Liebe BriCom,
ich habe kein Problem, über das ich diskutieren möchte.
Mir gehen ein paar Gedanken durch den Kopf und vielleicht mögen sich hier Menschen austauschen.
Ich gehe langsam auf die 40 zu. Und manchmal frage ich mich: Was kommt noch?
Ich fühle mich wohl in meinem Beruf, habe aber auch gerade erst das Ruder herumgerissen, nachdem ich nah am Burnout gestanden habe. Karriere ist vorläufig "abgeflacht", und ich frage mich immer noch ohne Antwort, wo ich beruflich noch hin will. Aktueller Stand: in einigen Jahren Stunden reduzieren und im kulturellen Bereich ehrenamtlich tätig werden. Aber vielleicht ist das auch ein "Relikt" aus der großen Erschöpfungssituation der letzten Jahre?
Ich bin glücklich verheiratet, aber die ersten Ehen oder auch langjährige Partnerschaften in unserem Bekanntenkreis scheitern.
Wenn ich an den Sommer nach dem Abitur denke, dieses ganz spezielle Lebensgefühl "Die Welt steht offen", "Wir können alles schaffen" ... das ich oft noch im Studium erlebt habe, von denen es später noch ab und an Momente gab, das jetzt aber verschwunden zu sein scheint. Einfach diese Leichtigkeit, im Gegensatz zu der Schwere, die ich manchmal empfinde, wenn ich merke, dass alles eben nicht so einfach ist.
Hier in der BriCom, aber auch im realen Leben erzählen viele Menschen von ihren Schicksalsschlägen: Trennungen, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und manchmal "nur" ein "Vorbei-Leben" an dem, was Menschen eigentlich wollen und möchten.
Ich frage mich: Was kommt noch? Bleibt es schwierig und kompliziert? Wird es keine Momente der Leichtigkeit, der Freude mehr geben, weil ich einfach auch meine eigene Geschichte (und nein, sie ist keine rosige Märchen-Geschichte) weiterschreibe und als "Gepäck" mitnehme?
Viele Grüße von Catamara, die etwas durcheinander ist und sich auch fragt, ob sie gerade einen Knall hat![]()
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Ergebnis 1 bis 10 von 63
Thema: Was kommt noch?
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19.03.2011, 09:09Inaktiver User
Was kommt noch?
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20.03.2011, 10:26
AW: Was kommt noch?
Liebe Catamara

Ich bin fast 63 und ich kann dir dazu nur sagen : "DER WEG IST DAS ZIEL"


Es wird immer wieder Neues auf Dir zukommen, in jedem Moment !!!
Momente der Leichtigkeit, der Freude und des Glücks werden immer wieder da sein (Sehr viel sogar !!!)
und auch Probleme und Schwierigkeiten !!!
Wenn Du Dich auf Letzteres fokussiest wird sich die mehren und wenn Du Dich auf das fokussierst, was Dich freut, wird sich dies mehren !!!
(Was man nährt, das wächst!!
)
Du wirst oft an Punkte kommen,wo Du meinst "DAS WÄR ES!"---Du meinen wirst "Jetzt hast Du "es" heraus gefunden...."(erfreut ,oder enttäuscht....je nachdem...)
Es geht um Dich....immer um Dich als Ganzes
und es gehört alles dazu
Es geht immer vorwärts
(auch das, was Du als "Rückschlag" empfindest ist VORWÄRTS)
Du hast immer die Wahl
Ich bin ein "glücklicher" Mensch ,obwohl mein Leben ein "dramatisches" war und ist (da steh ich Dir in nix nach....
) Ich lebe es mit freudiger Spannung auf das, was kommt!!!
Und bin ....heute....für alles dankbar (auch das Problematische!), denn ich habe aus "meiner Geschichte" bis jetzt zu sehen gelernt, dass die Dramen ,die ich durchlebte, genauso wertvolle Geschenke waren, wie die Glücksfälle
Ich habe immer bekommen, was "ich brauchte".....zum Vorwärts
....und dies wird auch weiterhin so sein

