Liebe Community,
ich befinde mich "gefühlt" und real in einer Umbruchsituation und habe gerade das Gefühl, auseinandergenommen zu sein und mich stückchenweise neu zusammen fügen zu müssen.
Meine ersten zehn Berufsjahre waren geprägt von einem stetigen Erklimmen der Karriereleiter. Ich war entweder Single oder in einer Fernbeziehung, hatte also viel Zeit für meine Arbeit. Und die habe ich genutzt, habe viel und oft gearbeitet. Nicht falsch verstehen: Ich liebe meine Arbeit. Und als ich merkte bzw. rückgemeldet bekommen habe, dass ich sie auch gut mache, habe ich die Chancen ergriffen und bin vorangegangen.
Die "Chance" vor zwei Jahren, ein Wechsel in ein anderes Arbeitsfeld, verbunden mit einem Wechsel auf die nächsthöhere Leitungsebene, erwies sich dann als "faules Ei" im Sinne von: Es ist nicht meins. Da die Rahmenbedingungen schwierig waren (neues Feld, das gerade komplett umstrukturiert wurde, mein Chef war auch erst neu da, musste sich neu einarbeiten und erwies sich fachlich+menschlich als inkompetent; lange Pendelei), will ich gar nicht die Schlußfolgerung ziehen, dass das komplett nicht meins ist. Ich bin aber v.a. im vergangenen Jahr an den Rand des Burnouts geschlittert mit allen Begleiterscheinungen: Depressive Episoden, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, totale Erschöpfung und Energielosigkeit.
Vor mehr als drei Jahren habe ich meinen jetzigen Mann kennen gelernt. Ein Jahr später bin ich zu ihm gezogen (er ist räumlich gebunden) und habe die neue Stelle angetreten. Das Zusammenziehen war unser gemeinsamer Wunsch, und bis heute hat sich dieser Schritt als richtig erwiesen. Klar gibt es ab und an mal Streitigkeiten, aber die lösen wir. Ansonsten erweist sich unser Zusammenleben als großer Rückhalt für mich und für ihn.
Da meine wichtigsten Freundschaften v.a. aus der Zeit des Studiums stammen, bin ich es gewohnt, "Fernfreundschaften" zu führen, weil uns die beruflichen Wege nun mal in unterschiedliche Regionen, teilweise sogar ins Ausland geführt haben. Telefonflatrate, Skype, emails und Treffen, so oft es geht, halten die Freundschaften aber aufrecht. Hinzu gesellen sich Freundschaften "vor Ort", die noch nicht so langlebig sind, aber schön und intensiv sind.
Vor gut einem halben Jahr habe ich gemerkt, dass es so für mich nicht weitergehen kann. Die Anforderungen des Jobs, verbunden mit der langen Pendelei und dem fehlenden Rückhalt auf der Chefebene, haben mich tief in die Überforderung gebracht. Im Herbst hat der Vorstand endlich die Konsequenzen gezogen, es gab einen Wechsel in der Chefetage und mein früherer Chef, der mich gut kennt, übernahm übergangsweise. Das war ein Wendepunkt, denn er sprach mich sofort auf meine Verfassung an. Kurz zusammen gefasst: In Kürze wechsele ich in ein anderes Arbeitsfeld. Zurück zu dem, was ich früher (gern!) gemacht habe, Führungsverantwortung, aber auch Projektleitung. Eine Arbeit, auf die ich mich sehr freue. Die Pendelzeit verkürzt sich erheblich. Vorerst ist diese Stelle auf zwei Jahre befristet, da ich aber grundsätzlich einen unbefristeten Vertrag habe, wird es aber "irgendwie" im Anschluß für mich weitergehen.
Dieses Beinahe-Burnout hat mich ziemlich aufgerüttelt. Ich habe mir Unterstützung in Form einer Gesprächstherapie gesucht. Das hilft mir, alte Annahmen von mir ("Du musst perfekt sein", "Du musst den Erwartungen anderer entsprechen" etc.) zu hinterfragen. Mir ist außerdem klar, dass sich meine Prioritäten verändert haben. Durch die Partnerschaft/Ehe ist das Privatleben wichtiger geworden. Dazu zählen für mich auch Freunde. Da der Umzug hier her zeitlich parallel lief mit meinem Jobwechsel, war das erst mal ziemlich schwierig: Es fehlte Zeit+Energie für den Aufbau neuer Freundschaften. Auch die alten musste ich teilweise vernachlässigen, einige gingen auch in die Brüche. Ich merke, dass mir das sauer aufstösst. Hier vor Ort gibt es nette Menschen, mit denen ich die Bekanntschaft gerne vertiefen möchte.
