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  1. Inaktiver User

    Lebensprägung: Vernunft

    Ich weiß, es klingt immer seltsam, wenn jemand von sich behauptet, er sei vernunftsorientiert.

    Bei mir ist es wohl so, dass mir das von Kindheit an auf trainiert wurde, ich kannte es nicht anders. Die Geschwister waren kleiner - man musste doch vernünftig sein, sich etwas gefallen lassen, als Ältere ist man klüger und gibt nach. Auch Erwachsenen gegenüber verhält man sich anständig, meckert nicht, ist aufmerksam und steckt eben auch zurück. Die Berufswahl erfolgte nach Vernunftsgründen.

    Das sind nur wenige Eckpunkte (alles zähle ich hier nicht auf, das wäre zu viel Stoff und käme einer Lebensbeichte gleich).

    Der Punkt ist: Mit zunehmendem Alter merke ich, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich wirklich will, was ich gerne mag und tun möchte. Alles regelt sich nur noch nach dem Motto: Was ist vernünftig? Ich kann mich nicht streiten im Privatleben (beruflich bin ich so dominant, dass ich kaum einer zutraut, sich mit mir anzulegen). Oder alleine schon Zeuge eines Streits zu sein, das wirft mich aus der Bahn. Auch wenn ich mir das nicht anmerken lasse, so habe ich noch Tage danach dran zu knabbern.

    Mir wurde geraten: Tu doch mal was Verrücktes - und ich wüßte gar nicht was? Ich weiß nur eines, nämlich dass ich in mir drin sehr aggressiv und unzufrieden bin. Unterdrücke ich das, bekomme ich fast so etwas wie einen Nervenzusammenbruch, den aber niemand mit bekommt, das kann ich schon regeln - vernünftig eben.

    Manchmal denke ich: Das Leben - besteht es nur aus: Du musst und sei vernünftig? Etwas in mir sträubt sich ganz extrem dagegen.
    Der einzige Mensch, der mich nicht in diese Schine pressen wollte, ist so krank geworden, dass ich keinen Kontakt mehr habe.

    Es entwickelt sich zu einem Teufelskreis, den ich durchbrechen möchte, aber den Anfang nicht finde. Alles, was ich anfange, macht mir keine Freude.

    Nun schreibe ich hier, nicht, weil ich das Allheilmittel finden will, aber ein paar Anregungen, die könnten nicht schaden.

    Billy

  2. User Info Menu

    AW: Lebensprägung: Vernunft

    Ich find es eigentlich völlig okay so vernünftig zu sein. Sehe allerdings keinen Widerspruch darin vernünftig zu sein und gleichzeitig Spaß im Leben zu haben. Spaß haben ist doch auch vernünftig.

    Ein wenig merkwürdig finde ich, wenn erwachsene Personen sich noch über ihre Kindheit und Eltern beklagen. Den Einfluss meiner Eltern habe ich mit ca. 15 abgestreift. Ich weiß nicht, warum man sich als Erwachsener noch darüber aufregen sollte?

    Z.B. habe/hatte ich als Hobby unter anderem: Motorrad fahren, Tauchen, Drachen fliegen. Ich finde das sind alles wahnsinnig vernünftige Hobbys. Man lernt dabei so viel, z.B. Verantwortung.

    Wer/was definiert in deinen Augen was vernünftig ist? Machst du das nicht selbst?

  3. Inaktiver User

    AW: Lebensprägung: Vernunft

    Wer definiert, was vernünftig ist - das ist eine sehr gute Frage:

    Nein, ich beschwere mich nicht, denn ich liebe meine Eltern. Sie wollten mir Gutes tun, irgendwann hatte ich verlernt zu steuern, was ich selbst will. Mit 15 saß ich auf dem Land fest, Geld? Teure Hobbies? Das ging nicht, konnten wir uns auch nicht leisten.

    Solche Hobbies wie Du - da käme ich nicht drauf, viiiieeel zu gefährlich

    Ich habe erst jetzt gemerkt, warum ich in manchen Lebenssituationen irgendwie anders reagiere als andere. Meine Gefühle, die habe ich in mich hinein gefressen und so nach außen gehandelt, wie ich den Eindruck hatte - ja, das wird erwartet. Sachlich, ruhig, diplomatisch.

