Hallo,
klingt sicher komisch, diese Überschrift, aber so fühle ich mich seit längerer Zeit. Bin 40 geworden und hab den eindruck, dass es das schon gewesen ist. Mein Leben sieht so aus,dass ich Vollzeit arbeite, den Haushalt irgendwie am Laufen halte, jeden Abend vor dem Fernseher einschlafe. für Hobbies bleibt so gut wie keine Zeit mehr. Mein Sohn ist volljährig, wohnt noch zu Hause, aber macht seinen Weg. Ich freue mich, dass er sich so gut entwickelt hat.
Ich bin dauermüde, mit meinem Partner reden wir fast nur über Arbeit und das politische Geschehen. Er strahlt eher Pessimismus aus, fühlt sich, wie ich auch fremdbestimmt und verbittert.
Früher habe ich stundenlang mit meiner Freundin telefoniert, aber diese Gespräche gehen mir inzwischen auf die Nerven, Ich hab oft das Gefühl, dass mir diese Telefonate zusätzlich Kraft rauben.
In der Arbeit herrscht ein gutes Arbeitsklima, aber ich komme mir klein und uninteressant vor. Überhaupt betrachte ich andere Personen meist als interessanter, tougher usw. Ich mache mich selber klein, beschimpfe mich selbst für Fehler. Ich kann mich selten so geben, wie ich wirklich bin. Immer ´ne Maske auf, höre mich dann reden oder betrachte mich von aussen und hasse mich dafür.
Dann hab ich Angst, dass ich in der Arbeit einen Fehler mache.
Hab diese Problematik auch schon mit einer Ärztin besprochen, sie sagte, dass ich eine Depression habe, gab mir Tabletten und den Hinweis mit, dass ich eine Therapie machen soll. Ich hatte Angst, dass diese Tabletten massive Nebenwirkungen haben und hab dann was pflanzliches bekommen. Jedoch hab ich nicht den Schwung gehabt, mir einen Termin für eine Therapie zu besorgen, weil ich Angst hab, dass das nichts hilft.
Irgendwann war ich wegen einer anderen Sache wieder bei der Ärztin, sie fragte mehr beiläufig, wie mein seelisches Befinden inzwischen wäre. Ich hab gesagt, dass es im Moment geht. Ihr Kommentar: Ja, man muss sich ja überall erst mal einarbeiten (hatte ihr damals erzählt, dass die Arbeit sehr nervenaufreibend ist) Ich kam mir total unverstanden vor (wie ein Simulant) Ich bin wirklich kein passionierter Arztbesucher und seltenst krankgeschrieben, aber mir einen anderen Arzt zu suchen, der mich "an die Hand nimmt" dafür fehlt mir der mumm.
Insgesamt, bin ein leidensfähiger Mensch, viel zu viel. Ich füge mich, fordere so gut wie nie, mache das Beste aus dem, was mir "vorgesetzt" wird.
Ich weiß auch, dass es so nicht weitergehen kann, ich hebele mich meist selber aus. Wenn ich doch mal eine Idee hab, dann rede ich mir das kurze Zeit später selbst kaputt.
Ich könnte eine Portion Mut gebrauchen, wo kann ich die kriegen??
Danke fürs Lesen und ausheulen.
Vielleicht hat jemand einen Rat.
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Thema: Innerlich versteinert
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12.03.2011, 07:16
Innerlich versteinert
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12.03.2011, 08:14Inaktiver User
AW: Innerlich versteinert
Liebe Kaffeemütze,
Du wirkst sehr pflichtbewusst. Wenn Du Angst vor Fehlern bei der Arbeit hast, wage ich mal die Hypothese, dass Du möglicherweise eher 120% als nur 95% bei der Arbeit gibst. Haushalt, Partnerschaft - alles in geordnete Bahnen.
Einerseits ist einiges im Leben nun mal auch Pflicht. Andererseits: Nirgendwo lese ich in Deinem Post von etwas, dass Dir SPASS macht. Wann hattest Du das letzte Mal einfach Spaß? Hast mal herzhaft gelacht? Warst völlig versunken in etwas, sodass Du die Zeit vergessen hast?
Das meine ich nicht nur als "Erinnerst Du Dich daran?", sondern auch als Hinweis darauf, was Dir möglicherweise fehlt.