Dann habe ich gemerkt, dass ichdurch all das meine eigenen Hobbies vernachlässigt habe. Dass ich die nicht mehr soooo intensiv pflegen kann wie als Single, ist mir schon klar. Aber ab und an Zeit für mich ist mir schon wichtig. Gerade auch, um mal ganz allein, mit mir zu sein.
Jetzt stehe ich also gerade an einer Stelle, wo ich mich neu sortiere. Karriere nicht mehr ganz so steil, sondern eine berufliche Orientierung in die Richtung, in der meine Stärken liegen (wobei diese Analyse noch nicht endgültig abgeschlossen ist). Mehr Energie für das Privatleben, Freunde, Partnerschaft und mich. Aber auch das ist schon wieder so viel, dass ich fast schon wieder Bammel vor einem zu vollen Kalender habe, in der jeder Lebensbereich "durchgetaktet" ist. Mein Mann hat außerdem gerade beruflich einige Schwierigkeiten, nicht existenzieller Art, aber ebenfalls aufwühlend und belastend, auch für mich. Andererseits ist gerade mein Mann eine große Unterstützung für mich.
Ich bin verwirrt... Hinzu kommt ein aufgewühltes Gefühlsleben, ich bin überempfindlich/dünnhäutig, nehme schnell Dinge persönlich, und bei aller Vorfreude auf den neuen Job (und der damit erwünschten Verbesserung der Lebenssituation) fühle ich mich trotzdem etwas orientierungslos.
Kennt ihr das? Habt ihr Ideen, wie ich damit umgehen kann?
Ich hoffe, ich habe nicht so konfus geschrieben, wie ich mich gerade fühle...
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 12
Thema: Umorientierung
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07.02.2011, 13:04Inaktiver User
Umorientierung
Geändert von Inaktiver User (07.02.2011 um 13:12 Uhr) Grund: Rechtschreibung... und Grammatik...
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07.02.2011, 18:31Inaktiver User
AW: Umorientierung
Hallo Catamara,
solange Du noch am Sortieren bist, ist das Gefühl der Orientierungslosigkeit wohl ganz normal.
Im Augenblick solltest Du die Energie für Dich selbst verwenden. Bei dem Satz des gefüllten Terminkalenders - das würde mir auch Angst machen. Freiräume schaffen, ohne Verpflichtung und Termine, das ist wichtig. Vielleicht sogar mehr Raum für Spontanität lassen.
Du hast im Grunde geschrieben, was Dir wirklich fehlt: Zeit, mit Dir alleine zu sein.
Billy
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07.02.2011, 23:37
AW: Umorientierung
Hallo Catamara,
wollt Ihr, Dein Mann und Du, Kinder haben?
Falls ja, wann denn ungefähr?
Herzliche Grüße
Kyria
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07.02.2011, 23:51
AW: Umorientierung
als erstes fiel mir auf, dass du keine einsamen stunden nur mit dir, und keine langeweile einplanst.
das sind die wichtigsten punkte, denke ich.lg
legrain
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08.02.2011, 06:19Inaktiver User
AW: Umorientierung
Hallo Kyria,
nein, mein Mann und ich wollen keine gemeinsamen Kinder. Ich hatte nie einen Kinderwunsch, und mein Mann hat aus erster Ehe drei Kinder (16, 18, 19), er ist dreizehn Jahre älter als ich und hat das Thema Familienplanung abgeschlossen.
Zeit für mich, ich glaube, das ist in den letzten Jahren ganz klar zu kurz gekommen. Ich plane es, wo auch immer es geht, mit ein. Aber neben der Arbeit, dem Haushalt (hier übernimmt mein Mann jedoch das Meiste) und Zeit mit Freunden bleibt ja kaum noch was... In den letzten Wochen bin ich öfter mal allein in die Sauna gefahren oder alleine spazieren gegangen. Das hat aber schon bedeutet, dass auch die Paar-Zeit reduziert war. Mein Mann ist da zum Glück jemand, der das mitträgt, aber ich möchte ja auch uns nicht aus den Augen verlieren.
Im Grunde gehts ja um eine "Zeitumverteilung", aber das ist gar nicht so einfach. Ich fühle mich wie auseinander genommen und weiß noch nicht, wie ich mich "neu zusammen setzen" kann. Einiges fügt sich von selbst, anderes verwirrt mich total...
