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  1. Inaktiver User

    AW: Was kommt noch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn ich an den Sommer nach dem Abitur denke, dieses ganz spezielle Lebensgefühl "Die Welt steht offen", "Wir können alles schaffen" ... das ich oft noch im Studium erlebt habe, von denen es später noch ab und an Momente gab, das jetzt aber verschwunden zu sein scheint. Einfach diese Leichtigkeit, im Gegensatz zu der Schwere, die ich manchmal empfinde, wenn ich merke, dass alles eben nicht so einfach ist.
    Nun, das dürfte tatsächlich durch sein, da Du Lebenserfahrung hast und diese Gefühle auf der Idee beruhen, dass man am Anfang steht und das Kommende unbekannt und spannend ist. So wird es nie wieder.

    Hier in der BriCom, aber auch im realen Leben erzählen viele Menschen von ihren Schicksalsschlägen: Trennungen, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und manchmal "nur" ein "Vorbei-Leben" an dem, was Menschen eigentlich wollen und möchten.
    Das sind die einschneidenden, negativen Momente im Leben, die Du schilderst und häufig sind sie ungewollt, von aussen ausgelöst. Dass solche Wendungen im Leben die Menschen bewegen, ist nicht verwunderlich und dürften für diese Menschen die glücklichen oder den ruhigen Alltag weit überstrahlen.

    Ich frage mich: Was kommt noch? Bleibt es schwierig und kompliziert? Wird es keine Momente der Leichtigkeit, der Freude mehr geben, weil ich einfach auch meine eigene Geschichte (und nein, sie ist keine rosige Märchen-Geschichte) weiterschreibe und als "Gepäck" mitnehme?
    Zum einen kommt das, was Du möchtest, da Du vieles in der Hand hast und Wendungen oder Neuerungen selbst herbei führen kannst. Ob Du allerdings erkrankst, Dein Partner erkrankt, Dich verläßt oder Dein Beruf sich als Sackgasse heraus stellt, kann Dir niemand vorweg sagen.

    Ich bin sehr optimistisch und habe keine Ängste vor der Zukunft. Allerdings erwarte ich auch nicht, dass es Spannung gibt, wie es sie in meiner Jugend gab, da ich mich in weiten Teilen fest gelegt habe und viele Richtungsentscheidungen getroffen sind. Wobei ich mich frage, möchte ich mich noch einmal neu orientieren und mit Spannung der Jugend auf die Zukunft blicken - ich glaube nein, denn ich genieße mein Leben derzeit sehr.

  2. Inaktiver User

    AW: Was kommt noch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich weiß nicht, vielleicht ist es gerade auch ein Erkennen, dass nicht alles im Leben kontrollierbar, planbar und einschätzbar ist. Dinge sind nur begrenzt beeinflussbar. Das ist einerseits gut, es erleichtert mich, nimmt mir den Druck, für alles verantwortlich zu sein. Andererseits ist es eben außerhalb jeder Kontrollmöglichkeit... Und nach der Erfahrung, dass ich eben auch in Richtung Abgrund steuern kann, ist da ein Gefühl von Ängstlichkeit. Kann man Gelassenheit, kann man Vertrauen und Loslassen lernen?
    Ja, das kann man. Das bedeutet aber nicht zwangsweise, dass damit alle Durchhänger, inneren Löcher oder angstbesetzte Fragezeichen vorbei sind. Es kann mit Rückschlägen verbunden sein, mit immer wieder in sich gehen, sich immer wieder den eigenen Ängsten stellen - und daraus neue Kraft schöpfen.

    Ich stelle bei mir immer wieder fest, dass es stets dieselben Ur- und Seinsängste sind - in anderer Verkleidung, anderer Form, im Kern aber dieselben. Je öfter ich mich ihnen stelle(n) (muss), desto leichter sind sie zu bewältigen. Das habe ich ja schon mal geschafft, immer wieder geschafft, warum also nicht dieses Mal.
    Es fühlt sich an, als liefe man eine kegelförmige Spirale nach oben: Mit jedem Kreis kommt man an ähnlichen Punkten/Themen vorbei, befindet sich aber bereits auf dem nächsthöheren und kleineren Kreis. Irgendwann ist man dann ganz oben. Und hat damit alle strittigen Punkte in sich selbst integriert und versöhnt.

