Hallo Karla,
der Artikel wird ab Seite 8 so richtig interessant für das Thema hier. Es scheint ja so zu sein, dass diese vielen Nerven im Verdauungssysthem eine eigene Art Gehirn darstellen, die nicht nur die körperlichen Vorgänge reguliert, sondern auch auf Emotionen reagiert. Und da es auch ohne Verbindung zum Kopfhirn so funktioniert, ist es eher unbewußt tätig.
Das unbewußte Gefühl also, das sich ohne Interpretationen unseres Bewußtseins abspielt. So ist es auch besonders authentisch, also ehrlich. Weil es ganz einfach Lust-und Unlustgefühle sortiert, daraus Erfahrungen macht, die bei neuen Situationen sofort angesprochen werden.
Insofern ist wohl unser Bauchgefühl schonungslos ehrlich, auf das wir uns verlassen können. Es ist die emotionale Wahrheit in uns.
Um aber zur Ausgangsfrage zurückzukehren, wieviel "Wahrheitsgehalt" im Bauchgefühl steckt, unterstreicht dieser wissenschaftlich geprägte Artikel ja meine Vermutung, dass es zu 100% unsere eigene Wahrheit ist, die alle feinen Signale von Aussen dazu verarbeitet und emotional für uns bewertet. Also ob uns jemand eher gefällt oder nicht, gut tut oder nicht, anzieht oder nicht.
Das scheint mir aber völlig unabhängig von der "Wahrheit" der Anderen zu sein. Es ist aber eher wahrscheinlich, dass die guten Gefühle, die in unserem Bauch ankommen, auch der andere Bauch wahrnimmt und positiv darauf reagiert. Das nimmt wieder unser Bauch wahr, und so kommt es wahrscheinlich zu dem Effekt dieses faszinierenden Nähegefühls gegenseitiger Anziehung, eines sich gegenseitig verstärkenden Bauchgefühls.
Gerade zwischen den Geschlechtern spielt da das Hormonsysthem eine vorrangige Rolle. Denn wenn ich auch über den Kopf mich noch so angezogen fühlen kann von einem Gegenüber, wenn es dann aber beim Treffen nicht "funkt", weil es hormonell nicht passt, man sich im wahrsten Sinne "nicht riechen" kann, dann nützt das ganz "Kopfgefühl" gar nichts. Dann wird mir das Bauchgefühl auch genau das signalisieren: mit "Bauchschmerzen".
Das macht es einerseits sehr schwierig, andererseits ist aber das Bauchgefühl schon das, worauf wir uns verlassen können, weil es sehr genau spürt, was für uns richtig und was falsch ist.
Viele Grüße von E.
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Ergebnis 21 bis 30 von 80
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25.11.2010, 07:20
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
"Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama
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25.11.2010, 12:50
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
So geht´s mir auch. Wobei ich von mir eher sagen würde: Ich habe mir von einigen Schreiberinnen hier ein ziemlich genaues Bild gemacht und würde einige meiner Favorites sehr gern kennen lernen, um dieses Bild zu überprüfen - aber nicht nur dazu.
Ansonsten denke ich, dass man ein Bauchgefühl bei Kontakten im real life immer hat. Selbst wenn es sich um ganz oberflächliche Kontakte handelt. Tatsächlich kann man meines Erachtens gar nicht anders. Andererseits vergisst man diese Eindrücke sofort wieder bzw. lässt sie gar nicht erst hochsteigen, weil man diese Infos nicht braucht.
Und dann noch: Das Bauchgefühl wird sehr oft von anderen Stimmen wie Wünschen oder negativen Vorerfahrungen mitsamt den Vorurteilen, die daraufhin entstehen, überlagert.
MassashiGeändert von Massashi (25.11.2010 um 13:16 Uhr)
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30.11.2010, 19:11Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Klar, ich würde das Sympathie nennen.
Dieses Bauchgefühl entscheidet über Einstellen oder nicht.
Nun gut, um gefördert zu werden bedarf es dann noch einer Portion Sympathie plus.
Man liest und schreibt immer eher Negatives.
Dass Menschen aber in erster Linie Menschen um sich haben wollen die ihnen gefallen, die sie inspirieren geht so oft unter - ist aber das Normalste von der Welt.
Ein klein bisschen erotisch ist das - aber trotzdem anders. Ich habe oft mit männlichen Kollegen insbesondere Chefs die Spielchen mitgespielt, völlig unemanzipiert.
Wichtig ist eben, dass man weiß was da gespielt wird, sich im Griff hat und gegebenfalls Schranken setzen kann.
Man verbringt ja auf der Arbeit so viel Zeit miteinander, da sollte die Chemie stimmen.