    Spaß haben ist vernünftig. Das hört sich prima an, aber ich kenne im Grunde Spaß haben nicht wirklich. Wie fühlt sich das an?

    Billy

  4. gesperrt

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    AW: Lebensprägung: Vernunft

    Hallo,

    meine Ansicht zum Thema "Vernunft" ist eigentlich, dass man Gefühle in eine langfristig tragfähige Bahn lenkt (was also auch soziale und berufliche Notwendigkeiten mit beinhaltet).

    Aber bei dir scheint da etwas zu brodeln.

    Mach doch mal ein Selbstverteidigungstraining. Dabei werden Aggressionen ausgelebt, die man sich sonst nicht erlaubt.


  5. Moderation

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    AW: Lebensprägung: Vernunft

    Ich denke, Vernunft ist ein Weg, kein Ziel. Wenn ich z.B. ein Jahr durch Südamerika tingeln will, mit 55 aufhören zu arbeiten um mich der Kunst zu widmen, nach Australien auswandern, Physik studieren oder lernen, Cello zu spielen, sind das Ziele: Dinge, die ich tun will.

    Vernünftig, im Unterschied dazu, ist, was du *bist*, und meiner Erfahrung nach ist das Sein viel schwerer zu beeinflussen als das Handeln. Ein Ziel, allerdings, trägt zu dem bei, was du *bist*. Aber der Weg dahin ist Handeln, und das kann verünftig oder unvernünftig sein.

    Ich kann zusehen, daß ich mich nicht verzettele, keine unnötigen Aufwände treibe, keine nötigen unterlasse, mich nicht bei dem Versuch, mein Ziel zu erreichen, mental, gesundheitlich oder finanziell ruiniere. Oder ich kann "verrückt sein", mich mitten reinwerfen, und meiner Fähigkeit, mit Problemen fertigzuwerden, vertrauen -- auch das ist manchmal "vernünftig", im Sinne von erfolgversprechend. Oder ich kann unvernünftig einen Weg einschlagen, der gar nicht zu meinem Ziel führt.

    Billy, dein Posting klingt, als fehlte es dir nicht an Unvernunft, sondern an Zielen. Was willst du?

    Es ist ja möglich, daß du das willst, was du bekommst, nämlich konfliktfrei, mit respektablem Erfolg und einem gewissen Maß an Sicherheit zu leben. Das ist auch ein Ziel, und kein schlechtes. Aber im Moment scheinst du damit nicht glücklich zu sein. Du klingst, als hättest du Angst davor, daß dir etwas passiert. Schränkt diese Angst dich ein? Hast du Verantwortlichkeiten am Bein, die nicht ohne dich auskommen? Ist deine Wahrnehmung dieser Verantwortlichkeiten sachlich korrekt?

    Was würdest du tun wollen, wenn du alles tun könntest? Wenn du vor nichts Angst hättest? Was würdest du am liebsten nie wieder tun? Diese Überlegungen sind mal ein Anfang.

    Wenn du findest, daß es bei aller Mühe nichts gibt, was du willst, würde ich in Erwägung ziehen, mal mit einem Seelenklempner zu reden. Das ist nämlich kein gutes Zeichen. Selbstverteidigung, andererseits, ist vielleicht keine gute Idee wenn man nervlich nicht ganz beisammen ist.

  6. Inaktiver User

    AW: Lebensprägung: Vernunft

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich weiß nur eines, nämlich dass ich in mir drin sehr aggressiv und unzufrieden bin. Unterdrücke ich das, bekomme ich fast so etwas wie einen Nervenzusammenbruch, den aber niemand mit bekommt, das kann ich schon regeln - vernünftig eben.
    Hallo Billy,

    als ich dein Post gelesen habe ist mir ein Freund eingefallen.
    Er und ich zusammen unterwegs war immer den Kommentar wert: Ah die zwei Extreme, Frau Emotional und Herr Rational.

