Ja, so etwas hat mein Therapeut auch gesagt. Über die Schuldfrage bin ich hinweg. Ich weiß, dass ich jetzt erwachsen und somit selbst für mich verantwortlich bin und nur mich selbst ändern kann.
Ärgerlich ist es, wenn mein Kopf ganz eigene Wege geht. Wenn irgendwelche angelernten Verhaltens- oder Gedankenmuster einfach angehen, wie ein Computerprogramm, und ich hab überhaupt keine Gewalt darüber. Das sind die Momente, in denen ich am liebsten einfach weg wäre. Wie kämpft man gegen sein eigenes Gehirn?
Ich hab mich niemals auf einer Therapie ausgeruht. Ich beschäftige mich jeden Tag mit meinem Verhalten, durchforste das Internet und hab schon zig Bücher gelesen (auch die Kunst des Liebens ;)), das von Marc Aurel allerdings noch nicht.
Ich bilde mir mittlerweile sogar ein, spüren zu können, wenn sich in meinem Gehirn etwas ändert... vielleicht sind es auch nur Kopfschmerzen.
Als Folge hab ich Schuldgefühle, weil ich immer nur über mich selbst nachdenke.
Ist heutzutage überhaupt noch jemand "psychisch gesund"?
Dir auch alles Gute![]()
Antworten
Ergebnis 31 bis 33 von 33
Thema: Dr.Jekyll und Mr.Hyde
-
26.11.2010, 14:04
AW: Dr.Jekyll und Mr.Hyde
-
05.12.2010, 14:36
AW: Dr.Jekyll und Mr.Hyde
Das ist sicher eine Frage der Definition. Im physischen Bereich habe ich mal den Spruch gehört: "Gesund ist nur der, der nicht ausreichend untersucht wurde." Aber ich bin da eher ein Anhänger von: "Psychisch gesund ist, wer mit seinen Macken gut leben kann"
Den Mangel an Kontrolle über die eigenen Gedanken und insbesondere Gefühle würde ich mal nicht zu hoch hängen. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Kontrolle alle nicht haben, nur stört es mal mehr, mal weniger. Allenfalls können wir lernen durch gezielte Selbstbeobachtung gegenzusteuern, aber auch der Wille zum Gegensteuern kommt ja nicht aus dem nichts. Und durch das immer wieder Gegensteuern (Üben) ändert sich dann laaaangsam auch das Gedankenmuster.
Das ist wie wenn man ein Klavierstück falsch gelernt hat, jahrelang und immer wieder falsch gespielt, ohne es zu wissen. Den Fehler kann man in den Noten schnell und einfach finden und einsehen. Aber die Finger zu trainieren, dass sie sich anders bewegen ist ein hartes Stück Arbeit. Besonders schwer wird es wenn man es als schlimm empfindet, wenn man doch nochmal falsch spielen sollte. Dann traut man sich vielleicht gar nicht mehr ans Klavier und beschränkt sich auf das Notenstudium, bis man sicher ist, dass der Fehler nie wieder passieren wird, nur so weit wird es nie kommen, ohne das man am Klavier übt.
Ich habe jetzt absichtlich ein so harmloses Beispiel gewählt, um zu zeigen, dass das Problem der "falsch" gelernten Verhaltensmuster, die man nur schwer wieder los wird, etwas ganz normales ist. Nur im einen Fall ist es gesellschaftlich als normal anerkannt und im anderen eben nicht. Das hängt sicher auch mit den unterschiedlichen Auswirkungen zusammen, aber ich denke das Hauptmotiv für die nicht Anerkennung als "normales Problem" ist die Angst davor, dass man dann ja auch selbst betroffen sein könnte und somit sein Verhalten nicht im Griff hätte.
Ich hatte auch etwas Hemmungen den Begriff "falsch" zu verwenden, aber in dem Beispiel passt er einfach besser als der Begriff "unzweckmäßig", den ich im Hinblick auf Verhaltensmuster bevorzugen würde.
Irgendwie beschleicht mich der Verdacht, dass Du Dich in den Noten vergräbst und Dich nicht ans Klavier traust.
Kann es sein, dass der Kontakt zu Deinem OdB im anderen Kontinent langsam einschläft, weil Du Dich von Dir aus kaum noch meldest (könnte ja stören)? Auf seine Kontaktinitiativen nur noch sporadisch eingehst, mal nicht ans Telefon gehst wenn er anruft, nicht jede mail beantwortest und dann vielleicht nur eine kurze Antwort? (passt grad nicht/erst mal muss ich es gelernt haben, bevor ich mich ihm stelle). Wenn dem so wäre, wärst du wunderbar rationalisiert in Deinem bisherigen Muster unterwegs.
Um die Übung am lebenden Objekt wirst Du nicht drumrum kommen, wenn Du wirklich was ändern willst. Mir ist klar, dass das nicht einfach ist. Gegen das eigene Verhaltensmuster angehen, ist etwas gegen das eigene Gefühl tun. Der innere Schweinehund verschwindet aber erst, wenn Du ihn immer wieder besiegt hast und das heißt Kampf gegen die eigenen Ängste.
Schuldgefühle musst Du deshalb nicht haben, aber ich vermute hier auch eines der Hauptprobleme. Viele unzweckmäßige Verhaltensweisen rühren in Deinem Fall sicher auch daher, dass Du Dir zu wenig Gedanken darüber machst, wie Dein Verhalten auf den anderen wirkt. Wenn das Verhalten von Bezugspersonen (im Elternhaus) als zufällig empfunden wird und nicht als Reaktion auf das eigene Verhalten, dann hat es ja auch wenig Sinn sich darüber Gedanken zu machen. Und in einer Angstsituation ist es ohnehin naheliegend, dass man zuerst an sich denkt. Daher könnte es helfen, wenn Du Dich regelmäßig fragst, wie Dein Verhalten auf andere wirkt, bzw. wie es auf Dich wirken würde, wenn andere sich Dir gegenüber so verhalten würden.
Ich wünsch Dir viel Ausdauer und Erfolge beim Üben.
-
06.12.2010, 01:15Inaktiver User
AW: Dr.Jekyll und Mr.Hyde
Nein

...das merkt man spätestens, wenn man hier länger liest. Das tolle daran ist, dass man sich und seine eigene Beklopptheit irgendwann relativiert und sich einfach irgendwann fühlt wie in einem kunterbunten & netten Irrenhaus.
Was ich mich frage, geht es dir denn schlecht? Und wenn ja, was beeinträchtigt dich am meisten, also was bremst dich?



Zitieren
