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  1. User Info Menu

    Selbstfindung vs. Freundschaft ???!!!

    Ich habe schon lange nicht mehr bei Bfriends geschrieben und sogar fast vergessen, dass ich mich hier einmal angemeldet hatte. Aber im Moment bin ich ein bisschen durcheinander und hoffe es gibt vielleicht den ein oder anderen der helfen kann.
    Im Moment fühle ich mich etwas hin- und hergerissen. Vor gut 2 Jahren habe ich mich entschieden nach dem Studium die Stadt zu wechseln, es hat mich etwas weiter weg verschlagen als ich dachte, denn ich wohne und arbeite nun im Ausland. Das war immer ein Traum von mir. Es macht mich sehr glücklich diese Chance zu haben und prinzipiell geht es mir gut, ich habe keine größeren Probleme mehr Single zu sein (DER Grund warum ich mich ursprünglich einmal hier angemeldet hatte) und komme auch mit der fremden Sprache einigermaßen klar.
    Nun stelle ich aber immer mehr fest, dass bei mir gerade das Thema Selbstfindung immer mehr in den Vordergrund tritt, ich suche Zeit um in mich zu gehen, tue viele Dinge bei denen ich mich vor allem auf mich selbst konzentriere, Dinge, die man genau und ordentlich macht, Dinge mit meinen Händen. Ich habe auch das Gefühl vieles zu lernen, dennoch merke ich wie schwer ich mich tue Freundschaften zu zulassen. In diesen 2 Jahren habe ich viele nette Leute getroffen mit denen ich in Deutschland auf jeden Fall Kontakt halten und eine gute Freundschaft aufbauen würde. Aber hier fällt es mir so viel schwerer. Ich rede hier vor allem von anderen Deutschen, weniger von Einheimischen, denn dass es mir bei ihnen schwerer fällt, liegt auch an meiner sprachlichen Unsicherheit. Prinzipiell bin ich eher schüchtern und das Kennenlernen war für mich immer mit einer großen Überwindung verbunden. Auch als ich zum Studium in eine andere Stadt kam, war ich zum ersten Mal mit diesem Problem konfrontiert und habe es nach anfänglichen Schwierigkeiten geschafft gute Freundschaften aufzubauen. Mit vielen dieser Freunde halte ich auch jetzt noch Kontakt. Irgendwann hatte ich sozusagen den Dreh raus.
    Aber hier ist es bei vielen der neuen Kontakte so, dass nach zwei oder drei Treffen Schluss ist, oft kann ich mich nicht dazu aufraffen wenigstens eine Email zu schreiben, eine Verabredung auszumachen oder auch nur einen Gedanken mitzuteilen. Auch wenn ich eine Person sehr nett finde und gern mit ihr befreundet wäre, fällt es mir unglaublich schwer der Beziehung Tiefe zu geben, persönliches Preis zu geben.
    Ich verstehe es selbst nicht, wie bin ich so egoistisch geworden? Kennt das jemand? Ist es nur die neue Situation? Nach zwei Jahren? Eigentlich verstehe ich auch nicht genau, wonach ich in mir suche, aber es erscheint mir so wichtig.
    Ich habe das Gefühl, dass mich auch dieser Zwiespalt blockiert, ich gehe weder in die eine Richtung noch in die andere, ich fühle mich in eine Sackgasse manövriert.

  2. Inaktiver User

    AW: Selbstfindung vs. Freundschaft ???!!!

    Liebe Bergpalme,

    wie ich Dich verstanden habe, gelingt es Dir im Ausland nur schwer, emotionale Tiefe in die Kontakte zu anderen Deutschen zu bringen? Leichter verständlich ist es ja, wenn dies mit den dort geborenen Menschen schwer gelingt. Vor allemdeswegen, weil man sich in einer Sprache, die nicht die Muttersprache ist, nicht so differenziert ausdrücken kann (vor allem bezüglich der emotionalen Befindlichkeiten). Ich selbst habe keine solcher Erfahrungen gemacht, weiß jedoch von einigen hier in Deutschland lebenden Migrantinnen, dass sie sich Menschen, die genau so wie sie "Fremde" im Land sind, leichter öffenen können, weil das "Fremdsein" verbindet und natürlich auch die Herkunftssprache.

    Ich finde jedoch, dass Du viel zu hart mit Dir umgehst. Dass Dir tiefere Kontakte nicht gelingen, hat sicherlich nichts mit "Egoismus" zu tun! Das sich Zurechtfinden und das "Einleben" im Ausland ist eine sehr schwierige Angelegenheit. Und Dir ist es ja auch bereits früher in einer Dir fremden Stadt in Deutschland gelungen, gute Kontakte und Freundschaften aufzubauen, die noch heute halten, wie Du geschrieben hast.