Nur vorher, kann ich nicht wissen, was ich noch nicht weiß
.....und daher versuch ich auch nicht mehr ,es vorher zu beurteilen
Alles Liebe Dir
Tournesol
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20.03.2011, 12:12
AW: Was kommt noch?
Liebe Catamara,
ich bin jetzt 44 und habe eine Trennung und jede Menge dazu gehörigen Mist hinter mir. Und war irgendwann auch in dieser Spirale: Kämpfen, arbeiten, sich sorgen, weiter arbeiten, kämpfen, sich sorgen, weiter arbeiten ...
Aber ich habe den Ausstieg geschafft und lebe heute sehr glückich und zufrieden mit meinen beiden Kindern.
Dahin gekommen bin ich nach einer Zeit, in der ich krampfhaft versucht habe, das Glück zu erzwingen. Heute weiß ich, wie bescheuert das war. Aber ich machte das Glück - und damit die Leichtigkeit - immer an bestimmten Komponenten fest. Und solange die nicht in meinem Leben waren, war ich unglücklich. So schlicht sah ich das.
Heute sehe ich das ganz anders. Ich habe meine innere Haltung und damit meine Blickrichtung in meinem Leben geändert.
Geschafft habe ich das durch die Dankbarkeit. Ich habe erkannt, dass das Leben mir so unendlich viel geschenkt hat, für das ich dankbar sein kann. Und heute auch von ganzem Herzen bin. Und sicherlich gibt es das im Leben eines jeden von uns.
Und mit der veränderten inneren Haltung kamen wieder neue - große und kleine - Wünsche hinzu. Und damit auch die Leichtigkeit, die ich - wie du - von der Zeit nach dem Abi kannte.
Du trägst diese Leichtigkeit in dir, du musst sie nur freischaufeln.
Es gibt noch so viel zu entdecken
.
Alles liebe für dich,
beklamoMan wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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20.03.2011, 17:35Inaktiver User
AW: Was kommt noch?
Danke für Eure "reich-haltigen" Antworten!
Mir hat mal eine mütterliche Freundin (Mitte 50) gesagt, dass das Leben viel "breiter" ist als man in der Jugend annimmt, es gibt ein großes "Spektrum", das man nicht für möglich hält, das aber das Leben ausmacht. Vielleicht ist es das.
Tournesol, ja, wahrscheinlich fokussiere ich gerade wirklich das eher Negative. Die letzten Monate waren ein ganz schöner Kampf, sehr anstrengend, sehr auslaugend. Noch kenne ich es nur noch aus meiner Erinnerung, dass Arbeit auch erfüllend, bereichernd, beflügend sein kann und es auch bin. Trotz einiger harter Zeiten gibt es vieles, das mir geschenkt wurde und mich stützt.
Andererseits kann ich mit dem, was Du schreibst, Beklamo, auch viel anfangen: Schaue ich auf mein Leben, so gibt es eine Vielzahl von Dingen, von Menschen und Umständen, für die ich sehr dankbar sein kann.
Ich weiß nicht, vielleicht ist es gerade auch ein Erkennen, dass nicht alles im Leben kontrollierbar, planbar und einschätzbar ist. Dinge sind nur begrenzt beeinflussbar. Das ist einerseits gut, es erleichtert mich, nimmt mir den Druck, für alles verantwortlich zu sein. Andererseits ist es eben außerhalb jeder Kontrollmöglichkeit... Und nach der Erfahrung, dass ich eben auch in Richtung Abgrund steuern kann, ist da ein Gefühl von Ängstlichkeit. Kann man Gelassenheit, kann man Vertrauen und Loslassen lernen?
Tournesol, ja, ich habe auch gerade aus der vorangegangenen Zeit einiges gelernt. Ich bin standfester geworden, weiß, dass ich "Wüsten-Zeiten" durchstehen kann. Aber ich habe auch Federn gelassen und fühle mich verletzbarer.
Beklamo, mit der Glücksforschung habe ich mich auch einige Zeit beschäftigt. Dieses zwanghafte "Think Positive" fand ich irgendwann richtig bedrückend, denn es hinterließ immer das Gefühl, nicht positiv genug gedacht zu haben, wenn ich irgendetwas eben doch nicht positiv empfinden konnte. Deswegen kann ich auch mit der Aussage meiner Freundin viel anfangen, dass das Leben eben "breit gefächert" ist.
Aber ein wenig Angst ist eben doch da...
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20.03.2011, 20:07Inaktiver User
AW: Was kommt noch?
Hallo Catamara,
habe deine Strangeröffnung mit Interesse gelesen. Ich, 55, bin immer irgendwie ganz eigenartig berührt, wenn Menschen unter 40 nach dem "Was kommt noch" fragen.
Nicht, weil ich so viel älter bin und meine "Weisheit" und "Abgeklärtheit" in die Welt posaunen möchte, nein, es liegt daran, dass ich mir mit Ende dreissig über so etwas überhaupt keine Gedanken gemacht habe und ich mir vermutlich, wenn nun nicht vor 1 Jahr mein Bruder mit 56 gestorben wäre und meine Mutter seit dem sehr abgebaut hat, und jemand seine Beziehung zu mir sang- und klanglos abgebrochen hat, diese Gedanken immer noch nicht machen würde.
Nein, ich denke, es ist noch sehr vieles "drin" - auch wenn ich, auf Grund von Personalentscheidungen in meinem Betrieb ziemlich im Aus stehe und ich mir sowas wie eine Karriere abschminken musste - es sieht alles nicht rosig aus - aber ich habe zwei Möglichkeiten: entweder ich lasse mich fallen und jammere, habe Angst und es geht mir schlecht - oder aber ich versuche, mit dem was ich bin, was ich habe, Frieden zu schließen und daraus auch Kraft für neue Dinge zu ziehen.
Und - es sind ja nicht nur die äußeren Erfolge, die zählen und ein Leben angeblich so schillernd und interessant machen:
Ich habe mir neulich eine digitale Spiegelreflexkamera gekauft. In dem Bewusstsein: Fado, wenn du dir so eine anspruchsvolle Kamera kaufen willst, dann JETZT, bevor du so einen komplexen Apparat womöglich nicht mehr verstehst. Ich hatte höchsten Respekt, als ich die Kamera auspackte --- und? Jetzt scheint es mir so, als wenn diese Kamera nur auf mich gewartet hätte! Ich bin selig, bin ständig mit der Kamera unterwegs und sehe seit dem viel mehr! Es ist reines Glück, das ich empfinde. Glück aus mir selbst heraus! (Und - ich habe die japanische Wirtschaft unterstützt!!!
)
Ja, deine Freundin hat Recht, wenn sie sagt, dass sich das Leben weit auffächert - wie weit, das liegt an einem selbst.
Liebe Grüße
Fado
Geändert von Inaktiver User (20.03.2011 um 20:40 Uhr)
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20.03.2011, 20:10Inaktiver User
AW: Was kommt noch?
@tournesol :
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20.03.2011, 20:25
AW: Was kommt noch?
Liebe Catmara