Ganz besonders wichtig ist mir mein Bauchgefühl immer wenn ich auf Wohnungssuche bin. Es muss klick machen - und ich warte immer so lange bis das kommt. Man hat mich oft um meine Traumwohnungen beneidet. Komischerweise geht die Suche immer bis zur Talsohle, ich fast denke, nee, ich bleib hier in der Wohnung - und dann...
Ich glaube, der größte Feind eines gesunden Bauchgefühls ist Hektik und Not. Davon muss man sich befreien.
Die Leute, die immer von ihrem ach so tollen Bauchgefühl schwärmen sind mir suspekt, weil sie mir einfach nicht risikofreudig erscheinen.
Nur wer auch gescheitert ist entwickelt den richtigen Riecher.
Was ist so schlimm daran, sich getäuscht zu haben? Nur daran lernt man.
wining-girl
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30.11.2010, 21:57
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
hallo ihr lieben,
sorry, wenn ich was überlesen habe, aber was mir in den kopf gekommen ist bei dem thema: was ist denn mit leuten, deren bauchgefühl "defekt" ist? habt ihr da ideen?
hintergrund: eine ehemalige studienfreundin von mir hat super oft auf "die falschen" gesetzt - die falschen freundinnen, die falschen männer, die falschen studiengänge...
ich war mir lange nicht sicher, ob sie einfach vor allem das tut, von dem sie glaubt, dass die welt es von ihr erwartet. aber: wann immer es um menschenkenntnis oder ähnliches ging, hat sie von sich gesagt, sie habe selten eine einschätzung von menschen und ginge an fast alles rational heran (und so verhielt sie sich tatsächlich).
und ich frage mich: hatte sie keinen zugang zu ihrem "bauchhirn"? oder hatte sie schlicht keines?
denn: gar keine einschätzung haben ist ja nochmal was anderes, als eine völlig andere einschätzung haben. (wobei auch das etwas ist, was mich immer wieder sehr wundert, wenn meine einschätzung von einer person, einer sache oder einer situation komplett gegenteilig ist zu der einschätzung durch andere. )
fragt
die ratte
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01.12.2010, 10:37
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Hallo Ratte,
fragt sich was du mit defekt meinst. Ohne Bauchgefühl geht es nicht, denn das Gehirn ist gar nicht in der Lage, komplexe Entscheidungen mit mehreren Variablen ausreichend zu begründen. Bei vielen Entscheidungen größerer Bedeutung sagt man ja: Eine Nacht drüber schlafen.
Ich frage mich eher, warum sie keinen Zugang zu ihrem Bauchgefühl hat oder ihm misstraut. Ich kenne dieses rationalisierte Denken, aber das führt nicht weit. Wenn das ihr Lebensgefühl stark trübt sollte sie mal draufschauen lassen wo das herkommt.
Tom
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01.12.2010, 21:09Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Meist wurde das Bauchgefühl verletzt und unterdrückt und das wird dann im Erwachsenenalter fortgeführt.
Wenn sie an alles rational ranngeht, dann vermute ich, dass sie sich nicht erlaubt Gefühle zuzulassen und diesen zu vertrauen.
Das Bauchgefühl ist meist vorhanden sendet einen winzigen Impuls und dann kommt sofort der Kritiker im Hirn genannt Ratio und legt vehement Veto ein.
Das passiert so schnell, dass man diesen Impuls gar nicht mehr wahrnimmt mit der Zeit.
Kann man wieder trainieren
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02.12.2010, 19:20Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Und wie? Meistens steckt ja ein Riesenberg an Glaubenssätzen, negativen Erfahrungen und Gefühlen dahinter, kein Zugang zum Bauchgefühl zu haben. Bei Bisamrattes Geschichte musste ich spontan denken, dass diese Freundin alte Muster wiederholt und (vermeintliche) Erwartungen erfüllt. Ist nicht ganz einfach, diesen Berg abzuarbeiten...
Oder?
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03.12.2010, 20:19Inaktiver User
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
Meine Erfahrung ist, dass je nach Verletzung und Typus das das einige Jahre dauert und manche müssen sich damit ein Leben lang damit rumschlagen. Nein einfach ist das nicht, gar nicht.
Aber ich glaube mit jedem Schritt den man sich Stück für Stück von sich selbst zurückholt hat man auch wieder den Mut noch einen Schritt zu gehen und den Müllberg abzutragen.
Du fragst wie man das machen könnte.
Nun bei so Änderungsprozessen gibt es verschiedene Stufen, die man meist durchlaufen muss:
1. Stufe - Das Erwachen
Irgendwas passt nicht in meinem Leben und daran angeknüpft die Frage Warum? und Was?
2. Stufe - Der Aufbruch
Die Bereitschaft da hinschauen zu wollen auch wenn man nicht weiss um was es geht aber irgendwas ist da und das akzeptiere ich mal, nicht so wie ich es meist gelernt bekommen habe: Spinn Dich auch, Hab Dich nicht so etc.