    Kann es sein, dass Dich etwas blockiert, Dich wirklich emotional auf Deine Umgebung im Ausland einzulassen? Dass Dich etwas daran hindert? Vielleicht ist Dein jetziger Aufenthaltsort nicht der richtige für Dich, um Dich wirklich auf längere Zeit grundsätzlich einzulassen? Auch wenn Du dort eine gute Arbeitsstelle hast, ist das ja nicht alles. Du wohnst doch bereits 2 Jahre dort. Da kannst Du stolz auf Dich sein, wenn Du das bis jetzt so gut gemeistert hast (auch ohne tiefere Freundschaften).

    Geht es nicht, dass Du nach Deutschland zurück kommst und dann auf die 2 Jahre Auslandserfahrung mit Stolz zurückblickst und Dir diese Erfahrung als Wichtige erhalten kannst auch ohne dass Du alles (Arbeit, Kontakte, Freundschaften ect.) zur 100%igen Zufriedenheit gelungen ist? Und wenn es wichtige Gründe für Dich gibt, im Ausland zu bleiben (wie z. B. ein guter job auf den man später aufbauen kann), dass Du in der Zeit Deine Freundschaften in Deutschland pflegst - kannst Du Menschen in Deutschland z.B.übers Telefon Dein Herz ausschütten? - und diese später wieder aufnimmst? Vielleicht kannst Du Dir ein Zeitlimit setzen, wie lange Du noch im Ausland leben willst und dabei vorläfufig mit oberflächlicheren Kontakten zufrieden sein? Die Entwicklungen von Freundschaften beruhen ja auch oft auf Zufall. Vielleicht begegnest Du ja in der ausländischen Stadt noch Menschen, die Dir emotional ähnlich sind und die Dich wirklich berühren?

    Gut wäre es m. E. nach, wenn Du Dir einiges von dem Druck nehmen könntest, unter den Du Dich stellst. Das andere: Wenn Dir die Selbstfindung wichtig ist, dann kostet das auch viel Kraft -vor allem im Ausland und es bleibt nicht mehr so viel Energie für den Aufbau tieferer Freundschaften übrig. Tiefere Kontakte erfordern ja auch mehr Pflege und Kraft als eher oberflächliche Bekanntschaften. Ich finde, Du tust recht daran, Dich selbst ernst zu nehmen. Wenn Du z. Zt. das Gefühl hast, es steht für Dich etwas wichtiges an, nach dem Du noch suchst, dann ist das wahrscheinlich auch richtig so. Es kommen auch wieder andere Zeiten, in denen Du den Außenkontakten mehr Raum geben kannst. Vermutlich fühlst Du Dich auch recht einsam - und das auch, weil Du Dich im Ausland befindest - weil Du Deinen eigenen Weg suchen musst und Dir z. Zt. niemand wirklich nahe zur Seite steht. Ich glaube, dass die Lebens- Phasen, in denen man seinen eigenen Weg sucht, immer recht einsam sind. Könntest Du Dir im Ausland professionelle Hilfe dafür zur Unterstützung nehmen? Es muss ja keine "schwerwiegende" Therapie sein. Ein Coaching oder eine Beratung über einen gewissen Zeitraum könnte auch gut sein.

    Alles Gute für Dich

    maggielee

  3. Inaktiver User

    AW: Selbstfindung vs. Freundschaft ???!!!

    Wirst Du, werden Deine Freunde denn längerfristig im Ausland bleiben oder ist es absehbar, dass ihr irgendwann wieder ganz woanders leben werdet?

    Das als ersten Gedanken zu Deiner Fragestellung. Denn ich glaube, dass "Freundschaften auf Zeit" zwar ihren eigenen Wert haben, aber anders sind als "unbefristete" Freundschaften.

    Ich denke, es gibt Zeiten, in denen man den Rückzug braucht. Weil sich gerade irgendetwas bewegt und seine "Reifezeit" benötigt. Deswegen finde ich Deine Rückzugstendenz grundsätzlich nicht schlecht, sie zeigt, dass Du sie gerade brauchst.

    Es gibt natürlich das Extrem, dass man dann völlig zum Einsiedler wird. Und dann kann es schwierig werden. Soziale Kontakte tragen nämlich durchaus zur Selbstfindung bei, denn man wird gespiegelt und bekommt Rückmeldung. Deswegen ist es kein Gegensatzpaar "Selbstfindung vs. Freundschaft", sondern eher komplementär.