    Tournesol, ja, ich habe auch gerade aus der vorangegangenen Zeit einiges gelernt. Ich bin standfester geworden, weiß, dass ich "Wüsten-Zeiten" durchstehen kann. Aber ich habe auch Federn gelassen und fühle mich verletzbarer.
    Vielleicht ist das die Antwort auf Dein fehlendes "Leichtigkeitgefühl aus der Abi-Zeit". Damals fühlte man sich doch nicht nur in einem Meer von Möglichkeiten, sondern gar unbezwingbar bis unsterblich.
    Im weiteren Leben stellt man fest, dass die eigene Kraft dann doch irgendwo endlich ist - und dass Verletzungen weh tun und nicht mehr mit einem schlichten Pflaster und Draufpusten heile werden.

    Und dann lernt man seine Kraft einzuteilen und nur noch für Dinge und Personen einzusetzen, die einem am Herzen liegen. Gut so.
    Und stellt fest, dass nicht alle Möglichkeiten für einen bestimmt sind. Und man auch gar nicht alle haben will.

    Beklamo, mit der Glücksforschung habe ich mich auch einige Zeit beschäftigt. Dieses zwanghafte "Think Positive" fand ich irgendwann richtig bedrückend, denn es hinterließ immer das Gefühl, nicht positiv genug gedacht zu haben, wenn ich irgendetwas eben doch nicht positiv empfinden konnte. Deswegen kann ich auch mit der Aussage meiner Freundin viel anfangen, dass das Leben eben "breit gefächert" ist.
    Zwanghaft ist schon mal schlecht. Es berücksichtigt einfach nicht die Vielfältigkeit und Daseinsberechtigung des gesamten Emotionsspektrums. Es bereitet Schuldgefühle und ein Gefühl des Ungenügend-Seins, wie Du ja selbst schon festgestellt hast. Also weg damit.

    Nimm lieber an, was da ist. Wenn man seinen Ängsten Raum gibt, ohne ihnen zu gestatten, den ganzen Raum einzunehmen (wichtig!), müssen sie sich nicht immer so vehement zu Wort melden.

    Damit wird Raum frei für Neues, für Deine Wünsche, Deine Gefühle, Deine Spinnereien und kreativen Zukunftsideen.

    Vielleicht kannst Du Deine jetzige Situation als eine Art Pause, ein Schweigen und Stillhalten vor dem neuen Aufschwung sehen. Eine Atempause, in der Du Dich sammeln und klären kannst.


    Alles Gute
    Geändert von Inaktiver User (21.03.2011 um 12:57 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: Was kommt noch?

    Wow, was für eine Vielzahl und Vielfältigkeit an Antworten!

    Zitat Zitat von tournesol Beitrag anzeigen
    Dein Satz "Ich habe aber auch Federn gelassen", hat mich grad zu der Frage inspiriert,
    ob Du meinst, dass es falsch war, dass Du Federn gelassen hast---oder mußtest ????

    Wer wärst Du heute, wenn Du diese nicht gelassen hättest ???
    Bzw. welche Erfahrung würde Dir (vielleicht) dann heute fehlen???

    Mir geht es mit meinen "ganz schlimm gelassnen Federn" nämlich....heute --in Erinnerung derer ---
    ganz super gut und ich möchte es nicht missen....
    Tournesol, danke!
    Mit Federn lassen meine ich bei mir im speziellen, dass ich in den letzten Jahren meine "verwundbare" Seite kennen- und zulassen gelernt habe. Ich war in den ersten zehn Berufsjahren immer die starke Powerfrau, die wenig Verständnis - in erster Linie für mich selbst -dafür hatte, dass es Grenzen gibt und die ihre eigenen Schwächen verborgen hat. Dann ging das irgendwann nicht mehr. Ich hatte das Glück, gut begleitet zu werden (von einer Supervisorin im beruflichen und einer Therapeutin im persönlichen Bereich - wobei beides ineinander greift ). Heute stehe ich an einem Punkt, wo ich mir ungeschminkt anschauen muss und möchte, dass und wo ich verletzlich bin, dass und wo ich Grenzen habe. Ich merke jetzt schon den Wert dieser Erfahrung, aber - verdammt! - sie hat auch weh getan! Ein großer Teil meines Selbstbildes ist damit massiv erschüttert worden.

