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    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ooh, so tolle Beiträge habe ich hier lange nicht mehr gelesen, ...

    Ich finde das total sexy, diese Unterschiede.
    Und es mag daher kommen, dass z.B. mein Vater alle erreichbaren akademischen Titel hat, aber nie etwas darauf gegeben hat, also seine besten Kumpels waren/ sind: Handwerker, glaube ich vor allem und dann die, mit denen er seine Hobbys teilt und das geht durch alle Schichten.
    Deshalb mag ich das auch in meinem Leben, die Vielfalt, ... und eben das, was wirklich zählt sind doch Gemeinsamkeiten z.B auch auf der Ebene der Toleranz, ....

    Ja Ost/west Unterschied gibt es auch, im Osten war und ist es nicht so wichtig ... meine ich. Was meinst du???
    die ddr scheint sehr erfolgreich darin gewesen zu sein, ein hierarchisches schichtgefuege gar nicht erst aufkommen zu lassen. meines wissens waren auch die einkommensunterschiede zwischen arbeitern und akademikern nicht sehr bedeutend.

    im westen war das durchaus anders. das ging schon in der fabrik los, wo sich die arbeiter duzten und die angestellten siezten. studiert zu haben, war schon etwas besonderes. zumindest fuer den "kleinen" arbeiter.

  2. Inaktiver User

    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Im Osten musste (!) jede Frau arbeiten gehen. Es gab einige, ganz wenige Ausnahmen, aber da schrammte frau doch eher schlecht als recht am Straftatbestand der Asozialität vorbei.
    Das ist eine Mähr. Meines Wissens war es nicht so, ich meine, wenn du verheiratet warst, musstest du nicht arbeiten. Ich kenne den Osten, habe ihn selbst bis zum jungen Erwachsensein erleben "müssen". Mich macht es sauer, wenn ich von Westfrauen höre, na die mussten doch arbeiten, so ist es nun auch nicht gewesen, obwohl ich den "assozialen" Paragraphen auch kenne und ihn für einen Beweis der Unmenschlichkeit halte, .... Heißt: Ich will nichts schönreden! Ich weiß von Fällen in meiner Familie, in der die Frau zu Hause bleiben sollte, der Mann wollte das so und sie wollte arbeiten und dies war der Scheidungsgrund. Es heißt:
    Das Bedürfnis nach Emanzipation gab es bei einigen Menschen unabhängig vom verordneten, verlogener Gleichberechtigungspolitik der DDR, ebenso feministische Forderungen , wie gegen die Doppelbelastung, die Frauen als Mutter und engagierte Wissenschaftlerin, z.B. hatten.


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Dass dieser Umstand automatisch zu einer gewissen Emanzipation der Frau führte, ist nicht von der Hand zu weisen. Auch im Hinblick darauf, dass ganz gezielt Frauen in klassischen Männerberufen ausgebildet wurden. Facharbeitermangel sei Dank.
    Auch das hatte seine Kehrseite, ..., ich meine z.B. gesundheitliche Aspekte. Aber ja, zumindest für die Kinder, also meine Generation, war es selbstverständlich, dass ihre Mütter arbeiten gingen. Und alle Konsequenzen daraus, auch eine Scheidung war nicht dasselbe, was es im Westen war usw.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und da das alles nun noch nicht so lange her ist, haben viele Ost-Frauen mit der Muttermilch aufgenommen, dass eine Frau auch gut allein ihren Mann stehen kann; ob nun als Maschinenbauingenieurin oder Hochschulprofessorin.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich fürchte jedoch, dieser Trend ist gerade wieder am Abrutschen. Aber nicht, weil es hier um Bildungsassoziationen ginge, sondern weil die Kinderversorgung oft schlicht noch katastrophal ist und frau sich meistens knallhart entscheiden muss zwischen Mutter-Sein oder Karriere.
    Die DDR hatte keine ehrliche Lösung dafür, das ist m.M. nach falsch. Sonst hätte sich niemals der Unabhängige Frauenverband gegründet, z.B., der politisch verfolgt wurde. Es gab kaum Entscheidungsfreiheiten. Und war keine Lösung, ich meine sogar, dass wir heute weiter sind, von den Umständen, aber nicht unbedingt in den Köpfen. Das Denken hat der Osten nicht gefördert, und so sehnten sich einfach viele an den Herd, ... so etwa

    trotzdem ich bin begeistert, welche Spannweiten dieser Thread eröffnet.
    Geändert von Inaktiver User (23.02.2011 um 19:57 Uhr) Grund: zitieren, schwierig

