Na ja ich wollte ja auch kein Buch schreibengut mitlerweile bin ich nah dran
Das ist meine Erfahrung bei mir und bei anderen und es gibt auch Zwischenstufen und Sprünge.
Was genau kannst denn nicht nachvollziehen?
Wenn jemand - meist als Kind - sehr verletzt wurde, missbraucht und misshandelt der wird wahrscheinlich ohne Hilfe nicht rauskommen. Bei anderen reicht ein guter Freund oder Freundin um einen Spiegel zu bekommen und sich neu zu orientieren. Eigentlich leert einen die Situation alles aber selber ist man ja blind für sich und dann brauchts meist immer ein Aussen.und was du über den prozess schreibst: schaffen die leute das (allein)? denn wenn sie den schönen (?) glaubenssatz haben, ihrem bauchgefühl nicht trauen zu dürfen, dann steht der ihnen ja auch dann im weg, wenn sie - schlimmstenfalls - depressiv werden... wie ist denn da deine theorie, wachen die schlicht nicht auf? ich denke da auch an so verschrobene schwiegermütter, die sehr stark dieses "dies und das tut manch doch (so) nicht" internalisiert haben...
Ich würds mal so sagen, man bekommt im Leben Aufgaben, packt man die nicht an dann verschwinden sie nicht sondern sie wiederholen sich und es wird immer heftiger.
Schau mal hier ins Forum, die meisten Frauen und auch Männer erwischt eine grosse Krise so um die 40 +-5 Jahre, warum ist das so?
In diesem Alter hat man in der Regel einiges hinter sich, Heirat, Kinder sind gross, Haus gebaut, Karriere steht oder auch nicht und dann fällt man in ein Loch. Man hat gerödelt um da hinzukommen und dann kommt die Rückschau - wo stehe ich wo will ich hin und meist äusserst sich das in einer Sinnkrise.
Wenn man gut im Verdrängen ist dann geht man darüber hinweg und aus meiner Erfahrung heraus rächt sich das gewaltig. "Deine" Schwiegermütter fallen in das Raster ich hinterfrag mich und meine Einstellung nie entweder aus einer Egozentrik raus oder weils Angst macht wenn man das sichere Terrain verlässt und andere Gedanken zulässt.
Irgendwann wird man wieder auf sich zurückgeschmissen und die nächste Krise kommt und da man die vorherige verdrängt hat kommt es dopppelt heftig.
Bei manchen sieht man das im Alter, sie werden böse oder hart zu sich oder zu anderen, sind mit nichts mehr zufrieden usw.
Viele haben z. B. Angst wenn der Mann in Rente geht. Die Sprüche der Frauen sind immer wieder bemerkenswert, die da fallen.
Ob jemand aufwacht, wie Du es bezeichnest hängt auch sehr stark davon ab wie er selber erzogen wurde. Wir können uns auch über Gefühle usw. Gedanken machen unsere Eltern oder Grosseltern waren noch im Aufbau beschäftigt, da waren andere Prioritäten ausschlaggebend.
Kennst die Riemannsche Bedürfnispyramide? Ist zwar auch umstritten aber als Modell ganz tauglich. Ganz oben an der Spitze steht die Selbstverwirklichung und ich behaupte mal dass es bei uns noch nie so gute Bedingungen dafür gab.
An der Basis dieser Pyramide stehen die niederen Bedürfnisse wobei nieder hier nicht als minderwertig zu verstehen ist sondern als überlebensnotwendig. Erst wenn diese niederen Bedürfnisse erfüllt sind dann kann man sich um die nächste Stufe kümmern, demzufolge steht ganz unten Essen, Trinken, Dach überm Kopf, Sexualität.
Ums mal mit einem Bild zu sagen:
Einer der in der Wüste gerade am Verdursten ist wird nicht als nächsten Gedanken das Briforum und eine Diskussion über das Bauchgefühl im Sinn haben.