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Nein, die Möglichkeiten werden weniger. Das Leben liegt irgendwann nicht mehr wie ein unbeschriebenes Blatt vor einem. Aber auf der anderen Seite kann es immer wieder passieren, dass sich unverhofft neue Möglichkeiten auftun. Und diese Möglichkeiten können auch ganz unspektakulär daher kommen. Plötzlich entdeckt man ein neues Hobby (wie Fado so schön vom Fotografieren schrieb), und darüber lernt man auf einmal tolle Leute kennen, oder es ergibt sich die Möglichkeit, daraus eine berufliche Alternative zu entwickeln, oder man weitet das Hobby zu einer echten Leidenschaft aus.
    [...]

    Ich merke, dass ich eher in Richtung Sicherheit und Beständigkeit strebe. Aber das heißt für mich, dass ich meine abenteuerlustige Seite offenbar hinreichend ausgelebt habe und jetzt was anderes an der Reihe ist. Warum soll das Leben nicht ganz verschiedene Abschnitte enthalten? Das ist für mich Bandbreite. Es gibt eine Zeit um aufzubauen, zu entdecken, voranzuschreiten, sich auszuprobieren, und eine Zeit, wo man bestimmte Dinge für sich ausschließt, wo man die Erfahrungen, die man gemacht hat (auch mit Irrwegen) in seinen Lebensentwurf einfließen lässt und sein Leben danach gestaltet. Und das bietet dann wieder Rau für neue Erfahrungen, von denen man vielleicht noch nichts ahnt. Die Aufgabe einer viel versprechenden Karriere kann ja z.b. Zeit und Raum für neue Hobbys schaffen. Und dann, siehe oben.
    Malina, ich bewundere Deine Fähigkeit, Dich sehr klar auszudrücken und bin von Deinen Worten berührt. So ein wenig erahne ich nämlich auch gerade die Freiheit, die in der Beschränkung liegt, so komisch dies jetzt klingt. Aber mir einzugestehen "Hier ist meine Grenze, das geht nicht" heißt auch: sich nicht unnötig verschleißen. Eine Grenze schließt nicht nur aus - in meiner bisherigen Interpretation alle potentiellen Möglichkeiten - , sie schließt auch ein - nämlich das intensive Leben dessen, was ich mir erschließe, wo ich meine Prioritäten setze. Dass sich daraus auch noch wieder neue Möglichkeiten erschließen können, so weit traue ich mich noch gar nicht zu denken. Im Moment bin ich noch damit beschäftigt, meine Prioritäten zu setzen und danach zu handeln, ohne irritiert zu sein, wenn andere überrascht darüber sind und meine Prioritäten in Frage stellen.

