Hallo Tabea,
Richtig, das ist ja das, was ich heute auch versucht habe, zu denken - dass es jahrhundertelang "ohne mich ging" und genauso weitergehen wird, wenn ich mal nicht mehr bin. Aber ich finde es eben grade so unheimlich schwer, mir vorzustellen, dass es einfach so weitergeht, dass Dinge weiter existieren und passieren werden und ich es einfach nicht mehr mitkriege. Also ich finde schon, dass ich meine Zeit gut ausnutze, aber wenn ich mir vorstelle, ich würde morgen nicht mehr aufwachen, da wäre so viel, das ich dann nicht gemacht hätte. Wobei das natürlich immer so sein wird, so alt kann man ja gar nicht werden, dass man alles getan und erlebt hat. Jetzt könnte man natürlich sagen, was soll's, ich bin dann eh weg - aber dieses Wegsein ist eben das, was ich mir nicht vorstellen kann.
Oh wie furchtbar, das tut mir echt leid für dich! Sowas kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, bei mir fehlt ja (zum Glück für mich) so ein konkreter Anlass für solche Gedanken.
Nein, natürlich nicht, das möchte ich ja auch nicht. Wenn wir uns jetzt alle irre machen, verderben wir uns ja nur die Zeit, die wir haben, und ändern tut es sowieso nicht. Ich möchte ja auch nicht, dass mich die Angst so vereinnahmt, ich versuche ja, da wieder rauszukommen. Meine Angst ist ja jetzt auch ein bisschen, dass die Leichtigkeit, die ich bisher hatte, also in dem Sinne, dass ich nicht daran denke und einfach versuche, hier und jetzt (und für morgen) zu leben, dass die jetzt weg ist. Und genau das möchte ich nicht.
Gute Nacht, und danke!![]()
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04.12.2010, 00:05
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
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04.12.2010, 00:22
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
Hallo Bisamratte,
Dankeschön!
also ich bin schon jemand, der viel nachdenkt und vielleicht manchmal ein bisschen zu ernst ist, war ich schon immer. Nur eben normalerweise nicht über so schwere Kost, sondern über irgendwas Alltägliches
Aber wenn schon, denn schon 
Ich glaube, es ist beides. Einerseits die Angst "was wird mit mir", andererseits die Traurigkeit "was wird aus dem, das ich zurücklasse". Ich würde so viele Dinge vermissen - oder auch nicht, weil ich ja nicht mehr da bin - aber wie kann das sein, dass ich nicht mehr da bin...
Ich weiß nicht, was genau mich daran so traurig macht. Vielleicht - also wenn ich mir vorstelle, mein Freund würde allein zurückbleiben, müsste ganz allein leben, das würde ihn so traurig machen und mich deshalb auch. Oder wenn ich mir mein Zimmer vorstelle - keiner würde sich mehr an meinen Schreibtisch setzen oder in meinen Büchern lesen oder meine Musik hören - dieses Wegsein, dieses nicht mehr wissen, was dann passiert - das macht mich unheimlich fertig.
Ja, das auch. Das sind ja schon die ganz großen Fragen, deshalb denke ich ja auch, das haben schon Schlauere als ich nicht verstanden und außerdem betrifft es ja alle Menschen gleich und ist nicht nur mein persönliches Problem. Aber das macht es nicht leichter. Und ich heul schon wieder, furchtbar
Diese Unbeschwertheit würde ich auch gern wieder spüren. Oder wieder wie ein Kind denken, dass mir gar nichts passieren kann. Einfach so hinnehmen, dass immer wieder neue Tage kommen und mir unendlich viel Zeit bleibt. Im Moment bin ich aber leider genau umgekehrt drauf.
Trauer um eine verlorene Kindheit - nein, eigentlich nicht. Also zum einen ist das ja nun schon ein paar Tage her
zum anderen - nein, ich glaube, damit hab ich abgeschlossen. Also es hätte natürlich schöner sein können, keine Frage, aber auch schlimmer. Aber es hat mit mir heute eigentlich nichts mehr zu tun. Und ich weiß nicht, ob ich heute anders wäre, wenn meine Kindheit anders gewesen wäre. Also sicher, wahrscheinlich schon, aber ich glaube, nicht im Zusammenhang mit diesem Thema. Ich hab ja auch im Eingangsposting gesagt, die beste Zeit meines bisherigen Lebens ist genau jetzt, und das sehe ich auch immer noch so.