Und wenn ich mal freie Zeit habe, verbringe ich sie mit Dingen, die wenig Energie abverlangen, z.B. im Internet daddeln. Früher habe ich viel gelesen (tu ich immer noch, aber alles dauert), musiziert. Jetzt ist die Konzentration flott dahin...
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08.02.2011, 16:31
AW: Umorientierung
Hallo Catamara,
Dein Arbeitsfeld wirst Du ja nun in Kürze ändern und ich hoffe, dort läuft alles ein bißchen ruhiger und stressreduzierter für Dich.
Dein Privatleben klingt allerdings für mich noch sehr vollgestopft. Alte Freunde, neue Bekanntschaften vor Ort, Dein Mann, mit dem Du erst seit etwas mehr als zwei Jahren zusammenlebst, Hobbies, die Du ausüben möchtest...uff, mir wird da beim Lesen schon schwummerig.
Gäbe es nicht die Möglichkeit, auch im Privatleben ein bis zwei Gänge runterzufahren, ähnlich wie Du es gerade im Berufsleben vorhast? Vielleicht alte Freundschaften mal ein bißchen aufs Eis legen, indem Du mit den Freunden eine Rückzugsphase für einen gewissen Zeitraum vereinbarst.
Und mindestens einen Abend pro Woche für Dich selbst einplanen, an dem Du das Telefon aussteckst und das Handy ausschaltest und nur das machst, was Dir Spaß macht.
Ich denke, viele Menschen sind sehr in der Freizeit-Aktions-Hektik gefangen und wagen es oft kaum, da auszusteigen.
Insbesondere dann, wenn man, wie Du eine neue Partnerschaft eingeht, kann das dann schnell zuviel werden, weil zu den üblichen Freizeitbeschäftigungen ja dann auch noch der neue Partner und die Beziehungspflege hinzu kommen.
Da gilt es, abzuwägen und in anderen Bereichen etwas zurückzufahren.
Herzliche Grüße
Kyria
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09.02.2011, 00:18
AW: Umorientierung
Hi Catamara,
habe mich in Deinem Post "leider" auch wieder gefunden. Ich fühle mich ständig so, als ob mein Akku nach kurzer Zeit komplett leer ist, aber ich weiß nicht mehr, wie ich ihn gut geladen bekomme.
Beruflich kürzer zu treten habe ich auch schon überlegt, haut aber nicht hin, zumal ich ja auch fixe Kosten habe und die gedeckt sein wollen bzw. sich nicht von heute auf morgen reduzieren lassen, so dass hier eine Entlastung auch nur langfristig möglich ist.
Meine Mutter ist nun auch in einem Alter, wo sie mehr Aufmerksamkeit und Hilfe braucht, also leider auch ein Zustand, der nicht abänderbar ist.
Das Privatleben funktioniert so, dass mein Lebensgefährte selbständig ist und mich dann auch das eine oder andere Mal bittet, mich um betriebliche Belange zu kümmern, denn er selbst geht derzeit auch an bzw. über seine Grenzen.
Meine sozialen Kontakte laufen schon nach Ankündigung nur auf Sparflamme, aber selbst diese minimalen Kontakte kosten mich enorm viel Energie.
Ich fühle micht auch ausgebrannt..., aber so richtig schockiert hat mich die Aussage einer Freundin letzte Tage, die nämlich meinte, dass meine Ausstrahlung weg sei. Na ja, weg ist sie wohl nicht sondern nur verschüttet und ich muss sie wieder freilegen, aber das Problem ist, dass ich es zwar gerne möchte, aber mir auch dazu ehrlich gesagt die Kraft fehlt.
Ich kümmere mich derzeit zu wenig um mich selbst, bewußt ist es mir, aber wie heißt es so schön "der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach".
Ich habe zu meinem Geburtstag einen Gutschein einer Modemarke bekommen, habe aber bis heute keine Lust shoppen zu gehen.
Meine Therapeutin meint, ich müßte mich bewußt entscheiden, mal nicht mehr zu funktionieren, aber das bekomme ich nicht hin. Wie gesagt, vom Kopf her ja, aber ich bekomme es nicht umgesetzt.
Ich baue jetzt darauf, dass es Frühling wird, die Tage wieder länger werden und ich gefühlt einfach wieder mehr Zeit für mich habe und mich aus diesem Zustand heraus bewege.