    Ein wenig geht es mir wie Dir mit den Reisen: Während ich bis ca. 33 dem Beruf absolute Priorität eingeräumt habe, gibt es da eine Verschiebung, seit ich meinen Mann kenne. Von meinen 100% Energie verteilt sich seitdem deutlich mehr aufs Privatleben, und dementsprechend bleibt weniger übrig für das Berufliche.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mir war zuerst eine gute Existenzgrundlage als Basis am Wichtigsten und ich habe die ersten Jahrzehnte danach gelebt. Jetzt ernte ich sozusagen und kann mich nun um andere Seiten meines Lebens, die bisher zu kurz kamen, verstärkt kümmern.
    Gleichzeitig sehe ich, daß Menschen, die sich zuerst um ihre persönliche Verwirklichung gekümmert haben, heute mitunter an den Schwierigkeiten der Existenzsicherung hart arbeiten müssen.
    Zum Glück geht es mir ein wenig ähnlich wie Dir: Ich kann - sofern nichts Gravierendes dazwischen kommt - davon ausgehen, dass ich immer von meiner "Basis" relativ gut leben kann. Wohin ich von dieser Basis aus weiter steuere, das ist jetzt einmal schief gegangen und ist mir auch noch nicht endgültig klar.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich stelle bei mir immer wieder fest, dass es stets dieselben Ur- und Seinsängste sind - in anderer Verkleidung, anderer Form, im Kern aber dieselben. Je öfter ich mich ihnen stelle(n) (muss), desto leichter sind sie zu bewältigen. Das habe ich ja schon mal geschafft, immer wieder geschafft, warum also nicht dieses Mal.
    Es fühlt sich an, als liefe man eine kegelförmige Spirale nach oben: Mit jedem Kreis kommt man an ähnlichen Punkten/Themen vorbei, befindet sich aber bereits auf dem nächsthöheren und kleineren Kreis. Irgendwann ist man dann ganz oben. Und hat damit alle strittigen Punkte in sich selbst integriert und versöhnt.
    Schönes Bild! Tja, vielleicht gehört auch das zum "Breiter werden": Nicht - die Ängste verlieren, sondern - sich ihnen stellen, akzeptieren, dass sie zum Leben dazu gehören.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Im weiteren Leben stellt man fest, dass die eigene Kraft dann doch irgendwo endlich ist - und dass Verletzungen weh tun und nicht mehr mit einem schlichten Pflaster und Draufpusten heile werden.

    Und dann lernt man seine Kraft einzuteilen und nur noch für Dinge und Personen einzusetzen, die einem am Herzen liegen. Gut so.
    Und stellt fest, dass nicht alle Möglichkeiten für einen bestimmt sind. Und man auch gar nicht alle haben will.
    Das glaube ich inzwischen auch. Herrje, aber meine Ängste rühren vielleicht auch daher, dass ich schon weiß: So geht es nicht weiter. Und andererseits noch verängstigt davor bin, Prioritäten neu zu setzen und Konsequenzen daraus zu ziehen. Mir damit auch Türen zu verschließen, eventuell dauerhaft. So ganz klar ist mir noch nicht vor Augen, was ich denn eigentlich will... Vieles wird im Moment auch von der Angst bestimmt, wieder in diese gerade erst überwundene Erschöpfungsdepression zu geraten - ich kann mir zum Beispiel gerade kaum vorstellen, in meiner Arbeit wieder Freude zu empfinden. Obwohl ich dies kenne. Es fühlt sich an wie ein Weitergehen mit einer Binde um die Augen...

  4. User Info Menu

    AW: Was kommt noch?

    Dieses zwanghafte "Think Positive" fand ich irgendwann richtig bedrückend, denn es hinterließ immer das Gefühl, nicht positiv genug gedacht zu haben, wenn ich irgendetwas eben doch nicht positiv empfinden konnte. Deswegen kann ich auch mit der Aussage meiner Freundin viel anfangen, dass das Leben eben "breit gefächert"
    Da ist sicherlich aber etwas völlig falsch verstanden worden. Wo soll man zwanghaft positiv denken???

    In sich selbst das zu entdecken, was immer schon da war - das ist das Positive. Wie oft geben wir uns mit Dingen ab, die uns nicht liegen, weil es eben auferlegt scheint (um anderen zu genügen).

    Und die Dinge, die man schon immerl liebte, bleiben im Híntergrund: mache ich später mal...

    Ich glaube, das ist genau das, was deprimiert: ich darf jetzt noch nicht..... Es wird wahrscheinlich auch nie etwas....

    In uns sind Dinge gespeichert, die nach einem Update verlangen. Wir sind genau an dem Punkt, diese Dinge jetzt in die Wege zu leiten statt die Phrasen der Kindheit, was man zu tun hat, erneut zu leben.

    Eine Sicherheit gibt es nicht, man schaue nach Japan, wo nichts mehr so ist, wie es einmal war und wahrscheinlich nie mehr sein wird.

    Was morgen kommt - wird immer im Ungewissen liegen. Das Heute zu leben, gut zu leben, mit Spaß und innerem Dank - dort die größtmögliche Befriedigung herauszuziehen - das ist das Leben. Und wenn ich das morgen wieder so handhabe, wird der Rückblick auf mein Leben schon ein Lächeln auf mein Gesicht zaubern....

