Hallo zusammen
es fällt mir schwer, daß hier zu schreiben,aber ich weiß im Moment wirklich nicht, was ich denken soll.Es geht um die Ereignisse in japan. Auf der einen Seite bin ich wirklich total darüber bestürzt und entsetzt, was darüber passiert, wieviel Leid den Menschen und der Natur dort widerfahren ist.
ich habe wirklich Angst, daß da gerade so eine Art zweites Tschernobyl passiert.
Das ist die eine Seite in mir. Auf der anderen- und jetzt kommt ich zum meinem Titel- habe ich echt Schiß, daß diese Katastrophe vielleicht die nächste Weltwirtschaftskrise auslöst und ich wieder meine Arbeit verliere.( So geschehen bei der letzten).Das was damals passiert ist, hat mich echt total dünnheutiger und unsicherer gemacht.Ich bin erst 31, aber im Moment beneide ich jeden der kurz vor der Rente steht.
Ich weiß auch, daß ich von hause aus Pessimist bin , aber sollte ich nicht einfach nur Mitleid mit den tausenden von japaner haben und froh sein, daß ich weit weit weg von Fukushima wohne?
Bin ich irgendwie ein schlechterer Mensch, daß ich so denke, wie ich es tue?
Danke für Eure Meinungen!
lg
Rhea
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15.03.2011, 18:10
Bin ich einfach nur egoistisch?
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15.03.2011, 18:13Inaktiver User
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15.03.2011, 18:20
AW: Bin ich einfach nur egoistisch?
nein, du bist kein schlechterer mensch deswegen! eine mögliche wirtschaftskrise, in deren folge zu deinen job verlieren könntest, ist ein denkbares szenario, und deine angst durchaus berechtigt. (auch wenn vermutlich das risiko, dass solch eine krise schlagartig eintritt, recht klein ist.)
es ist doch so: wir können hier in deutschland a) nichts für die opfer in japan tun, jedenfalls nicht unmittelbar, und mittelbar im prinzip auch nicht. wenige gehören hilfsorganisationen an und reisen nach japan, um zu helfen, das ist großartig und wird honoriert.
wer kann, spendet geld, das ist auch etwas schönes.
was mich persönlich aber z.b. stört, ist diese maximale betroffenheit, von der manche sich lähmen lassen. dass der fallout bis hierhin reicht, ist relariv unwahrscheinlich; bei tchernobyl sah das ganz, ganz anders aus, das war richtig nahe bei.
dass du aber deine arbeit verlieren könntest, zumal du die erfahrung schon mal gemacht hast (mir geht's übrigens exakt genauso), ist sehr viel unmittelbarer bedrohlich und für dich auch der wichtigere punkt als ein ständiges gedankliches kreisen um die menschen in japan! menschenschicksale in japan betreffen zuerst diejenigen, die dort sind und helfen können. zu denen gehören wir nicht, es ist schlicht sehr, sehr weit weg.
es trifft unsere herzen, das ist auch gut, aber es gibt nur sehr eingeschränkte bis gar keine eingreifmöglichkeiten, das gibt es zu respektieren. in der nachbarschaft gibt es probleme genug, bei denen hilfe viel besser möglich ist, und: am besten kannst du helfen, wenn es dir selbst gut geht.
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15.03.2011, 18:59
AW: Bin ich einfach nur egoistisch?
Ich halte Egoismus erstens für sehr viel besser als seinen Ruf,
und zweitens die Deutschen aufgrund ihrer Historie für Weltmeister im Betroffen- und Sensibelsein, was andere Völker und Nationen betrifft.
Ganz ehrlich, wäre bei uns etwas ähnliches geschehen hielte sich das Mitleid und die Massenempathie der japaner für uns schätzungsweise in sehr überschaubaren Grenzen.
Ich mache mir übrigens weder Gedanken über fallout noch über Weltwirtschaftskrise, es tut mir zwar leid für die Leute dort unten, aber ich bin nicht maßlos erschüttert und auch meine Laune ist relativ ungetrübt,
es ist für mich emotional, gedanklich und geografisch einfach weit weg. Basta.
Der 2.Jahrestag von Winnenden letzte Woche, und seine Reportagen über Spätfolgen dort, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, ging mir weitaus mehr an die Nieren,
ich denke das ist das Phänomen der sog. journalistischen Nähe.---
In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.
Dalai Lama
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16.03.2011, 17:43
AW: Bin ich einfach nur egoistisch?
Hallo zusammen
Danke für Eure Antworten.