Dir, liebe Catamara, wünsche ich, dass es Dir bald besser gehen mag und dass Deine "persönlichen Umstrukturierungen" greifen mögen.
Liebe Grüße
LaLunaIch bin bei 30 Grad waschbar .... aber bestimmt nicht pflegeleicht!
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09.02.2011, 01:11
AW: Umorientierung
ja.. kenne ich. Das ist verwirrend und gute Ratschläge eher Mangelware.
Ich kann Dir nur sagen, dass ich in solchen Situationen versuche immer nur das nächst liegende zu betrachten. Schritt für Schritt. Versuche nicht alles Unklare auf einmal zu lösen. Meist löst sowieso das Leben die wichtigsten offenen Punkte.
Wie alt bist Du denn?
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09.02.2011, 11:58Inaktiver User
AW: Umorientierung
Genau das hat mein Chef, der mich seit Jahren kennt, auch gesagt. Und es ist wohl auch so.
SpezialEdition, ich bin 35. Ich fand Dein Posting sehr angenehm, denn tatsächlich ist es so, dass nette Ratgeber oder Ratschläge gerade einfach nur "nett", aber nicht wesentlich hilfreich sind. Aber es tut gut, wenn andere dieses Erleben kennen und etwas dazu sagen können. Gerne mehr.
Laluna, mein Mann ist beruflich auch gerade am Rotieren. Das alles führt dazu, dass wir uns auch gerade als Paar fragen, was wir gemeinsam an Belastungen durchstehen können und wie wir uns sinnvoll den Rücken so frei halten, dass der Zusammenbruch nicht vorprogrammiert ist, wenn zum ganz normalen alltäglichen Wahnsinn noch etwas hinzu kommt - zum Beispiel älter werdende Eltern. Letztlich lässt es sich unter den gegebenen Umständen nicht wuppen, dass wir beide auf mittlerer Leitungsebene ackern, schon gar nicht in den aktuellen Arbeitsfeldern. Und so setzt gerade auch ein gemeinschaftlicher Prozess ein...
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09.02.2011, 23:52
AW: Umorientierung
Guten Abend Catamara,
jetzt bin ich gerade nach Hause gekommen, nachdem ich mich mal aufgerafft hatte, mich mit einer Freundin zum Essen zu verabreden und bin ...platt. Es war zwar schön, sich mal wieder auszutauschen, aber auch anstrengend.
Tja, ich muss Dir zustimmen, ich weiß auch nicht, was wir als Paar aushalten können. Man versucht den Partner zu stützen, obwohl mal selbst kaum die Kraft hat, sich alleine aufrecht zu halten, aber auf der anderen Seite, will man die Stütze ja auch sein oder meint man nur diese sein zu müssen? Erwartet der Partner das? Ich stelle mir auch immer wieder Fragen; hinterfrage mich und mein Verhalten. Dann meine ich, Antworten und Wege gefunden zu haben, um dann wieder alles in Frage zu stellen.
Muß man die Verantwortlichkeiten da abgeben, so sie hingehören, nämlich zu der Person selbst? Was ist Verantwortung, was ist Unterstützung. Ich kann da im Moment schwer Grenzen ziehen und neige wohl dazu Unterstützung fließend in die Übernahme von Verantwortung übergehen zu lassen und mich damit zu belasten.
Irgendwie zieh ich es im Moment aber wohl auch an. Wenn ich mir vornehme, mich mehr auf mich selbst zu konzentrieren, dann haut das mal wieder nicht hin, denn dann bekomme ich Post vom Finanzamt mit der Aufforderung, in kurzer Frist meine Steuererklärung einzureichen. Also werde ich das WE nicht für mich nutzen, sondern die Belege für die Steuererklärung zusammen suchen und dann geht Montag wieder die stressige Arbeitswoche los.
Vielleicht sollte ich dem Finanzamt schreiben, dass mir meine Therapeutin angeraten hat, mal bewußt nicht mehr zu funktionieren und um eine gut bemessene Fristverlängerung nachsuchen. Was meinst Du, haben die Verständis dafür?
So meine liebe Catamara, dann wünsche ich Dir eine gute Nacht und hoffe, dass uns vielleicht heute Nacht die liebe Fee besucht und uns mit ihrem Feenstab eine Eingebung gibt, wie wir aus dem Karussel aussteigen.
Liebe Grüße
LaLunaIch bin bei 30 Grad waschbar .... aber bestimmt nicht pflegeleicht!


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