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24.02.2011, 09:25
AW: Macht das Single-Leben glücklich?
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24.02.2011, 10:11
AW: Macht das Single-Leben glücklich?
Für mich klingt das, als sei außerhalb der Partnerschaft kein Heil möglich, ja als sei ein Partner zwingend zur Herausbildung der eigneen Identität notwendig.
Was ist mit all den Mensche, die Zeit Ihres Lebens keine Partnerschaft eingehen, egal ob freiwillig oder aufgrund diverser Umstände? Sind die am Ende keine vollständigen Menschen?
Und was ist mit all den kaputten Beziehungen und Familienstrukturen? Ich bin sicher, aus familiären Strukturen kann genauso viel Heil wie Unheil, Heilung wie Verletzung entstehen.
Ja, Bindungen sind wichtig. Und im Idealfall findet man in jedem Lebensabschnitt die Menschen, die man braucht für seine persönliche Entwicklung. Aber das können auch Lehrer, Freunde, weitläufige Verwandte sein. Ich war im Leben oft genug froh, außerhalb meiner familiären Strukturen Menschen zu treffen, die mir das geben konnten, was ich in meiner Familie so nicht gefunden habe (ohne dass diese deshalb zerrüttet war). Familie und Partnerschaft sind für mich Bestandteile der Identität, aber sicher nicht die einzigen. Und manch einem Menschen täte es sicherlich gut, frühzeitig neben der eigenen Familie noch weitere enge Bezugspersonen zu finden, die ihm helfen, seine Identität zu entwickeln.
Für mich steckt im Loblied auf Familie und Partnerschaft oft ein Stück Hochmut derjenigen, die das Glück haben, sowohl eine intakte Herkunftsfamilie zu haben als auch eine ebensolche zu gründen. Das ist, wenn ich mich so umschaue, aber nicht unbedingt der Regelfall. Und deshalb bin ich froh, dass wir in einer Gesellschaft leben, die es ermöglicht, auch außerhalb familiärer und partnerschaftlicher Bindungen stabile und tragfähige Beziehungen einzugehen. In einer Gesellschaft, in der man außerhalb des schützenden Familienverbandes nichts ist und nichts gilt, wäre mein Alptraum.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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24.02.2011, 10:31
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24.02.2011, 11:07
AW: Macht das Single-Leben glücklich?
Ich habe den Eindruck, darum geht es gar nicht. Ich denke eher, dass damit vermittelt werden soll, dass eine Gesellschaft eben Normen, Gesetze, Werte, feste Strukturen benötigt, damit sie nicht auseinanderbricht. Darunter gehören, konservativ betrachtet, Arbeit und Familie. Unbetrachtet dessen, ob's glücklich macht und unbetrachtet dessen, dass alternative Lebensformen ebenso "softe" Eckpfeiler sind, ohne die eine Gesellschaft nicht bestehen würde. Aber an irgendwas muss sich die Sozialwissenschaft ja orientieren.
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24.02.2011, 11:51Inaktiver User
AW: Macht das Single-Leben glücklich?
So seh ich das auch. Strukturen geben ja auch Halt, und ich denke, das ist ein menschliches Bedürfnis.
Wie alles hat auch dies zwei Seiten: ich denke schon, dass man sich anders entwickelt mit einem stabilen Gegenüber, man wird da einfach anders mit sich konfrontiert als in lockeren Beziehung. Andererseits beobachte ich schon auch, dass viele Paare eben dieser Konfrontation als Entwicklungschance ausweichen und eher gemütlich in ihrer beider Komfortzone verharren und sich dadurch kaum weiterentwickeln.
Wer das tun will und als Bereicherung empfindet, der wird es wohl mit und ohne Partner machen. Allerdings hab ich für mich das Gefühl, nach langen Singlephasen jetzt in einer Beziehung mehr herausgefordert zu sein, was ich spannender fände. Und genauso kann es auch nach einer Beziehung sein, dass man sich persönlich weiterentwickelt in dem man sich auf das Alleinleben einlässt.
Mir selbst wäre wohl sowohl das Paarleben von jungen Jahren an (womöglich noch mit dem gleichen Partner) als auch das andauernde Singleleben nicht herausfordernd genug gewesen, ich denke, die Mischung macht's. Vielleicht mögen es andere lieber gemütlicher und bleiben deshalb bei dem, was sie kennen und gewohnt sind?
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24.02.2011, 12:47
AW: Macht das Single-Leben glücklich?
Das ist sicher richtig. Familie als strukturgebende Organisationsform wird es vermutlich immer geben und ist auch notwendig, keine Frage. Aber in dem Beitrag von HansDampf klang das sehr viel weitergehender.
Und da geht es mir wie wildwusel:
Ich glaube wie einewiekeine, dass man aus dem Singledasein genauso viel für die eigene Entwicklung ziehen kann wie aus einer Beziehung. Allein zu leben kann auch eine spannende Herausforderung sein, an der man wächst. Ich kenne Frauen, die gleich vom Elternhaus zu ihrem Mann gezogen sind, weil sie das Alleinleben scheuten. Das halte ich nun auch nicht für den Königsweg der Identitätsfindung.Mir geht es immer auf den Wecker wenn Leute ihren persönlich bevorzugten Lebensentwurf zum allgemein gültigen Gesetz erklären.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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24.02.2011, 12:48
AW: Macht das Single-Leben glücklich?
Das ist aber die gleiche Logik als würde man aus der Tatsache, daß der Mensch essen muß, fordern, daß jeder jeden Tag eine Tafel Schokolade verdrückt.
Ein strikter Fokus auf Paarbindungen alleine ist ein Schritt zur Atomisierung der Gesellschaft, nicht zu ihrem Zusammenhalt. Eine Ebene des Geflechts, aus dem eine Gesellschaft dargestellt ist, über alle anderen zu erheben, schwächt die Gesamtstruktur. Und obendrein wird mit der Überhöhung eines Lebensentwurfs als "Grundpfeiler" der Gesellschaft jeder alternative Lebensentwurf schnell als destabilisierend deklassiert, und das endet nicht gut -- weder für das Individuum, noch für die Gesellschaft. So weit ist die Sozialwissenschaft inzwischen durchaus.
Ich habe das Buch nicht gelesen und es mag durchaus sein, daß die Thesen, die darin vertreten sind, nicht so reduktionistisch sind, wie sie mir hier erscheinen. Aber so wie beschrieben klingt das Buch danach, daß der Pastor dem Chor predigt.
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24.02.2011, 12:50
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24.02.2011, 13:17
AW: Macht das Single-Leben glücklich?
Das nehme ich jetzt mal nicht persönlich.