Ich tue mich wirklich schwer damit, mich nicht verrückt zu machen, nicht andauernd das Schwärzeste ausmzumalen. Durch die letzte W-Krise und ihre Folgen habe ich echt fast eine Art Paranoia bekommen. Viele meiner Ex-Kollegen, die es auch getroffen hat,haben noch immer keien Arbeit gefunden.
Denke, es wird mir nichts anderes übrig bleiben, als abzuwarten, was passiert. ich arbeite in der Automobilzuliefererbrache, wenn es eine neue Weltwirtschaftskrise geben würde,dann werden wir es als erstes merken.
lizzy,
ich denke, du hast vollkommen recht, wir in Deutschland werden nicht unmittelbar betroffen sein von dem Fall-out, Hilfe würde nur über Spenden möglich sein. Wobei ich da um ehrlich zu sein auch daran denke, was mit dem ganzen Geld passiert ist, was wir damals für Haiti gespendet haben- die Lage dort ist immer noch katastrophal- die Spendengelder scheinen wohl versickert zu sein.
Danke nochmals
Rhea
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16.03.2011, 18:27Inaktiver User
AW: Bin ich einfach nur egoistisch?
Rhea, du könntest deiner (absolut verständlichen) Angst mit Fakten begegnen. Die japanische Notenbank hat wenigstens bei den Finanzen clever reagiert und einer Panik in der Bevölkerung versucht vorzugreifen, indem sie vorgestern eine Milliardenspritze gesetzt hat. Schon gestern war der Nikkei-Index wieder über 9.000 Punkten, was ja rein psychologisch in etwa der 6.000-er Grenze des DAX entspricht. Die japanische Automobilbranche - für dich ja noch relevanter - verzeichnet auch wieder ein starkes Plus. Und das, obwohl viele Werke nach dem Erdbeben geschlossen werden mussten. Also: Schau dir lieber die Zahlen an und analysiere diese, als dich deinen Befürchtungen hinzugeben und ins Bodenlose zu fallen. Dann fühlst du dich bestimmt auch nicht mehr egoistisch, sondern den Umständen gewachsen
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16.03.2011, 18:36
AW: Bin ich einfach nur egoistisch?
Es gibt Sachen, die faßt man so nicht, da ist das Gehirn nicht für gemacht. In "Per Anhalter durch die Galaxis" versucht jemand, mental damit klarzukommen, daß die ganze Erde zerstört wurde, und er fühlt überhaupt nichts. Dann denkt er "England", und seine Heimatstadt, und Fußball, und immer noch keine Reaktion. Erst als er denkt, daß er nie wieder seinen Lieblingssaft zu trinken kriegt, bricht er heulend zusammen.
Das ist nicht egoistisch, sondern einfach im Hirn so angelegt, daß erst eine bestimmte Nähe und auch eine bestimmte *Vorstellbarkeit* erreicht werden muß, ehe man emotional reagiert. Manchmal klickt die Nähe und Vorstellbarkeit bei ganz unerwarteten Sachen, aber es muß immer ein persönlicher Bezug da sein. Sonst könnte man gar nicht leben.
Und: Starke Emotionen machen einen nicht zu einem besseren Menschen.
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23.03.2011, 16:26
AW: Bin ich einfach nur egoistisch?
@ Rhea
Warst Du schon mal längere Zeit arbeitslos? Besonders in der letzten Zeit?
Es ist kein Geheimnis, dass man seit Hartz IV weitaus schneller sozial absteigt als früher, wenn man längere Zeit arbeitslos ist. Und es ist kein Wunder, wenn die Menschen davor Angst haben.
Dennoch denke ich, dass die Ereignisse in Japan keine Weltwirtschaftskrise auslösen werden, von der Dein Arbeitsplatz betroffen sein wird.
Keine Frage, viele Menschen in Japan hat es weit schlimmer getroffen als es Dich selbst im Falle einer Arbeitslosigkeit treffen wird. Viele haben außer dem nackten Leben nichts mehr, viele haben Familienangehörige verloren. Sei dankbar dafür, dass Du nicht so schlimm dran bist, und spende etwas Geld für die Opfer des Tsunami, wenn Du was erübrigen kannst.