3. Stufe - Die Rückschau
Suchen nach den Situationen, die mir Unbehagen bereiten und dieses Gefühl "Da stimmt was nicht" hervorrgerufen haben.
Dann da schon immer wieder bewusster durch den Tag gehen und mal gucken ob nicht doch kurz vorher ein sogenanntes Bauchgefühl aufgeblitzt ist (meist passiert das nämlich aber unser Zensurmeister wischt das sofort wieder weg)
4. Stufe - Mittendrin
Hier kann es dann passieren, dass man das ungute Gefühl oder was auch immer, kann auch ein Hinweis sein etc. in der Situation schon spürt und nicht wie in Stufe 3 erst hinterher.
Vergleichbar mit der Börse. In Stufe 3 sagt man, hätte ich vor 20 Jahren 1 Euro in die Aktie Rumpelbrumft inverstiert dann wäre ich jetzt Millionär
In Stufe 4 sieht man den Dax und sagt, hm ich ahne wo es hingeht ich setz mal auf gut Glück und beobachte während der Kurs sich bewegt
5. Stufe - Prävention
Hier ist man schon so weit, dass man bevor die Situationen eintreten schon das Gefühl spürt egal ob positiv oder negativ. Die Positiven nimmt man gerne mit sollten aber genauso beachten werden weil man auch über diese Erfahrungen dann dazulernt.
Aber in dieser Stufe schlittert man immer noch in die Situation hinein aber man hat nicht mehr so das Gefühl, dass man getrieben wird sondern man kann schon aktiv beeinflussen. Man ist nicht mehr ohnmächtig und hilflos.
Kann man vergleichen mit Insiderinformationen. Man weiss schon etwas und setzt schon vorher aber den Ausgang weiss man immer noch nicht wie sich der Kurs wirklich entwickelt.
6. Stufe - Das Schutzschild (der Amazone
)
In dieser Stufe ist man dann da angelangt wo man eigentlich hinmöchte.
Man kann schon vorher die Situation einschätzen und weiss genau was einem gut tut und was nicht. Das Bauchgefühl wurde durch die vorherigen Erfahrungen, sowohl positiv als auch negativ neu ausgerichtet und man hat zu sich selbst wieder Vertrauen gefunden.
Man geht entweder bewusst gar nicht mehr in die Situation rein oder man kan sogar in die Situation gehen ohne, dass sie einem schadet oder auch anderen. Man kann jederzeit wieder aussteigen und einsteigen. Man hat die Wahl und fühlt sich geschützt dabei.
Vergleichbar mit jemanden der abgesichert ist, der auch bereit ist ein Risiko einzugehen, der weiss auch wenn er verliert dann bleibt er stehen, der aus diesen Erfahrungen nicht niedergeschmettert rausgeht sondern erhobenen Hauptes und der mit sich im reinen ist.
Bei all diesen Prozessen gehören einige Dinge dazu, die meiner Meinung nach wesentlich sind:
Bauchgefühl
Hirn (Verstand, auch Verständnis sich selbst gegenüber und anderen)
Mut (sich selbst und anderen zu begegnen und hinzuschauen)
Herz
Und das Herz braucht eine Unterstützung und das ist der Humor.
So lang geworden aber ich glaube manche Dinge benötigen den Raum um sich ausdrücken zu können.
Vergessen:
Und manchmal brauchts auch einen heiligen Zorn in dessem Feuer man alte Sachen verbrennt, die einem aufgedrückt wurden, quasi die Müllverbrennungsanlage
Und auch die Trauer darf man zulassen, sie ist die Kläranlage der Seele
Geändert von Inaktiver User (03.12.2010 um 20:24 Uhr) Grund: Vergessen
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03.12.2010, 20:55
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
@stecher: in die richtung gehen meine vermutungen auch. für mich ist es nur so komplett nicht nachvollziehbar- nicht in diesem extrem.
und was du über den prozess schreibst: schaffen die leute das (allein)? denn wenn sie den schönen (?) glaubenssatz haben, ihrem bauchgefühl nicht trauen zu dürfen, dann steht der ihnen ja auch dann im weg, wenn sie - schlimmstenfalls - depressiv werden... wie ist denn da deine theorie, wachen die schlicht nicht auf? ich denke da auch an so verschrobene schwiegermütter, die sehr stark dieses "dies und das tut manch doch (so) nicht" internalisiert haben...
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03.12.2010, 21:11
AW: Wie viel "Wahrheit" steckt im Bauchgefühl?
@ Stecher

Ganz toll geschrieben - wirklich ich habe mich wiedergefunden meine letzte Beziehung war Stufe 5... und ich will zu Stufe 6. kommen!!!
Dank Dir für die wirklich tolle Ausführung!!!!!Von nem schönen Teller wird man auch nicht satter!!!!
Liebe ist nix für Feiglinge!!!



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