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    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und da das alles nun noch nicht so lange her ist, haben viele Ost-Frauen mit der Muttermilch aufgenommen, dass eine Frau auch gut allein ihren Mann stehen kann; ob nun als Maschinenbauingenieurin oder Hochschulprofessorin.
    yepp, ich weiss noch wie beeindruckt ich als kind war, als ich im DDR fernsehen eine kranfuehrerin sah. hier im westen haette eine frau mit so einem berufsansinnen damit rechnen muessen, dass man sie in diesem maennlich dominierten beruf nicht ernst nimmt. und das hat sich sicher auch bis heute nicht geaendert.

  4. Inaktiver User

    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Sonderzeichen Beitrag anzeigen
    die ddr scheint sehr erfolgreich darin gewesen zu sein, ein hierarchisches schichtgefuege gar nicht erst aufkommen zu lassen. meines wissens waren auch die einkommensunterschiede zwischen arbeitern und akademikern nicht sehr bedeutend.
    Ja, eines m.E. der besten Phänomene dieser Diktatur. Die Bevölkerung war durchmischt, außer die Parteibonzen, die sich abgrenzten. Ein Arbeiter verdiente genauso viel oder mehr als ein Intellektueller, so war Studieren nicht mehr primär ein Frage um in eine höhere Schicht aufzusteigen, dafür aber eine Frage der Hörigkeit. Das darf man nicht verschweigen. Die Idee, Arbeiter zu fördern, war ja ganz reizend, nur hatte sie eine idiotische Kehrseite. Kinder von Intellektuellen, dazu parteilos, durften nicht studieren. ... sorry

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    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Eurynnia Beitrag anzeigen
    Ach ja: Übrigens: Gemäss meinen persönlichen (empirischen) Beobachtungen handelt es sich bei den "arroganten Theoretikern" überwiegend um Akademiker/innen, aus "gutem Hause". (Naja...oft haben Akademiker/innen aus den "unteren Schichten" ihr Studium selbst finanziert, inkl. meine Wenigkeit, und so schon gelernt, was "arbeiten" bedeutet, bzw. Bodenständigkeit erlangt). ..... just my 2 cents ....(Sorry fürs Abschweifen)
    vor allem sind sie ganz anders sozialisiert worden als die aus "hoeherem hause". und das laesst sich in spaeteren jahren meist nicht mehr abstreifen, egal wie weit man sich qualifiziert.

  6. Inaktiver User

    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Sonderzeichen Beitrag anzeigen
    vor allem sind sie ganz anders sozialisiert worden als die aus "hoeherem hause". und das laesst sich in spaeteren jahren meist nicht mehr abstreifen, egal wie weit man sich qualifiziert.
    ich behaupte mal, in der DDR gab es kaum diese höhere, diese bürgerliche, Klasse, und nach der Wende, war man als Ossi perse in einer unteren Schicht. Dazu kommt eine proletarische Sozialisierung; und es stimmt, der Arzt, der Künstler lebte, sofern er keine Parteibonze war, in Nachbarschaft mit den Arbeitern, die Kinder spielten miteinander ... deshalb sprechen wir z.B. auch mehr Dialekt und kennen, glaube ich, keine Arroganz. In der DDR war man eine Bonze oder Oppositioneller, und viel zu viele eine schweigende Masse, die sich einrichtete, dazwischen gab es natürlich noch Schattierungen...
    sorry fürs abschweifen, ist vielleicht ein anderes Thema, hat jemand Interesse an Austausch?

