Hallo quellengrund,
ich glaube, sinnstiftend kann im Leben alles sein, was mir hilft meine Persönlichkeit in irgendeiner Form auszudrücken. Das kann im Job passieren, in einem Ehrenamt oder Hobby oder einfach in der Art wie ich leben. Auch Konsum kann in meinen Augen sinnstiftend sein, wenn er dazu dient, meine Persönlichkeit auszudrücken. Sprich, ich kann mir z.B. sinnlos einen Haufen Klamotten kaufen, nur weil sie teuer sind oder von einer bestimmten Marke stammen oder kann ich kann Zeit und Mühe darauf verwenden, genau die Kleidung zu finden, die zu mir passt, in der ich mich wohlfühle, die Facetten meiner Persönlichkeit zum Ausdruck bringt. Der Sinn des Lebens kann durchaus darin liegen, alles, was einem nicht entspricht, nicht zu einem passt, nach und nach aus dem Leben zu eliminieren und immer authentischer zu werden. Wo wohne ich? Wie wohne ich? Wie sieht mein soziales Umfeld aus? Mit welchen Menschen umgebe ich mich? Passen die zu mir? Wo und was arbeite ich? Gefällt mir diese Arbeit? Fühle ich mich dort wohl? Wie verbringe ich meine Freizeit? Wäre ich gerne kreativer, sportlicher, aktiver, ruhiger, kultureller? Wohin möchte ich wirklich gerne mal reisen? Was für eine Reise sollte das sein? Was würde ich gerne noch erleben?
Das sind alles Fragen, die ich mir immer wieder stelle, um mir selbst auf die Spur zu kommen und ggf. Korrekturen einzuleiten, wenn ich merke, da ist was nicht mehr stimmig für mich. Das heißt auch, dass das Leben immer ein wenig in Bewegung ist, neue Ideen am Horizont auftauchen, die auf Verwirklichung warten, neue Wünsche entstehen, neue Träume.
Das ist vielleicht nicht der tiefste Sinn im Leben. Aber nach meiner Überzeugung kenne wir diesen tiefsten Sinn nicht und können allenfalls an ihn glauben. Aber diese ganz irdische, ganz konkrete Sinn reicht meistens schon aus, um das Gefühl eines erfüllten Lebens zu bekommen. Ich stelle mir vor, dass ich immer wieder an einzelnen Stellchrauben in meinem Leben drehe. Manchmal sind es die größeren und manchmal nur kleine. Aber das Ziel ist, immer mehr zu dem Leben zu finden, das in allen Aspekten zu mir passt und eben genau mein Leben ist.
Du schreibst von dem Erlebnis mit Knuts Tod. Und Du hast ja selbst erkannt, dass es Unsinn wäre, jetzt daraus zu schließen, dass Du Tierpflegen werden solltest. Aber Du könntest überlegen, was genau es war, was Dich daran angesprochen hat. Die Sorge um ein hilfloses Wesen? Der selbstlose Einsatz für eine gute Sache? Die enge Beziehung zu einem Tier? Oder...? Und was immer es war, es gibt immer eine Möglichkeit, diese Saite, die da in Dir zum Klingen gebracht wurde, auch weiter erklingen zu lassen. Und das wäre dann eben eine Stellschraube, an der Du drehen könntest.
Ich finde solche Krisen wichtig, um innezuhalten im Leben und zu schauen, wo fehlt was, wo möchte ich was verändern? Ich habe gerade ein ganz gutes Buch gelesen, in dem es genau darum ging, dass Krisen erst Veränderungen ermöglichen, weil sie den notwendigen Druck erzeugen, um aus bekannten Verhaltensmustern auszubrechen. Also nimm diese Krise für Dich als Chance, Veränderungen herbeizuführen. Das müssen ja gar nicht die großen, bahnbrechenden Dinge sein, die dem Leben eine ganz neue Richtung geben. Oft reicht es ja schon, an ein, zwei Stellen anzusetzen und neue Impulse in sein Leben zu holen.
Viele Grüße,
Malina
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 49
Thema: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
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28.03.2011, 18:10
AW: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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28.03.2011, 19:23
AW: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
Ganz so ist es nicht. Wir brauchen an nichts zu glauben, wir müssen nur spüren, fühlen, dass da Sinn ist, irgendwo, irgendwie.