    Ich fand das immer lustig, da ich ihn sehr gut kenne und ich halte ihn für die emotionalste Person auf Erden. Bei ihm hätte ich richtiggehende Angst wenn der mal in die Luft geht, da man seinen Kampf im Inneren spüren kann.

    Wie sieht es aus bei dir mit Kontrolle? Hast du Angst davor die Kontrolle zu verlieren, z.B. in der Achterbahn oder einfach mal im Spiel dich mit geschlossenen Augen von jemand anderem führen lassen oder dich einfach irgendwo hineinfallen lassen?

    Bist du sicher, dass andere es nicht merken?

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    AW: Lebensprägung: Vernunft

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wie fühlt sich das an?
    Es fühlt sich gut an. Z.B. als Belohnung für harte, gute Arbeit ist Spaß ein Mittel um neue Kraft und Motivation zu sammeln. Spaß entspannt und entkrampft und macht dich damit stark. Während und nachdem du Spaß hattest bist du weder agressiv noch unzufrieden. Spaß ist ein Schutzschild gegen solche unnötigen Empfindungen.

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    AW: Lebensprägung: Vernunft

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Du klingst, als hättest du Angst davor, daß dir etwas passiert. Schränkt diese Angst dich ein? Hast du Verantwortlichkeiten am Bein, die nicht ohne dich auskommen? Ist deine Wahrnehmung dieser Verantwortlichkeiten sachlich korrekt?

    Was würdest du tun wollen, wenn du alles tun könntest? Wenn du vor nichts Angst hättest? Was würdest du am liebsten nie wieder tun? Diese Überlegungen sind mal ein Anfang.
    Um an Wildwusels Worte anzuschließen, ich glaube auch nicht, dass du vernünftig bist, sondern ängstlich.

    Sich in einem starren Korsett zu bewegen, niemals den vorgeschriebenen Weg zu verlassen, ist weder vernünftig noch souverän, es zeigt von Angst sich auf Pfade zu begeben, die man nicht planen kann.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

  9. Inaktiver User

    AW: Lebensprägung: Vernunft

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    (...)
    Der Punkt ist: Mit zunehmendem Alter merke ich, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich wirklich will, was ich gerne mag und tun möchte.
    Du weiß nicht, was du wirklich möchtest, weil du deine Gefühle unterdrückst. Sich seiner Gefühle bewusst sein, d.h., sich selbst durch sie zu spüren, ist aber immens wichtig, weil das dir die Möglichkeit gibt, dich selbst zu erkennen und in Folge auch die anderen zu erkennen.
    Durch die Unterdrückung der Gefühle wirfst du einen wichtigen Kompass, der dir Orientierung gibt, in die Tonne.

    Das ist übrigens auch der Grund, weshalb du keinen Spaß empfinden kannst. Freude, Glück und Spaß kann man nur empfinden, wenn man auch die anderen, "negativen" Gefühle, die man unterdrückt, weil sie als nicht wünschenswert erlebt werden ("ein kleines Mädchen darf nicht wütend sein, schreien, etc. das ist ja unvernünftig!!!" ), zulässt.

    Sie sind da, aber du lässt nichts raus. Wahrscheinlich weißt du noch nicht einmal, welche Gefühle es genau sind, die sich da in dir tummeln.



    Ich kann mich nicht streiten im Privatleben (beruflich bin ich so dominant, dass ich kaum einer zutraut, sich mit mir anzulegen). Oder alleine schon Zeuge eines Streits zu sein, das wirft mich aus der Bahn. Auch wenn ich mir das nicht anmerken lasse, so habe ich noch Tage danach dran zu knabbern.
    Ja, du kannst damit nicht umgehen, weil ein Streit etwas höchst emotionales ist. Da leben andere vor deinen Augen genau das aus, was du schon seit deiner Kindheit unterdrückst. Unterdrücken MUSSTEST! Da verlieren andere vor deinen Augen die Kontrolle über ihre "Vernunft", wo du doch DEINE Vernunft so sehr brauchst, um Herr über DEINE Gefühle zu bleiben.
    Und dass DEINE Gefühle irgendwann auch einmal die Oberhand nehmen könnten, ausbrechen können, macht dir unheimlich Angst. Eben deshalb, weil du wahrscheinlich noch nie erleben durftest, wie es sich anfühlt, Gefühle zuzulassen.

