auch, sich in seinen hässlichsten Momenten annehmen zu können.


    Annehmen hat für mich in solchen Momenten eine ganz entscheidende Komponente: Ich muss nicht sofort etwas damit tun.

    Ich muss nicht sofort wieder lieb sein, nicht sofort klar und überlegt sein.
    Nein. Ich darf gerade hässlich sein.

    Und ich muss auch nicht sofort meinen ganzen Emotionswust auf meine Gegenüber losschleudern.

    Das hässliche Gefühl darf da sein, es wird angeschaut und "gefühlt" - aber ich muss es in keine Tat umsetzen.
    Eigentlich hat das sogar etwas ganz Befreiendes. So liest es sich jedenfalls. Man muss nur erst lernen, wie man das macht. Meist sehe ich in den Momenten nur zwei Wege: Es unterdrücken (klappt nicht) oder es dem anderen an den Kopf hauen.

    Gedankenkarussell, Du hast einen ganz schön schnittigen Inneren Kritiker!
    Ja, anscheinend, oder?

    Darfst Du existieren, ohne an Dir zu arbeiten? Bist Du nur etwas wert, wenn Du Deine - vermeintlichen - Makel unablässig ausbesserst?
    Nein, eigentlich nicht. Es ist ganz komisch, ich bin an sich sehr zufrieden mit mir. Ich nehme mir meine Schwächen nicht übel, ich mag mich eigentlich fast immer. Gerade, was meine Angst angeht, habe ich mich gut damit arrangiert. Aber die anderen Gefühle (siehe oben) sind mir zum Teil neu und mit denen kämpfe ich noch.

    Frag´ihn ´mal danach! (und lass Dich nicht einlullen von seiner Antwort - der mag eloquent sein, ist aber nicht schlauer als Du!)
    Darüber muss ich mal nachdenken!

    Ich weiß gar nicht, ob es so doll interessiert, aber schreibe ml ganz kurz den Hintergrund zu meinen Gedanken, vielleicht versteht man es dann besser.
    Im Januar hat mein Freund mit mir Schluss gemacht. Wir waren etwas mehr als ein Jahr zusammen, haben uns irgendwie aneinander aufgerieben. Wir sind sehr verschieden: Ich rede wahnsinnig viel und finde über mein Mitteilen oft Erleichterung, er ist ruhig und macht die Dinge mit sich aus. Ich gehe abends nicht viel weg, empfinde mich selbst deshalb oft als langweilig und spießig, er genießt es, mit vielen Leuten unterwegs zu sein. Gern auch fast jeden Abend.
    Ich hatte davor eine Beziehung, in der mein Partner extrem (zu sehr) auf mich eingegangen ist. Ich habe immer "gewonnen", konnte immer meinen Kopf durchsetzen, im Zweifelsfall hat er nachgegeben.

    Das war in der letzte Beziehung anders. Irgendeine Kleinigkeit war der Auslöser und beim Diskutieren wurde er kalt und abweisend (er sagt, er versucht dann nur, rational zu bleiben) und ich, bzw. mein inneres Kind, fing an zu toben. Ich stürzte von Wut in Verzweiflung, wurde hysterisch. Habe mit meinen Worten jongliert, um klar zu machen, um was es mir geht... Und wusste nie, ob es richtig bei ihm ankommt. Diese Verunsicherung hat mich dazu gebracht, immer noch was nachzuschieben, immer nochmal zu erklären, was ich meine. Immer weiter.
    Er war schnell an einem Punkt, an dem er dann immer sagte: "Das bringt doch alles nichts!". Ich gerate in Panik, dass er Schluss macht, versuche nochmal zu erklären, was ich meine, komme ihm verbal entgegen, nehme im Zweifelsfall die Schuld auf mich, indem ich sage, dass es irgendwie an mir liegt, ich reagiere über.
    Am nächsten Tag habe ich mich meistens geschämt, dass ich so überreagiert habe.

    Und: Ich kenne dieses Verhalten von mir nicht. Ich bin sonst nicht so, dass ich hysterisch werde in solchen Situationen, so überreagiere, einen Haufen von Emotionen ausschütte und verzweifle. Ich bin selbst fast an mir verzweifelt, weil ich nicht deuten konnte, woher das Verhalten kommt.