    Aber - um den Bogen zu meinen ersten Fragen zu schlagen - die Frage ist, welche Qualität Freundschaften haben. Es gibt die "Zweckgemeinschaften" (ohne Wertung), wenn man mal zusammen ins Kino geht oder Sport treibt oder xyz. Und es gibt die Freundschaften, die im Laufe der Zeit an Tiefe gewinnen, die eine innige Beziehung erreichen. Zum Einen braucht dies natürlich Zeit. Zum Anderen in der Tat eine gemeinsame Basis aus Treffen, Gesprächen etc. - das, was Du Investitionen nennst. Ich glaube, dass man nicht unendlich viele solcher Freundschaften aufbauen und pflegen kann, sondern dass diese sowieso etwas Besonderes bilden. Da mußt Du für Dich ein wenig entscheiden, welche Menschen Dir so wichtig sind, dass Du Zeit und Energie investieren magst in die Freundschaft. Egoistisch finde ich es nicht. Ich persönlich habe zwei sehr nahe stehende Freundschaften, drei oder vier, die ich auch noch als intensiv ansehe und ansonsten mehrere Kontakte, bei denen durchaus mal monatelang Funkstille sein kann. Wobei sich auch bei den engen Freundschaften das Kontaktverhalten ändert, je nachdem, was bei uns gerade so los ist. Ich empfinde diese "differenzierten" Freundschaften als sehr bereichernd, habe Kontakte aber auch schon aufgegeben, weil ich diesen nicht mehr gerecht wurde und wir letztlich persönlich doch "zu weit weg" voneinander waren.

  4. Inaktiver User

    AW: Selbstfindung vs. Freundschaft ???!!!

    Zitat Zitat von Bergpalme Beitrag anzeigen
    Kennt das jemand? Ist es nur die neue Situation? Nach zwei Jahren?
    Ja, nach zwei Jahren bist Du noch nicht mal halb warmgelaufen. Ausserdem wuerde mich auch interessieren, ob Du Deinen Aufenthalt befristet siehst oder nicht. Im ersteren Fall gehst Du wahrscheinlich sowieso mit angezogener Handbremse ran.

    Als ich damals in die USA uebergesiedelt bin, hat schon einige Zeit gedauert, bis ich einige Freundschaften aufgebaut haben. Nun bin ich sowieso nicht so sehr der Freundschaftsmensch - ich komme gut mir selbst aus (auch ein Ergebnis meiner Selbstfindungsphase in der ersten Zeit hier). Wahrscheinlich hilft es schon sehr, wenn man an "Freundschaften" gerade am Anfang keine grossen Erwartungen knuepft. Sieh es als Zweckgemeinschaft z.B. im Hinblick auf gemeinsame Unternehmungen, und vielleicht entwickelt sich daraus etwas. Ich brauche mit Sicherheit laenger als zwei Jahre, bis ich jemanden als Freund bezeichne.

  5. User Info Menu

    AW: Selbstfindung vs. Freundschaft ???!!!

    Vielen Dank für die interessanten Antworten und eure Vorschläge, vor allem das Verständnis für meine Situation tut mir gut, denn ich verstehe es wie gesagt selbst nicht so recht.

    Auch wenn Du dort eine gute Arbeitsstelle hast, ist das ja nicht alles. Du wohnst doch bereits 2 Jahre dort. Da kannst Du stolz auf Dich sein, wenn Du das bis jetzt so gut gemeistert hast (auch ohne tiefere Freundschaften).
    Zunächst einmal, ich habe mich dazu entschieden noch eine Weile zu bleiben. Wie gesagt prinzipiell geht es mir gut, die Arbeitsstelle gefällt mir, die Kollegen sind nett und ich habe das Gefühl noch viel lernen zu können, was mir auch in Deutschland hilfreich sein kann.
    Allerdings hatte ich zunächst einen befristeten Vertrag und fühlte mich dadurch wirklich blockiert. Auch jetzt kann ich mir nicht vorstellen immer hier zu leben. Im Moment habe ich mir ein Limit von 3 Jahren gesetzt, möchte diese aber auch gern nutzen und dazu gehören auch Freundschaften. Ich hätte im Moment das Gefühl aufzugeben, wenn ich ginge. Ich wollte schon immer ins Ausland gehen nach dem Studium, nun nach zwei Jahren habe ich das Gefühl angekommen zu sein, auch sprachlich.
    Die meisten Kontakte zu Leuten mit denen ich regelmäßig etwas unternehme sind tatsächlich durch Zweckgemeinschaften entstanden, z. B. durch Wohngemeinschaften oder Sprachaustausch. Vielleicht sollte ich mich vorerst mehr auf einheimische Kontakte konzentrieren. Es klingt vielleicht blöd, aber mir ist aufgefallen, dass ich mich auch ein bisschen schuldig fühle, wenn ich mit Deutschen etwas unternehme. Denn anfangs sagte mir jeder, ich soll möglichst schnell Einheimische kennenlernen und sprechen, dadurch fühle ich mich auf beiden Seiten gehemmt, mit Einheimischen konnte ich nicht kommunzieren und mit Deutschen sollte ich nach Möglichkeit nicht. Ich lasse mir ziemlich schnell etwas einreden.