Höchstens Trauer, weil man eben nicht mehr unendlich viel Zeit hat, weil ich eben nicht mehr quasi per definitionem jung bin, weil nicht mehr alles vor mir liegt. Obwohl das vielleicht ein bisschen übertrieben ist mit 31. Oder?
Ist lieb gemeint, aber das möchte ich eigentlich nicht... also ich kann mir bei keinem in meinem realen Leben vorstellen, über sowas zu sprechen. Aber nicht aus Mangel an Vertrauen oder so, sondern zum einen, weil ich dieses Thema gar nicht so nah an mich ran und in mein Leben rein lassen will. Zum anderen, weil ich über sowas lieber schreibe als spreche, da kann ich besser meine Gedanken ordnen und in der gesamten Bandbreite vorbringen (merkt man gar nicht, oder?
). Und zum anderen - wenn ich schon heule aus lauter Rührung, dass sich hier wieder liebe Menschen Gedanken um mich gemacht und ihre Zeit mit meinen Problemen verbracht haben, obwohl sie mich gar nicht kennen, wie soll das dann im realen Leben werden 
Ich weiß nicht, vielleicht brauche ich gerade ein Fundament, das mir Trost gibt oder so - vielleicht fehlt mir wirklich die Verankerung im Glauben.
Liebe Grüße und danke
wastun
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04.12.2010, 07:59
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
mir wird ganz warm um's herz 
Ich dachte an manchen Stellen, dass trotz deiner Gedanken immer noch eine Lebenslust, eine Leichtigkeit zu spüren ist. Im Verlauf ändern sich jedoch Inhalt und Melodie deiner Beiträge, und sie klingen nun stark in Moll, wie die Ratte richtig sagt, es klingt nach Trauer.
Du hast hier schon den ganzen Strauß an Spiritualität und Religion angeraten bekommen. Glaube gibt Antworten, er deckelt Fragen. Es gibt einen schönen Satz von Marie v. Ebner-Eschenbach: "Wer nichts weiß muss alles glauben". Ich habe das Gefühl, dass die Gedanken in dir wichtig für deine weitere Entwicklung ist, und ich würde eher noch ein paar Fragen stellen, auch wenn es schwer fällt.
Du möchtest Tipps? Gestern Abend ist mir beim Ausschütteln der Zeitung ein Prospekt in die Hände gefallen. Da habe ich etwa gesehen und musste an dich denken: "Ars moriendi. Literarische Reflexionen über den Tod (Rilke, Seneca, Montaigne, Nietzsche, Lessing...)". Alles lesenswerte Schreiber.
Nur, was mir auffällt ist die Sache mit deiner Kindheit und deinem Vater. Da ich nicht darüber spekulieren und dir gleich Tipps dazu anbieten möchte erzähle ich dir lieber etwas.
Ich hatte keine glückliche Kindheit, geendet hat sie damit, dass ich am Tag meines 18. Geburtstags mein Elterhaus verlassen habe. Bei mir war es auch der Vater, mit dem es heftige Probleme gab. Über die Jahre hat sich das Verhältnis wieder gebessert, es gab Gespräche, und heute verstehen wir uns besser als je zuvor.
Als ich vor einigen Jahren in eine Krise abrutschte, verbunden mit einem Klinikaufenthalt und einer Therapie, merkte ich allerdings, dass ich die Zeit vor meinem Auszug komplett ausgeblendet habe, und die Aufarbeitung war mit Trauer verbunden. Aber ich habe das Glück, dass mein Vater noch lebt.
Ein sehr guter Freund von mir hatte eine noch üblere Kindheit, sein Vater war ein Despot und mein Freund sein Opfer, er wurde zum Versagen stilisiert. Der Vater meines Freundes hat sich umgebracht, als mein Freund 17 war. Für ihn war es ein großes Problem, dass er sich nicht mehr real mit seinem Vater auseinander setzen konnte, nur theoretisch. Da bleiben viele Fragen nach dem "Warum", auf die ich in der Auseinandersetzung noch Antworten finden konnte und auch bekam.
Es sind drei Fragen, die der Mensch nicht beantworten kann. Wo fängt der Raum an, wo hört er auf; wann hat die Zeit angefangen und wann endet sie? Ich denke darüber: Who cares?
