Hoppla! Da bin ich jetzt sowas von drüber gestolpert!
Man setzt ja gerne loben mit lieben gleich.
ABER: Loben ist die Schwester von Tadeln. In beiden Fällen wirst du nämlich für dein Verhalten oder für deine Taten bewertet. Liebe ist aber das Gegenteil: Du wirst geliebt, ohne dass du etwas dafür tun musst.
Deshalb würde ich hier nochmal genauer nachforschen.
Wie war es denn als Kind, wenn du Fehler gemacht hast? Oder nichts Besonderes gemacht hast? Kannst du dich an Situationen erinnnern, in denen du dich geliebt fühltest, ohne dieses Gefühl mit Lob in Verbindung zu bringen?
Wie kam deine Introvertiertheit bei deinen Eltern an? Wurde sie akzeptiert? Wurdest du besonders gelobt, wenn du extrovertiert warst?
Introvertierte Kinder haben es oft dann schwer, wenn der Rest der Familie und die Eltern extrovertiert ist - besorgte Eltern können sich nicht vorstellen, dass auch Introvertierheit glücklich machen kann und versuchen oft das Kind zu einem extrovertierten Menschen zu erziehen (natürlich mit besten Absichten, die aber leider oft kontraproduktiv sind).
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Ergebnis 11 bis 20 von 22
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02.11.2010, 11:40Inaktiver User
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
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02.11.2010, 11:52
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
Das Leben ist wie ein Duschvorhang. Kann schimmeln, muss aber nicht.
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02.11.2010, 11:56Inaktiver User
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
Nur kurz, später mehr:
Das ich das Thema intellektuell zu lösen versuche, trifft wohl den Nagel auf den Kopf. Mh, Emotionen sind mir oft suspekt, OBWOHL ich äusserlich als emotional-temperamentvoll gelte. Aha, schon wieder "äusserlich"!!!
Loben und Tadeln- das muss ich mir genauer überlegen. Das habe ich tatsächlich noch nie so angesehen.
Auch der Ansatz mit der Erwachsenen-Fassade ist sehr hilfreich!
Altes Verhalten- das ist ja auch ein "Kopf-Verhalten". Also ich habe irgendwann entschieden, dass ich schlagfertig und extrovertiert sein muss, also habe ich es mir antrainiert.
Es KANN wirklich auch sein, dass mein Problem ganz einfach beim zu vielen Denken liegt (ein Ex-Freund hat mal gemeint ich solle doch einfach mal die Fünfe grade sein lassen.... an diesem Satz habe ich tagelang herum überlegt...weil die Fünfe ist ja nun mal nicht gerade... dass das genau der Punkt ist, wollte ich schlicht nicht einsehen, da nicht logisch.)
Es ist schon etwas beruhigend zu lesen, dass anderen solche Gedankengänge und Erlebnisse durchaus nicht völlig fremd sind.
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02.11.2010, 12:06
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
Ich finde das schon mal ziemlich bemerkenswert, dass du über dich selbst reflektierst und dir dein Problem klarmachst. Das ist ja schon mal ein toller mutiger Schritt.
Was mir allerdings auffällt, das ist, dass du relativ wenig über die Gefühle anderer Menschen nachdenkst, insbesondere bei deinem Mann. Andere Menschen scheinen nur insofern "wichtig" für dich, wenn sie dir Bestätigung geben.
Klingt jetzt hart, aber das lese ich aus deinem Anfangspost sehr deutlich heraus...

Suche nach Anerkennung in Verbindung mit wenig empathischem Verhalten ist ein Zeichen für einen sehr selbstbewussten Persönlichkeitsstil, der ganz leicht in narzisstisches Verhalten abgleiten kann.
Vielleicht ist das in deinem Umfeld (hm, was machst du denn genau: Sängerin, Schauspielerin, Komödiantin?) auch bei vielen Menschen der Fall, denn auf der Bühne zu stehen, erfordert einen gewissen Wunsch nach Selbstdarstellung und Extrovertiertheit. Das Rampenlicht muss man ja auch aushalten können - viele können oder wollen das nicht, weil ihnen genau diese selbstbewusste (manchmal auch narzisstische) Extrovertiertheit fehlt.
Jedenfalls glaube ich, dass du an einem Punkt angelangt bist, wo du merkst, dass die Bestätigung über Aussehen und schlagfertiges, intellligentes Verhalten, über eine Show, hohl bleibt, wenn dahinter nicht ein echtes empathisches Gefühl auf beiden Seiten steckt.
Bisher kamst du damit ganz gut klar, aber zunehmend wird dich das nicht befriedigen, weil es niemanden befriedigt.
Keiner möchte auf Dauer das Gefühl haben, andere manipulieren zu können, und jeder möchte ein ehrliches und menschliches Gefühl von Anerkennung und Mitgefühl.