  5. Inaktiver User

    AW: Was kommt noch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Tja, vielleicht gehört auch das zum "Breiter werden": Nicht - die Ängste verlieren, sondern - sich ihnen stellen, akzeptieren, dass sie zum Leben dazu gehören.

    Das glaube ich inzwischen auch. Herrje, aber meine Ängste rühren vielleicht auch daher, dass ich schon weiß: So geht es nicht weiter. Und andererseits noch verängstigt davor bin, Prioritäten neu zu setzen und Konsequenzen daraus zu ziehen. Mir damit auch Türen zu verschließen, eventuell dauerhaft. So ganz klar ist mir noch nicht vor Augen, was ich denn eigentlich will... Vieles wird im Moment auch von der Angst bestimmt, wieder in diese gerade erst überwundene Erschöpfungsdepression zu geraten - ich kann mir zum Beispiel gerade kaum vorstellen, in meiner Arbeit wieder Freude zu empfinden. Obwohl ich dies kenne. Es fühlt sich an wie ein Weitergehen mit einer Binde um die Augen...
    Ich finde, Deine Angst ist gerade super - sie macht nämlich ganz hervorragend ihren Job, das, wofür sie da ist!

    Sie warnt Dich. Und beschützt Dich damit, hier gerade vor Dir selbst.

    Wenn Du in den letzten Jahren mehr auf "Gewinnen" im Sinne von "Leistung" eingestellt warst, sind die empfundenen Verletzungen und Verletzlichkeiten, Deine Grenzen und die Erkenntnis, nicht mehr alle Optionen zu haben, bestimmt sehr ungewohnt und verunsichernd.

    Vielleicht hilft Dir die obige Idee vom "Gefühl mit Auftrag".
    Würdest Du ohne die Angst, wieder in die Erschöpfungsdepression zu rutschen, Dich so genau anschauen? Wichtige Stützpfeiler Deines Lebens anschauen und ggf. Deine Prioritäten neu setzen?

    Ich wäre (und bin) so manches Mal, unter Negierung meines Selbsts, einfach zur Tagesordnung übergegangen - bis zur nächsten Krise.
    Und die nächste Krise ist, wenn sie dasselbe Problem betrifft, in der Regel gravierender.
    Geändert von Inaktiver User (21.03.2011 um 14:15 Uhr) Grund: (und bin) ergänzt

  6. Inaktiver User

    AW: Was kommt noch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Vielleicht hilft Dir die obige Idee vom "Gefühl mit Auftrag".
    Würdest Du ohne die Angst, wieder in die Erschöpfungsdepression zu rutschen, Dich so genau anschauen? Wichtige Stützpfeiler Deines Lebens anschauen und ggf. Deine Prioritäten neu setzen?
    Ganz klar: Nein!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich wäre (und bin) so manches Mal, unter Negierung meines Selbsts, einfach zur Tagesordnung übergegangen - bis zur nächsten Krise.
    Und die nächste Krise ist, wenn sie dasselbe Problem betrifft, in der Regel gravierender.
    Ganz genau das würde mir auch wieder passieren. Ich würde genauso weiter machen wie die Jahre davor.

    Aber die Angst warnt vor etwas, nämlich vor dem Überschreiten meiner Grenzen, sie weist aber nicht auf "das Richtige" hin.

    Wobei ich gerade überlege: Wahrscheinlich findet sich "das Richtige" ja innerhalb meiner Grenzen. Klingt banal. Aber tatsächlich ist das eine neue Sichtweise für mich...

  7. Inaktiver User

    AW: Was kommt noch?

    Zitat Zitat von bonneya Beitrag anzeigen
    Da ist sicherlich aber etwas völlig falsch verstanden worden. Wo soll man zwanghaft positiv denken???
    Ich empfinde oft die amerikanische "Think positive"-Bewegung insofern als zwanghaft, als Mißerfolge dahin gehend interpretiert werden, dass man eben doch nicht positiv genug gedacht hat, letztlich doch gezweifelt hat etc. - unter Negierung der Tatsache, dass manche Dinge einfach passieren. Ein Unfall kann auch einem noch so positiven Menschen passieren...

