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    Warum zweifel ich immer so viel?

    Hallo!

    Ich habe ein Problem, das ich endlich mal in den Griff bekommen möchte! Ich bin nur am zweifeln und sehe alles pessimistisch.

    Ein paar Beispiele:

    Vor ca. 2 Jahren hatte ich mit einer guten Freundin von mir komplette Funkstille. Das ging ca. ein halbes Jahr lang. Irgendwann baute sich der Kontakt dann langsam wieder auf und ich erfuhr, dass sie Probleme hatte und es ihr ziemlich dreckig ging. Mittlerweile sind wir wieder die dicksten Freundinnen. Aber: Wenn ich sie anrufe oder ihr schreibe und sie meldet sich nicht binnen 24 Stunden zurück, dann habe ich Angst, dass ich irgendwas falsch gemacht habe und die Kontaktstille wieder von vorne losgeht.

    Wenn ich einen Mann kennenlerne und es läuft anfangs gut, dann habe ich spät. nach 2 Wochen das Problem, das ich zu zweifeln beginne. Das er mich nun doch nicht interessant findet, dass es das (mal wieder) war usw. Da kann der Auslöser schon sein, dass er mir nicht ans Telefon geht, auf Mails nicht antwortet oder wir uns schon paar Tage nicht mehr gesehen haben. Das war bei meinem Ex-Freund ziemlich schlimm. Letztendlich ging die Beziehung dann auch auseinander. Auf meine Ängste angesprochen habe ich ihn allerdings nie.

    Es sind aber auch im Alltag Dinge, die mich immer wieder (an mir selbst) zweifeln lassen. Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

    Wisst ihr was ich meine?

    Es ist zum verrückt werden! Ich habe schon bald das Gefühl, dass das selbsterfüllende Prophezeiungen sind!

    Was kann ich ändern?

    LG
    Sunshine

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    AW: Warum zweifel ich immer so viel?

    Wenn sich deine Angst in erster Linie auf Beziehungen richtet, dann könnte dahinter eine starke Verlustangst stecken. Eine massive Verlustangst kommt aber dann aller Wahrscheinlichkeit nach stark aus früheren Erfahrungen, vielleicht auch aus der Kindheit und deiner Familiensituation.

    Ich habe das Thema mal therapeutisch aufgearbeitet und dabei (ansatzweise) die Mechanismen erkannt, die du als selbsterfüllende Prophezeiung wahrnimmst. Das sind Schutzmechanismen, die dich quasi schon verfrüht die mögliche oder befürchtete Gefahr, verlassen oder abgelehnt zu werden, wahrnehmen lassen. Das kann natürlich zu einem ängstlichen Kontrollverhalten führen, sowohl bei dir als auch gegenüber der anderen Person, was nichts anderes ist als ein - sagen wir - ins Gegenteil verkehrter Selbstschutz ist. Wenn deine Angst dann "bestätigt" wird, verstärkt sich die Angst immer weiter. Ein möglicher Ausweg ist es in der Therapie, andere Verhaltensweisen emotional zu erlernen, auszuprobieren und die anfängliche Angst dabei aushalten zu lernen. Nach und nach kannst du dann in einigen Fällen erkennen, dass deine Angst vor einer dauerhaften Distanz unbegründet ist, oder auch besser einschätzen, wann dir realistischerweise ein Verlust droht...

    ...in der Therapie geht es auch um deine Stärken, Schwächen, Wünsche, Bedürfnisse - auch das hilft dabei, deinen Selbstwert besser zu erkennen.

    Für mich war das der einzige Weg, überhaupt diese "selbsterfüllende" Spirale zu verstehen - Freunde oder Partner sind da nicht immer die richtigen Ansprechpersonen!
    Geändert von Elwyn (08.03.2011 um 20:02 Uhr)

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    AW: Warum zweifel ich immer so viel?

    Hallo Elwyn,

    du sprichst mir aus der Seele... Ich weiß auch, woher diese Verlustangst kommt. Mein Vater ist sehr plötzlich gestorben. Damals war ich 19. Damals lebte ich noch in einer Beziehung, die dann aber 6 Monate nach seinem Tod in die Brüche ging. Seitdem habe ich diese Ängste und Zweifel.

    Ich denke mir jedes Mal wieder - bevor die Ängste überhaupt aufkommen - dass ich diesmal nicht zweifeln sollte und alles mal ganz normal angehen lassen sollte. Bisher hat das aber noch nicht geklappt.

    Eine Therapie habe ich schon mal gemacht. U. a. wegen dem Verlust. Aber anscheinend hat sie nicht sehr viel geholfen

    Sunshine

  4. Moderation

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    AW: Warum zweifel ich immer so viel?

    Zitat Zitat von Sunshine1986 Beitrag anzeigen
    Es ist zum verrückt werden! Ich habe schon bald das Gefühl, dass das selbsterfüllende Prophezeiungen sind!

    Was kann ich ändern?
    Ich denke, ein bißchen Zweifel in allen Situationen ist eine normale und gesunde Reaktion auf die Unwägbarkeiten des Lebens. In deinem Fall sieht es für mich aber ein bißchen so aus, als hättest du ein Problem, genau diese Unwägbarkeiten zu akzeptieren. Du vermutest, daß der Grund, wenn jemand nicht das tut, was du willst, oder sich so verhält, wie du es von ihm erwartest, bei dir liegt. Damit schreibst du dir wesentlich mehr Macht zu, als du tatsächlich hast -- so etwas geht nie gut.