Speziell dein Aussehen ist ja auch nicht unantastbar. Offenbar ist beruflich Jugendlichkeit oder bestenfalls jugendliche Extravaganz gefragt, und du merkst dort sonnenklar, dass du älter wirst. Daher auch dein Versuch, von jüngeren Kollegen Anerkennung zu bekommen und mit jüngeren Kolleginnen, von denen die Rede ist, mitzuhalten.
Diese berufliche Situation ist schon schwer genug. Da kannst du vermutlich auch nur bestehen, wenn du im Privatleben einen authentischen Gegenpunkt schaffst, dich dort auf menschlicher Ebene anerkannt zu fühlen und dort auch selbst ehrliche Anerkennung und Empathie zu geben.
Naja, bis auf dies kann ich dir nur raten, dich damit wirklich auseinanderzusetzen, sonst wirst du eventuell unter dem beruflichen Druck deine Mitte verlieren.
Wichtig finde ich es auch, ein Gespür für andere Menschen (nicht nur als dein Publikum) zu entwickeln. Was widerstrebt dir daran, auch mal nur Zuhörer und selbst Publikum zu sein?
Geändert von Elwyn (02.11.2010 um 12:13 Uhr)
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02.11.2010, 12:17
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
Das glaube ich nun gerade nicht.
Dein altes Verhaltensmuster ist eine sehr früh trainierte Reaktion auf deine Umgebung, das hast du nicht als Erwachsene entwickelt.
Aber du hättest es gerne so, nicht?
Dann hätte es den Anschein, du hättest als Erwachsene die Kontrolle darüber. Überhaupt: Intellektuell ein Gefühlsdilemma lösen zu wollen, ist auch so ein Kontrollversuch... wie erfolgreich dies ist, erkennst du selbst am besten.Das Leben ist wie ein Duschvorhang. Kann schimmeln, muss aber nicht.
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02.11.2010, 12:17
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
Hallo Malaia,
kann es sein, dass dir dein jetziges Leben quasi zu anstrengend ist?
Was du schreibst, habe ich ganz ähnlich auch schon erlebt. Als Kind total introvertiert, dann mit Anfang 20 wurde ich sehr extrovertiert. Durch eine "Übung" hatte ich damals gemerkt, dass es ein tolles Gefühl sein kann, auf den Tisch zu hauen. Ich habe das daher immer öfter gemacht, wurde immer "mächtiger". Hinzu kam, dass mir ungelogen fast jeden Tag Jemand gesagt hat, wie wunderschön ich doch sei. Mir hat die Welt gehört - habe ich gedacht.
Irgendwann vollzog ich diese Wandlung quasi wieder rückwärts. Ich habe gemerkt, dass es zwar gut ist, seine Meinung und überhaupt etwas sagen zu können. Aber ich sehe mich nicht mehr als Vorsprecher in allen Bereichen an, wozu ich irgendwann gemacht wurde. Mein Freund hat mich zudem dazu gebracht, mehr "bieten" zu müssen als Schönheit, die reicht ihm nicht. Und nachdem ich, bevor wir zusammen kamen, sehr viel mit anderen Männern unterwegs war, die mir ständig erzählten, wie süß und hübsch ich sei, merkte ich, dass ich mich darauf auch ganz schön ausgeruht habe. Jetzt im Nachhinein fühle ich mich sozusagen als ein schönes Blödchen. Das stimmt so zwar nicht, aber ich denke, dass es eigentlich sehr armselig (von mir und den anderen war) mich vor allem hübsch zu finden. Nicht intelligent, nicht interessant usw.
Wer nicht hübsch ist, muss mehr ackern, grob gesprochen.
Und das ist meine Frage an dich: Findest du es auch einfacher, optisch zu gefallen als "inhaltlich"?
Wärst du gerne wieder ruhiger, introviertierter, weil es manchmal schlicht angenehmer und weniger "arbeitsintensiv" ist?
Ich hoffe, ich konnte vermitteln, was ich meine :-)
Gruß
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02.11.2010, 12:49
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
Der Ansatz stimmt zwar, aber ab einem gewissen Alter geht es doch sowieso nicht mehr, sich nur über das Aussehen zu definieren.
Extreme Introvertiertheit ist für mich die Gegenseite zu extremer Extrovertiertheit und beides nicht erstrebenswert. Ich finde es - so habe ich es von eher introvertierten Freundinnen gehört - auch nicht weniger anstrengend.Wärst du gerne wieder ruhiger, introviertierter, weil es manchmal schlicht angenehmer und weniger "arbeitsintensiv" ist?
Für mich impliziert "weniger arbeitsintensiv" übrigens eine Art mangelndes Eingehen auf Gefühle und Bedürfnisse anderer.