So wichtig ich Werte wie Verlässlichkeit, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und Ausdauer schätze, aber wenn Dein Leben nur noch daraus besteht, wirst Du versteinern. Es wirkt, als ob Deine Persönlichkeit das auch noch unterstützt, vor lauter Pflicht auch die kleinen Freuden im Leben zu vernachlässigen. Und Dich damit überforderst.
Was haben Dir beispielsweise früher die Telefonate mit Deiner Freundin gegeben? Wann hast Du angefangen, sie als "Last" zu empfinden, war es die Zeit oder hat sich eure Freundschaft verändert?
Deine Arbeit: Du beschreibst ein gutes Arbeitsklima, aber ein Gefühl von "in der Masse verschwinden". Klingt wie "austauschbar sein". Und das trotz Deines Verantwortungsbewusstseins.
Von Deiner Partnerschaft scheinst Du auch keine Inputs zu erhalten, die Dir Lebensfreude bringen.
Deine Müdigkeit und dieses Gefühl von "Im Hamsterrad sein" können wirklich ein Hinweis auf eine Depression sein. Eine Gesprächstherapie könnte Dir vielleicht auch helfen, mal die Raster, an denen Du Dein Leben ausrichtest, in Frage zu stellen. Es gehört auch zu Deiner Verantwortung, Dir selbst so gut zu tun, dass Du körperlich und seelisch gesund bleibst. Und nicht nur den Ansprüchen anderer genügst.
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12.03.2011, 08:20Inaktiver User
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12.03.2011, 09:40
AW: Innerlich versteinert
Auch das ist ein "depressiver" Gedanke. Gehört zum Krankheitsbild quasi dazu.
Kaffeemütze, du kannst raus aus deinem Leid, aber du musst dich wirklich aufraffen, es wirklich ändern wollen.
Die Ärztin hat dich nicht richtig "durchschaut", weil du auch ihr mit einer Maske begegnest. Das kann man ihr nicht vorwerfen. Man muss jemanden länger kennen, um hinter die Fassaden blicken zu können.
Gehe zu einem Facharzt und richte dich danach, was dir empfohlen wird. Es gibt so gute Antidepressiva, die haben keine spürbaren Nebenwirkungen, man muss das ausprobieren, bei mir ging das recht schnell, das richtige zu finden. Auch eine Therapie zu machen ist eine gute Sache. Probiere es aus, bevor du urteilst.
Du wirst dann aktiv werden, wenn dein Leidensdruck groß genug ist.
Ich wünsche dir, dass du dir bald das schöne Leben zurückeroberst, was du verdient hast!
Vielleicht hilft dir auch, etwas über die Erkrankung zu lesen? "Burnout bei Frauen" finde ich gut. Auch "Schluss mit der Anstrengung".
Liebe Grüße
KarlaThe original Karla
est. 2006











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12.03.2011, 10:28Inaktiver User
AW: Innerlich versteinert
´s war auch mehr ne rhethorische frage, die kaffeemütze anregen sollte, zu überdenken, was der eigentliche grund für die angst is

lgS
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12.03.2011, 13:50
AW: Innerlich versteinert
...ups...aber...macht nichts, auch meine Erklärung ist nützlich, denke ich.
The original Karla
est. 2006











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12.03.2011, 15:31Inaktiver User
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12.03.2011, 23:27
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13.03.2011, 01:52
AW: Innerlich versteinert
Hallo liebe Kaffemütze,
viel kann ich eigentlich nicht hinzufügen. Vielleicht noch dies: Welche Nebenwirkungen fürchtest du, die schlimmer sein könnten, als dein jetziger Zustand. Glaub mir, ich kenn das nur zu gut. Auch das Gefühl, dass es ja irgendwie noch weitergeht.
Vor allem aber meinte ich, dass alle anderen es viel eher verdient hätten, eine Therapie zu machen. Mir stand das irgendwie garnicht zu. Außerdem bezog sich meine Angst vor einer Therapie auch darauf, wenn die auch nicht helfen würde, was wäre dann.
Antidrepessiva helfen dir erstmal aus dieser Versteinerung heraus. Und gib nicht gleich auf, wenn das erste nicht hilft. Da muss man wirklich ausprobieren.
Ich drück dir ganz, ganz fest die Daumen, dass es dir gelingt, erstmal bei deiner Hausärztin nochmal nach Hilfe zu fragen. Da musst du dir selber einen Schubs geben. Aber auch, wenn du eine gute Freundin hast, vertrau dich ihr an. Allein wirst du an diesem Zustand nichts ändern. Ach ja, was ist denn mit deinem Mann. Ist es möglich, mit ihm darüber zu sprechen.
