Ja, klingt schwer nach Overflow. Wird Zeit, sich mal zurückzulehnen und im Detail zu betrachten was abläuft und dann auszusortieren. Mal was ganz banales. Ich höre schon ewig kein Radio mehr, schon gar nicht nebenbei. Ständig wird man vollgetextet und von einem Thema zum anderen gejagt. Sich mal überlegen, was habe ich in meinem Leben, was will oder muß ich auch davon und wo kann ich runterfahren. Ich kann es verstehen, wenn man den ganzen Tag mit anderen Menschen zu tun hat, braucht man auch Ruheinseln. Das Maß für Reize finden. Ich denke, darum geht vieles. Manchmal setzt man sich aus Gewohnheit Reizen aus, die einfach in der Gesamtsumme zu viel sind. Wir können es gar nicht verarbeiten und erzeugen zusätzlichen Stress, der vielleicht nicht einmal nötig ist.
Fernseher und Radio aus, Zeitung weg, nicht ins Internet und Telefon abschalten. Ruhe reinbringen, wo es geht. Räume auch so gestalten. Nicht die Wand mit Bildern pflastern, sondern ruhige Flächen. Nicht in der Stadt oder im Supermarkt sich zuballern lassen mit Eindrücken.
Ausmisten, was zu viel ist. Auch an solchen Dingen.
Balance ist heute schwierig herzustellen, da ständig etwas auf uns einstürmt. Das ist eine Aufgabe, die man von Grund auf angehen muß, um sich wieder wohlfühlen zu können. Und dann ist auch wieder das Interesse für die Freunde da. Denn sie sollen nicht Kraft kosten, sondern durch den Kontakt entsteht ja auch Lebensfreude und ist dadurch eher eine Quelle der Energie.
Sich immer wieder fragen, was tut mir gut ...
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25.01.2011, 14:02Inaktiver User
AW: Keine Kraft mehr für Freunde/Bekannte - kennt das jemand?
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25.01.2011, 14:28
AW: Keine Kraft mehr für Freunde/Bekannte - kennt das jemand?
Die Frage, die Stecher aufwirft, ging mir auch durch den Kopf. WISSEN denn Deine freunde eigentlich, was da los ist? Interessieren die sich dafür?
Ich selbst habe nach meinem Mini-Burnout mit ADHS-Diagnose und Therapie vor zwei Jahren radikal ausgemistet. Nicht mal bewusst, das ist einfach so passiert, weil ich mich mit einigen Leuten schlichtweg nicht mehr wohlfühlte. Dafür bin ich sensibler geworden.
Meine Freunde wissen und akzeptieren, nach dem ich es ihnen erklärt habe, dass ich für ADHS typische Rückzugsphasen habe. Meine Freunde wissen und akzeptieren, dass ich nicht für alle Probleme zur Verfügung stehe, weil ich es nicht kann. Wenn eine Freundin von mir zum Beispiel Trauer lebt, was mir sehr schwer fällt, erwartet sie nicht von mir, dass ich das teile. Wir haben andere Themen.
Umgekehrt hatte auch in den Fall, dass sich eine Freundin zurückzog, die in einer ähnlichen Situation wie Du ist. Ich akzeptiere das, meine Tür würde da nie zufallen. Helfen kann ich ihr leider nicht, weil sie den eigentlichen Themen im Moment eher ausweicht. Aber sie weiß genau, dass ich für sie da bin, wenn es hart auf hart kommt. Rückzug hin oder her.
Alle anderen Leute würde ich heute eher als Bekannte sehen.Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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25.01.2011, 16:34
AW: Keine Kraft mehr für Freunde/Bekannte - kennt das jemand?
Ich wollte die Frage nicht aufwerfen, weil Du ja ganz offensichtlich auf Deinen Job angewiesen bist. Nur, wenn der Stress so schlimm wird, dass Dein Privatleben so darunter leidet, dann solltest Du Dir auch zur Jobsituation ein paar Gedanken machen.
Ich weiß, dass es Dienstleistungsberufe gibt, wo man den ganzen Tag voll verfügbar sein muss. Bei manchen gehört das dazu, bei anderen lässt sich mit ein paar Änderungen an der Arbeitsorganisation oder an der Haltung, es nicht immer allen und jedem recht machen zu wollen, was drehen, was Dir Erleichterung bringen könnte. Ich weiß ja nicht, was Du arbeitest. Bist Du in einem Call-Center, hast Du weniger Möglichkeiten, Deine Arbeitsorganisation zu beeinflussen denn als Sekretärin oder gar Sachbearbeiterin.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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25.01.2011, 20:44Inaktiver User
AW: Keine Kraft mehr für Freunde/Bekannte - kennt das jemand?