Ich weiss dass ich das vereinfacht jetzt darstelle aber ich beobachte es halt und weiss auch was passiert wenn noch jemand mit 60 70 80 anfängt aufzuräumen. Da tut sich eine Weite auf und es wird leicht.
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04.12.2010, 00:07Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Geändert von Inaktiver User (04.12.2010 um 00:21 Uhr)
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04.12.2010, 07:29
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Stecher,
für diesen letzten Satz könnte ich Dich ´grad umarmen!
Überhaupt finde ich toll, was Du hier geschrieben hast, und ich habe es aufmerksam mitgelesen.
Wenn man nach der Bedürfnisspyramide googelt, kommt man auf interessante Links. Besonders angetan hat mir da der Redebeitrag von Prof. Tschöpe-Scheffler, einer Erziehungswissenschaftlerin, wer da mal nachlesen möchte.
Ich habe mich einmal sehr in meinem Bauchgefühl getäuscht, gerade da, wo ich meine Strategie glaubte, endlich geändert zu haben und dachte, jetzt hörst Du mal auf Dein Bauchgefühl. Gerade damit dann zu scheitern hat mich sehr verletzt, in meinen Grundmauern erschüttert, die ich da aufs Spiel gesetzt sah.
Im Nachhinein muss ich sagen, dass das Bauchgefühl, dem ich damals gefolgt bin, ein Wunsch war, Hoffnung und Sehnsucht. Auf der Bedürfnisspyramide die Stufen an der Basis.
Der Kopf hatte mich aber massiv gewarnt, der schaute auf die höheren Bedürfnissstufen und sah, dass es da überhaupt nicht passte.
Ich erinnere mich, wie schrecklich sich Kopf und Bauch miteinander stritten. Zuletzt bin ich dem vermeintlichen Bauchgefühl gefolgt, aber der Kopf hat Recht behalten.
Jetzt frage ich mich, ob das "Bauchgefühl" wirklich mein Bauchgefühl war. Die Instanz, die die negativen Hintergründe wahrnahm und - so muss ich heute leider sagen - glasklar erkannte, das war wirklich der Kopf, der Verstand.
Beim Bauchgefühl spielen wohl auch Wünsche und Hoffnungen schnell mit, die die unverstellte Wahrnehmung von dem, was wirklich ist, völlig überlagern können. Anders kann ich mir meinen Irrtum nicht erklären.
Die einzige Erklärung für mich ist, dass das Bauchgefühl wohl zwischen Kopf und Herz angesiedelt ist, und im Einklang mit Beiden sein sollte. Beide können das Bauchgefühl massiv überlagern: entweder durch pessimistische Warnungen des Kopfes oder durch utopische Heilssehnsüchte des Herzens.
Die Kunst besteht wohl darin, und jetzt komme ich zu Deinem letzten Satz: Klarheit im Innern zu schaffen, auseinander zu klamüsern, was Herz, was Kopf ist, und wovon das jeweils beeinflusst und eingeschränkt wird durch Wünsche und Hoffnungen einerseits, durch pessimistische Erfahrungen andererseits. Es kommt wohl nicht nur auf die unverstellte Wahrnehmung des echten Bauchgefühls an, sondern vor allem auch auf seine Interpretation und Wertung. Es ist so beeinflussbar schon in Nuancen und absolut individuell. Und hat meiner Meinung nach viel mehr mit einem Selbst zu tun, als mit der Realität. Das war hier ja auch die Ausgangsfrage.
Jetzt hoffe ich nur, dass ich nicht so lange warten muss bis ich mit 80 endlich innerlich frei bin und mich auf mein Bauchgefühl wirklich verlassen kann. Naja, zu spät ist es nie, solange man lebt.Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
"Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama
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04.12.2010, 08:14Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Stecher, tolle Beiträge!

Bisamratte: Ich glaube auch, dass Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, wohl mit professioneller Hilfe einfacher weiterkommen. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass echte Freunde (die, die sich trauen, einem sehr ehrliche Rückmeldungen zu geben) ebenfalls sehr hilfreich sind. So habe ich zum Beispiel einige deutlich ältere Freundinnen, die schon ab und an mal in eine Art Ersatzmutter-Rolle geschlüpft sind und mir auf diese Art und Weise sehr liebevoll weitergeholfen haben.
