Hm so kann man das auch lesen....
Ausserdem ist der Satz "Hört sich so an wie wenn... " kein in den Mund legen sondern ein subjektiv von mir wahrgenommenes Gefühl als ich "Nun denn" gelesen habe.
Na eben nicht, vielleicht unglücklich ausgedrückt von mir.Du hast alles bedacht? Und durchdacht?
Schade
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15.12.2010, 23:20Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Geändert von Inaktiver User (15.12.2010 um 23:57 Uhr)
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16.12.2010, 08:49Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Ja, für mich auch.
Das setzt allerdings eine gewisse "Nicht-Angst" vor Ängsten voraus, eine Akzeptanz, dass Ängste durchaus ihre Berechtigung haben können.
Meine Ängste, egal ob nun genetisch, entwicklungstechnisch oder eingebildet entstanden, verraten mir zudem auch noch eine ganze Menge über mein Persönlichkeitsbild.
Sie sind für mich viel mehr Symptome als Ursachen (für schräges Verhalten z.B.
) und zeigen mir an, wie weit ich "mit mir gehen" kann - wenn ich denn nicht die wirkliche Ursache für ein schräges Verhalten beheben möchte.
(Dass sich Ängste auch verselbstständigen können, möchte ich dabei gar nicht in Zweifel ziehen.
Aber das gehört dann doch eher in die medizinische Fachabteilung).
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16.12.2010, 08:53Inaktiver User
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16.12.2010, 08:53Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Liebe Nachschlag,
ich halte Stecher wahrlich nicht für einen Schleimer.
Was hälst du von Logik?
Wäre ich wirklich soo intelligent und das Leben wäre mir nur auf dem Silbertablett serviert worden hätte ich garantiert nicht diese von mir beschriebene "Fähigkeit" erwähnt.
Man kann und muss an vielen Fähigkeiten auch arbeiten. Ohne ein Dazutun geht nix.
Angst ist nach meiner Erfahrung nicht einfach in Furcht zu übersetzen.
Hast du z.B. schon mal erlebt, dass jemand Angst vor dir hatte?
Du wirst diesen Menschen nicht als einen kleinen armen Wicht wahrnehmen den man einfach in den Arm zu nehmen braucht.
Du wirst ihn meist als einen unaufrichtigen, negativen Menschen wahrnehmen, der dir zig Begründungen liefert warum er eben so sein muss.
Das ist leider so im Klartext.
Das Gegenteil von Angst ist Vertrauen. Das ist der Herzensöffner.
Vertrauen zieht Vertrauen nach sich.
Menschen, die Vertrauen in ihre Fähigkeiten entwickelt haben wirken stark und sind es meist auch.
Meine Ängste haben mich früher nur blockiert, damit habe ich anderen Menschen weh getan.
Die Angst ist in der Regel eine Spirale, man wird zum Pessimisten, der sich damit brüstet nie enttäuscht zu werden.
Na Prima.
Mehr erwartest du nicht vom Leben denke ich mir da?
Ich will mehr.
Und der Lohn ist nicht der Erfolg. Der Lohn besteht in einem zufriedenen Leben. In der Fähigkeit, das Leben geniessen zu können. Sich an einfachen Dingen wie dem Schnee und der Sonne freuen zu können.
Weil man es nämlich nicht als selbstverständlich betrachtet.
Ich würde sogar noch weiter gehen. Für mich ist Dankbarkeit das beste Grundgefühl.
Wenn ich z.B. mal an meine Zeit der Depressionen zurückdenke, dann fällt mir heute auf: wie hochmütig ich im Grunde genommen war, wie anspruchsvoll. Hätte ich eine Spur mehr erkannt was ich auch habe, unverdient, dann wäre es mir automatisch besser gegangen.
Ich würde mich heute wirklich ein wenig als unkaputtbar bezeichnen. Was ich brauche habe ich.
einen schönen Tag noch von
wining-girl
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16.12.2010, 09:05Inaktiver User
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18.12.2010, 11:31
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Das ist jetzt vermutlich ein Missverständnis. Wenn ich Dich richtig verstehe, heißt das ja nichts anderes, dass man sich (z.B.) schlecht fühlt, wenn man sich schlecht fühlt. Da stimme ich voll zu. Das ist so wie mit Zahnschmerzen: Es ist sehr schwer, sich darüber zu täuschen, ob man Zahnschmerzen hat. Man hat sie oder man hat sie nicht.