Zur Zeit sind meine schönsten Erlebnisse die kinderfreien Wochenende (von Sa. 11.30 Uhr bis So.18.00 Uhr), an denen ich ganz für mich sein darf!
Ich empfinde das als ungeheuren Luxus und verbringe meine Zeit mit SpazierenLaufen, Lesen, Möbel zusammen bauen, BriCo durchstöbern, lange schlafen und Treffen mit lieben Freund/innen (aber nicht zu lang, sonst bleibt zu wenig Zeit für mich!
)
Du bist vollkommen gesund, bzw. dein Bedürfnis -nimm es ernst.
Übrigens: ich bin auch alleinerziehend mit Job im Dienstleistungssektor.
Manchmal muss ich mich zurückziehen, sonst bekomme ich Mordgelüste. Bin doch auch nur ein Mensch...
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25.01.2011, 21:20Inaktiver User
AW: Keine Kraft mehr für Freunde/Bekannte - kennt das jemand?
Mann, hier hat sich ja richtig was getan! Danke für Eure lieben Antworten - ich bin echt fassungslos, dass Ihr Euch so viele hilfreiche Gedanken macht! Danke...

Weiß gar nicht, wem ich zuerst antworten soll. Farmelli hat mich gestern abend noch zum Lachen gebracht mit ihrem letzten Post, aber ich war zu müde um zu antworten. Stecher dito mit der work-life-balance, die voll im ... na ja ist.
Jeanne - habe mir so oft gewünscht, dass mein Ex nicht im Ausland wohnt: ich habe keine kinderfreien Wochenenden, seit über 4 Jahren schon nicht, außer meine auch nicht mehr allzu jungen Eltern erbarmen sich meiner! Alle zwei Wochen ein WE für mich wäre ein Traum und würde viel sehr ändern!
Latona, Cariad, das genau ist die Abwärtsspirale: je weniger Energie ich für meine Freunde habe, umso isolierter bin ich, umso mehr muss ich alles allein machen, umso weniger Energie habe ich für meine Freunde etc... (was für "Freunde" gilt, gilt ebenso für "potentiellen neuen Partner" = ist das gleiche Spiel auch in diesem Lebensbereich.
Und es ist auch der Job, ganz klar. Bin dabei, mich umzuorientieren, aber es ist beruflich nicht einfach mit Ü40 auf dem flachen Land.
Grenzen ziehen, ja. Schwer. Muss ich in Angriff nehmen. Um Hilfe bitten, sich ausheulen auch. Andererseits kann ich meine Freunde ja auch schlecht volljammern bis der Kleine 18 und flügge ist.
Ich bin vor ein paar Jahren aus der Großstadt zurück in meinen kleinen Heimatort gezogen. Was anfangs nach der schwierigen Trennung wie Balsam für meine Seele war - die Anteilnahme der Umwelt - ist für mich, die ich zwei Jahrzehnte die Anonymität der Städte gewohnt war, zu Enge und Bedrängnis geworden. Bei jedem Einkauf im Supermarkt treff ich auf mindestens drei Bekannte, die smalltalken wollen...
Werde jetzt erst mal an einer Auszeit (Kur oder ähnlichem) arbeiten. Und die Idee mit der "telefonfreien Arbeitswoche" und dem Verschieben privater Telefonate auf das WE ist eine gute Idee.
Wilhelma
Geändert von Inaktiver User (25.01.2011 um 21:24 Uhr)
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25.01.2011, 21:33Inaktiver User
AW: Keine Kraft mehr für Freunde/Bekannte - kennt das jemand?
Ja dann ... verstehe ich dich ja noch besser!

Doch da kannst du dran arbeiten: bitte verschaff dir Luft, indem du gezielt Kontakt zu den Eltern eines Schul"kollegen" deines Sohnes pflegst!
Ich meine mich zu erinnern, er ist 6 Jahre alt? (kann leider nicht auf S. 1 nachschauen!). Und ein Spielkamerad für ihn bedeutet in der Regel eine Entlastung für dich (es gibt kaum anstrengenderes als gelangweilte Kinder
), wechselseitig kann dein Sohn mal einen Samstag zu seinem Freund (in den Ferien mit Übernachten?!)
Ein wenig Einsatz ist nötig -dann kannst du hoffentlich bald die Früchte deiner Arbeit genießen.