Was den Stand der verunglückten Reaktorblöcke angeht, kann es durchaus nochmal zu einer Freisetzung größerer Mengen Radioaktivität kommen, denn die Kühlung der überhitzten Brennstäbe ist längst nicht unter Kontrolle. Man weiß auch nicht, ob es zu einer Kernschmelze gekommen ist. Aber auch das betrifft in erster Linie die armen Japaner. Übrigens ist auch nach Tschernobyl die Weltwirtschaft nicht zusammen gebrochen. Und die Radioaktivität damals hat uns sehr wohl erreicht.Geändert von Latona (23.03.2011 um 16:32 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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23.03.2011, 17:00
AW: Bin ich einfach nur egoistisch?
Man kann doch beides tun -- mit den Japanern mitfühlen (und evtl. etwas spenden) und sich um seine Zukunft sorgen.
Nach dem schweren Erdbeben von Kobe 1995 hat sich Japan wirtschaftlich relativ rasch erholt. Die jetzige Katastrophe ist durch den Tsunami zwar schwerer als die der 90er Jahre, aber jeder Wiederaufbau stimmuliert auch die Wirtschaft (die Kurse der Baunkonzerne stehen gut ...) und bietet die Möglichkeit zu modernisieren.
Die Atomkatastrophe wird indirekt sicherlich auch auf uns Auswirkungen haben. Da das Nahrungsmittelangebot knapper wird, werden sich evtl. manche Lebensmittelpreise erhöhen, das dürfte aber nur marginale Auswirkungen auf Dein Budget haben. Für die Japaner wird das schon anders aussehen.
Ein für meinen Standpunkt positiver Nebeneffekt ist der Umstand, das die Kernenergie hierzulande wieder kritischer diskutiert wird und die Laufzeitverlängerung vermutlich zumindest in Teilen zurückgenommen wird.
Was die Wirtschaft angeht, mache ich mir viel mehr Sorgen um die nach wie vor nicht im Ansatz behobene Schuldenkrise. Auch wenn der demographische Wandel (zunächst) manches mildern kann, werden wir uns noch grundsätzlich umgewöhnen müssen. Entweder steigt die Abgabenlast (und damit sinken die verfügbaren Einkommen) oder die öffentlichen Leistungen, an die wir alle gewöhnt sind (Schulen, Straßen etc.) werden eingeschränkt, was je nach konkreter Lebenssituation auch einen Verlust an realer Kaufkraft bedeutet. Die gestiegenen Preise für Gold und Immobilien sind ein Zeichen der allgemeinen Nervosität, dazu passt die Nachricht von heute, das Utah Gold wieder als offizielles Zahlungsmittel eingeführt hat. Falls Du also Ersparnisse hast hoffe ich, dass die gut angelegt sind.
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27.03.2011, 18:24
AW: Bin ich einfach nur egoistisch?
Hallo Latona
Ich war letztes jahr insgesamt "nur" zwei Monate arbeitslos( das erste Mal im Leben), aber diese Zeit war eine der traurigsten meines lebens.
Letzendlich habe ich dann wieder sehr schnell eine Arbeit gefunden, wofür ich froh und dankbar bin, aber da ich bis jetzt nur einen befristeten Vertrag habe, denke ich schon mit Schrecken an die Zeit danach.Natürlich weiß ich auch, daß es an mir selbst liegt, was ich aus der Zeit mache. Meine Betrieb ist bis jetzt sehr zufrieden mit mir( wurde mir nach Ablauf der Probezeit so gesagt) und ich werde jetzt in zwei Wochen noch eine Weiterbildung beginnen.
Trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei zu denken, warum ich nach dem Abitur nicht "irgendetwas sicheres wie beim finanzamt" gelernt habe und beneide gerade alle Leute, die Beamte sind oder kurz vor der Rente.
Doch diese Woche war auch wieder so eine Situation, die mich dann sozusagen"runtergeholt" hat von meinen schwärzesten ZUkunfstausmalereien. Ich traf einen ehmaligen nachbaar meiner Eltern im Supermarkt, er stand direkt hinter mir an der Schlange bei der Kasse. Man unterhielt sich kurz, ich fragte nach seiner Frau, da erzählte er mir, daß sie mit einem inoperablen Gehirntumor daheim ist.....Da musste ich dann auch innerlich schwer schlucken und dann weiß ich einfach wieder, wie froh und dankbar ich sein muss, wie gut es mir jetzt geht und daß ich und meine Familie gesund sind. Ich weiß , daß hat jetzt nicht mehr mit Japan direkt zu tun, aber es war eine lehrreiche Situation für mich.
Natürlich sind meine Gedanken auch weiterhin bei diesen armen Menschen dort und ich werde auch etwas spenden für die Opfer.
Ich danke Euch allen für die Kommentare und Gedanken!
lg
Rhea


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