Hallo Partnerin,
der sogenannte Vater- oder auch Mutterkomplex hat nichts mit dem sexuellen Begehren zu tun. Vielmehr nutzt das pubertierende Kind die Sexualität unbewusst, wenn es auf subtile Weise merkt, dass es damit beim gegengeschlechtlichen Elternteil seinen Besitzanspruch durchsetzen kann.
Wenn du bedenkst, dass vor allem im Alter zwischen 8 und 12 Jahren diese so wichtige Phase eintritt, dann kann sehr oft noch nicht einmal von latenter Sexualität die Rede sein!
Auch dies ist eine Verquerung. Nicht das Kind zieht seine Liebe vom Vater ab, und es muss diesem Kind auch nicht klar werden, was Inzest ist! Wie schon erwähnt: die manchmal vorkommende Freizügigkeit ist als Mittel zum Zweck anzusehen.
Entscheidend ist, wie der VATER mit dem Kind in dieser Phase umgeht, wie er es versteht, auf die Allmachtsansprüche des Kindes so einzugehen, dass es sich nicht in all seiner Persönlichkeit zurückgestoßen fühlt. Das Kind lernt durch die Reaktion des Vaters (und auch der Mutter!), wie emotionale Krisen bewältigt werden können. Vor allem aber lernt es - und das ist das Entscheidende an dieser Phase -, dass es nicht (mehr) der Mittelpunkt der Welt ist. Hier wird eine soziale Basis geschaffen.
Ein Vater- oder Mutterkomplex hat mit der Figur des Vaters oder der Mutter zu tun. Ein sehr übermächtiger Vater (und auch ein nicht vorhandener Vater kann übermächtig sein!!!) ist oftmals der entscheidende Faktor für einen späteren Komplex, den das nun erwachsene Kind immer wieder versucht aufzulösen - indem es nach Partnern "sucht", die dem Vater ähnlich sind, beispielsweise.
Oftmals sucht ein junges Mädchen auch einen älteren Partner, um seine narzisstischen Wunden zu heilen.
@ sonnenblume
Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn du einen "Vaterkomplex" hättest?
Schlaflos
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Ergebnis 11 bis 20 von 23
Thema: Vaterkomplex?
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30.12.2010, 14:35Inaktiver User
AW: Vaterkomplex?
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30.12.2010, 20:25Inaktiver User
AW: Vaterkomplex?
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30.12.2010, 20:42Inaktiver User
AW: Vaterkomplex?
Öhmmm, Sigmund Freud
Zusatz:
Ich ergänze, dass deine Schilderung imho suggeriert, dass es hier um (aus)gelebte Sexualität geht. Bei der Entdeckung der eigenen Sexualität (phallische Phase) jedoch geht es das eben "nur" latent. Der Rest siehe die Erklärung meinerseits.
Das wollte ich jetzt noch einmal klarstellen.Geändert von Inaktiver User (30.12.2010 um 20:52 Uhr) Grund: Ergänzung
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30.12.2010, 22:27
AW: Vaterkomplex?
Vielleicht sucht sich eine junge Frau, ganz fernab vom Thema Vaterkomplex, aber auch deshalb ältere Männer weil der Sex mit einem 30jährigen vielleicht besser ist als mit einem 20jährigen, oder weil die Vorstellungen über Leben und Beziehung deutlicher sind. Stichwort: Verantwortung übernehmen. Vielleicht haben Männer mit ü30 mehr Erfahrung mit Beziehungen und man muss sich nicht mit Kindergartenansichten herumschlagen und außerdem sind Männer rein optisch ab 30 schöner. Zudem sind die allermeisten in der Lage zu sich und ihren Bedürfnissen zu stehen, diese halbwegs klar zu formulieren und auch die Frau an ihrer Seite und ihre Bedürfnisse zu akzeptieren. Eigenschaften, die ich jedenfalls als ich noch jung war bei Gleichaltrigen nicht endecken konnte.
Das alles trifft natürlich nicht auf alle 20er oder 30er zu, sondern sind persönliche Erfahrungen.
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30.12.2010, 22:38Inaktiver User
Ich verstehe nicht, warum du latente Sexualität nicht zu Sexualität zählst. Auch dein Posting oben klingt, als würdest du das Faktum der kindlichen Sexualität nicht berücksichtigen.
(latente) Sexualität beginnt nicht erst im Alter von 8 Jahren, sondern eben schon beim Kind, das war eine der großen Erkenntnisse des 19. Jahrhunderts. Und die ganze Psychologie von Freud beruht darauf, dass in uns Unbewusstes wirkt.Wenn du bedenkst, dass vor allem im Alter zwischen 8 und 12 Jahren diese so wichtige Phase eintritt, dann kann sehr oft noch nicht einmal von latenter Sexualität die Rede sein!
Aber man kann "Vaterkomplex" ja auch einfach googlen, wird auf die korrekte Bezeichung >Ödipuskonflikt< verwiesen und dort findet sich in Kürze das Wesentliche über die gemeinte psychosexuelle Entwicklung in Bezug auf den gegengeschlechtlichen Elternteil.
Dass unangemessenes Verhalten des Elternteils in dieser Phase zusätzlich den Konflikt zu einem Komplex machen kann, ist klar.