Und nur zur -eigentlich völlig unwichtigen- Info: ich werde täglich von 3 Seiten bequatscht -aber am anstrengendsten ist der Jüngste.
Bei ihm fahre ich mit der obigen Methode supergut...
Geändert von Inaktiver User (25.01.2011 um 21:34 Uhr) Grund: Edith verriet mir, der Sohn ist tatsächlich 6 Jahre alt.
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25.01.2011, 21:42
AW: Keine Kraft mehr für Freunde/Bekannte - kennt das jemand?
oh gott, das handy, die fußfesserl der moderne

ich kenn das nur zu gut, erstens weil ich, alles zusammengerechnet jeden tag drei telefone ertragen muß, firmen-festnetz, firmen-handy, privat-handy, zweitens weil ich die beiden ersteren ca. 50std/woche gezwungenermaßen aushalten muß (manchmal auch mehr).
nach so einem 10std. tag wo vielleicht auch noch 20-30 telefongespräche waren (arbeite i.d. IT-dienstleistungsbranche), kann man das tel. eigentlich nicht mehr sehen. trotzdem kommen jeden tag privst noch min. 10-20 sms dazu u. wenns hochkommt auch noch 5-6 gespräche. (beim heimfahren, daheim, beim esse, usw...) im extremfall kommt man um 7 heim u. hat vor halb 10 noch keine minute für sich gehabt. (nicht immer, aber durchaus öfters)
was ulli eingangs über den ständigen "zugriff" geschrieben hat ist durchaus treffend. man hat irgendwann das gefühl 24std./tag erreichbar zu sein/sein zu müssen. eig. ein schwachsinn, aber es ergibt sich so. hebt man mal nicht ab, ist es doch nur aufgeschoben aber nicht aufgehoben, entweder läutet es später wieder (u. die gerade begonnene entspannungsphase ist wieder dahin) od. man hat das gespräch dann sicher am nächsten tag (zusammen mit anderen u. damit dann dort noch mehr).
vor ca. 14 jahren, als ich mein erstes handy hatte, war telefonieren noch was ganz besonderes u. man freute sich wenn man denn angerufen wurde (war ja auch nicht grade billig). mit der zeit wurde das immer weniger schön u. heute wo jeder tausende freiminuten für kleines geld hat (in Ö sind 1000-2000 minuten in alle netze um 12-15€/monat mittlerweile standard), wird wegen jedem schrott sofort zum hörer gegriffen. vielleicht ist auch dies das problem, telefonieren ist zu leicht verfügbar u. daher zu selbstverständlich geworden. früher überlegte man sich ob anrufen notwendig ist od. ob man nicht ohnehin beim nächsten treffen über alles reden kann. heute wird zum hörer gegriffen, kostet ja so gut wie nix. das vielleicht als grund für diese "negative" entwicklung.
hebt man nun mal nicht ab wird man gefragt "wo warst denn gestern" od. "warum warst nicht erreichbar", da haben wird schon die rechtfertigung die dann erwartet wird, schließlich hat man ein handy u. das ist ja überall dabei, drum kann man ja immer u. überall ran gehen. dass man dies aber nicht immer möchte u. dies vielleicht genau mit dem zeitpunkt zusammenfällt wo ein anderer grade was "ganz wichtiges" loswerden möchte, ist für eben diesen anderen dann oft nicht zu verstehen od. wird nicht respektiert. da wird dann nicht einmal sondern fünfmal versucht anzurufen ("sitzt der auf seinen ohren?" gg) od. gleich ein sms nachgeschickt, damit der andere auch ja weiß dass man ihn nicht erreicht hat u. das gaaaanz furchtbar ist.
@ulli: ich kenn das also nur zugut u. ich bin voriges jahr sehr knapp an einem burn-out vorbeigschrammt (bzw. schon drin gewesen u. muß immer noch aufpassen). hat aber nicht nur mit dem tel. zu tun, aber eben mit diesem gefühl immer da sein zu müssen bzw. dem schlechten gewissen zeit nur für sich selbst haben zu wollen.
das telefon verkörpert für mich aber sehr gut dieses gefühl des müssens, dieser auslöser von sich schuldig fühlen. ganz aus machen will man es nicht, denn man erwartet manche anrufe ja durchaus (aber eben nicht alle), dann kommt man in diese mühle aus wut u. hilflosigkeit, weil man nicht weiß wie man diesen spagat ziwchen wollen u. müssen meistern soll.