    Klar, manche Erfahrungen machen einen zu einem "gebrannten Kind", und der erste Gedanke wenn etwas nicht auf Anhieb so läuft wie gedacht ist, "oh nein, nicht schon wieder". Und die naheliegende Reaktion ist, zu versuchen, etwas zu *tun*, und genau da wird es kontraproduktiv, eben *weil* es nicht an einem selbst liegt und es keine sinnvolle Handlung gibt.

    Was du tun kannst:

    Du kannst das Thema ansprechen. Das kann generell helfen, aber es wird meiner Erfahrung nach nicht dazu führen, daß Leute sich ändern. Deine Freundin wird immer noch der Typ sein, die sich bei Problemen zurückzieht, die Männer, für die du dich interessierst, werden immer noch denken, daß drei Tage oder eine Woche doch eine gute Antwortsfrist ist. Aber wenn der entsprechenden Person an dir liegt, wird sie zumindest mit Verständnis reagieren und nicht gleich knatschig werden, wenn du schon nach 24 Stunden nachfragst.

    Du kannst versuchen, dir zu realisieren, daß jeder seine Gründe hat und die nur selten bis gelegentlich mit dir zu tun haben. Das wirklich ins Hirn zu kriegen, so daß auch die Emotionen es berücksichtigen, ist schwer, aber wenn man es sich oft genug sagt, gewöhnt man sich irgendwann dran.

    Du kannst versuchen, deine eigenen Ängste zu konfrontieren. Der Schatten ist oft furchterregender als das, was ihn wirft. Was denkst du, was passieren wird? Was ist das schlimmste, was passieren kann? Wie wahrscheinlich ist das? Wieviel Einfluß hast du darauf? Wieviel macht es dir tatsächlich aus? Wie gehst du damit um?

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    AW: Warum zweifel ich immer so viel?

    Darfst du glücklich sein? Soll heißen, erlaubst du dir selber, glücklich zu sein?

    Wie würdest du die Frage - ganz ehrlich zu dir selber - beantworten?
    Man wandelt nur das, was man annimmt.

    C.G. Jung


    Nein ist ein ganzer Satz.


    Keine Ahnung von wem

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    AW: Warum zweifel ich immer so viel?

    Schwierige Frage.

    Einerseits denke ich mir schon manchmal: Ich habe doch auch mal das Recht darauf glücklich zu sein. So, wie ich für mich glücklich definiere.

    Andererseits, wenn ich wieder in solchen Situationen bin, in denen ich dann zweifel, dann denke ich mir wieder: War ja klar, dass es diesmal wieder genauso kommt. Wieso sollte es mir diesmal auch anders gehen?

    Ich würde die Frage eher mit Nein beantworten.

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    AW: Warum zweifel ich immer so viel?

    Wenn du die Frage mit Nein beantwortest (übrigens danke für die ehrliche Antwort), dann folgst du ja eigentlich nur stetig deinem inneren, roten Faden.

    Du "darfst" nicht glücklich sein, also zweifelst du selbst an schönen Dingen so lange rum, bis sie dir viel schwärzer erscheinen. Und schon ist deine Welt wieder "stimmig".


    Wer hat dir den Gedanken eingeimpft, dass du nicht ausgelassen und glücklich sein darfst?
    Man wandelt nur das, was man annimmt.

    C.G. Jung


    Nein ist ein ganzer Satz.


    Keine Ahnung von wem

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    AW: Warum zweifel ich immer so viel?

    Wirklich eingeimpft hat mir das niemand.

    Ich denke, dass der Auslöser der Tod meines Vaters war. Kurz darauf starb auch mein Großvater, zu dem ich auch ein sehr gutes Verhältnis hatte.

    Wenn ich alle meine Freundinnen anschaue, die in meinem Alter sind: Alle haben sie Partner und das teilweise schon seit Jahren. Und bei mir tut sie nie so richtig was. Entweder ich bin ewig Single (wie im Moment auch) oder wenn ich mal einen kennenlerne, dann wird einfach nicht wirklich was draus.

    Woher dieser Gedanke letztendlich kommt, was alles zusammenspielt, weiß ich nicht wirklich...

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    AW: Warum zweifel ich immer so viel?

    Ob der Tod deines Vaters (und Großvaters) der Grund ist, kann ich nicht sagen. Aber möglich ist das schon. Sofern er nicht richtig verarbeitet wurde.

    Mir hat mal jemand gesagt: "Solange du noch jemandem die Hand hältst, kannst du sie nicht jemand anderem geben."
    Vielleicht "hältst" du ja noch emotional deinem Vater die Hand?
    Man wandelt nur das, was man annimmt.

    C.G. Jung


    Nein ist ein ganzer Satz.


    Keine Ahnung von wem

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    AW: Warum zweifel ich immer so viel?

    Sagen wir´s mal so: Ich habe es mittlerweile "akzeptiert", dass er gestorben ist. Und ja, ich habe lange Zeit gebraucht. Es gibt natürlich immer noch Situationen, in denen ich mir denke, wie sehr ich ihn jetzt brauchen würde. Aber es ist nicht mehr so schlimm, wie noch vor 2 Jahren.

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