Klammer auf: Es gibt allerdings tatsächlich interessante aber eben auch seltene Fälle, wo Gefühl/Eindruck und Wahrnehmung des Gefühls/Eindrucks auseinander fallen, z.B. in der sog. Rindenblindheit. Das sind dann so Phänomene, die einem zeigen, wie kompliziert und so völlig anders der Mensch doch teilweise ist, als man immer so glaubt. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir im Verständnis von Menschen und damit von uns selbst stellenweise erst dabei sind zu erkennen, dass sich nicht die Sonne um die Erde dreht, obwohl dies ja so schön offensichtlich ist. Klammer zu.
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18.12.2010, 11:44
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Gut bestätigt sind zum Beispiel die Analysen von Paul Meehl. Er hat herausgefunden, dass Prognosen von Therapeuten über den Therapieerfolg ihrer Patienten, die nach Bauchgefühl gemacht wurden, so häufig falsch waren, dass sie von relativ simplen mathematischen Formeln übertroffen wurden.
- Paul E. Meehl: Clinical versus Statistical Predictions: A Theoretical Analysis and a Review of the Evidence, Minneapolis 1954.
- Howard Grob: Studying the Clinician: Judgment Research and Psychological Assessment, Washington 1998.
Dann hat man zum Beispiel untersucht, inwieweit das Bauchgefühl langgedienter Polizisten bei der Einschätzung trägt, ob die Aussage eines Verdächtigen wahr ist. Ergebnis: Es trägt nicht weiter als das von Collegestudenten, nämlich überhaupt nicht. Die Trefferquote lag bei beiden Gruppen nicht über der Zufallsquote, man hätte also auch eine Münze werfen können. Es gibt weitere Untersuchungen mit etwas anderem Design. Da hat sich zum Beispiel herausgestellt, dass Polizeibeamte stärker von der Schuld eines Verdächtigen überzeugt waren, wenn dieser tatsächlich unschuldig war.
- Saul Kassin et al.: "I'd know a false confession if I saw one" A Comparative Study of College Students and Police Investigators, in: Law and Human Behaviour 29, 2005: 211-227.
- Saul Kassin: On the Psychology of Confessions: Does Innocence Put Innocents at Risk?, in: American Psychologist 60, 2005: 215-228.
Im Spiegel wurde einmal von einer Untersuchung berichtet (die ich leider nicht ausfindig machen kann), nach der Analysten keine besseren Prognosen über die Performace von Unternehmen machen konnten als Leute auf der Strasse. Gerade bei Prognosen ist ja Bauchgefühl gefragt.
Menschen haben eine geradezu unerschöpfliche Neigung zum Selbstbetrug und wenden viel Energie auf, um ein stabiles, positives Selbstbild zu formen. Je stärker wir eine Fähigkeit oder Eigenschaft zum Kern unserer Persönlichkeit rechnen, desto mehr Energie wenden wir zu dieser Formung auf. Kaum einem fällt es schwer von sich zu sagen, nicht besonders gut tanzen oder Finnisch sprechen zu können (es sei denn, man hat in diesen Disziplinen eine Medaille gewonnen). Wenn es um kognitive und emotionale Kompetenzen geht, die grundlegend oder wichtig für unser konkretes Leben (z. B. im Beruf) sind, setzen die selbstwertdienlichen Verzerrungen ein. Gute Beispiele für grundlegende Kompetenzen sind Intelligenz und Bildung oder Intuition und Bauchgefühl. So hält sich zum Beispiel die Mehrheit der Menschen für überdurchschnittlich intelligent oder gebildet, was schon rein logisch nicht sein kann. Da viele Menschen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich nicht so befähigt sind, legen sie in der Regel großen Wert auf eine Intelligenz- oder Bildungsdefinition, die diesen Bereich als unwesentlich einstuft. Und bei Diskussionen über die Prognosefähigkeit des Bauchgefühls kann man stets davon ausgehen, nahe 100% Rückmeldungen der Art zu erhalten, dass das eigene Bauchgefühl praktisch immer zutreffe.