es gibt leider leute die denken wenn du nicht i.d. arbeit bist hast du ja freizeit u. wenn du nicht grade schläfst od. z.b. im kino sitzt dann gibts ja keinen grund nicht ran gehen zu können. dass man einfach mal zeit braucht um einen freien kopf zu bekommen u. den tag für sich aufzuarbeiten, dafür haben sie nicht immer verständnis.
es liegt aber auch daran dass diese leute ja nicht riechen können, dass dich heute z.B. schon x andere angerufen haben u. du mittlerweile vielleicht schon genervt bist, auch da liegt ein problem, nämlich dass man dies nicht steuern kann. könnte man die gespräche schön aufteilen, würde es einem vielleicht nicht weiter stören, aber ein einem tag kommt kaum was (druchschnauf gg), am nächsten tag dann alle auf einmal (siehe oben: keiner weiß dass dich alle anderen bereits angerufen haben).
es ist fluch u. segen zugleich. wenn dun wirklich nicht mehr kannst, dann wirst hier aktiv werden müssen. mach z.B. gespräche die für dich wichtig sind (mann, freund, mutter, etc..) aktiv selbst u. schalt das handy dann auf leise. zum einen kannst du dann gelegentlich nachsehen ob wer angerufen hat u. selbst entscheiden ob du zurücktufst, zum anderen hast du die wichtigen menschen gehört u. kannst entspannen, ohne ein schlechtes gewissen haben zu müssen.
mach gespräche aus, sag z.B. "wir telefonieren am mittwoch", wenn derjenige dann schon am di. anruft geh nicht ran. wenn er dann am mi. sagt "ich hätte dich gestern angrufen aber nicht erreicht" dann denk nicht "wie rechtfertige ich mich jetzt" sondern sag einfach "wir haben vereinbart am mi. zu telefonieren u. heute ist mi. u. wir telefonieren". einiges ist auch eine art erziehung, an sich selbst u. auch an anderen. nach einer zeit wird es normal, genauso normal wie es jetzt ist zu glauben immer erreichbar sein zu müssen, mit einem unterschied, du fühlst dich nicht mehr schlecht sondern besser.
lgGeändert von punto30 (25.01.2011 um 21:46 Uhr)
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25.01.2011, 21:58Inaktiver User
AW: Keine Kraft mehr für Freunde/Bekannte - kennt das jemand?
Dieclou,
das hatte ich übersehen -- schon interessant, dass ich gerade diesen Aspekt nicht gelesen habe... Die ehrliche Antwort ist schon etwas schmerzhaft: Wissen tun sie es schon. Aber wirklich interessieren - nein. Da geht dann im Zweifelsfall doch das Eigeninteresse vor: "Ich weiss, du hast keine Zeit, aber kannst du mir ganz schnell sagen, was ich mit OdB tun soll? Wir hatten seit vier Tagen keinen Sex!!!"
Oder so ähnlich.
Meine Erfahrungen haben mich gelehrt, dass es für Elternpaare und noch mehr für Kinderlose sehr schwer ist, die Situation einer berufstätigen Alleinerziehenden wirklich nachzuvollziehen. Nämlich, dass es dabei nicht um vereinzelte stressige Ausnahmesituationen geht, sondern die Ausnahmesituation zur alltäglichen Norm wird.
Und das will niemand wirklich wissen. Die verheiratete Hausfrau nicht, weil sie sich dann nicht mehr so gut über ihren Mann beschweren kann, der ihr das Kind/die Kinder nur am WE abnimmt. Die Single-Freundin nicht, weil ihr "sexloses" Dasein sich vor dem Hintergrund der Sexfrequenz einer Alleinerziehenden viel an Drama verliert. Und so weiter.
Und irgendwann dreht der Motor heiß.
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25.01.2011, 22:01Inaktiver User
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25.01.2011, 22:27Inaktiver User
AW: Keine Kraft mehr für Freunde/Bekannte - kennt das jemand?
Naja, dazu fällt mir nur eins ein: selber schuld...

Rechtfertigen muss man sich doch wirklich nicht, wenn man nicht ständig erreichbar sein will (und auch sonst nicht, wenn ich' s recht bedenke
!).
Und genau aus diesem Grund haben zumindest meine Handy-Nummer nur die Schulen meiner Kinder und die Kinder selber (und vier gute Freundinnen, die wissen und respektieren, dass ich darauf nur im Notfall erreichbar bin -und zum Quatschen gerne auf Festnetz
)
Kleiner Hinweis am Rande: beim Lesen deines Posts bin ich ganz atemlos geworden. Weiß nicht, ob das nur mir so ging...


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