    Nach vielem Nachdenken, Lesen, Sachen aufschreiben in den letzten Wochen glaube ich, dass da u.a. eine Verlustangst eine Rolle spielt, die ich seit meiner Kindheit habe. Ich war immer sehr auf meine Mutter fixiert, habe als Kind Panik bekommen, wenn sie den Raum verlassen hat. Geschrien, mich übergeben, Fieber bekommen, wenn so etwas bevorstand. (Ich habe übrigens generell ein Problem mit Angst, ich war wegen meiner Angststörung in Therapie.) Vielleicht hängt diese Verlustangst auch irgendwie damit zusammen, dass ich als Baby oft eine ganze Weile schreiend allein in meinem Bett lag, ohne dass jemand kam. Meine Mutter war da eher für Abhärtung. (Was ich ihr nicht übelnehme, meine Geschwister haben keinen Schaden davon getragen.)
    Auch als Kind habe immer wieder komische, irrationale Ängste gehabt. Ich habe wenig Verständnis dafür bekommen, die Reaktion war immer: "Jetzt hör mal auf zu spinnen und reiß dich mal zusammen!". Ich war lange auch überzeugt, dass das der richtige Weg ist, damit umzugehen.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich vermute, dass es Situationen sind, in denen ich mich allein gelassen und unverstanden fühle, in denen mein inneres Kind so stark hervorkommt. Situationen, in denen ich verunsichert bin und mit allen verbalen Mitteln versuche, dem andere meine missliche Lage zu erklären. Meine Emotionen kochen immer weiter hoch und ich denke: Irgendwie muss er es doch verstehen und dann zu mir kommen und mir helfen!
    Und einen Tag später verstehe ich gar nicht mehr, warum ich so reagiert habe.

    Ich habe in den letzten Monaten sehr um meinen Ex-Freund gekämpft, ihm erklärt, warum ich glaube, dass ich es besser hinkriegen würde. In dem Zusammenhang habe ich wohl die Vorstellung, mein inneres Kind erziehen zu müssen, damit ich in einer Beziehung mit ihm "funktionieren" würde.
    Nur manchmal kommt mir der Gedanke, dass mein inneres Kind mich vielleicht auch vor irgendwas warnen will. Er ist für mich spannend, weil er mich herausfordert... Aber vielleicht überfordert er mich einfach, weil er so anders ist als ich.
    An diesem Punkt weiß ich nicht, wie weit ich mein inneres Kind "zähmen" muss oder wie weit es seine Berechtigung hat und der andere darauf eingehen sollte.

    So, das war lang. Ich bin überrascht, wie klar ich das jetzt aufschreiben konnte. Ich glaube, ich bin mit meinem Nachdenken ganz gut vorangekommen in den letzten Wochen. Und trotzdem noch so unsicher.

    Danke fürs Lesen, wenn sich jemand durchgequält hat! Habt einen schönen Tag!

  7. Inaktiver User

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    So, ich mußte jetzt mal raus aus der Sonne, meine Haut fängt schon an sich zu röten und zu jucken.

    Ich überlege manchmal auch, wie du Gedankenkarussell, warum ich so starke Verlustängste habe. Und auch ich führe das auf meine frühen Erfahrungen zurück. Als Baby wurde ich gleich nach der Geburt meiner Mutter weggenommen, weil es Furunkulose im Krankenhaus gab. Meine Mutter und ich hatten auch große Beulen, die bei mir operiert wurden. Aus den Oberschenkeln und aus der Brust wurde sie herausgenommen. Meine Mutter erzählte immer, sie hätte in der Klinik einen Säugling schrecklich schreien hören und glaubte, dass ich es war. Sie hatte Angst und ich natürlich auch.
    Zu Hause lebten wir als Familie in sehr engen räumlichen Verhältnissen, sechs Personen in einem winzig kleinen Häuschen. Es war gemütlich und warm, da waren die Großeltern und meine große Schwester, 14 Jahre älter als ich, und oft hatten wir Verwandtenbesuch. Ich schlief bei meinen Eltern im Zimmer, mein Vater schrie oft in der Nacht wegen seiner schlimmen Erlebnise im Krieg und in der Gefangenschaft. So saß ich nachts im Bett, meine Mutter mußte mich immer wieder hinlegen. Sie klammerte sich sehr an mich und verwöhnte mich wo sie nur konnte. Als ich zwei Jahre alt war, kauften die Tanten meiner Mutter den Großeltern ein Haus, damit wir mehr Platz hätten. Meine Schwester ging in die nächstgrößere Stadt um eine Ausbildung zu machen und lebte in einem Schülerwohnheim. Ich blieb allein mit meinen Eltern. Es wurde plötzlich ruhig bei uns und leer. Ich denke, ich habe die anderen so sehr vermißt, dass ich damit bis heute zu tun habe.Unbewußt , aber vielleicht gerade deshalb schwer zu verändern.
    Und dann verlor meine Großmutter auch noch das Augenlicht und brauchte viel Pflege und Betreuung. Wenn sie im Sommer im Garten saß und ein Flugzeug hörte, lief sie schreiend los. Egal wohin, nur weg. Sie hatten auf der Flucht viele Leichen gesehen, die durch die Fliegerangriffe umgekommen waren. Sie lief in die Hecken, sie lief auf die Straße und stürzte und verletzte sich. Wenn der Opa im Haus bei der Küchenarbeit nichts mitbekommen hatte, kamen die Nachbarn und befreiten die Oma aus ihrer mißlichen Lage. Einmal rettete sie der schlimme Nachbarjunge, der nur Unsinn im Kopf hatte. Davon wurde noch lange gesprochen. Manchmal wurde ich bei meinen Großeltern abgegeben. Ich haßte das, weil es passierte, wenn meine Mutter ausgehen wollte. Sie kam mit komischen Frisuren zurück und geschminkt und ich erkannte sie nicht. Sie benahm sich in meinen Augen auch komisch, ganz fremd. Weil sie sich schön fühlte, flötete sie mit zuckersüßer Stimme, ging geziert herum und beachtete mich wenig, sie war mit sich selbst beschäftigt. Ich mochte sie überhaupt nicht mehr leiden, ich wollte meine Mutter wiederhaben und nicht so eine gräßliche Modepuppe wie aus dem Katalog.
    Bei Oma und Opa wurde um 6 Uhr zu Abend gegessen, Haferflockenbrei, so süß, dass mir schlecht davon wurde. Anschließend schloß der Großvater die Fensterläden und es ging ins Bett. Das war sehr gemütlich. Zwar roch es nach dem Pinkeleimer, der immer mitmußte, weil die Oma ja nachts nicht die Treppe nach unten zum WC gehen konnte, aber das störte mich als Kind nicht. Im Bett erzählten wir uns ausgedachte Geschichten bis einer von uns einschlief. Später klappten die Garagentore, der Nachbar stellte sein Auto in der Garage auf dem Hof unter. Der Jagdhund nebenan bellte und der Wind rüttelte an den Fensterläden. Ich horchte auf die Geräusche und kuschelte mich näher an die Oma.
    Als ich sieben wurde starb sie, nachdem ich das erste mal unerlaubt allein den Weg zum Haus meiner Großeltern gemacht hatte. Jeden Tag sah ich sie unsere Straße herunterkommen und den Opa wieder lachen. Aber es passierte nie.