Manche Menschen können das automatisch, sie sind verbunden, ohne es zu wissen und würden jeden Gedanken an Spirituelles sogar weit von sich weisen, weil sie doch nicht zu den Spinnern gehören
, aber sie sind es trotzdem, denn es ist nichts Geheimnisvolles oder Abgehobenes.
Ich musste es allerdings - wie viele andere - aus einem diffusen Gefühl des Defizits heraus erst lernen und vielleicht die TE auch?
Ich "wusste" lange Zeit: da ist was, da gibt es was, an das muss ich rankommen, dann ist mein Leben voll und rund - und genau so war es auch.
Das möchte ich gern vermitteln, nur deshalb gebe ich hier meine "Weisheiten" kund, denn es ist so schade und auch unnötig, wenn man sein Leben nicht richtig genießen kann!Do what makes your heart sing
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28.03.2011, 19:35
AW: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
@Lalique
Wunderschöne Beiträge



(da mag ich grad selber gar nix schreiben, weil ich es so klug gar nicht ausdrücken könnte)
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28.03.2011, 20:19
AW: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
Das wiederum hilft m.E. der TE bei ihrer Frage, wie sie ganz konkret ihr Leben sinnvoll gestalten soll, nicht wirklich weiter.
Ich bin nun wahrlich ein Mensch, der sich für recht fest im Glauben verankert hält. Und dieser Glaube gibt mir die innere Gewissheit, dass mein Leben einen Sinn hat, auch wenn ich ihn nicht erkenne und mein Leben für sinnlos und verfehlt halte. Aber der Glaube beantwortet mir nicht so ohne weiteres die Frage, was mein Lebenssinn ganz irdisch, ganz konkret sein kann. Das muss ich letztlich selbst herausfinden. Und mir scheint, der sicherste Weg zu einem sinnerfüllten Leben ist der Weg zu einem authentischen Leben, einem Leben, das meiner Persönlichkeit entspricht.
Ob mein Leben in einem größeren Zusammenhang betrachtet ist, das maße ich mir nicht an zu entsheiden oder zu wissen. Aber ob ich selbst mein Leben als sinnerfüllt erlebe, das habe ich durchaus in der Hand. Und eine vage Ahnung von Sinn irgendwo, irgendwie reicht mir dafür nicht aus. Das ist allenfalls das Fundament meines Sinnerlebens. Aber wenn ich auf dieser Ahnung nichts Konkretes aufbaue, kann ich mein ganz persönliches Leben im Hier und Jetzt immer noch als sinnlos empfinden.
Herauszufinden, was zu mir passt, was mir entspricht, welche Gaben und Talente ich habe und diese auszuleben, mein Selbst so weit wie möglich zu entfalten, das erscheint mir ein gangbarer Weg Lebenssinn ganz konkret zu erfahren.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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28.03.2011, 21:44
AW: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
Liebe quellengrund,
Dein Thema bewegt mich, weil ich auch nach "meinem Sinn" suche. Und merke - ich will das "rat race" nicht mehr. Was andere wollen, muss ich nicht unbedingt wollen.
Vielleicht ist zu viel Denken und Sinnieren nicht undingt sinnvoll. Vielleicht sollten wir "learning by doing" betreiben - einfach Sachen machen, Dinge unternehmen und schauen, was "es" ist.
Ich habe mit Handarbeiten / Kunst angefangen. Und bin dann zu Yoga und gerade bei Tanzen (Ballett). Und Reisen ist auch mein Hobby.
Wenn Du Tiere liebst, warum gehst Du nicht ins Tierheim und hilfst aus, abends und am Wochenende. Vielleicht ist es "das", Du bleibst dabei und baust es weiter aus. Oder Du lernst etwas aus der Erfahrung und gehst weiter. Probierst was anderes.
Ich hoffe, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert und dass wir letztendlich bei unserer Bestimmung ankommen, solange wir nur danach streben und offen sind.
Ich vertraue darauf, dass sich mein Sinn schon findet, irgendwas wird sich ergeben. Ich tanze sehr gerne... vielleicht fragt mich mal jemand, ob ich workshops veranstalten will. Oder es ergibt sich was mit Reisen. Aber seit kurzem versuche ich offen zu sein, und nicht mehr krampfhaft an meinen Sorgen und der Zukunftsangst festzuhalten.