Und da, wo man schon ein gewisses Maß "freigelegt" hat an Mechanismen, da kommt auch der Verstand ins Spiel: "Oh, da kriecht das altbekannte Gefühl von... (Schuld, Hilflosigkeit, Angst...) in mir hoch - ich weiß, das hat mit meinen Erfahrungen XY zu tun...eigentlich möchte ich dieses/jenes tun...aber ich weiß, dass das nicht hilfreich ist...ich handle anders."
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09.12.2010, 17:52
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
ich nehme jetzt einmal nur bezug auf den eingangspost- auch wenn ich jetzt das letzte thema unterbreche (sorry)
eine freundin wollte eine andere in florida besuchen und fragte mich (ich wohne in texas), ob ich sie dort fuer ein wochenende besuchen kommen wuerde.
zeitlich liess es sich fuer mich nicht einrichten und ich spendierte ihr ein ticket hier her und zurueck nach florida, weil die freundin nicht viel geld hat (alleinerziehend). das ticket war lediglich ein 99$ schnaeppchen.
einen tag nachdem die freundin in florida angekommen ist, rief sie mich an und erzaehlte mir, dass sie ihr reisegeld vergessen haette und fragte mich, ob ich ihr 600$ leihen koennte. auf meine frage, warum sie nicht einfach ihre kontokarte benutzt hier, meinte sie, dass es die bank nichts anginge, dass sie urlaub in amerika mache..
alle meine alarmglocken schrillten und ich habe eine stunde lang hineingehorcht.
dann bin ich zum entschluss gekommen, dass ich ihr das nicht glaube. und dass ich ihr das geld nicht leihen moechte. (ich habe grundsaetzlich kein prob damit, mal mit geld auszuhelfen, da hoert auch nicht die freundschaft unbedingt fuer mich auf)
aber ich habe ein problem damit, mit jemandem befreundet zu sein und widerstaende zu spueren und ihm nicht glauben oder vertrauen zu koennen.
darauf hin habe ich sie angerufen und ihr das auch so gesagt und da kam nichts von ihr. ich habe ihr dann nahegelegt, mich nicht zu besuchen und dass ich die freundschaft am ende ihres weges ansehe.
was ich damit sagen moechte ist, dass ich auf mein bauchgefuehl gehoert habe und zu mir selbst gehalten habe, auch mit dem risiko, dass ich falsch liege. mir ging es allein um mein gefuehl und nicht um das kopfkino, nicht darum, dass "man" das nicht tut oder jemandem unrecht tun koennte.
es ging allein nur um mich.
uebrigens, mein gefuehl hat sich als richtig herausgestellt. die freundin in florida hatte eine schreckliche und teure zeit mit ihr...
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11.12.2010, 08:28Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Ich kann das gut nachvollziehen, norddeutschland.
Aber es gab in Deinem Beispiel ja auch rational "auswertbare" Hinweise für die Richtigkeit Deines Bauchgefühls: Die Verhältnismäßigkeit von "600 Dollar leihen" zu "die Bank soll nichts von meinem Amerika-Urlaub wissen" zum Beispiel. Das wäre schon quer gegen alle Wertemaßstäbe.
Was anderes wäre es ja gewesen, wenn sie beispielsweise ihr Portemonnaie vergessen hätte und keine Möglichkeit gehabt hätte, eigenes Geld zu bekommen. Da würde mich mal das Bauchgefühl interessieren...