    Lina

  7. Inaktiver User

    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das ist eine Mähr. Meines Wissens war es nicht so, ich meine, wenn du verheiratet warst, musstest du nicht arbeiten. Ich kenne den Osten, habe ihn selbst bis zum jungen Erwachsensein erleben "müssen".
    Nein, leider ist das keine Mähr. Die Mutter meiner Schulfreundin war Hausfrau. Der Vater hatte eine kleine Firma, die TV-Geräte und Radios reparierte. Ständig mussten die nachweisen, dass sie genug Einkommen hatten, damit die Frau zu Hause bleiben konnte und eben nicht unter "asoziales Leben" fiel. Eine echte Schikane, die sich auch darin spiegelte, dass in der Schule kolportiert wurde, diese Familie sei "kapitalistisch angehaucht"

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mich macht es sauer, wenn ich von Westfrauen höre, na die mussten doch arbeiten,
    Ich bin aber aus dem Osten, und ich war auch nicht zu jung damals, um das alles nicht auch am eigenen Leibe miterfahren zu müssen.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Auch das hatte seine Kehrseite, ...,

    Ich habe an keiner Stelle ein irgendwie geartete Bewertung vorgenommen und wollte das auch nicht. Lediglich die Fakten als möglicher Grund für den unterschiedlichen Ansatz in Ost und West.


    Das DDR-Regime hat mir viel Unglück und meiner Familie trotz Regimetreue sehr viel Leid gebracht. Ich hasse das aus tiefster Seele, aber es würde an dieser Stelle zu weit führen, darüber zu schreiben. Ich tue es jetzt nur, damit du weißt, woher bei mir "der Wind weht"



  8. Inaktiver User

    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ein Arbeiter verdiente genauso viel oder mehr als ein Intellektueller,
    Viel "besser"...

    Meine Freundin bekam in ihrer Ausbildung zur Facharbeiterin für Datenkommunikation das DOPPELTE des Gehalts meiner studierten Mutter, die an einem Gericht Urteile sprach.


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    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ein Arbeiter verdiente genauso viel oder mehr als ein Intellektueller (...)
    ich finde, dass die gegenüberstellung von begrifflichkeiten, als seien sie gegensätze (und das passiert hier ganz schön häufig!) der diskussion hier in der sache schadet.

    ein arbeiter kann durchaus auch ein intellektueller sein! es gibt (na ja, früher gab es vermutlich mehr) auch arbeiter, die sehr belesen, gebildet, klug und reflektiert sind, und das macht doch einen intelektuellen aus, oder?

    es ist nicht erst intellektuell, wer studiert hat. und umgekehrt gibt es viele akademiker, die nicht besonders intellektuell sind, sondern höchstens fachidioten.


  10. Inaktiver User

    AW: Ist man ohne Studium ein minderwertiger Mensch?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nein, leider ist das keine Mähr. Die Mutter meiner Schulfreundin war Hausfrau.
    Ich wollte überhaupt niemanden angreifen. Nur sagen, dass nun auch nicht die FRauen nur gearbeitet haben, weil sie mussten, ich kenne zwei Fälle, wo die Frauen, nicht hätten arbeiten müssen, aber in einem Fall wollten

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe an keiner Stelle ein irgendwie geartete Bewertung vorgenommen und wollte das auch nicht. Lediglich die Fakten als möglicher Grund für den unterschiedlichen Ansatz in Ost und West.
    SORRY, ich wollte niemanden angreifen, noch Wertungen unterstellen, nur sozusagen vorbeugen.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das DDR-Regime hat mir viel Unglück und meiner Familie trotz Regimetreue sehr viel Leid gebracht. Ich hasse das aus tiefster Seele, aber es würde an dieser Stelle zu weit führen, darüber zu schreiben. Ich tue es jetzt nur, damit du weißt, woher bei mir "der Wind weht"


    ebenso
    nochmals: war überhaupt nicht so gemeint, und ich habe es auch nicht so gelesen, als wölltest du oder eine andere, etwas gutreden. Ich beuge nur vor, weil es so viele verklärte Sichtweisen gibt, ...

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