    Es gibt natürlich das Extrem, dass man dann völlig zum Einsiedler wird. Und dann kann es schwierig werden. Soziale Kontakte tragen nämlich durchaus zur Selbstfindung bei, denn man wird gespiegelt und bekommt Rückmeldung. Deswegen ist es kein Gegensatzpaar "Selbstfindung vs. Freundschaft", sondern eher komplementär.
    Das ist wirklich ein sehr interessanter Gedanke, denn bisher habe ich Selbstfindung tatsächlich nur auf mich bezogen, vor allem auf die Reflektion meiner Gedanken. Aber es stimmt, ich habe viel durch Freunde und Bekannte gelernt. Neulich habe ich mich gefragt, was ich an ihnen bewundere und bin zu einigen überraschenden Ergebnissen gekommen.
    Ich werde mir demnächst einmal intensiv Gedanken zum Thema Freundschaft machen.
    Ich bin Einzelkind und bin eigentlich immer gut alleine zurecht gekommen und auch jetzt mache ich lieber Sachen allein. Aber eben nicht alles, es ist schön einen Film zu sehen und danach mit jemandem darüber zu reden oder auszugehen und danach gemeinsam den Heimweg anzutreten. Außerdem koche ich sehr gern mit meinen Freunden, vor allem solche Sachen fehlen mir.

  6. Moderation

    User Info Menu

    AW: Selbstfindung vs. Freundschaft ???!!!

    Ich habe den Eindruck, du machst gerade etwas sehr schwieriges -- im Ausland leben, fremde Sprache, ungewohnte Kultur, Dinge machen/lernen die viel Aufmerksamkeit und Genauigkeit erfordern -- und bist schüchtern/introvertiert, das heißt, du findest es anstrengender, mit Leuten zu tun zu haben als alleine zu sein?

    Das klingt mir nach einem Resourcenproblem. Man hat eben nur so viel Energie, Willenskraft und Aufmerksamkeit. Gerade das "nicht mal eine e-mail schreiben" kenne ich von Leuten in Phasen, wo einfach andere Dinge sie unheimlich beanspruchen. Man merkt das nicht immer, weil man keinen psychischen Muskelkater kriegt, aber manchmal geht mehr einfach nicht, oder nicht gut.

    Ich war ein halbes Jahr in USA und habe in der ganzen Zeit niemanden kennengelernt und mit niemandem privat gesprochen, und es ist mir kein bißchen abgegangen. Ich war mit Arbeit und "yeah, Kalifornien!" völlig ausgelastet. Ich kenne Leute, die sich in gewissen Lebensphasen für ein halbes Jahr oder eines komplett zurückgezogen haben. Die kamen dann alle wieder, manche anders, manche nicht. Meiner Einschätzung nach ist ein Muster aus "herausgehen" und "hineingehen" völlig normal, und jede/r folgt da seiner/ihrer eigenen Uhr.


    Wie sehr stört dich der Mangel an Kontakten? Fühlst du dich einsam (ein direkter Mangel), findest du, du müßtest doch mehr Kontakte haben (also eine fremdbestimmte Erwartung), oder gefällt dir die Person nicht, die du geworden bist?

    Du sagst, "viele" neue Kontakte. Vielleicht wären wenige leichter zu handhaben?

    Wenn du anfängst, Angst vor Leuten zu haben, der Zimmerpalme deine Lebensgeschichte zu erzählen, oder dich einsam zu fühlen würde ich sagen, das sind Zeichen, daß du dir unter den vielen Kontakten mal zwei oder drei raussuchen solltest, in die du etwas mehr Aufwand investierst. Und sei es, daß du dir in den Terminkalender schreibst, daß du anrufen oder e-mailen wirst. Man ist sonst nämlich immer ganz schnell ganz baff, daß schon wieder ein halbes Jahr rum ist...

    Wenn du nur findest du solltest, und wenn es dir generell gut geht, wenn du findest, es gefällt dir da, wo du bist und da, wo du hingehst, dann würde ich sagen, mach dir kein Problem wo keins ist.

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