    Zitat Zitat von bonneya Beitrag anzeigen
    In sich selbst das zu entdecken, was immer schon da war - das ist das Positive. Wie oft geben wir uns mit Dingen ab, die uns nicht liegen, weil es eben auferlegt scheint (um anderen zu genügen).

    Und die Dinge, die man schon immerl liebte, bleiben im Híntergrund: mache ich später mal...

    Ich glaube, das ist genau das, was deprimiert: ich darf jetzt noch nicht..... Es wird wahrscheinlich auch nie etwas....

    In uns sind Dinge gespeichert, die nach einem Update verlangen. Wir sind genau an dem Punkt, diese Dinge jetzt in die Wege zu leiten statt die Phrasen der Kindheit, was man zu tun hat, erneut zu leben.
    Da triffst Du einen Punkt... Du glaubst gar nicht, wie viele "Ausreden" und Gedankengebäude ich schon gefunden habe, um das, was ich als meine Pflicht empfunden habe, in einen Sinn einzubinden - unabhängig davon, dass es mich unglücklich gemacht hat, belastet hat...

    Zitat Zitat von bonneya Beitrag anzeigen
    Eine Sicherheit gibt es nicht, man schaue nach Japan, wo nichts mehr so ist, wie es einmal war und wahrscheinlich nie mehr sein wird.

    Was morgen kommt - wird immer im Ungewissen liegen. Das Heute zu leben, gut zu leben, mit Spaß und innerem Dank - dort die größtmögliche Befriedigung herauszuziehen - das ist das Leben. Und wenn ich das morgen wieder so handhabe, wird der Rückblick auf mein Leben schon ein Lächeln auf mein Gesicht zaubern....
    Ich finde es manchmal gar nicht so einfach, nicht alles unter Kontrolle haben zu können. Rational kann ich das, was Du schreibst, nachvollziehen. Emotional löst auch das Angst aus.

  8. Inaktiver User

    AW: Was kommt noch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Aber die Angst warnt vor etwas, nämlich vor dem Überschreiten meiner Grenzen, sie weist aber nicht auf "das Richtige" hin.
    So ein blödes doofes Viech aber auch!

    Sorry, ich konnte nicht widerstehen - Du hast ja Recht!
    Sie sagt Dir, wie weit Du gehen kannst, aber nicht direkt, wohin Du gehen solltest. Besser: gehen möchtest.

    Könnte es ein, dass Du sehr "krampfhaft" darauf herumgrübelst, was jetzt als nächstes anzupacken ist?

    Du gehst hier ganz schön gewichtige Sachen an, die sowohl Raum als auch Zeit und Geduld zum Entwickeln benötigen.

    Mir hilft da meist (außer dem Spruch mit den Grashalmen, die vom Dranziehen nicht schneller wachsen .. ):

    "Versuche nicht zu weit zu gehen, wo Du noch gar nicht angefangen hast." (Verfasser mir leider unbekannt)

    Und Deine Signatur finde ich auch sehr passend.



    Wobei ich gerade überlege: Wahrscheinlich findet sich "das Richtige" ja innerhalb meiner Grenzen. Klingt banal. Aber tatsächlich ist das eine neue Sichtweise für mich...
    Das ist ganz bestimmt so. Woher sonst soll es kommen?
    Selbst wenn die Idee von außen käme, muss sie in Dir auf Resonanz stoßen, sonst fällt sie Dir überhaupt nicht auf oder führt evtl. in die Fremdbestimmung.
    Das heißt also, dass sie in Dir schon vorhanden ist - und sein sollte.

    Und ich finde es völlig normal, dass Du erst einmal suchen musst.
    Immerhin hast Du mehrere Jahre kräftig an Dir vorbei gelebt. Deine Wahrnehmung für Deine Bedürfnisse und Wünsche ist möglicherweise noch etwas verschüttet, sie ist sehr viel feiner und eben nicht so vertraut wie Deine vorherige Lebensweise.