Ganz liebe Grüße
lissieDas Chaos will anerkannt, will gelebt sein
ehe es sich
in eine neue Ordnung bringen lässt.
Hermann Hesse
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22.03.2011, 22:31
AW: Innerlich versteinert
Hallo:-)
Ich finde es wunderbar, daß Du all das geschrieben hast, denn es beweist Willenskraft und Stärke und Mut zur Veränderung! Ich habe einige Erfahrungen gemacht, die Dir vielleicht helfen können... I ch habe selbst einmal durch zuviel Stress das Gefühl bekommen, innerlich "leer", oder wie Du schreibst, versteinert zu sein.
Ich weiß nicht, ob Dir das was bringt, aber hast Du mal nach dem Begriff "Dissoziation" geforscht...? Das ist ein Zustand, bei dem sich durch zu großen Stress oder Kummer oder Sorgen das eigene Ich ein Stück weit in den Hintergrund verzieht, um quasi aus der Schußlinie zu sein - Schmerzvermeidung oder besser Überlebenstaktik. Einziges Manko ist, daß man das Gefühl der inneren Lebendigkeit, der eigenen Identität ein Stück weit verlieren kann.
Man kann es aber wiederbekommen; da hilft natürlich ein Fachmann, aber auch man selbst kann trainieren - wie war ich früher, wie bin ich wirklich, was will ich wirklich, was sind meine Leidenschaften, was begeistert mich? In alten Tagebüchern zu lesen kann helfen. Dort wird man mit dem Selbst unmittelbar konfrontiert. Die Idee ist die eigene Individualität zu fördern um sich wieder ungeteilt und lebendig zu fühlen!
Es gibt auch ganz einfache Übungen, die Achtsamkeitsübungen sind:
Du schreibst ein Gespräch mit Dir und Deinem Selbst und interviewst es, über seine Ziele und Wünsche, seine Sorgen.... Dieser imaginäre Abstand kann sehr viel Klarheit bringen.
Du kannst auch jeden Morgen (das hilft wirklich, auch wenn es albern klingt), ein Papier und einen Stift nehmen und aufschreiben, was Du JETZT, in diesem Moment gerne hättest oder Dir wünschen würdest. Das können auch völlig unrealistische Sachen sein;z.B.: Vanilleeis essen, mit dem Hund am Meer entlang gehen, Seide auf meiner Haut spüren, usw... Ziel ist es dabei ein Gespür zu entwickeln, was Du WILLST. Denn der Wille macht uns frei, macht uns zu Individuen, er macht uns stark und unabhängig - und er paßt gut auf uns auf, denn er ist die Triebkraft für unsere Bedürfnisse.
Dann schaust Du Dir diese Liste an und überlegst, was Du davon im Moment direkt umsetzten kannst, und das tust Du dann. der Effekt ist, daß man lernt, daß die Willenskraft und der Ausdruck der eigenen Bedürfnisse eine Erfüllung zur Folge hat. Man lernt um, zum Positiven, und das baut Selbstwahrnehmung, Stärke und Glücksgefühle auf.
Nicht unterschätzen bei der Gefühlsentwicklung sollte man überigens die progressive Muskelentspannung und (nicht lachen, ich meine das völlig ernst) die Beckenbodengymnastik. Wenn unsere Seele friert und wie versteinert ist, braucht sie Wärme und Energien, die fließen. Die Energien KÖNNEN zwar von außen kommen, aber viel besser ist es, wenn sie aus einem selbst herauskommen. Bei den erwähnten Entspannungstechniken lernt nicht nur der Körper, sondern auch die Seele, die Lebensenergie wieder, zu fließen, man fühlt sich warm und ausgefüllt, lebendig, glücklich - und sehr, sehr stark!Denn Du spürst, daß diese starke Energie aus Dir selber kommt! Das ist kein esoterisches Geschwafel, sondern eine logische Tatsache. Wenn man immer Kraft an andere abgibt, bleibt man irgendwann leer zurück. Wenn man die innere Quelle ent-blockt, kann es wieder fließen - der nächste Schritt ist dann das Grenzen setzen gegenüber der Umwelt, auf dass man seine Kräfte nicht mehr übermäßig abgibt, sondern ein Stück weit für sich behält.
Ich wünsch Dir alles Gute und ganz viel Freude und Kraft!
Sonnenblume


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