Ich gebe Euch recht, daß die von mir zitierten Aussagen (aus einem durchaus lesenswerten Buch) sehr reduktionistisch erscheinen.
Es ist allerdings im Laufe der menschlichen Geschichte eine Reduktion des Beziehungsgeflechts der Menschen von der Sipp über die Großfamilie hin zur Kleinfamilie und weiter zum Paar zu beobachten. Umso wichtiger wird die Paarbeziehung natürlich.
Und genau diese Atomisierung der Gesellschaft als Folge dieser Fokusierung auf die Paarbeziehung, die wildwusel erwähnt, beobachten wir ja in ihren Anfängen.
Letztlich ist aber jedes Menschenleben (in unseren Breiten) und jede Partnerschaft so individuell, daß Aussagen über das Leben eines Menschen aufgrund seiner Partnerschaftsbiographie kaum möglich sind.
Gruß
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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24.02.2011, 13:23Inaktiver User
AW: Macht das Single-Leben glücklich?
Falls du das als negativ empfindest bitte ich darum!!

Dann würde mich aber doch interessieren, wie du das siehst: ich wollte jedenfalls nicht ausdrücken dass es einfacher ist in einer langen Beziehung zu leben - aber ich glaub schon, dass man dafür tendenziell doch eher weniger risikobereit und/oder neugierig und abenteuerlustig sein muss.
Was ich relativ wertfrei meine.



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