Dein Satz "Ich habe aber auch Federn gelassen", hat mich grad zu der Frage inspiriert,
ob Du meinst, dass es falsch war, dass Du Federn gelassen hast---oder mußtest ????
Wer wärst Du heute, wenn Du diese nicht gelassen hättest ???
Bzw. welche Erfahrung würde Dir (vielleicht) dann heute fehlen???
Mir geht es mit meinen "ganz schlimm gelassnen Federn" nämlich....heute --in Erinnerung derer ---
ganz super gut und ich möchte es nicht missen....
In Gedanken "drin"haben wir Angst, an den Abgrund zu stoßen (der ja auch möglich wäre...)
Doch dieses Möglich sind nur unsere Gedanken dazu !
Gedanken über etwas, was wir nicht wissen können (und was vermutlich nie kommt)
....und selbst, wenn es so einträfe, würden die Gedanken,die wir uns vorher schon schlimmstens ausgemalt haben(und somit uns viel Lebenszeit vermiest haben und Kraft gekostet haben)....nichts helfen.....(In Gegenteil...)
Wenn wir allerdings so sehr in diesen Gedanken sind, ist es gut möglich, dass wir nichts ,als diese sehen ----obgleich so viel Schönes da ist..... !!!
Es hilft sehr sich dieses Mechanismus bewußt zu sein
...dadurch kommt auch Gelassenheit

Damit mein ich kein zwanghaft positives Denken---im Gegenteil---: Das genaue beobachten des JETZT