Der wohl beliebteste Trick in der Selbstwerterhaltung ist die Ignoranz konträrer Fälle: Bestätigende Fälle werden registriert, konträre Fälle werden ignoriert oder wegerklärt. Wenn wir zu Beginn einer Beziehung ein „schlechtes Bauchgefühl“ hatten und die Beziehung scheitert, sehen wir dies als Bestätigung dafür, wie gut unser Bauchgefühl trägt. Es scheitern aber die meisten unserer Beziehungen (fast alle Menschen haben schließlich mehr als eine Partnerschaft), und zwar ohne dass wir zu Beginn ein schlechtes Bauchgefühl hatten. Meist werden wir ein gutes Gefühl gehabt haben. Unser Bauchgefühl hat also in der Mehrzahl der Fälle versagt. Die konträren Fälle führen sich aber die meisten nicht vor Augen, um das positive Selbstbild nicht zu gefährden.
Etc. pp., ich lass es damit mal gut sein.
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19.12.2010, 08:37Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Danke, Gary, für die Erläuterungen. Finde ich überdenkenswert.
Das letzte Beispiel ist aber für mich wenig aussagekräftig. So weit würde ich niemals gehen, das Bauchgefühl zu Beginn einer Beziehung als Gradmesser für den "Erfolg" einer Beziehung zu sehen, die vielleicht über mehrere Jahre geht und damit viele Erfahrungen mit sich bringt, die eine Beziehung und einen Menschen sehr verändern können. Das hat mehr mit Kaffeesatzleserei und Kristallkugel zu tun.
Und ja, ich glaube auch, dass jedeR fleißig dabei ist, sein Bild von der Welt zu erschaffen und zu gestalten. Stichwort Konstruktivismus. Schade finde ich, dass Du mit Begriffen wie Selbstbetrug eine negative Note mit rein bringst. Oh ja, sicherlich ist es ab und an mal sehr wichtig, ein "Update" mit der Realität vorzunehmen, aber wenn jeder Mensch ständig Grundannahmen über sich in Frage stellt, wäre das eine reine Selbstblockiererei. Es hat schon seinen Sinn, warum Menschen ein Bild von sich und der Welt erschaffen.
Das, was Du hier einbringst, kann einem vielleicht ab und an helfen, sich selbst mal mit ein wenig Humor zu nehmen.
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19.12.2010, 13:44Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
@GaryDove
Die Problematik bei diesen Studien ist, dass man das Bauchgefühl nie wirklich isoliert betrachten kann.
Auch meine Aufstellung ein paar Posts vorher gibt es ja in Wirklichkeit nicht.
Und die Annahme, dass sich das Bauchgefühl als einmalige Entscheidung ein Leben lang hält ist ja auch vermessen.
Also das was Du z. B. bei Beziehungsdingen geschrieben hast.
Ich habe es noch nicht vernommen, dass Menschen wenn eine Beziehung zerbricht sagt, aber damals vor 10 Jahren da war mein Bauchgefühl so gut.
Ich finde da steckt auch eine Denkweise dahinter, dass wenn man eine Beziehung eingeht, dass sie für immer und ewig zu halten hätte und das ist verkehrt.
Wenn aber am Anfang schon ein schlechtes Bauchgefühl vorhanden war, bereits eine massive Irritation da ist dann trägt das nicht lange und Achtung selbst diese Beziehung war für die jeweiligen Beteiligten wertvoll im Sinne einer Erfahrung.
Wenn man schon in Studien einsteigt und sich damit auf statistisches Parkett begibt dann könnte man vielleicht mit Wahrscheinlichkeiten weiterkommen.
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21.12.2010, 09:50Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Warum sollte es auch?
Das Bauchgefühl ist deine persönliche Wahrnehmung und kann im besten Fall zu einer Einschätzung DEINER-SELBST führen:
Auf was reagiere ich allergisch, misstrauisch, freudig, zustimmend- was kann ich glauben und was nicht ?)
Dass mein Bauch (oder der des Polizisten) auch noch die Empfindungen anderer "wahrheitsgetreu" einschätzen kann, wäre ein ziemlich vermessener Anspruch an denselben.
Zumal "Die Wahrheit" sowieso ein durch und durch rationaler Begriff ist.



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