Es war meine Entscheidung. Im vollen Bewusstsein, dass das meine Karriere erst mal platt legt. Das war ein klares Abwägen, welche Folgen meine Entscheidung hat, nämlich die Verantwortung für meine (körperliche+seelische) Gesundheit zu übernehmen. Der Preis ist eben: Karriere auf Eis (vorläufig) und das Wissen, dass so mancher Mitarbeiter diese Entscheidung als Versagen wertet. Auch ich muss damit klar kommen, bestimmte Dinge/ein bestimmtes Maß an Aufgaben nicht mehr bewältigt zu bekommen.
Aber das ist ein etwas anderes Thema.
Das zweifle ich ein wenig an. Wenn man sich auf etwas Neues einlässt, kann man bestimmte Dinge nur begrenzt einschätzen. Wenn ich zum ersten Mal mit einem Partner zusammen ziehe, werde ich erst im konkreten Zusammenleben erfahren, wie es sich anfühlt, was es bedeutet. Selbst dann, wenn man vorher noch so lange zusammen gesessen und überlegt hat, wie man was regelt.
Es gehört ein Stück weit zum Leben dazu, dass eben nicht alles planbar und einschätzbar ist. Das machts einerseits schwierig, weil nicht kalkulierbar. Andererseits ist genau das das Lebendige...
Ja, in gewisser Weise schon. Ich kann aus aktuell eigener Erfahrung sagen: Ich habe von der Wochenarbeitszeit her schon in früheren Jobs mehr gearbeitet. Trotzdem war die jetzige Stelle viel belastender, weil sie nicht meinen Stärken entsprach. Dennoch werde ich zukünftig auch auf das Thema Arbeitsvolumen ein besseres Auge haben, denn auch, wenn Arbeit mir Spaß macht, ist sie auch anstrengend und kann/darf meine Zeit nicht zu weit in Anspruch nehmen, dass nichts mehr übrig bleibt für all das, was mir sonst noch wichtig ist.
Ich glaube, dass einige Manager nicht unbedingt Spaß an ihrem Job haben oder besser entspannen können. Ich glaube, dass der Druck wahnsinnig groß sein kann und dass der Fall umso schmerzhafter ist, je höher man vorher im Sattel gesessen hat. Aber da gebe ich Orlando recht: Ob ich das tun muss - nämlich für eine bestimmte Position andere Dinge weit hintenan zu stellen - das ist eine Frage dessen, was mir wichtig ist. Ist mir das dicke Gehalt, die Position etc. enorm wichtig, werden andere Dinge vernachlässigt werden müssen. Den Preis, den man zu bezahlen bereit ist, sollte man sich vorher überlegen. Wobei ich auch hier denke: Auch das kann sich ändern.
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Thema: Bis zum rasenden Stillstand?
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27.11.2010, 16:46Inaktiver User
AW: Bis zum rasenden Stillstand?
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27.11.2010, 16:49
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27.11.2010, 17:45Inaktiver User
AW: Bis zum rasenden Stillstand?
Danke Zeta
alles bisweilen eigenes Erleben und Erleben im nahen Umfeld.
Doch muss ich Dir in einem Punkt widersprechen: Auch 10 Jahr in einem Stuhl bedeuten nicht, dass dieser im Rahmen einer Betriebsschließung, Outsourcing etc weg fallen kann.
Fazit: Sicher ist nichts, außer vielleicht man ist Beamter oder muss nicht für Geld arbeiten.
Und genau hier liegt doch auch der Punkt.
Könnt ihr euch noch an Wettkämpfe erinnern, da wurde jedem auf dem Siegertreppchen auf die Schulter geklopft? Wir waren wieder 3. bei der Fußball WM und es wurde darüber diskuttiert, ob dies feierwürdig ist.
In mir entsteht der Eindruck, dass diese Einstellung/Verhältnisse auch in andere Bereiche übertragen werden.
Und hier möchte ich mal wirklich weg von den Luxusproblemen sondern wirklich hin zur Basis.
Ja es gibt diese Menschen, die bisher nicht aus ihrem Ort heraus gekommen sind und maximal in die Stadt gezogen sind. Und ja es war bisweilen früher aus hart mit einer bis zu 48 Stunden Woche und dem Geld um die Familie zu ernähren, da die Hausfrauenehe noch gängig war.
Doch es wäre doch wirklich sehr sehr schade, wenn wir unsere Technik, unsere Medizin weiterentwickeln und sich die Belastung auf sozialer Ebene nicht auch weiterentwickeln würde.
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27.11.2010, 22:35
AW: Bis zum rasenden Stillstand?
Also ich wohne in einer der größten Städte Deutschlands. Daran kann meine andere Wahrnehmung also nicht liegen.
Und was vermeintliche Zeitkrankheiten wie Burn out und Depressionen angeht, bin ich überzeugt, dass es so was zu allen Zeiten gegeben hat. Nur hieß das damals halt nicht so und wurde in aller Regel auch nicht behandelt. Umso besser, dass es heute möglich ist, den Betroffenen zu helfen.
Ich kenne kaum einen Menschen, der nicht im Grunde das Leben führt, dass er sich so ausgesucht hat und sei es durch bestimmte Lebensentscheidungen, die in Summe dann einen bestimmten Lebensweg ergeben.
Ich behaupte auch mal, dass viele Menschen Stille und Alleinsein gar nicht gut aushalten und sich deshalb in Hektik und Stress flüchten, unter dem sie dann irgenwann leiden.
Ich kann mich ziemlich gut abgrenzen, auch beruflich. Ich bleib mal länger, wenn es erforderlich ist, aber ich ich sag auch mal, dass ich wegen eines privaten Termins, der nicht verschiebbar ist, nicht länger bleiben kann. Und wenn dieser Termin nur eine Laufrunde ist. Und es wird auch akzeptiert. Wäre das nicht so, würde ich alles dransetzen, die Stelle zu wechseln, weil mir mein Privatleben zu wichtig ist, um es immer für den Job hintenan zu stellen.
Es gibt sicher Stressfaktoren, denen man sich weniger gut entziehen kann. Aber auch die gab es zu allen Zeiten.
Von daher bleibe ich dabei, dass wir unterm Strich in einer guten Zeit leben.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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27.11.2010, 23:16
AW: Bis zum rasenden Stillstand?
Meiner Erfahrung nach füllen Multitasking, Flexibilität und interruptgesteuertes Arbeiten/Leben nicht nur jede freie Minute, sondern sie füllen sie mit unproduktivem Rauschen.
Ich habe noch nie so viel auf Leute gewartet wie ich es tue, seit alle ein Handy haben und glauben, es ist OK, eine Verabredung auf den letzten Drücker abzusagen oder zu verschieben, oder sich generell alle Möglichkeiten offenzuhalten. Das "ich ruf dann an, wenn ich zuhause bin" kostet mich drei Stunden, in denen ich nichts konzentriertes machen kann. Das zusammentelefonieren einer durch die Stadt streunenden Clique dauert den ganzen Abend, aber man ist ja so toll flexibel und trifft sich nicht mehr Schlag neun in der Lieblingskneipe, denn dann könnte man ja was verpassen. Ich habe schon echt keine Lust mehr, mich am Nachmittag mit Leuten zu verabreden, weil dann der ganze Tag hin ist.
In der Arbeit versuche ich seit sechs Monaten, einen Bericht zu schreiben, den ich in zwei Tagen konzentrierter Arbeit schreiben könnte -- wenn ich denn zwei Tage hätte, wo ich mich darauf konzentrieren könnte. Es muß ja alles so schnell gehen, da habe ich nicht mal zwei Stunden. Also bleibt der Bericht liegen, während ich gelangweilt im Internet surfe und darauf warte, daß die lieben Kollegen mit ihrem Kram fertig sind und ich ihn weiterverarbeiten kann. Was jeden Moment der Fall sein kann. Wirklich. Also besser nicht zum Mittagessen gehen. Vielleicht aber auch erst heute abend um acht? Oder morgen. Oder Samstag. Dann muß es aber Montag morgen um 6 fertig sein! Ich bin in Versuchung, über die Weihnachtsfeiertage ins Büro zu gehen, nur um endlich in Ruhe diesen verdammten Bericht zu schreiben.
Wenn ich mal tatsächlich in der zunehmend exotischen Situation bin, meinen Tag planen zu können und eins nach dem anderen zu machen, kriege ich an einem Tag mehr gebacken als sonst in einer Woche.
Diese vermeintlich Beschleunigung ist nur Reibungswärme, oder ein Motor, der im Leerlauf heult. Viel Lärm, aber wenn man auf die Resultate statt auf den Aufwand guckt, sieht man, daß nichts dabei herauskommt, außer daß sich alle wahnsinnig effizient, flexibel und spontan fühlen, oder zumindest glauben, daß sie so aussehen.
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28.11.2010, 00:21
AW: Bis zum rasenden Stillstand?
Was einen also zu demonstrativer Hektik im Job treibt, ist die Angst. Ich nehme an, wenn man ein bißchen bohrt, findet unter der Hektik eine Menge Angst. Ratten, wenn sie eine Katze riechen, werden auch hektisch.
Wenn ich auf dem Kaff wohne, habe ich vielleicht ein Dutzend Männer auf dem Radar, die als Partner infrage kommen. In der Stadt vielleicht ein paar Dutzend. Jeder Umzug oder Wechsel von Jobs oder Hobbies bringt ein Rudel Neue, bei einem bewegten Leben läppert sich das. Und dann kommen die Internetkontaktbörsen...
Die Stadt, in der ich lebe, ist nur mittelgroß, aber in meinem sehr ausgedehnten Freundes- und Bekanntenkreis ist vielleicht einer unter zehn der auch nur "hier aus der Gegend" (=50km Umkreis) kommt, und genau eine, die in dieser Stadt geboren ist. Und von den zugereisten wollte niemand explizit hier hin. Es war nur der Ort mit den Gelegenheiten.
Ja, wenn ich nach Hause aufs Dorf fahre, sehe ich da eine Menge Rentner, die nie ihr Dorf verlassen haben. Von den Leuten, mit denen ich aufgewachsen bin, ist keiner mehr da.
Ich habe den Eindruck, das geht ein bißchen vom Originalthema weg?
Ich sehe die Möglichkeit, sich das selber zu gestalten als Privileg/Luxus. Die meisten Leute müssen sich meiner Erfahrung nach nach der Decke strecken.
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28.11.2010, 00:38
AW: Bis zum rasenden Stillstand?
Liebe Malina,
einen schönen guten Morgen!
Ok.
Depressionen hat es vermutllich schon immer gegeben. Ein mögliche Ursache dieser Krankheit liegt in genetischen Bedingungen, retrospektiv kann man das in der Literatur erkennen. Was zugenommen hat sind Depressionen, die durch Arbeitsüberlastung und Mobilität zumindest begünstigt, wenn nicht ausgelöst werden.
Herzlichen Glückwunsch
, aber das ist deine Umgebung. Es geht nicht alles so, da reicht ein Blick in den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Du kennst kaum einen Menschen der einen unfreiwilligen Bruch hatte? Das wundert mich schon jenseits des Themas. Kein unfreiwilliges Beziehungende, keine Krankheit, nichts, was einen Menschen aus deiner Umgebung aus der Bahn geworden hat? Also, ich mag nicht so richtig glauben, dass man sich den Lebensweg einfach aussuchen und durch Lebensentscheidungen bestimmen kann. Beeinflussen ja, aber wir sind keine Monaden, sondern leben in komplexen Systemen.
Natürlich gab es das zu allen Zeiten, aber wir leben heute, und es ist eine Überlegung wert, warum in manchen wesentlich ärmeren Ländern es weniger Depressionen, oder allgemein, mehr Zufriedenheit gibt. Man stellt dann sehr schnell fest, dass es an der Stabilität von Bindungen, d.h. soziale Integration, Heimat, Familie usw. liegt. Das löst sich in entwickelteren Gesellschaften auf (wobei ich hier keine qualitative Entwicklung meine) und führt zu größerer Unsicherheit.
Ich stimme dir ansonsten zu, dass wir in einer guten Zeit leben; wir leiden keinen Hunger und haben keinen Krieg, derzeit sind Bahnhofsscharmützel anscheinend das größte intranationale Problem.
Gute Nacht
Tom
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28.11.2010, 01:09
AW: Bis zum rasenden Stillstand?
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28.11.2010, 10:12Inaktiver User
AW: Bis zum rasenden Stillstand?
Das habe ich auch festgestellt. Mit "solchen" Leuten treffe ich mich nicht mehr, meine Nerven machen das nicht mit
.
Unglaublich oder? Ich habe neulich einen Tag Urlaub genommen, mich ins Büro geschlichen, um eine solche Situation endlich zu beenden. Endlich ist das Ding raus, hat mich das ganze Jahr verfolgt, war am Ende in 6 Stunden konzentrierter Arbeit Geschichte. Und zu wessen Lasten geht es, dass wir den Bericht endlich vom Tisch haben wollen? Zu unseren eigenen!Geändert von Inaktiver User (28.11.2010 um 10:17 Uhr)
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28.11.2010, 10:22
AW: Bis zum rasenden Stillstand?
Ich auch.
Und natürlich: Massive Veränderungen im beruflichen Leben.
Wenn "slow working" so abläuft, wie es in einigen verschnarchten Amtsstuben (leider immer noch) gang und gäbe ist, dann will ich das nicht.
Es wird mehr Eigenverantwortung im Beruf abgefordert, ob man sich deshalb NUR an die Joberwartungen anpasst, ist Entscheidung der einzelnen Person. Aber das war früher auch schon so.Das Leben ist wie ein Duschvorhang. Kann schimmeln, muss aber nicht.



war das deine entscheidung oder die deinem personalchef? aber: es ist eher eine eigenschaft von männern, bis zum umfallen zu arbeiten, frauen kennen ihre grenzen besser, mal ganz pauschal.
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