Die dritte Frage: Wo war ich vor meinem Leben und wo bin ich danach ist schon spannender. Natürlich kannst du nun sagen, ok, ich glaube ab jetzt an die Reinkarnation, und schwupps ist das Problem gelöst.
Lieben Gruß
TomGeändert von Susykuek (04.12.2010 um 09:41 Uhr)
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04.12.2010, 09:28Inaktiver User
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
Liebe Wastun,
Danke.
Gut, dass du erklärt hast, worum es dir geht. Ich sehe nun etwas klarer.
Es könnte also sein, dass du meinst, dich mit deiner möglichen Bedeutungslosigkeit in diesem Leben konfrontiert zu sehen. Pyramiden bauen …
Wie Tabea sosehr richtig schreibt: im Grunde bedeutet jede Interaktion mit einem anderen Menschen etwas. (Muss ich mir allerdings auch laufend sagen)
Egal wie – ich denke, es bedeutet LEBEN.
Sicherlich würden Menschen um dich trauern, sicherlich werden dich Menschen vermissen, sicherlich werden/würden Menschen in bestimmten Situationen sagen: so und so hätte Wastun jetzt reagiert. Oder: jetzt hätte Wastun so oder so gehandelt…. Es klingt ein bisschen abgedroschen, aber man lebt wirklich in den Erinnerungen der anderen Menschen weiter und ich glaube, das was einen in den Erinnerungen der anderen Menschen wach hält, ist die eigene Authentizität, die eigene Einzigartigkeit.
Weißt du, meine Beziehung zu meinem Bruder war eigentlich nicht so, wie ich sie mir gewünscht hätte, aber er war so ein lebendiger Mensch, so voller Wissensdurst, so wach, so voller Leben … ---- unvorstellbar, noch heute, zu wissen, er lebt nicht mehr ---- aber, er hat vorgesorgt. Seine „weltlichen“ Dinge geregelt … ein Testament gemacht, obwohl es eigentlich der totale Hammer war und er hat sich durch seine ganze Art und Weise für mich und alle irgendwie unsterblich gemacht.
Er war allerdings Gärtner ---- insofern hat er etwas wirklich Wesentliches hinterlassen …. nämlich: Leben – Natur.
Was du jetzt tun könntest – jetzt mal allerdings abseits jeder Philosophie: kleb unter jeden Gegenstand, den du bestimmten Menschen zudenkst, einen entsprechenden Zettel. Mach ein Testament, versuche, zumindest in diesem Punkt ganz pragmatisch deine Ungewissheit zu beseitigen – würde ich jedenfalls tun, wenn mich deine Gedanken beschäftigen würden.
Mich hat eben schon allein der Gedanke, dass ich es tun könnte, sehr erleichtert.
Und: nein, ich habe wirklich keine Angst vor dem Tod, man kommt ohnehin nicht daran vorbei ihn anzunehmen ---- ich habe Angst vor dem Leiden, vor Krankheit, Siechtum ---- und dem Alter, vor Einsamkeit, vor Stagnation …
Uch, das ist zum Schluss echt dunkel geworden ---- aber: ist die Frage, die du dir stellst, vielleicht nicht einem Ende zugedacht sondern eher eigentlich einem Beginn, einem Anfang?
Ich denke, dass Ängste nicht von ungefähr entstehen und ich denke, sie kommen nicht immer aus der Richtung, die offensichtlich erscheinen …
Gestern Abend geschrieben ---- vielleicht inzwischen ein wenig überholt.
Danke an Tabea, Sanskrit, Bisamratte und Tom für eure Beiträge!
Liebe Grüße
FunkeGeändert von Inaktiver User (04.12.2010 um 09:34 Uhr)
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04.12.2010, 12:59
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
Liebe wastun,
freut mich, wenn du mit meinem Post evtl. etwas anfangen kannst
Du hast nach weiteren Literaturtipps gefragt. Also es gibt sooo viele spirituelle Bücher in allen möglichen Richtungen. Dem einen sagt das zu, dem anderen überhaupt nicht. Wenn ich dir einen Rat geben darf, würde ich tatsächlich, ohne jetzt zu viel Werbung dafür machen zu wollen, mit dem 1. Band der Gespräche mit Gott anfangen. Zumal du geschrieben hast, dass du etwas Tröstliches hören möchtest. Googel einfach mal danach, wenn du magst ...