    Hm, ich weiß nicht, ich glaub, ich bin jetzt am Thema vorbei. Soll ich lieber löschen?
    Geändert von Inaktiver User (07.05.2011 um 18:18 Uhr)

  8. Inaktiver User

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    Zitat Zitat von Gedankenkarussell Beitrag anzeigen
    Komme ich denn überhaupt noch rein in euer Gespräch?
    Huhu Gedankenkarussell!
    Schön, dass du her gefunden hast!

    Ich finde es sogar außerordentlich bereichernd, deine Gedanken und Gefühle zu dem Thema zu lesen. Du drückst dich sehr klar aus finde ich.

  9. Inaktiver User

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ich muss mich solchen Gedanken nicht mehr unterwerfen. Nichts damit tun, nicht reagieren.
    Sie dürfen da-sein.
    Hi nachschlag

    Ich denke, wenn man so weit ist, dass man dieses Verhalten, diese Trigger, diese Situationen so klar erkennen kann und einen fast objektiven, aber liebevollen Blick auf das Ganze werfen kann, ist man schon mehr als weit.

    Wobei ich bei dem "ein für alle Mal aussöhnen" ein kleines Fragezeichen habe.
    Ich denke sogar, dass ich mit "Aussöhnen" nicht gemeint habe, bestimmte Verhaltensweisen für immer abgelegt zu haben, sondern genau das, was du oben beschreibst: Sich annehmen. Und nicht panisch reagieren. Sich in diesem Teilbereich zu kennen und zu wissen, wie man damit souverän umgehen kann.

    Narben stören aber nicht beim Glücklichsein. Sie machen es mitunter sogar viel, viel bewusster, das Glück.
    Ja! Sozusagen kleine Wachstumsnarben, an die man sich auch erinnern, aber auch darauf zurückblicken kann mit einem gewissen Gefühl der Sicherheit und auch Zufriedenheit.

    Und am Rande: ich halte Dankbar-sein-können für wesentlich wichtiger als Verzeihen.
    Das ist nicht nur am Rande wichtig! Demut ist ein für mich mittlerweile unablässlicher Aspekt meines Lebens geworden. Es macht gelassener, ruhiger und angstfreier.
    Für mich war es extrem wichtig, zu verzeihen, und ich habe sehr lange gebraucht, um genau das zu schaffen. Es war immer ein Drang in mir, meinen Eltern zu verzeihen, dass sie oft nicht die Eltern waren, die ich mir gewünscht hätte. Und es klingt wirklich seltsam, aber seitdem ich wahrhaftig verziehen habe, hat sich vieles verändert in meinem Leben. Das Verhältnis zu meinen Eltern hat sich von einen Tag auf den andern verändert. Es war, als ob sie es gespürt hätten. Wir verstehen uns. Das ist für mich unglaublich.

    Danke für den schönen Austausch hier!

  10. User Info Menu

    AW: Mein inneres Kind - wenn ich eine tiefe Beziehung eingehe

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Euer Dialog - so rund und schön, ich bin dankbar dafür und dankbar, dass es euch gibt.
    Wenn man euch beide liest, geht es einem schon gleich richtig gut im Innern. Wäre ich Amerikanerin, würde ich sagen, ich liebe euch. Aber in Deutschland sagt man so etwas nicht, da ist überschwengliches Gefühl gleich verdächtig, oder?
    He, Floralina - kurzer Einschub von mir - möchte noch mal in ruhe alle Beiträge lesen - mir geht es genauso : ich liebe Euch auch


    Bin sehr dankbar für die schöne Entwicklung des Themas.

Antworten
Seite 13 von 26 ErsteErste ... 3111213141523 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •