Liebe Izziebizzie,

woher die Verlustängste kommen? Ich habe da eine Deutung für mich. Meine Mutter, die unter einer ähnlichen Situation litt, wie Deine, HAT mich verlassen. Nicht körperlich, räumlich. Aber indem sie mir und meinem Verhalten die Verantwortung für ihr Wohlbefinden aufgedrückt hat, hat sie ihre Mutterrolle verlassen. Sie hat die Rollenverteilung völlig umgekehrt. Und mit blankem Hass reagiert, wenn mein Verhalten von ihrer Erwartung abwich und so an ihren eigenen Ängsten rührte. Das ist ein super Nährboden für Versagens- und Verlustängste.

Du kannst es nicht mehr rückgängig machen, das ist richtig. Aber Du kannst Dir heute einen Überblick verschaffen, was da wie bei Dir wirkt, und eine Entscheidung treffen, es nicht mehr wirken zu lassen. Ich hatte auch therapeutische Hilfe, das hat mir sehr gut getan.

Weißt Du, ich bin jetzt fast 30 und ich gehe kaum mit Männern aus. Ich habe Angst und ziehe mich sofort zurück, wenn einer ein bisschen straight auf mich zugeht. Ich kenne keine harmlosen Knutschereien, kein sinnloses, aber spaßiges Geplänkel, keine Leichtigkeit, nichts. Ich hab es satt. Und bin wütend. Darum kümmere ich mich jetzt. Und meine Eltern sollen sehen, wie sie alleine klarkommen. Die sind ja alt genug, um mal auf eigenen Beinen zu stehen, nä?

Auch Dir alles Gute, stelle Dich mal in den Mittelpunkt, das bist Du absolut wert und die meisten Menschen werfen Dir dafür NICHT vor, egoistisch zu sein, und sie stoßen Dich dafür auch nicht von sich. Hab ich gelernt.

LG,
Babette