Ich persönlich habe schon sehr viel in diese Richtung gelesen, z. B. über Engel (war am Anfang ganz nett, auch sehr tröstlich, habe dann aber festgestellt, dass das doch nicht so mein Ding ist), fernöstliche Religionen wie den Buddhismus, auch Berichte über Nahtod-Erlebnisse können sehr aufschlussreich sein.
Das ist aber alles eine Frage des eigenen Geschmacks, und auch, inwieweit man sich auf eine bestimmte Sichtweise des Lebens einlassen kann oder möchte.
Oder du gehst mal in eine große Buchhandlung, die haben meistens ein gutes Angebot in der Esoterik-Ecke, und schmöker einfach mal ein bisschen, was dich anspricht. Das merkt man meistens recht schnell, was das richtige Buch in diesem Moment für einen ist.
Dass es im Esoterik-Bereich sicher auch unseriöse Angebote gibt, sollte dich dabei nicht irritieren. Wichtig ist, dass du dich gut mit einem Thema/Buch fühlst. Ich merke dann, das löst etwas Positives in mir aus, also lese ich weiter. Auf der Verstandesebene kommt man hier nämlich nicht weiter. Nicht falsch verstehen, es geht nicht darum, in eine spirituelle Scheinwelt abzudriften. Meine Erfahrung ist nur, dass man sich auf sein Gefühl und seine Intuition verlassen sollte, wenn es um den richtigen Weg geht.
Nicht umsonst gibt es sehr viele Menschen, die rein rational/auf der Verstandesebene in ihrem Leben alles richtig gemacht haben, und trotzdem zweifeln und unglücklich sind.
Mir persönlich hat die Auseinandersetzung mit dem Thema Wiedergeburt sehr geholfen, den Sinn in meinem Leben zu erkennen und dieses aktuelle Leben auch entspannter anzugehen. Wobei ich heute sehr viel bewusster auf allen Ebenen lebe als früher und sehr vieles geändert habe, angefangen von dem Schritt in die Selbstständigkeit bis hin zu der Tatsache, dass ich nächstes Jahr, obwohl schon Mitte 30, beruflich nochmal etwas ganz Neues anfangen werde.
Ich will dir damit keine Angst machen, dass sich bei dir nun auch alles auf einen Schlag ändert. Aber ganz viel Mut, dass dieser Selbstfindungsprozess dir auch sehr viel Schönes und Neues bescheren kann!
In diesem Sinne
Alles Liebe
sanskrit
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06.12.2010, 12:47
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
Hallo Tom,
Ja - deshalb hab ich jetzt hier auch eine Weile nicht geschrieben, um ein wenig Abstand zu gewinnen. Mittlerweile geht es mir etwas besser, das ist aber wohl eher ein Beiseiteschieben als was anderes
Lieb, dass du an mich gedacht hast
Das hört sich gut an, aber ich glaube, im Moment bin ich dafür zu feige 
Danke auch, dass du so offen über deine Probleme gesprochen hast (Kindheit, Krise...), tut mir leid, dass es dir so schlecht gegangen ist.
Auch das mit deinem Freund ist übel. Bei mir ist es so, dass ich normalerweise nicht über dieses Thema nachdenke, weil es für mich einfach abgeschlossen ist. Ich habe ihm nie was Schlechtes gewünscht, ich wollte einfach nur, dass er aus meinem Leben verschwindet. Aber natürlich hat es mich geprägt, so aufzuwachsen. Wir hatten dann jahrelang keinen Kontakt mehr und es ging mir sehr gut damit. Als er dann starb, dachte ich zuerst, jetzt ist das Thema endgültig abgeschlossen. Das Gegenteil war der Fall - alles kam wieder hoch und damals hatte ich eine Phase, in der ich sehr sehr traurig war, dauernd wegen nichts geheult hab - und diese Phase hat sich dann noch ein paar Mal wiederholt. Da hab ich allerdings nie an Vergänglichkeit und Tod auf mich bezogen gedacht, das ist ganz neu jetzt.
Ich habe damals überlegt, ob ich eine Therapie machen soll - einfach mal mit einem Psychologen über alles sprechen. Hab's dann aber nicht gemacht - als es mir schlecht ging, wollte ich nicht noch mehr darin herumstochern, und als es mir gut ging, wollte ich nicht alles wieder aufwühlen. Vielleicht würde es sich trotzdem lohnen.