    Schenk´ Dir ein wenig Raum und Achtsamkeit. Dann wächst sie.
    Geändert von Inaktiver User (21.03.2011 um 15:01 Uhr) Grund: "Besser: gehen möchtest." ergänzt

  9. Inaktiver User

    AW: Was kommt noch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    So ein blödes doofes Viech aber auch!
    Finde ich auch!!!


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Könnte es ein, dass Du sehr "krampfhaft" darauf herumgrübelst, was jetzt als nächstes anzupacken ist?

    Du gehst hier ganz schön gewichtige Sachen an, die sowohl Raum als auch Zeit und Geduld zum Entwickeln benötigen.

    Mir hilft da meist (außer dem Spruch mit den Grashalmen, die vom Dranziehen nicht schneller wachsen .. ):

    "Versuche nicht zu weit zu gehen, wo Du noch gar nicht angefangen hast." (Verfasser mir leider unbekannt)

    Und Deine Signatur finde ich auch sehr passend.

    Und ich finde es völlig normal, dass Du erst einmal suchen musst.
    Immerhin hast Du mehrere Jahre kräftig an Dir vorbei gelebt. Deine Wahrnehmung für Deine Bedürfnisse und Wünsche ist möglicherweise noch etwas verschüttet, sie ist sehr viel feiner und eben nicht so vertraut wie Deine vorherige Lebensweise.

    Schenk´ Dir ein wenig Raum und Achtsamkeit. Dann wächst sie.
    Mhmmmm, ja richtig.
    Meine Signatur habe ich recht bewusst gewählt, und das mit dem Grashalm ist mir auch klar. Und schlicht und ergreifend: Ja, Du hast recht. Punkt.

    Es geht nur so unglaublich schnell mit der Fremdbestimmung. Aktuellstes Beispiel: In meinem jetzigen, ganz neu angefangenen Job eilt mir mein Ruf meiner früheren Tätigkeit (der vor dem beruflichen "Umweg") voraus, d.h. die Erwartungen seitens meiner Chefin sind ziemlich groß, v.a. was das Tempo betrifft, bestimmte Neuerungen einzuführen. Es schmeichelt mir, dass sie dieses Bild von mir hat. Aber noch schlimmer: Der Drang ist groß, den Erwartungen entsprechen zu wollen. Und das hängt auch damit zusammen, dass ich das Gefühl habe, nach dem Scheitern jetzt wieder "beweisen zu müssen", dass ich trotzdem gut bin. Wem beweisen? Mir? Der Chefin? Ich kanns noch nicht mal auseinander dividieren...

    Die Interpretation der Krise der letzten Jahre ist immer noch eher negativ und angstbesetzt. Vielleicht muss ich aber auch damit Geduld haben, dies anders wahrzunehmen.

  10. Inaktiver User

    AW: Was kommt noch?

    Was für ein schöner und tiefgründiger Strang!

    Das Gefühl der Leichtigkeit, das man in der Jugend hat, hängt auch damit zusammen, dass man seine eigenen Grenzen noch nicht kennt, sich selbst noch nicht realistisch einschätzen kann. Man denkt, man könne alles, habe alle Möglichkeiten, müsse nur zugreifen. Und man hat ein grenzenloses Vertrauen ins Leben.

    Später lernt man seine Grenzen kennen, und damit reduzieren sich auch die eigenen Möglichkeiten. Dazu kommen private und berufliche Krisen, die man gar nicht selbst verschuldet haben muss. All das verschreckt einen und es dauert, bis das verlorene Vertrauen wieder so weit hergestellt ist, dass man nicht mehr denkt: und was kommt als nächstes?
    Dabei gibt es auch immer positive Dinge; nur sieht man sie nicht, so lange man sich in der Defensive befindet.

    Diese positiven Dinge wieder zu erkennen und sich an ihnen zu erfreuen, obwohl andere Dinge gerade nicht perfekt laufen, ist die einzige Möglichkeit, sich seinen Optimismus und seinen Humor zu bewahren. Es ist immer beides vorhanden: Gutes und Schlechtes. Der eigene Fokus entscheidet darüber, was man in den Mittelpunkt rückt.

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