Alles Liebe
Tournesol
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20.03.2011, 20:38
AW: Was kommt noch?
Ich hatte beklamo jetzt nicht so verstanden, dass man das Negative in seinem Leben ausklammern oder, noch schlimmer, krampfhaft in was Positives umwandeln soll. Ich glaube, es geht eher darum, sich von dem Glauben zu verabschieden, dass das Leben erst schön ist, wenn x und y eingetreten sind (und dann die Furcht, dass sie womöglich nie eintreten könnten...). Das Leben kann immer und nie schön sein. Es kommt tatsächlich auf die Betrachtungsweise an. Auch einem ganz bescheidenen Tag kann man noch schöne Seiten abgewinnen (ohne die schlimmen zu leugnen, eher als Korrektiv, als Zeichen der Hoffnung), wenn man offen dafür ist.
Und ich glaube nicht, dass man sich krampfhaft einreden muss, dass man doch immer noch alle Möglichkeiten hat. Nein, die Möglichkeiten werden weniger. Das Leben liegt irgendwann nicht mehr wie ein unbeschriebenes Blatt vor einem. Aber auf der anderen Seite kann es immer wieder passieren, dass sich unverhofft neue Möglichkeiten auftun. Und diese Möglichkeiten können auch ganz unspektakulär daher kommen. Plötzlich entdeckt man ein neues Hobby (wie Fado so schön vom Fotografieren schrieb), und darüber lernt man auf einmal tolle Leute kennen, oder es ergibt sich die Möglichkeit, daraus eine berufliche Alternative zu entwickeln, oder man weitet das Hobby zu einer echten Leidenschaft aus.
Ich habe gestern mit einer Frau gesprochen, der nach der Geburt ihres ersten Kindes die Decke auf den Kopf fiel und die sich vor lauter Langeweile und Einsamkeit von einer Freundin mit zu einem Bauchtanzkurz schleppen ließ. Nun, das ist zwanzig Jahre her, und sie hat inzwischen ihre eigene Bauchtanzschule und strahlte so viel Begeisterung aus, dass ich hin und weg war von ihr.
Das hatte sie sich als Sachbearbeiterin im öffentlichen Dienst so sicher auch nicht ausgemalt.
Und sicher ist irgendwann auch das Alter vorbei, in dem solche Werdegänge noch möglich sind, einfach weil einem die Zeit davonläuft. Aber dann erfreut man sich vielleicht immer noch an dem Hobby an sich.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht der Typ bin, der mit Mitte 40 sein Leben noch mal total umkrempelt. Ich merke, dass ich eher in Richtung Sicherheit und Beständigkeit strebe. Aber das heißt für mich, dass ich meine abenteuerlustige Seite offenbar hinreichend ausgelebt habe und jetzt was anderes an der Reihe ist. Warum soll das Leben nicht ganz verschiedene Abschnitte enthalten? Das ist für mich Bandbreite. Es gibt eine Zeit um aufzubauen, zu entdecken, voranzuschreiten, sich auszuprobieren, und eine Zeit, wo man bestimmte Dinge für sich ausschließt, wo man die Erfahrungen, die man gemacht hat (auch mit Irrwegen) in seinen Lebensentwurf einfließen lässt und sein Leben danach gestaltet. Und das bietet dann wieder Rau für neue Erfahrungen, von denen man vielleicht noch nichts ahnt. Die Aufgabe einer viel versprechenden Karriere kann ja z.b. Zeit und Raum für neue Hobbys schaffen. Und dann, siehe oben.
Ich glaube, dass grundsätzlich immer noch was kommen kann, in dem Maß, in dem man dafür offen und dazu bereit ist.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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21.03.2011, 11:12Inaktiver User
AW: Was kommt noch?
Ich denke da gerne an Hermann Hesses "Siddharta". Er hat auch verschiedene Lebensabschnitte gelebt, in denen ganz unterschiedlich Dinge den Schwerpunkt bildeten.
So kommt es mir häufig bei mir selbst vor und wenn ich mich dann umschaue, stelle ich fest, dass die Kernpunkte mitunter die gleichen sind, aber von verschiedenen Menschen in verschiedenen Reihenfolgen gelebt werden.
Mir war zuerst eine gute Existenzgrundlage als Basis am Wichtigsten und ich habe die ersten Jahrzehnte danach gelebt. Jetzt ernte ich sozusagen und kann mich nun um andere Seiten meines Lebens, die bisher zu kurz kamen, verstärkt kümmern.
Gleichzeitig sehe ich, daß Menschen, die sich zuerst um ihre persönliche Verwirklichung gekümmert haben, heute mitunter an den Schwierigkeiten der Existenzsicherung hart arbeiten müssen.
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21.03.2011, 12:13Inaktiver User
AW: Was kommt noch?
welch interessanter Strang! Ich möchte auch gerne mein Scherflein dazu beitragen.

Ich bin ein wenig älter als du Catamara, aber vor 2 1/2 Jahren, mit Ende 30, habe ich mein Leben noch einmal komplett umgekrempelt.
Ich habe gekündigt und bin mit meinem Freund in eine andere Stadt gegangen (meine Heimatstadt zufälligerweise, in der ich jedoch über 10 Jahre nicht gelebt hatte).
Obwohl ich - gleich - an einer Sache zu knabbern habe, habe ich diesen Schritt kein einziges Mal bereut. Privat bin ich sehr glücklich, beruflich war es leider eine Fehlentscheidung (deutlich: ich suche seit 2 1/2 nach einem neuen Job
, muss aber erwähnen, dass ich - zur "Überbrückung" seit damals freiberuflich arbeite).
Und auch wenn ich deswegen manchmal ganz schön gefrustet bin, nehme ich diesen neuen Weg in meinem Leben an, denn ich habe es so gewollt und "muss" nun damit leben und das Beste draus machen.

Es gibt zB Dinge, die ich - wäre es glatt verlaufen - sicher nicht gemacht hätte, so kann ich eines meiner größten Hobbies (frei)beruflich verwenden.
Was ich sagen will: es kommt noch viel, vielleicht auch nicht, es ist gut, vielleicht auch schlecht, man weiß es nicht - und ist nicht das DAS Spannende?
suzie w


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