Lieben Gruß zurück,
wastun
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06.12.2010, 12:53
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
Hallo Funke,
vielen Dank auch dir für deine Antwort!
Es ist sicher richtig, was du schreibst (Tabea hatte das ja auch schon formuliert), dass die Interaktionen wichtig sind und einen Unterschied machen und dass man in den Erinnerungen anderer weiterlebt. Ich werd mal versuchen, mir das öfter vor Augen zu führen.
Was du über deinen Bruder schreibst - dass er so lebendig war, so voller Wissensdurst - das ist es vielleicht bei mir auch ein wenig. Ich bin auch sehr wissbegierig, verfolge, was in der Welt so passiert, lese viel - und denke dann eben manchmal, dass es doch furchtbar traurig ist, nicht mehr zu erfahren, was dann passiert oder was aus diesem und jenem Thema geworden ist, weil man eben nicht mehr da ist. Andererseits - wenn man nicht mehr ist, merkt man es sowieso nicht mehr...
Das mit dem Testament und den Zetteln ist mir jetzt zu gruselig
da hätte ich das Gefühl, ich beschwöre etwas herauf. Trotzdem danke für die Idee 
Liebe Grüße,
wastun
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06.12.2010, 13:05
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
Hallo sanskrit,
auch dir vielen Dank für deinen Beitrag!
Diese Gespräche-mit-Gott-Bücher hab ich mal bei Amazon angesehen, vielleicht bestelle ich mir wirklich etwas davon. Tröstlich hört es sich auf alle Fälle an
Engel wären mein Fall wohl auch nicht, mit Buddhismus kenn ich mich überhaupt nicht aus - ich hab jetzt mal ein bisschen auf den Seiten der christlichen Kirchen gestöbert, da gibt es leider genug, bei dem ich mich überhaupt nicht auskenne.
Richtig - im Bereich Esoterik gibt es schon manche Sachen, die einfach unseriös sind oder wo man das Gefühl hat, man hat es einfach mit Betrügern zu tun, da muss man halt ein bisschen aufpassen. Wahrscheinlich hab ich deshalb erst mal bei den Kirchen geguckt, ist halt "offizieller"
Aber da gibt es sicher viele Möglichkeiten und wie du schon schreibst, man muss halt sehen, was einen anspricht oder was einem Antworten gibt.
Genau, so meinte ich das auch. Wenn meine Grundannahme (oder -hoffnung) ist, dass es eben etwas gibt, was verstandesmäßig nicht erfasst werden kann, dann muss ich ja ein bisschen von der rationellen Ebene runter. Muss man halt nur aufpassen, dass man keinem Rattenfänger-Autor aufsitzt, aber gut, dafür bin ich, glaub ich, sowieso zu kritisch
Es wird ja auch dauernd irgendwo was Neues entdeckt - wir haben heute einen gewissen Wissenschaftsfundus und fühlen uns unseren Vorfahren überlegen, aber in 200 Jahren wird man wahrscheinlich darüber lachen, wie dumm wir waren. Dass man etwas noch nicht gefunden hat, heißt ja nicht, dass es nicht existiert.
Super! Viel Glück dafür! Ich habe mich auch vor Kurzem selbstständig gemacht und bin heilfroh darüber.
Magst du mir vielleicht noch Beispiele geben (gern auch per PN, wenn du möchtest), was du geändert hast und inwiefern du "sehr viel bewusster auf allen Ebenen" lebst, wie du schreibst? Ich kann mir sowas immer so schlecht vorstellen
Das hoffe ich
ich werd versuchen, es so zu sehen.
Liebe Grüße,
wastun
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07.12.2010, 13:10
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
Liebe wastun,
das Angebot mit der PN nehme ich gern an
, ich wollte nur noch einen Gedanken in die Runde schicken.
Ich weiß nicht mehr, woher ich das Beispiel habe, aber wie wäre es, die gängigen gesellschaftlichen Bewertungen von Tod ("Ein Mensch ist gestorben, oh wie furchtbar") und Geburt ("Ein Mensch wird geboren - wie wunderbar") mal umzudrehen? Nur so als Gedankenexperiment?