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30.12.2010, 22:41Inaktiver User
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31.12.2010, 13:20
AW: Vaterkomplex?
Mich hat der Satz nicht gestört, ich bin auf die Fragen der Threaderstellerin eingegangen. Ihre Frage war, ob sie einen Vaterkomplex hat, weil sie ältere Patner hat und die Antworten gingen für mich eher in die Richtung zu erklären was ein Vaterkomplex ist und welche psychologischen Gründe für die Wahl eines älteren Partners sprechen. Wobei der von mir zitierte Part sich zudem auf Mädchen, nicht auf erwachsene Frauen bezog. Daraufhin habe ich diverse Gründe fernab von Vaterkomplexen oder "verkorkster" Psyche genannt, die für erwachsene Frauen für die Wahl eines älteren Partners sprechen können.
Geändert von wespenstich (31.12.2010 um 13:23 Uhr)
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31.12.2010, 13:21Inaktiver User
AW: Vaterkomplex?
Hallo Partnerin

Zunächst, weil das sehr umstritten ist. Freud zu seiner Zeit fundierte ja alle "Hysterien" auf die (gestörte) Sexualität. Das wurde mehr und mehr relativiert. Jung hat sich des Themas meiner Meinung nach am modernsten angenommen.
Dann aber auch, weil deine Aussage, zumindest wie sie bei mir angekommen ist, unterstellt (in sehr einfachen Worten jetzt): Du warst mal scharf auf deinen Vater, aber wenn du gesund gewesen bist, hast du irgendwann kapiert, dass das Inzest werden würde und deshalb nicht ginge. Ungesund wäre dann: Vaterkomplex!
Es gibt aber (mindestens?) zwei Phasen, in denen das Kind seine Sexualität entdeckt, ohne sich oftmals dessen tatsächlich bewusst zu sein, geschweige denn später eine Erinnerung daran zu haben. Einmal zwischen dem 3. und 7. Lebensjahr und einmal zwischen dem etwa 9. und 12. Lebensjahr. Es existieren Anschauungen darüber, dass, WENN in einer dieser Phasen eine starke Vater-/Mutterfigur auf die (völlig normalen) Allmachtsphantasien des Kindes destruktiv reagiert, es zu einem Ödipuskonflikt kommen KANN.
Ich wollte also schlicht die Betonung von der Sexualität wegnehmen, weil sie nicht die Ursache ist, wohl aber ein Ursprung, ein Zusammenspiel mit anderen Faktoren.
Ich hoffe, das konnte ich besser ausarbeiten. Da jedoch auch ein nicht vorhandener Vater (ich erwähnte das schon) ein sehr starker Auslöser für einen Ödipuskomplex sein kann, wollte ich das ganz gerne betonen bzw. nicht so sehr in den Scheinwerfer gestellt wissen.
Ich habe das jetzt direkt mal getan - und mit Verlaub: die Erklärungen im Definitionsstil, die ich da gesehen habe, sind doch ziemlich dürftig. Abgesehen davon, dass man in der Psychologie mit Ein-Satz-Diagnosen nicht sehr weit kommen dürfte, um seine eigenen Muster aufzulösen.
Die Diskussion hierzu ist aber wirklich spannend. Wahrscheinlich ist der Strang hier nicht so der rechte Platz dafür. Vielleicht treffen wir uns ja woanders noch einmal wieder. Würde gerne tiefer hineinsteigen in dieses Thema (bin selbst davon betroffen...)
LG Schlaflos
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31.12.2010, 13:26Inaktiver User
AW: Vaterkomplex?
Hallo wespenstich,
es gibt ja angeblich sehr viele Ursachen.
Ich selbst konnte mit Jungs in meinem Alter als Teenager auch nichts anfangen, und noch heute ist für mich ein sehr wichtiges Kriterium Lebensklugheit. Nicht unbedingt Intellektualität im Sinne von Studium usw. Das findet sich eher weniger bei 18-Jährigen.
ABER: Bei mir lag die Ursache in einer grauenhaften Kindheit. Deshalb hat mich auch die Aussage der TE aufmerksam werden lassen, sie wollte nicht mehr Kind sein.
Ganz offensichtlich hatte sie jedenfalls keinen heftigen Drang nach "erwachsener Sexualität", jedenfalls nicht in der Realität. Sonst hätte sie wohl kaum jahrelang nur gechattet und Mails geschrieben, also ihre Gefühle rein schriftlich ausgelebt. Aber hier lag offenbar die Befriedigung, die sie aus dieser Beziehung gezogen hat: aus dem Austausch mit einem Mann, der ihr Leitfigur sein konnte.
Schlaflos
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31.12.2010, 14:17Inaktiver User
AW: Vaterkomplex?
Äh, naja. Seis drum.
Dass sie selbst gefühltermaßen aus anderen Gründen mit dem Mann zusammen ist, hat sie eigentlich auch schon im Eingangsposting geschrieben, oder? Sie will nicht wissen ob sie einen Vaterkomplex hat, sondern was das ist - weil ihre "Freundin" ihr das ohne nachzudenken an den Kopf wirft.



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