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11.12.2010, 23:50
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
ja, ich weiss, was du meinst. aber da waere es wohl auch aehnlich gewesen, denn ich hatte ja hin und her ueberlegt und da stimmte was fuer mich nicht, auch ohne diese "beweise" haette ich mitlerweile so gehandelt.
mir ging es allein darum, dass mein gefuehl mich gewarnt hat und ich diesen schritt gemacht habe, darauf zu hoeren mit dem risiko, dass ich mich irre.
denn: mein bauchgefuehl truegt mich einfach nicht und dann ist es fuer mich auch etwas grosses gewesen, ihr zu kuendigen.
ich bin damit aufgewachsen, "das tut man nicht" oder diesem ganzen mist, und ich fand mich gut dabei.
wenn ich ein gutes gefuehl habe, dann handel ich auch.
ich moechte mich einfach nicht mehr mit menschen umgeben, wenn ich dabei einen widerstand habe. ich moechte es einfach nicht mehr.
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13.12.2010, 14:04Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Stecher,
Bauchgefühl - Menschenkenntnis ist auch Veranlagung.
Meiner Meinung nach wird man nie die völlige Sicherheit erlangen.
Es gibt die Menschen mit dem bestimmten Riecher, aber, frag sie, sie haben alle ihr Lehrgeld bezahlt.
Für meinen Geschmack gehört in erster Linie auch Mut dazu. Ab und an mal wieder ein Risiko eingehen.
Man muss ja diese Dinge auch trainieren.
Ich habe mich in jungen Jahren oft verschätzt, war aber nie komplett blöde. Da wurde mein Schutzengel immer tätig.
Eine meiner größten Fehlentscheidungen war mal ein Stellenwechsel. Und zwar von einem sehr interessanten, mittelmässig bezahlten Job zu einem sog. Prestigejob. Ich langweilte mich zu Tode und hab noch in der Probezeit gekündigt. Das halten mir viele Leute heute noch vor.
Last but not least würde ich ein Buch empfehlen: und zwar die Wolfsfrau
Da werden Instinktverletzungen behandelt. Eines meiner Lieblingsgeschichten ist das von den Roten Schuhen, gefolgt vom Hässlichen Entlein.
Ich kenne kein weiseres Buch. Man muss aber auch bereit dazu sein, sprich den nötigen Leidensdruck haben.
Kein Mensch kommt mit der perfekten Erziehung oder Elternhaus auf die Welt. Und mir scheint, diejenigen die sich durchwurschteln mussten haben manchmal die regeren Instinkte. Weil sie auf der Hut sein mussten u.a. .
Ganz allgemein gesagt haben wir alle Prüfungen zu bestehen. Selbst in Partnerschaften. Das ist in dem Buch auch sehr schön beschrieben. Nach den "bestandenen" Prüfungen können sich Herzen erst vereinen.
Ich glaube daran. Viele trauen sich heute nicht mehr diesen vermeintlich mühsamen Weg zu gehen ..
Eine schöne Woche noch von
wining-girl
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13.12.2010, 14:26Inaktiver User
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13.12.2010, 14:50
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Vieles, was in Liebesdingen als Bauchgefühl bezeichnet wird, ist nichts weiter als bloßes Wunschdenken. Es zeigt sich darin, dass man sich schwer tut, Dinge wahrzunehmen, die nicht in das gewünschte Bild passen.
Wahre Intuition nimmt auch Dinge wahr, die einem nicht gefallen, um einen davor zu warnen. Von dieser Informationsquelle aus dem Unterbewussten halte ich viel, von Wunschdenken halte ich weniger. Man hat nichts davon, wenn man sich die Dinge immer wieder schön redet.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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13.12.2010, 14:52Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Das Buch finde ich auch toll.
Schöner Beitrag, winning-girl! Was ich daran besonders bemerkenswert finde: Es wird ja oft gerade diejenigen, die "auf der Hut sein mussten", abgesprochen, ein gutes Bauchgefühl zu haben, weil sie aufgrund negativer Erfahrungen falsch "geprägt" wurden. Ganz platt gesagt. Dass Du jetzt darauf verweist, dass sie aufmerksamer, wacher sind, finde ich sehr schön. Wie so oft gibt es natürlich "solche und solche", aber das mal so zu betrachten, finde ich sehr interessant.



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