Schließlich verläuft nicht jedes Menschenleben glücklich, es besteht die Möglichkeit von Krankheit, Unglück, beruflichem Scheitern, Alter, Einsamkeit, kaputten Beziehungen etc. Gar nicht zu reden von Menschen, die in der 3. Welt leben, wo es an ganz existenziellen Dingen mangelt. Rein rational betrachtet haben also die meisten Erdenbürger ein nicht besonders gutes Los gezogen.
Und demgegenüber der Tod, der in unserer modernen, aufgeklärten, westlichen Welt tabuisiert wird. In anderen, vermeintlich "primitiven" Kulturen ist jeder von Kind an an den Anblick von Toten gewöhnt, weil ganz selbstverständlich im Kreise der Familien gestorben wird. Dort hat der Tod nichts Schreckliches, dafür ist Spiritualität eben auch etwas ganz Natürliches.
Ich denke, dass das Problem bei uns darin besteht, dass der Tod tabuisiert wird - aber früher oder später kommt man nicht umhin, sich damit auseinanderzusetzen.
Ich hatte letztens den Fall, dass im entfernteren Familienkreis die Mutter im Alter von Mitte 80 verstarb. Das Tolle war, dass sie bis zuletzt fit war und sich allein versorgen konnte. Eines Tages war die Tochter zu Besuch. Auf einmal fiel die alte Dame um und war sofort tot.
Ich wollte der Tochter eine Karte schicken und hatte erstmal das Problem, dass fast überall draufsteht "Beileid" oder so ähnlich. Das wollte ich nicht, denn das war doch wirklich ein schöner Tod, oder? Da ich da eben eine andere Sichtweise als die meisten habe, jedoch auf keinen Fall pietätlos wirken wollte, schrieb ich schließlich u.a., dass die Mutter jetzt ganz bestimmt an einem wunderbaren Ort sei.
Die Adressatin sagte mir später, dass sie sich darüber sehr gefreut habe, gerde weil das eben nicht den üblichen Beileidsbezeugungen entsprach.
Es ist natürlich etwas ganz anderes, wenn ein Mensch in jungen Jahren aus dem Leben gerissen wird, keine Frage. Aber diese Geschichte fiel mir eben gerade ein.
Ich hoffe, du konntest mit meinen Ausführungen etwas anfangen.
Liebe Grüße
sanskrit
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08.12.2010, 03:26
AW: Plötzlich Frage nach dem Sinn, Angst vor dem Ende (Vorsicht, lang!)
Hallo Wastun

Ich bin eben zufällig über diesen Strang gestolpert und hängengeblieben, weil er mich berührt hat - möglicherweise auch deshalb, weil wir hier im Forum grad einer lieben Userin beim Sterben gedanklich zur Seite stehen.
So schöne Beiträge her, u.a. von Tom, Tabea, Funke und Sanskrit, danke
Ich hab den Eindruck, du entpuppst dich, entwickelst dich weiter, sortierst dich. Alles normal. Solche Gedanken hatte ich auch (Was bleibt, wer kümmert sich, who cares?) eine Zeitlang.
Du gibst dir selbst zwischendurch schon gute Antworten, was du wahrscheinlich erst etwas später mit etwas Abstand erkennen wirst.
Ich nehm dieses Zitat von dir
mal stellvertretend für deine Gedanken. Wäre es nicht "sinnvoller", jeden Tag so gut es geht zu geniessen, die Umgebung schön zu machen, sich mit Menschen zu umgeben, zu lernen, eben weil alles endlich ist? A la "Carpe Diem"?Beispiel (ist jetzt ziemlich platt, aber mir fällt gerade nichts Besseres ein): wenn ich weiß, ich bleibe nur ein Jahr in dieser Wohnung, dann strenge ich mich vielleicht nicht sehr an, die Wohnung herzurichten. Dann kaufe ich irgendwelche Möbel und spare mir jede überflüssige Dekoration, lohnt sich ja eh nicht. Wenn ich aber weiß, ich bleibe für immer hier wohnen, dann lohnt es sich doch viel mehr, sich anzustrengen und es mir richtig schön zu machen, weil ich immer etwas davon haben werde.
Ich glaube, wer bewusst jeden Tag lebt und abends auch 'abschliessen' kann, wird später mal leichter sterben können.
(Womit ich nicht meine, dass Ersteres leicht ist, aber erlernbar)
Ich hab auch noch einen Buchtip für dich: Tiziano Terzani - das Ende ist mein Anfang.
Liebe Gruesse
frangipani"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.



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