Ich war schon als Jugendliche eine chronische Verschieberin und habe statt Hausaufgaben zu gaben zu machen oder für Klausuren zu lernen lieber tausend andere Dinge gemacht. Trotzdem habe ich in der Schule und im Studium zum Glück notenmäßig keine Probleme gehabt, ich bin mit meinen „auf die letzte Minute lernen“ Aktionen immer gut durchgekommen. In den ersten Berufsjahren hatte ich Stellen, bei denen die Aufgaben vom Umfang und auch von der Komplexität so waren, dass ich viel Luft hatte und 25-50% „Dödelzeit“ kein Problem waren.
Aktuell habe ich aber einen Job, der mir deutlich mehr abverlangt, sowohl was die Anzahl der Aufgaben anbelangt (es kommen ständig Sachen dazu), als auch was die Komplexität angeht (viel Improvisation gefragt, gleichzeitig großer Abstimmungsaufwand mit diversen Kollegen). Und ich habe leider das Gefühl, dass die Verschieberitis zum immer größeren Problem wird.
Ich lasse Sachen ewig liegen und vertrödele viel Zeit damit, Aufgaben zu bearbeiten, die eine niedrige Priorität haben (aber mir liegen und einfach so „runter gearbeitet“ werden können), mit Kollegen zu diskutieren, bei der BriCom zu surfen…
Auch wenn ich versuche, mich gezielt auf etwas zu konzentrieren klappt das höchstens für eine halbe Stunde. Ich lasse mich leicht ablenken und gehe dann auch oft meinen Gedanken nach (die meistens nichts mit der aktuellen Aufgabe zu tun haben).
Kennt das jemand und hat Tipps, was ich tun kann? Auch für Literaturempfehlungen wäre ich dankbar.
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Ergebnis 1 bis 10 von 20
Thema: Schlimme Verschieberitis
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25.01.2011, 12:54Inaktiver User
Schlimme Verschieberitis
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25.01.2011, 12:57Inaktiver User
AW: Schlimme Verschieberitis
poldine,
wie alt bist du denn?
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25.01.2011, 12:58
AW: Schlimme Verschieberitis
hi poldine, du beschreibst ... mich!
ich bin exakt genauso, bis hin zu den lern-aktionen etc.
ich habe in gesprächen mit anderen (denen es zum teil genauso geht) herausgefunden, dass ich eine sehr niedrige langeweileschwelle habe. das löst zwar erst mal das problem nicht, ist aber eine erklärung, und mich befriedigt das zunächst, weil ich eine grundlage zum weiteren handeln habe. dazu kommt, dass ich die dinge sowieso gern analysiere (sonst würd's ja wieder langweilig...).
du möchtest deinen geist beschäftigen, oder? immer, jede wache minute. was sag' ich - jede sekunde!
mir fällt noch mehr dazu ein, aber erst mal dieses hier. sag' mal bescheid, ob du was damit anfangen kannst!
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25.01.2011, 13:07
AW: Schlimme Verschieberitis
Ich glaube, sowas nennt man Procrastination - das kenne ich aus der Bricom und in einem Punkt aus meinem eigenen Leben:
Procrastination (www punkt bychan punkt de / procrastination)
Wo ist da Werbung ? Bei mir ist da bloss ein langer langer Text und rechts und links und paar Stichworte.
?Geändert von schnarchstop (25.01.2011 um 14:01 Uhr) Grund: Da waren werbliche Angebote im Verlinkten - bitte achtet doch darauf!
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25.01.2011, 16:38
AW: Schlimme Verschieberitis
Dieses Buch könnte was für Dich sein:
Kathrin Passig/Sascha Lobo
Dinge geregel kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin.
Schau mal bei amazon danach!Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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25.01.2011, 18:18Inaktiver User
AW: Schlimme Verschieberitis
Ja, das trifft es ziemlich genau (kennt jemand zufällig das Gedicht "Das Hilfsbuch" von Eugen Roth - das beschreibt die Arbeitsweise meines Gehirns
).
Ich denke immer an tausend Sachen gleichzeitig, von denen dann 999 plötzlich interessanter und/oder wichtiger sind, als das, was ich eigentlich gerade tun wollte (oder sollte).
Es gibt wenige Ausnahmen, also Sachen, in die ich mich wirklich vertiefen kann. Ein spannendes Buch gehört zum Beispiel dazu, oder eine herausfordernde Aufgabe, bei der ich meine Fähigkeiten gut einsetzen kann.
Ich bin übrigens Anfang Dreißig.
@Latona: das Buch klingt gut, danke.
@schnarchstopp: gut, dass es dafür auch ein Fachwort gibt
. Leider treffen von den auf der verlinkten Webseite genannten Ursachen irgendwie alle auf mich zu
.
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25.01.2011, 18:25
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25.01.2011, 18:29Inaktiver User
AW: Schlimme Verschieberitis
Poldine
Tipps, was man tun kann? hm ... schauen, möglichst wenig von den langweiligen Dingen zu tun ... oder versuchen, dem Langweiligen etwas Interessantes abzugewinnen ... oder Routinearbeiten erledigen und die Phantasie spazieren führen .... wenn es im Job zu langweilig wird, überlege dir Verbesserungen, Rationalisierungen oder gehe Aufgaben mal anders an ... und bearbeite die Aufgaben erst zur Deadline
Geändert von Inaktiver User (25.01.2011 um 18:38 Uhr)
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25.01.2011, 18:30Inaktiver User
AW: Schlimme Verschieberitis
Ich kann dir auch nur empfehlen: Literatur, da gibt es wirklich vieles mit "Aha-Effekt" und konstruktiven Tipps.
Es gibt auch so eine Buchreihe, die sich mit dem "inneren Schweinehund" beschäftigt, hat mir auch schon sehr geholfen.
Ich selber bin auch ähnlich strukturiert, alles was nicht "MUSS" schiebe ich gerne weiter.....dabei bin ich nicht mal faul.
Ich brauche um effizient und gut zu arbeiten einen gewissen Druck, zeitliches in den H** treten, dann schaffe ich ganz viel in recht kurzer Zeit, Steuerkram z.B.
Aber wenn du Kinder hast, Haustiere und andere Pflichten, erledigt sich das eh mit der Aufschieberei, ich kann die Tatsache meinen Sohn stillen zu müssen, nicht aufschieben, wenn der Hunger hat, hat er Hunger !
Ich habe früher lange im OP gearbeitet, da lief es oft unter enormen Zeitdruck, mein späterer Job im Außendienst, Vetrieb und Kundenservice stellte ganz andere Herausforderungen, die ich erst lernen mußte, was Zeitmanagement usw. angeht.
Ein Trick: mit dem Unangenehmsten zuerst anfangen, so habe ich es
früher schon bei den Schulaufgaben gemacht und es half enorm,
weiter zu kommen. Viel Erfolg !
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25.01.2011, 18:40Inaktiver User
AW: Schlimme Verschieberitis
Cella sagte "mit dem Uangenehmsten beginnen" - ich finde "mit dem Angenehmsten beginnen und einen kleinen Erfolg holen" ... Pauline, du wirst ausprobieren (müssen), was für dich gut funktioniert und das entsprechend kultivieren


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