Bitte berichte doch weiterhin!
Alles Gute
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28.03.2011, 22:16Inaktiver User
AW: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
Mich interessiert das Thema Meditation seit Längerem, aber mir fällt es schwer, da den Einstieg zu finden. Ich bin kein furchtbar spiritueller Mensch, und viele der Bücher und Seminare zu dem Thema gehen in eine sehr esoterische Ecke.
Wie bist du denn da rangegangen? Was für eine Art Meditation machst du?
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29.03.2011, 08:22
AW: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
Doch, ich sagte bereits, dass sie durch Meditation an ihren "Sinn" kommen kann, alles andere ergibt sich dann schon - auch Konkretes.
Man kann dann intuitiv "richtiger" für sich, mit sich leben.
Das geht sicher auch über den christlichen Glauben, es gibt viele Wege ...
Und einen Sinn zu fühlen, ist keineswegs diffus, im Gegenteil. Man ist ganz schön klar im Kopf.Do what makes your heart sing
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29.03.2011, 09:01
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29.03.2011, 09:14Inaktiver User
AW: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
...Beitrag Nr. 4 galt der TE.
Die Aussage der TE spricht dich derzeit wohl sehr an, dass du sofort losgelegt hast
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Ratschläge für Beschäftigung und Literatur informieren rationell.
Wenn ein Mensch es heute schafft, sich seinen richtigen Platz "für normales ausgeglichenes Leben" im Alltag nach seinen Pulsschlag zu suchen, ist er wirklich reich.
Sobald ein Mensch losläßt von allen Erreichbarkeiten und sicher ist, dass er nicht "auf der Strecke bleibt", findet er auch selbst heraus, was ihm am besten tut, um "runterzukommen".
Es wird mit Meditation immer das Klischee mit Kloster und Stille aufgezeigt. Jeder Mensch findet auf eigene Weise eine Form von Entspannung und die ist nicht für jeden im Kloster mit erdrückender Stille. Ausgeglichene Menschen können mitten im Kinderlärm IHRE Ruhe finden.
Für Menschen, die sich auf ihre und ganz andere Weise gut erholen könnten, ist das eher eine sehr einseitige und manchmal bedrohliche Ansage, sobald wieder diese "nicht für jedermann zugängliche und nicht mit seinen Sinnen "befreifbare" unsichtbare Unbekannte scheinbar der einzige Ausweg sein soll.
Der Mensch hat alles in sich und kann sich auf eigene Weise an jedem Platz ausblenden und mit bewußtem Erspüren der eignen Sinne seinen SINNE FINDEN...
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29.03.2011, 11:06Inaktiver User
AW: Etwas Sinnstiftendes, bitte!
Das sehe ich anders. Ich kann nicht jeden Tag fühlen, spüren, dass da Sinn wäre. Die meisten Tage wollen einfach nur gelebt sein. Die sind nicht die Überfliegertage, aber auch wichtig. Ich finde das alles heute so überreizt. Und den tiefen Sinn meines Lebens werde ich VIELLEICHT erkennen können, wenn ich am Ende mal zurückblicke. Ich kann versuchen, Sinn zu stiften, aber ob es das trifft, wird sich erst im Nachhinein herausstellen. Wir müssen vorwärts leben und können erst rückwärts begreifen. Das ist meine Überzeugung. Für mich ist das richtig, kann aber bei anderen grundfalsch sein.
P.S. Für mich ist der Griff nach Religion, wenn ich meinem Leben keinen Sinn einhauchen kann, der Versuch, sich an äußeren Formen festzuhalten, weil die eigenen Quellen nicht erschlossen werden. Warum auch immer ...
Und Esotherik läuft dem Irrtum nach, man könne die komplizierte Welt des Daseins mit einfachen Antworten in den Griff bekommen. Das Chaos des Lebens und seine Unkontrollierbarkeit und somit Unsicherheit will aber einfach ausgehalten werden. Und mal ehrlich, daran kann man sich doch freuen. Das ist doch das eigentlich Spannende!
Geändert von Inaktiver User (29.03.2011 um 11:18 Uhr)


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