Geändert von Elwyn (02.11.2010 um 12:53 Uhr)
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02.11.2010, 13:16Inaktiver User
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
Ja mir geht ein Licht auf und dir vielleicht auch eines wenn du das Buch von Dan Kiley "Die Angst der Frauen, sie selbst zu sein" ließt.
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02.11.2010, 20:14
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
An dem Satz mit dem Loben deiner Eltern bin ich auch hängen geblieben.
Neben dem oben erwähnten, wichtigen Punkt, dass loben nicht gleich lieben ist (sorry ich habe vergessen wer es war
) kommt meiner Meinung nach noch Folgendes hinzu:
Zuviel Lob ist genau so fatal, wie zu wenig. Kinder die immer und ständig für alles und jedes gelobt werden (auch für einen lauwarmen Furz
) werden zu Erwachsenen, für die es "selbstverständlich" scheint, dass alles was sie tun einem genialen Wurf nahe kommt. Und überschätzen sich damit selbst.
Begegnen sie dann Menschen, die ganz normal mit ihnen umgehen - sprich sie nicht ständig loben, da sie eben auch ganz normale Menschen und nicht Dauergenies oder Modelschönheiten für jeden Geschmack sind - kommen sie damit gar nicht klar. Ein Umstand, den viele Eltern, die in den edelsten Absichten viel zu häufig jeden Pups der lieben Kleinen loben, nicht bedenken. Oder auch oft nicht wissen.
Du bist - wie wir alle - ein liebenswerter Mensch. Ganz unabhängig von Leistung und Erfolg. Du bist sogar liebenswert (im wahrsten Sinne des Wortes der Liebe wert), wenn du versagst. Oder mittelprächtig bist.
Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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02.11.2010, 22:49Inaktiver User
AW: Thema Aussehen und Anerkennung: ich drehe mich im Kreis!
Nochmals vielen Dank für die Antworten.
Eine Userin hat etwas festgestellt, worin ich mich sofort wieder erkannt habe , und zwar das kein wahres Interesse an anderen Menschen vorhanden ist bzw. die anderen nur das Publikum sind. Ich denke, dass ist wohl einer der Kernpunkte (und geht in Richtung einiger Bemerkungen, die ich auch schon selber gemacht habe). Das ist für mich nun etwas Konkretes, an dem ich arbeiten kann.
In anderen Dingen erkenne ich mich eher gar nicht. Der Gedanke, dass lieben und loben aufgrund von Dingen aus der Kindheit miteinander verknüpft sind... der Gedanke ist sehr spannend, aber ich habe es mir nochmals überlegt und habe def. nicht das damit gemeint. Ich wurde wirklich geliebt, auch ohne Leistung. Und auch nicht "über-gelobt" wegen jedem Pieps. Da erkenne ich meine Kindheit und auch das Verhältnis zu meinen Eltern gar nicht, und kann diesen Gedankengang für mich ausschliessen.
@Zitronenmond: Das hast du falsch verstanden (oder ich habe es falsch ausgedrückt). Dieses alte extrovertierte Verhalten habe ich mir als junge Erwachsene antrainiert. Bis ca. 18-19 war ich sehr ruhig und eher "kühl" (kann mich da eine Szene erinnern, wo meine Mutter einem Herrn im Gespräch erzählt hat, dass ich die Carmen einstudieren würde... und dieser nur trocken meinte, dass ich für die Rolle aber gar eine Eisprinzessin sei). Lebhaft und gesprächig waren immer meine Freundinnen. Ich habe auch nie eine schlagfertige Antwort gegeben. Dieses "extrovertierte" Verhalten habe ich mir tatsächlich erst dann antrainiert. Nur habe ich das in den langen Jahren so verinnerlicht, dass ich die Stille von früher nicht mehr finde... obwohl ich mich wohl mit einer Mischung von beiden am Wohlsten fühlen würde.
Ich glaube tatsächlich nicht, dass man sich etwas antrainieren kann, wenn es gar nichts mit einem zu tun hat... und so wird auch diese Seite ein Teil von mir sein... aber eben nicht nur...
Ich möchte das Problem auch nicht überbewerten, es ist nicht so, dass ich dauernd daran denke und mich immer unwohl fühle. Es sind diese bestimmten Momente sowie die Auftritte, die mich nachdenklich stimmen.
Narzisstische Neigungen... könnte in den Grundlagen da sein. Ich würde aber behaupten, dass eben jeder Künstler irgendwo ein Narziss ist. Ganz ohne würde man sich diesem Thema Bühne-Publikum wohl gar nicht aussetzten.
Die Gedanken und Anregungen haben mir aber wirklich eine Richtung gegeben in der ich nachdenken kann. Ich brauche jetzt ein Momentchen um dies zu verdauen und zu schauen wo mich dies hinbringt. Also nicht böse sein, wenn ich mich nicht gleich wieder melde!



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