    Dir fehlt die Erfahrung des positiven Umgangs mit deinen Gefühlen!



    Mir wurde geraten: Tu doch mal was Verrücktes
    Das ist ein gut gemeinter Ratschlag, der in die richtige Richtung weist, aber leider fehl am Platz ist.

    Meiner Meinung wäre es wichtig, dass du in einem geschützten Rahmen (Verhaltenstherapie???) nach und nach zu deinen Gefühlen finden könntest. Auch über eine bessere Körperwahrnehmung findet man zu seinen Gefühlen.

    Innerhalb dieses Rahmens könntest du auch tatsächlich mit Kampfsport, z.B. mit Boxen (Frauenboxen) beginnen, um deine Aggression, die sich nun bei dir aufgestaut hat, auch gegen dich selbst, nach und nach raus zu lassen. Es ist sehr befreiend, auf diese Weise Dampf abzulassen. Hab es selbst erlebt! Und du glaubst gar nicht, wie sehr sich danach der Kopf und Herz klären! Die Gefühle ordnen sich, die Sicht auf das, was man möchte und wo man steht wird sehr klar.

    Dass du nun an einem Punkt angekommen bist, wo du etwas ändern möchtest, weil es einfach nicht mehr aushaltbar ist, so wie es die ganze Zeit war, ist m. E. ein gutes Zeichen!

    Wünsche Dir alles Gute!
    Geändert von Inaktiver User (27.10.2010 um 11:06 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Lebensprägung: Vernunft

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das ist ein gut gemeinter Ratschlag, der in die richtige Richtung weist, aber leider fehl am Platz ist.

    Meiner Meinung wäre es wichtig, dass du in einem geschützten Rahmen (Verhaltenstherapie???) nach und nach zu deinen Gefühlen finden könntest. Auch über eine bessere Körperwahrnehmung findet man zu seinen Gefühlen.
    Warum nicht sowohl-als auch?
    Therapie kann ich nur sehr empfehlen. Ich bin auch jemand, der trotz großen Selbstbewußtseins stark von seinen Eltern beeinflusst wurde (sowohl positiv als auch negativ). Ich lerne auch gerade, was ich selbst eigentlich will und wie ich eigentlich bin, es ist toll!

    Aber trotzdem kannst du bereits im Kleinen anfangen, zum Spaß und zum Test etwas für dich "Untypisches" zu tun. Einfach, damit du mal einen Schritt zur Seite machst und etwas anderes erlebst.
    Magst du Eis? Setz dich mitten im Winter draußen vor ein Café und iss einen großen Becher. Abends. Vor dem Abendbrot. Einfach, weil´s so gut schmeckt. ("Wie unvernünftig! Wer macht denn sowas?!")
    Probiere im Kaufhaus Kleidung an, die du bisher nie angefasst hättest. Du musst sie ja nicht kaufen, nur zum Spaß! Die schönen teuren Lederstiefel, hmmm... ("tststs, so eine Zeitverschwendung...")
    Gibt es bei euch die Möglichkeit, im Sportverein verschiedene Sportarten auszuprobieren? Teste dich durch, versuche zu erfühlen, was dir Freude macht!

    Und vor allem: Sei gut zu dir. Behandle deinen Körper wohlwollend (Massagen, Bäder, Kosmetikerin, Wohlfühl-Kleidung...), dann fühlst du dich schon einmal wohler und stärker. Wenn du einen neuen Impuls in Richtung Essen, Tagesablauf usw. spürst: Geh ihm nach! Auch wenn es ungewohnt ist. Nur so lernst du dich besser kennen. Gefällt dir nicht, was du tust, kannst du es sofort wieder lassen.

    Nur Mut, das wird schon!

    PS: Kann mal bitte einer dieses blöde Ü-Ei da oben entfernen?!?

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